Stadtplan Leverkusen
13.11.2011 (Quelle: Stadtverwaltung)
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Volkstrauertag


Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn hielt auf der Gedenkfeier zum Volkstrauertag soeben auf dem Friedhof Manfort, Gedenkstätte für Kriegsopfer folgende Rede:

"Sehr geehrte Damen und Herren,

indem Sie heute hierher auf den Friedhof gekommen sind, unterstreichen Sie Ihre Bereitschaft, den Toten der Weltkriege und generell den Opfern von Krieg und Gewalt zu gedenken.

Dafür danke ich Ihnen sehr herzlich.

Der Volkstrauertag ist einer der stillen Gedenktage. Es ist ein Tag des Innehaltens, der Einkehr und des Mitfühlens. Wir gedenken in Deutschland der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.

Überall auf der Welt sind die Opfer solcher Auseinandersetzungen Bürger, Männer, Frauen und Kinder. Unschuldige, die zwischen Kriegsfronten geraten, getötet, vertrieben und verfolgt werden. Die Älteren von uns haben die Gräueltaten eines solchen Krieges noch selbst miterlebt, die jüngere Generation zum Glück nicht mehr. Sie wächst in Frieden auf, und dafür dürfen wir dankbar sein.

66 Jahre sind seit Kriegsende vergangen. Der Zweite Weltkrieg aber wirft einen langen Schatten. Er ist ein ferner, aber längst kein abgeschlossener Teil unserer Vergangenheit. Die Erfahrung seiner Schrecken gehört zu unserer nationalen Identität. Wir müssen uns diese Schrecken immer wieder vor Augen halten, damit wir nicht verdrängen. Damit dieser Teil unserer Vergangenheit nicht in Vergessenheit gerät, denn er ist Teil unserer Geschichte. Daran wollen wir uns heute am Volkstrauertag erinnern.

Dieser Tag verliert nicht an Aktualität. Auf der Erde werden weiterhin Kriege geführt und ethnische Konflikte ausgefochten. Auch heute ist Gewalt noch weltweit verbreitet. Auch heute werden Menschen in vielen Teilen der Welt Opfer von Krieg, Verfolgung, Vertreibung und Terror. Denken wir an den arabischen Frühling: Wieviele Menschen haben dieses Jahr ihr Leben lassen müssen? Wieviele Menschen sind im Kampf um Freiheit gefallen?
Auch mit diesen gegenwärtigen Schrecken müssen wir uns am Volkstrauertag auseinandersetzen.
Der Volkstrauertag darf sich daher nicht in der Rückschau und in der Tradition erschöpfen. Er ist ein immer wieder kehrender Gedenktag. Wir brauchen ihn. Er schützt uns vor dem Vergessen und Verdrängen. Er mahnt uns, aus den Schreckensbildern der Vergangenheit die richtigen Schlüsse zu ziehen. Gegen Krieg und Gewalt - für Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit - das ist es, wofür wir alle einstehen sollten. Nicht nur heute am Volkstrauertag, sondern an jedem kommenden Tag.
Lassen Sie uns Verantwortung übernehmen. Verantwortung für das Leben. Verantwortung für alle Opfer von Gewalt und Verantwortung für die nachfolgende Generation. Es ist unsere Aufgabe ihr Bewusstsein zu stärken. Das Bewusstsein für Frieden und Freiheit und das Bewusstsein für die Ablehnung von Gewalt.

Zum Bekenntnis für den Frieden und der Freiheit, aber vor allem zum Gedenken aller Kriegsopfer, legen wir hier auf dem Friedhof Manfort zwei Kränze nieder - einen am Denkmal für die Kriegstoten und einen an den Gedenksteinen für die hier gestorbenen Zwangsarbeiter aus dem Osten. Ich würde mich freuen, wenn Sie mich gleich dabei in großer Zahl begleiten würden.

Zuvor aber verlese ich das Totengedenken:

"Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker.

Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren.

Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurden.

Wir gedenken derer, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft geleistet haben, und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.

Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung, um die Bundeswehrsoldaten und anderen Einsatzkräfte, die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren.

Wir gedenken heute auch derer, die bei uns durch Hass und Gewalt gegen Fremde und Schwache Opfer geworden sind.

Wir trauern mit den Müttern und mit allen, die Leid tragen um die Toten.

Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der Welt."

Ich danke Ihnen für Ihre Anteilnahme."


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Letzte Änderung am 10.11.2017 10:19 von leverkusen.
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