75 Jahre Abteilung Niederwupper des Bergischen Geschichtsvereins


Archivmeldung aus dem Jahr 2013
Veröffentlicht: 14.09.2013 // Quelle: Bergischer Geschichtsverein

Die Zeit vor 1928
In der ersten in der Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins (ZBGV) veröffentlichten Mitgliederliste aus dem Jahre 1884 finden sich bereits sechs Namen von Vereinsmitgliedern aus dem ursprünglichen Abteilungsgebiet: August Weyermann, Moritz Weyermann und Kommerzienrat Rudolf Weyermann, alle aus Leichlingen, sowie Ernst und Otto Leverkus aus Leverkusen bei Mülheim a. Rhein und F. Freiherr von Diergardt vom Haus Morsbroich bei Schlebusch.
Bei der Durchsicht der Mitgliederlisten fällt auf, dass besonders auch leitende Mitarbeiter der Farbenfabriken Bayer, zuerst in Barmen und Elberfeld, später dann in Leverkusen frühe Mitglieder des BGV waren. So war z.B. Friedrich Bayer jun., der Sohn des Firmengründers, seit mindestens 1884 Mitglied und von 1901 bis zu seinem Tode im Jahre 1920 stellvertretender Vorsitzender. Er förderte die „Monatsschrift des Bergischen Geschichtsvereins“ sowie die Bibliothek des BGV finanziell. Seit 1910 wurde er, wie bereits Henry Th. von Böttinger schon vorher, zum Ehrenmitglied ernannt.
Im Jahre 1899 traten viele Städte und Gemeinden des Bergischen Landes, so auch Gemeinden des Landkreises Solingen, als korporatives Mitglied ebenfalls dem BGV bei. Als erste Gemeinde unseres Raumes könnte die Bürgermeisterei Schlebusch Mitglied geworden sein, da sie als einzige schon vor Juni 1899 erwähnt wird. Die Bürgermeistereien Opladen, Burscheid, Leichlingen, Richrath (Langenfeld) und Neukirchen sind wahrscheinlich alle in der zweiten Hälfte des Jahres 1899 Mitglied geworden. Wiesdorf trat 1913 bei.
Ende 1924 erschien in der in Opladen herausgegebenen Bergischen Post ein Aufruf, an der Gründung eines Geschichtsvereins am 9. Januar 1925 in Solingen teilzunehmen. Diese Versammlung beschloss, sich als Zweigverein dem Bergischen Geschichtsverein anzuschließen, und lud für den 23.1.1925 zu ihrer eigentlichen Gründung ein. Man gab sich dort den Namen „Bergischer Geschichtsverein, Abteilung Stadt und Land Solingen“. Damit wird deutlich, dass er Verein für den ganzen Industriebezirk Solingen, d.h. auch für unseren unteren Landkreis Solingen sein wollte. Ihm gehörten einige Mitglieder aus unserer Region an.

Gründung der Abteilung Niederwupper am 20. Dezember 1928
Die Abteilung wurde am Donnerstag, den 20. Dezember 1928 im Hotel Moritz in Opladen für Vereinsmitglieder aus den Gemeinden des Kreises Solingen-Land (ab 03.08.1931 „Rhein-Wupper-Kreis“) mit Sitz in Opladen gegründet und besaß Mitglieder in den heutigen Städten Burscheid, Langenfeld, Leichlingen, Leverkusen und Monheim. Die Abteilung hatte bei ihrer Gründung bereits 120 Mitglieder, die weitgehend aus dem Bildungsbürgertum stammten (Lehrer, höhere Verwaltungsbeamte, Pfarrer, Fabrikanten). Damit gehörten fast 10 Prozent aller Mitglieder des Bergischen Geschichtsvereins (ca. 1.250) der neuen Lokalabteilung an. Für die Wahl des Abteilungsnamens gab es die Namensvorschläge „Niederwupper-Dün“, „Rheinbezirk“ und „Niederwupper“. Man wählte mit großer Mehrheit den Namen „Niederwupper“.
Erster Vorsitzender wurde Regierungsassessor Hellmuth Radermacher. Sein Nachfolger war der Landrat des Rhein-Wupper-Kreises Peter Trimborn (SPD). Der Hauptverein übertrug seiner jungen Abteilung „Niederwupper“ die Aufgabe, im Eifgental bei Altenberg, Burscheid und Odenthal nach alten germanischen Wallburgen zu suchen, eine Aufgabe, die in der Zeit des Dritten Reiches noch intensiver erfüllt wurde. Um diese Aufgabe hat sich besonders Fritz Hinrichs gekümmert.
Nach der Machtergreifung durch die Nazis wurde der katholische Studienrat Dr. Josef Hünermann (Opladen, Köln) Vorsitzender, der 1937 von Rektor Fritz Hinrichs (Leichlingen) abgelöst wurde.
Hinrichs stellte in seiner Rede zur „Gegenwartsaufgabe im Bergischen Geschichtsverein“ die neuen Aufgaben dar, die sich bevorzugt mit den „Fragen der Heimat- und Sippenforschung vom völkischen Standpunkte aus“ befassen und die zu einer „lebendig-organischen Volkspersönlichkeit“ führen müssten.
Auf der Feier zum 10jährigen Jubiläum der Abteilung am 22. November 1938 hielt NS-Kreisleiter Straßweg in der Aula der Adolf-Hitler-Oberrealschule, die heutige katholische Hauptschule Hederichsfeld in Opladen, die Festrede. Er erklärte in seiner mit völkischen Begriffen gespickten Rede zum Thema „Hat ein Geschichtsverein noch eine Daseinsberechtigung?“, dass die Antwort auf diese Frage vom Bergischen Geschichtsverein selbst abhängig wäre. Nämlich, ob der Bergische Geschichtsverein es verstehe, „das rechte Verhältnis zum Nationalsozialismus zu schaffen oder nicht“.

Die Abteilung nach 1945
Am 27.07.1946 fand die Neugründung statt. Schriftleiter Wilhelm Gladbach (Opladen), später Landrat (CDU) des „Rhein-Wupper-Kreises“, wurde Vorsitzender, Fritz Hinrichs aus Leichlingen und Edmund Massau aus Leverkusen wurden Beisitzer. In den ersten Nachkriegsjahren erreichte die Mitgliederzahl schnell den Vorkriegsstand, obwohl die Zahl der Veranstaltungen pro Jahr relativ gering war. Die Mitglieder aus Burscheid lösten sich im Jahre 1956 von der Abteilung und gründeten eine eigene BGV-Abteilung, was zu einem Rückgang der Mitgliedszahlen führte. Durch die zusätzliche zunehmende Überalterung besaß die Abteilung in den Jahren 1965/66 nur 65 Mitglieder.
Positiv erwies sich die Herausgabe des Heimatkalenders „Land an Wupper und Rhein” für den Rhein-Wupper-Kreis, der seit 1955 bis zur Kommunalreform 1975 unter maßgeblicher Beteiligung der Abteilungs-Mitglieder erfolgte. Besonders haben sich hier Rolf Müller, Siegfried Bräker und Dr. Bubner engagiert. Seit dem Jahre 1978 gibt der Verein als eigenes Abteilungsorgan die Zeitschrift „Niederwupper – Historische Beiträge“ heraus, deren 25. Heft im Sommer 2013 erscheinen wird.
Weiter in der Mitgliederzahl brachte den Verein der Entschluss des Leichlinger Heimatvereins im Jahre 1966 dem BGV beizutreten. So kam der Verein auf knapp 120 Mitglieder. In den Folgejahren wuchs die Abteilung weiter an. Besonders die Jubiläen 1968 und 1978 brachten neue Mitglieder.
Die Geschäftsführung der Abteilung erfolgte seit der Gründung 1928 bis 1974 durch einen Mitarbeiter des Landratsamtes, ab 1975 durch das Stadtarchiv Leverkusen. Seit 1996 muß die diese Arbeit selbst leisten. Heute zählt die Abteilung ca. 215 Mitglieder.
In den letzten drei Jahrzehnten hat die Abteilung durch Tod oder Austritt viele ältere Mitglieder verloren und haben dies nicht durch Neueintritte kompensieren können. Nicht übersehen darf man als zusätzliche Ursache für den Mitgliederrückgang die Vielfalt von historischen Vereinigungen, die es besonders in Leverkusen gibt. Hier hat es ein Flächenverein wie die hiesige Abteilung, die vier Städte aus zwei Kreisen und eine kreisfreie Stadt umfasst, naturgemäß schwer. Erst in den letzten beiden Jahren ist die Mitgliederzahl stabil geblieben.
Das Zusammengehörigkeitsgefühl im Verein und in der Bürgerschaft war in der Zeit bis 1975, als die abgedeckten Gemeinden– bis auf Leverkusen, das bereits 1955 kreisunabhängig wurde - alle dem gleichen Kreis angehörten, größer. Die Kreisstadt Opladen war für die umliegenden Gemeinden der zentrale Ort. Heute versucht dies Leverkusen für den Verein zu sein.
Die Stadt Leverkusen stellt den drei in Leverkusen tätigen Geschichtsvereinen, der „BGV-Abteilung Leverkusen-Niederwupper“, der „Stadtgeschichtlichen Vereinigung Leverkusen e.V.“ sowie dem „Opladener Geschichtsverein von 1979 e.V. Leverkusen“ mit dem ehemaligen Unternehmerwohnhaus „Villa Römer“ in Opladen ein Haus zur Verfügung, in dem der Verein Büros, Lager-, Versammlungs- und Wechsel-Ausstellungsräume haben. Seit zwei Jahren befindet sich hier die Dauerausstellung zur Leverkusener GeschichteZeitRäume Leverkusen“.
Mit der Erweiterung der Vereinsbezeichnung um den Namens der größten Stadt des Abteilungsgebietes zum Vereinsnamens, in der auch die meisten Mitglieder wohnen, hat sich der Verein im Jahre 1993 der geänderten Situation angepasst. So heißt heute die Abteilung „Leverkusen-Niederwupper“.
In den letzten gut 15 Jahren hat der Vereinr versucht, mit Hilfe der erfolgreichen, verstärkten Förderung der Teilnahme am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten und dem eigenen von dem ehemaligen Vorsitzenden Dr. Hans-Jürgen Dorn initiierten Wettbewerb „Preis des jungen Historikers“, die beide für Schüler ausgeschrieben sind, für jüngere Menschen und für die Öffentlichkeit attraktiver zu werden. Einige der bei beiden Wettbewerben eingereichten und erfolgreichen Arbeiten sind in den lokalen Zeitungen und in den Vereins-Veranstaltungen vorgestellt. und in der Abteilungszeitschrift „Niederwupper“ veröffentlicht worden.
Unter dem Dach der Abteilung arbeiten zwei lokale Arbeitsgemeinschaften in Langenfeld (Historische Arbeitsgemeinschaft Langenfeld) und in Leichlingen (Leichlinger Geschichtsstammtisch) sowie der offene BGV-AK Ahnenforschung aktiv an der Erforschung der regionalen oder Familiengeschichte. Bis Ende 2012 hat es auch eine lokale Geschichts-AG in Leverkusen-Schlebusch gegeben.
In den letzten Jahren hat der Verein das Jahresprogramm thematisch ausgerichtet. Thema des Jubiläumsjahres ist z.B.: „150 Jahre BGV – 150 Jahre Bayer – 85 Jahre BGV Leverkusen-Niederwupper“. Höhepunkt der Veranstaltungen der Abteilung im Laufe des Jahres ist ein Festvortrag von Prof. Dr. Werner Plumpe von der Goethe-Universität Frankfurt mit dem Thema „Leverkusen als Gesamtkunstwerk – Carl Duisberg und die Fabrikstadt der Zukunft“. Er findet statt am Dienstag, den 24. September 2013 um 19 Uhr im Spiegelsaal des Schlosses Morsbroich in Leverkusen-Schlebusch.
Im nächsten Jahr wird der Verein unter Leitung des Vorsitzenden Reinhold Braun sich mit dem Ersten Weltkrieg in den Städten des Abteilungsgebietes befassen und dazu zusammen mit der Stadtgeschichtlichen Vereinigung Leverkusen e.V. und den vier Stadtarchiven sowie dem Bayer-Werksarchiv von Februar bis August 2014 eine Ausstellung in der Villa Römer zusammenstellen.


Ort aus dem Stadtführer: Rhein, Schlebusch, Bibliothek, Opladen
Anschriften aus dem Artikel: Alte Landstr 129, Albert-Einstein-Str 58

Kategorie: Kultur
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