Stadtplan Leverkusen
09.09.2011 (Quelle: Stadtverwaltung)
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140 Jahr Spedition Dünner


Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn hielt soeben in der BayArena anläßlich 140 Jahre Cargo Dünner folgende Rede:

"Sehr geehrter Herr Dünner,
sehr geehrte Damen und Herren,

es ist sicherlich für diesen Ort, die BayArena eine außergewöhnliche Zeit, um sich hier einzufinden.
Üblicherweise trifft man sich in aller Regel an Samstagen oder Sonntagen, seltener an einem Freitagabend und aktuell natürlich auch gerne mitten in der Woche zu den Spielen in der Königs-Klasse, der Champions League.

Gelegentlich treffen sich Menschen hier auch ohne Fahnen, Trikots oder ähnlichen Utensilien, denn dieser prächtige Gebäudekomplex eignet sich auch, um besondere Anlässe angemessen zu feiern. Dazu zählen nicht nur standesamtliche Hochzeiten, die hier seit geraumer Zeit möglich sind, Kongresse, Wirtschaftsempfänge oder auch besondere Jubiläen.

Dass wir heute hier in Leverkusen angesichts von 140 Jahren Firmengeschichte zu einem solch besonderen Jubiläum zusammen gekommen sind, liegt auf der Hand.

Dass es ein mittelständisches Unternehmen in einer immer schnelllebiger werdenden Zeit stets verstanden hat, sich den Erfordernissen des Marktes anzupassen und immer auf der Höhe der Zeit zu sein, macht diese 140 Jahre zu einer echten Erfolgsstory, von denen es so viele in unserer mit 81 Jahren noch vergleichsweise jungen Stadt Leverkusen nicht gibt.

Und größere Unternehmen, zum Beispiel jenes, das mit dem Namen dieses Stadions eng verbunden ist, hatten zur Gründerzeit der Firma Dünner den Vorteil des hiesigen Standortes noch gar nicht entdeckt.

Daher können wir alle auch schon an dieser Stelle sehr herzlich zu diesem außerordentlichen Firmengeburtstag gratulieren. Und dass es im Jahre 1871, dem Jahr der Firmengründung, so manches, weitaus größer angelegte Vorhaben gab, das heute einfach nur noch Geschichte ist, macht dieses Jubiläum einmal mehr zu einem besonderen. Doch dazu gleich mehr.

1871 war in vielerlei Hinsicht ein besonderes Jahr. Passend zu diesem Firmenjubiläum wird mit dem Jahr in Deutschland und Österreich der Beginn einer wirtschaftlichen Blütezeit verbunden, die mit dem Begriff "Gründerjahre" beschrieben werden. Gegründet wurde bekanntlich, genauer gesagt proklamiert, genau einen Monat vor der Firma Dünner, am 18. Januar 1871, im Spiegelsaal von Versailles, das Kaiserreich Deutschland mit Wilhelm I. als deutschen Kaiser.

Sie sehen, auch damals wurde für besondere Anlässe ein besonderes Ambiente gewählt, genutzt hat es aber dem Herrscherhaus nicht auf Dauer, das Kaiserreich ist Geschichte und die Nachfahren der Hohenzollern sind in aller Regel heute nur noch für Boulevardmedien von Interesse, insbesondere wenn eine hübsche Prinzessin vor den Traualtar tritt.

In Berlin wurde im gleichen Jahr auch ein in der Folge bedeutendes Unternehmen mit dem Namen Schering gegründet, das bis vor kurzem noch in Verbindung mit dem Namen Bayer existierte, doch inzwischen läuft alles, was früher Schering war, nur noch unter dem Namen Bayer.

Auch die Mobilität betreffend, gab es 1871 interessante Neuerungen. In Hannover entstand eine Firma mit dem Namen Continental, die in den Anfängen unter anderem Massivbereifungen für Kutschen und Fahrräder vornahmen und möglicherweise ja auch für die Firma Dünner seinerzeit von Bedeutung war.

Nur sinnbildlich von Bedeutung war sicherlich, dass in der Schweiz die erste Zahnradbahn der Welt auf einen Berg fuhr. Denn so manchen Berg musste sicher auch Ihr Unternehmen im Laufe der langen Firmengeschichte erklimmen. Wir wissen, dass bis heute alle Gipfel erfolgreich bezwungen wurden.

Denn anders als so manch andere große Unternehmung hat es die Cargo Dünner GmbH, Leverkusen immer wieder geschafft, über den Berg zu kommen und neue Herausforderungen zu bewältigen.

Die Firmengeschichte der Cargo Dünner GmbH in Leverkusen steht für ein typisches mittelständisches Unternehmen, das sich über 140 Jahre immer wieder neuen Marktherausforderungen angepasst und gestellt hat.

Gestatten Sie mir kurz einen Blick auf die im wahrsten Sinne des Wortes bewegte Geschichte. Am 18. Februar 1871 gründete Peter Dünner in Schlebusch eine Hauderei, heute würde man Transportunternehmen sagen, und ein Fuhrgeschäft. Der Standort an der Bergischen Landstraße, direkt gegenüber dem damaligen Schlebuscher Rathaus und Standesamt half dabei, das junge Unternehmen rasch zu entwickeln. Mit offenen und geschlossenen Kutschen wurden zu Hochzeiten und Kindtaufen gefahren und der von vier Pferden mit silberbeschlagenem Geschirr gezogene Leichenwagen begleitete so manchen Schlebuscher zur letzten Ruhestätte.

Gütertransporte mit Plateauwagen und kippbare Schlagkarren für die Bauwirtschaft rundeten das anfängliche Firmenprofil ab. Kunden waren die örtliche Karbonit und Dynamit Fabrik, die Textilindustrie und die Holzwirtschaft. Wir wissen alle, dass diese Wirtschaftszweige hier und heute keine oder kaum noch eine Bedeutung haben, die Firma Dünner aber eben nach wie vor.

So wurde auch der immer bedeutungsvoller werdende Transportweg über die Schiene zur weiteren Fortentwicklung des Unternehmens genutzt. Mit Aufkommen der Eisenbahn übernahm Dünner 1891 den Postwagenverkehr von den Bahnhöfen Schlebusch und Morsbroich zur Schlebuscher Post und beförderte Personen, Briefe, Päckchen sowie Wert- und Geldsendungen. 1893 kam die bahnamtliche Rollfuhr hinzu, die bis 1975 übernommen wurde.
Nach dem frühen Tod des Firmengründers übernahm 1895 dessen Sohn Franz Dünner mit 16 Jahren, heute angesichts unseres Bildungswesens unvorstellbar, das Unternehmen und baute es weiter aus. Seine Militärzeit verbrachte er in Berlin, wo er in den kaiserlichen Stallungen Dienst tat und Kaiser Wilhelm II. sechsspännig kutschierte. Bei späteren Besuchen des Kaisers im Rheinland sollte sich dies auszahlen, denn Franz Dünner wurde mehrfach mit Fahrdiensten für den Kaiser beauftragt, für die er extra modernste Kutschen aus Krems und Landau anschaffte. Sie sehen, dem Unternehmen hat es genutzt, anderen wiederum nicht.

Nach dem ersten Weltkrieg begann man mit Transporten für die aufstrebende Stahlindustrie in Leverkusen, ab 1936 mit dem ersten Daimler-Benz Lastzug, der zum Beginn des 2. Weltkrieges samt Fahrer eingezogen wurde und in den Kriegswirren verloren ging. Franz Dünners jüngster Sohn Heinrich Dünner trat 17-jährig - der frühe Berufseinstieg scheint der Familie im Blut zu liegen - 1936 in das elterliche Unternehmen ein und übernahm den Betrieb nach Rückkehr aus dem Wehrdienst bei der Luftwaffe 1945.

1949 wurde der erste Nachkriegs-LKW, ein Magirus Deutz Lastzug, angeschafft. Weitere Fahrzeuge folgten nach und nach, darunter 1954 der erste Sattelschlepper in der Region, der zum Spezialtransport von 500 Grad heißen Stahlblöcken in einem isolierten Behälter für die Stahlschmiede Wuppermann in Leverkusen beschafft wurde. In den sechziger Jahren wurde der Kundenkreis aus der Stahlindustrie um die Aluminiumindustrie und Bonn und Norf erweitert und Anfang der siebziger Jahres kam mit der Deutz AG in Köln die Maschinenbauindustrie hinzu.

Qualitätsmerkmal bei der Marktbearbeitung und Marktentwicklung ist bis heute Kundenorientierung und absolute Zuverlässigkeit und Präzision in der Transportplanung bei hoher Flexibilität in der Leistungserstellung, wobei man schon seit den fünfziger Jahren Erfahrungen bei intermodalen Transporten LKW/Schiff und LKW/Bahn sammelte.

Mitte der siebziger Jahre trat Ulrich Dünner, der jüngste Sohn von Heinrich Dünner, nach seiner Ausbildung zum Speditionskaufmann in den elterlichen Betrieb ein und gründete 1981 die Spedition Dünner GmbH, Vorläufer der heutigen Cargo Dünner GmbH, deren Alleingesellschafter und Geschäftsführer er heute ist.

Ulrich Dünner erweiterte das Leistungsspektrum, den Fuhrpark und den Kundenkreis seither erheblich. Mit Inbetriebnahme des neuen Betriebshofes mit Lager in Leverkusen Fixheide im Jahre1993 wurde das Lagereigeschäft ausgebaut. Neben Werksverkehren und Schwermaschinentransporten ist Cargo Dünner heute im Sammelgutverkehr, in der Getränkelogistik und in der Logistik von Stahlprodukten tätig, wobei mehr und mehr komplette Logistikdienste aus einer Hand angeboten werden, die mehrere Leistungsstufen umfassen. Die 35 ziehende Einheiten und 50 Sattelauflieger und Anhänger umfassende, moderne LKW-Flotte verschiedener Größe und 50 Mitarbeiter sind heute europaweit im Einsatz. Leverkusen ist also auch hier wieder einmal so etwas wie eine Europa-Zentrale im Bereich Transport und Logistik. Auch insofern ist diese Spielstätte der europäischen Champions League auch der richtige Standort, um ein solches Jubiläum angemessen zu feiern.

Sehr geehrter Herr Dünner, meine sehr verehrten Damen und Herren.
Als Oberbürgermeister dieser Stadt bin ich froh und dankbar, dass Leverkusen ein derart erfolgreiches mittelständisches Unternehmen in seinen Reihen hat, das sich über so viele Jahre nicht nur erfolgreich behauptet,. sondern auch stetig weiter entwickelt hat. Für eine Stadt, die nach wie vor damit zu kämpfen hat, dass sie nicht ausschließlich als Standort der chemischen Industrie wahrgenommen wird, sind solche erfolgreichen mittelständischen Unternehmen ungemein wichtig. Sie unterstreichen die Chancen, die sich an diesem Standort gerade auch für kleinere Unternehmen bieten und beweisen einmal mehr, dass der Motor der wirtschaftlichen Entwicklung letztlich nicht die großen Konzerne, sondern die Betriebe des Mittelstandes sind.

Insofern ist ihr Jubiläum auch beste Werbung für den Wirtschaftsstandort Leverkusen, für die ich Ihnen herzlich danke. Ich gratuliere Ihnen und all Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nochmals im Namen der Stadt Leverkusen und auch ganz persönlich sehr herzlich zu 140 Jahren erfolgreicher Firmengeschichte.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit."


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Letzte Änderung am 04.01.2018 13:40 von leverkusen.
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