Denkmalschutz als Herausforderung und Aufgabe – Baudezernat stellt Projekte vor


Archivmeldung aus dem Jahr 2020
Veröffentlicht: 16.01.2020 // Quelle: Stadtverwaltung

In der Reihe der Halbjahrespressegespräche des Baudezernates lud Baudezernentin Andrea Deppe gemeinsam mit ihren Fachbereichsleiterinnen und -leitern zu einem Rundgang in Opladen ein. Im Mittelpunkt stand dabei das Thema Denkmalschutz. Beginnend in der Schule Im Hederichsfeld wurden die verschiedenen Herausforderungen und Aufgabenfelder des Denkmalschutzes anhand von Projektbeispielen vorgestellt.

Der Denkmalschutz ist in Deutschland gesetzlich geregelt. In NRW bildet die maßgebliche rechtliche Grundlage das „Gesetz zum Schutz und zur Pflege der Denkmäler im Lande Nordrhein-Westfalen“ - Denkmalschutzgesetz von 1980. Das Thema ist in NRW jedoch schon deutlich älter. Den ersten „Provinzialkonservator“ der Rheinlande gab es schon im Jahr 1893 (Paul Clemen).

Grundsätzlich wird unterschieden zwischen Baudenkmälern, Bodendenkmälern, beweglichen Denkmälern und Denkmalbereichen. In NRW gibt es über 80.000 Baudenkmäler, über 6.000 Bodendenkmäler und rund 800 bewegliche Denkmäler.

In Leverkusen sind insgesamt 356 Baudenkmäler verzeichnet; u.a. Fachwerkhäuser, Kirchen, Schulen, aber z.B. auch Schloss Morsbroich. Insgesamt zehn Siedlungen (ua. Eisenbahnersiedlung, Feuerwehrsiedlung, Siedlung Kanalstr., Arbeitersiedlung Nees-Caspers, Beamtenkolonie, Kolonie Eigenheim, Kolonie II, Kolonie III, Heidehöhe ) mit ca. 2.000 Gebäuden sind ebenfalls als Baudenkmäler eingetragen.

Es gibt 15 Bodendenkmäler (u.a. Mühlengraben Reuschenberger Mühle, vorgeschichtliche Grabhügel im Bürgerbusch oder der Kirchhof St. Aldegundis) und drei bewegliche Denkmäler (Fahne des Kirchenchores Cäcilia Hitdorf von 1877, Bürriger Missale von 1340, Historische Fahne des Kriegervereins Lützenkirchen von ca. 1890).

Das älteste Baudenkmal stellt der Keller der Burg Ophoven aus dem 14. Jahrhundert dar. Aus dem Jahr 1561 stammt das Gebäude Burscheider Str. 329. Jüngstes Baudenkmal ist das Forum (Fertigstellung 1969), das vor zehn Jahren und Denkmalschutz gestellt wurde.

Schule Im Hederichsfeld
Das Schulgebäude im Baustil des „Bergischen Barocks“ stammt aus dem Jahr 1913. Es wurde 1987 in die Denkmalliste der Stadt Leverkusen eingetragen. Das heute als katholische Hauptschule genutzte Gebäude ist eine der wenigen erhaltenen Schulen Leverkusens aus der Zeit der Jahrhundertwende und in seiner Originalsubstanz weitestgehend erhalten.

Der Schulstandort Im Hederichsfeld ist als Förderprojekt Teil der Fortschreibung des Stadtteilentwicklungskonzeptes Opladen (STEK Opladen) 2014. Vor diesem Hintergrund wurden verschiedene Sanierungs- bzw. Baumaßnahmen beschlossen und z.T. bereits umgesetzt, u.a. der Umbau zum Quartiertreffpunkt, die Herstellung der Barrierefreiheit sowie die energetische Sanierung.

Im Vordergrund bei der Sanierung steht dabei die Anpassung des historischen Gebäudebestandes an eine zeitgemäße Schulnutzung unter Berücksichtigung denkmalfachlicher Aspekte.

Das Schulgebäude Im Hederichsfeld ist ein Beispiel dafür, dass Gebäude dank des Denkmalschutzes über Jahrzehnte und sogar teilweise Jahrhunderte genutzt werden können. Insofern ist der Denkmalschutz auch ein klimarelevantes Thema, denn er bedeutet einen ressourcenschonenden, ökologischen und auch nachhaltigen Umgang mit Bausubstanz.

„Der Denkmalschutz sichert auch für nachfolgende Generationen Gebäude mit Charme und Geschichte. Speziell mit diesem Schulgebäude haben wir mit dem Abschluss der Arbeiten ein Kleinod für Opladen und einen geschichtsträchtigen und stadtteilprägenden Bau erhalten“, betont Baudezernentin Andrea Deppe.

Aufgrund der im vergangenen Jahr entdeckten unvorhersehbaren erheblichen Mängel in der Gebäudesubstanz wurde die Sanierung des historischen Schulgebäudes erheblich aufwändiger als ursprünglich kalkuliert. Besonders die Decken wiesen so starke Schäden auf, dass eine komplette Grundsanierung zur Ertüchtigung der Rohbaustatik erforderlich wurde.

Im Mai 2018 wurde ein Fördermittelantrag erstellt, um auch die Mehrkosten aufgrund der statischen Mängel zu decken. Der entsprechende Förderbescheid wurde im Oktober 2019 erteilt, so dass die förderfähigen Zusatzkosten nun zu 80 Prozent durch zusätzliche Fördermittel aufgefangen werden.

Die Sanierung der Hohlkörperdecken im gesamten Gebäude wurde termingerecht abgeschlossen (wobei man insgesamt ein bis eineinhalb Jahre verzögert fertig werden wird). Aktuell wird das Gerüst zurückgebaut, die Hauptdacharbeiten sind erfolgt. Derzeit laufen die Rohinstallationsarbeiten und die Putzarbeiten. Ab 2020 erfolgt der weitere Innenausbau.

Evangelisches Kirchenzentrum Humboldtstraße
Ein Beispiel für den Erhalt und die Umnutzung von denkmalgeschützten Kirchenbauten ist das evangelische Kirchenzentrum Humboldtstraße. Das Bauensemble besteht aus dem Kopfbau von 1929, dem Saalbau von 1946 und dem Kirchenbau mit Turm von 1955.

Der letzte evangelisch-lutherische Gottesdienst fand im Juli 2009 statt. Den Gebäuden drohte ein möglicher Abriss, allerdings konnte dies durch die Unterschutzstellung als Denkmal im November 2010 verhindert werden. Das Kirchenzentrum wurde dann an die evangelisch-freikirchliche Gemeinde verkauft. Architektonisch von besonderem Wert sind v.a. der markante Kirchensaal mit Empore sowie interessante Baudetails der Erbauungszeit im Gebäudeinneren.

Eisenbahnersiedlung Opladen
1903 wurde in Opladen eine Hauptwerkstätte der preußischen Staatsbahn, das spätere Ausbesserungswerk eröffnet. Die Ansiedlung eines solch großen Werkes hatte Auswirkungen auf die Entwicklung der Stadtgemeinde Opladen. Die dringend benötigten Facharbeiter waren in Opladen und Umgebung nicht vorhanden und mussten daher aus anderen Standorten nach Opladen versetzt oder überregional angeworben werden. Die Einwohnerzahl stieg ab 1903 innerhalb eines Jahres von 4.570 auf 5.649. Bis zum Jahr 1910 hatte sich die Einwohnerzahl auf 9.390 erhöht.

Der notwendig gewordene Wohnungsbau führte zu eigenständigen, heute das Stadtbild prägenden, architektonischen Lösungen. Für das bisher kleinstädtisch ausgerichtete Opladen stellte diese Entwicklung eine Neuorientierung des gesamten Stadtbildes dar.

So entstanden auf einem ausgewiesenen rasterförmigen Grundriss bis 1914 Mehrfamilienhäuser in geschlossener Reihe im Stile eines reformierten Historismus. Dieser Stadtgrundriss wurde nach Osten weitergeführt und bestimmte ebenfalls den Zuschnitt der ab 1903 errichteten "Eisenbahnersiedlung". Die bis zum 1. Weltkrieg vollständig bebaute Neustadt und die Eisenbahnersiedlung sind stilistisch und städtebaulich aufeinander bezogen.

Für die Entwicklung der Stadt Opladen war die Anlage der Eisenbahnersiedlung nicht allein aus sozialer, sondern auch aus städtebaulicher Sicht von großer Bedeutung, da diese ungeachtet ihres eigenen Charakters durch Erscheinungsbild und Lage ihrer Bauten zu einem integrativen Bestandteil der Opladener Neustadt wurde, die das Stadtbild wesentlich veränderte.

Die eigentliche Eisenbahnerwohnsiedlung entstand in zwei Bauabschnitten 1903 und 1907.
Sozial wie städtebaulich von besonderem Interesse sind die zum Typ der „Geschoß- oder Großhaussiedlungen" gehörenden Arbeiter-Wohnhäuser mit Raum für sechs bzw. zwölf Familien.

Gemessen am zeittypischen Standard waren die Wohnungen, die durchweg aus einer Wohnküche mit eingebautem Spül-und Besenraum, zwei Stuben und einem WC bestanden, gut ausgestattet. Neben 1-2 Bodenkammern und einem Kellerraum verfügte jede Wohnung noch über einen hinter dem Haus gelegenen ca. 100 m2 großen Nutzgarten und hatte überdies Anteil an der gemeinschaftlichen Waschküche sowie am Trockenspeicher.

Gleichzeitig mit dem Ausbau der Siedlung entstanden am Westrand des Betriebsgeländes bis 1906 ein Ledigenwohnheim für 75 Mitarbeiter, eine Badeanstalt, Verwaltung, Pförtnerhaus und Speisehaus, heute durch Umnutzung stark verändert oder nicht mehr vorhanden. Für Beamte entstanden an der Bahnallee bis 1906 großzügige Doppelhäuser. 1907 war das werkseigene Bauprogramm in der Opladener Neustadt weitgehend beendet.

Der Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg erfolgte unter Verwendung erhalten gebliebener Bauelemente. Beschädigte Fundamente wurden in Stampfbeton neu gegossen, Holztreppen und Böden u. U. beibehalten und die zu erneuernden Fassaden wie die vorhandenen ausgebildet. Dabei wurden die Vorkriegswohnungsgrundrisse mit Küchenstube, mit Speisekammer, zwei Zimmern, Flur und WC beibehalten.

Als Beispiel für die enge Verbindung von Siedlungsstruktur, Städtebau und Industrialisierung und als seltener Typ einer Entwicklungsreihe des Wohnungsbaus ist die Eisenbahnersiedlung von eminenter Bedeutung für die Geschichte der Stadt und Region.

Der in der Qualität ihrer Gestaltung begründete Eigenwert, der gute historische Erhaltungszustand und die damit verbundene Anschaulichkeit architekturgeschichtlicher Prozesse begründen die Anerkennung der Eisenbahnersiedlung als ein Baudenkmal aus architektur- und stadtgeschichtlichen sowie sozialgeschichtlichen und städtebaulichen Gründen.


Anschriften aus dem Artikel: Alte Landstr 129, Albert-Einstein-Str 58

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