Bayer-Zwischenbericht zum 1. Quartal 2009: EBIT vor Sondereinflüssen 1,017 Mrd € (minus 32,1%), Netto-Cashflow 693 Mio € (plus 31,3%)

CropScience und Pharma weiter auf Wachstumskurs
Geschäftseinbruch bei MaterialScience hinterlässt deutliche Spuren
Konzernumsatz 7,895 Mrd € (minus 7,5%)
EBITDA vor Sondereinflüssen 1,695 Mrd € (minus 22,4%)

Archivmeldung aus dem Jahr 2009
Veröffentlicht: 29.04.2009 // Quelle: Bayer

Die Geschäfte des Bayer-Konzerns haben sich im 1. Quartal 2009 erwartungsgemäß sehr unterschiedlich entwickelt. "Während CropScience und Pharma ihren Wachstumskurs fortsetzen konnten, hinterließ der Einbruch im MaterialScience-Geschäft deutliche Spuren auch bei Umsatz und Ergebnis des Konzerns", erklärte Vorstandsvorsitzender Werner Wenning am Mittwoch bei der Veröffentlichung des Zwischenberichts. Das Ziel, den Rückgang des um Sondereinflüsse bereinigten Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) im Gesamtjahr 2009 auf 5 Prozent zu begrenzen, bezeichnete Wenning als zunehmend ambitioniert. Im Falle einer spürbaren Belebung des MaterialScience-Geschäfts halte er ein Erreichen des Ziels aber weiter für möglich. Inzwischen scheine die Talsohle erreicht zu sein.
"Erste Anzeichen einer leichten Belebung der Nachfrage werden erkennbar", sagte Wenning.

Der Konzernumsatz lag in den Monaten Januar bis März mit 7,895 Milliarden Euro um 7,5 Prozent unter dem Rekordwert des Vorjahres von 8,536 Milliarden Euro. Bereinigt um Währungs- und Portfolioeffekte (wpb.) verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzminus von 9,7 Prozent. Das EBITDA vor Sondereinflüssen ging um 22,4 Prozent auf 1,695 (Vorjahr: 2,185) Milliarden Euro zurück. Auch hier konnten die Zuwächse der Life-Science-Bereiche die Einbußen im Industriegeschäft nicht ausgleichen. Das operative Ergebnis (EBIT) vor Sondereinflüssen war mit einem Minus von 32,1 Prozent auf 1,017 (1,497) Milliarden Euro ebenfalls rückläufig.

HealthCare profitiert von erfreulicher Entwicklung des Pharmageschäfts
Der Umsatz des Teilkonzerns HealthCare stieg gegenüber dem starken Vorjahresquartal um 3,0 Prozent auf 3,843 (3,731) Milliarden Euro.
Währungs- und portfoliobereinigt lagen die Erlöse auf Vorjahresniveau (plus 0,3 Prozent). "Während unser Pharmageschäft insgesamt erfreulich wuchs, waren die Consumer-Health-Umsätze durch den Abbau von Lagerbeständen und gesunkene Verbraucherausgaben rückläufig", erläuterte Wenning.

Im Segment Pharma erhöhte sich der Umsatz im 1. Quartal um 4,8 (wpb. 2,5) Prozent auf 2,587 Milliarden Euro. Hierzu trugen alle vier Geschäftseinheiten - General Medicine, Specialty Medicine, Women’s Healthcare und Diagnostische Bildgebung - bei. Den stärksten Umsatzzuwachs erzielte das Krebsmedikament Nexavar®, das währungsbereinigt (wb.) um 28,6 Prozent zulegte. Erfreulich verlief auch die Entwicklung des Multiple-Sklerose-Medikaments Betaferon® mit wb. plus 7,4 Prozent und der oralen Kontrazeptiva der YAZ®-Familie mit wb. plus 4,6 Prozent. Das Blutermedikament Kogenate® erreichte einen Umsatzzuwachs von wb. 3,2 Prozent. Dagegen gingen die Erlöse des Antiinfektivums Avalox®/Avelox® aufgrund der schwachen Grippesaison in den USA um wb. 14,0 Prozent zurück.
Auch die Umsätze des Kontrastmittels Magnevist® waren mit wb. 14,9 Prozent rückläufig - dies konnte jedoch durch eine Steigerung der Gadovist®-Umsätze um wb. 44,9 Prozent kompensiert werden. Aspirin Cardio® verbesserte sich wb. um 9,8 Prozent.

Der Umsatz des Segments Consumer Health lag mit 1,256 Milliarden Euro in etwa auf Vorjahresniveau (minus 0,5 Prozent), bereinigt um Währungs- und Portfolioeffekte ergab sich jedoch ein Rückgang von 4,1 Prozent. Das Geschäft mit rezeptfreien Arzneimitteln (Consumer Care) war durch das schwierige gesamtwirtschaftliche Umfeld belastet, was sich insbesondere auf die Umsätze der Schmerzmittel Aleve®/Naproxen (wb. minus 17,9 Prozent) und Aspirin® (wb. minus 16,2 Prozent) auswirkte. Dagegen legte die Produktlinie Bepanthen®/Bepanthol® wb. um 8,3 Prozent zu. Die neu gebildete Division Medical Care, die neben Produkten und Dienstleistungen für Menschen mit Diabetes das Medizingeräte-Geschäft von MEDRAD für diagnostische Bildgebung und Therapie umfasst, litt ebenfalls unter der Konjunkturschwäche. So beeinträchtigte die gesunkene Verbrauchernachfrage in den USA den Umsatz mit Blutzuckermessgeräten wie Contour® (wb. minus 4,6 Prozent). In der Division Animal Health wirkte sich der Abbau von Lagerbeständen bei den Distributoren in den USA negativ aus. Betroffen waren hier zum Beispiel die Floh- und Zeckenmittel der Produktlinie Advantage® (wb. minus 3,1 Prozent).

Das EBITDA vor Sondereinflüssen des Teilkonzerns Bayer HealthCare verbesserte sich um 1,0 Prozent auf 1,061 (1,050) Milliarden Euro. Dabei standen einem erfreulichen Anstieg bei Pharma rückläufige Werte bei Consumer Health gegenüber.

CropScience steigert Preise und Absatzmengen
"Sehr erfreulich verlief die Geschäftsentwicklung im 1. Quartal bei Bayer CropScience", betonte Wenning. Der Teilkonzern steigerte seinen Umsatz um 7,2 (wb. 7,4) Prozent auf 2,120 (1,978) Milliarden Euro. Dieser Zuwachs war sowohl auf höhere Verkaufspreise als auch auf gestiegene Absatzmengen zurückzuführen.

Im Pflanzenschutzgeschäft (Crop Protection) kletterte der Umsatz um 6,9 (wb. 7,0) Prozent auf 1,734 Milliarden Euro. Hier legten insbesondere die Herbizide (wb. plus 13,1 Prozent) und Fungizide (wb. plus 13,6 Prozent) erheblich zu. Die Saatgutbehandlungsmittel verbesserten sich wb. um 2,2 Prozent. Dagegen lagen die Insektizidumsätze wb. um 12,0 Prozent unter Vorjahr, hauptsächlich aufgrund einer anhaltend starken Trockenheit sowie eines geringen Schädlingsbefalls im Süden Brasiliens und in Argentinien.
Insgesamt konnte das Crop-Protection-Geschäft in Nordamerika, Westeuropa und Asien/Pazifik deutlich ausgebaut werden, während in Lateinamerika ungünstige Witterungsbedingungen zu einem Rückgang der Umsätze führten.

Das Segment Environmental Science/BioScience erzielte ein Umsatzplus von 8,4 (wb. 9,0) Prozent auf 386 Millionen Euro. Der Geschäftsbereich BioScience verzeichnete einen Zuwachs von 16,2 (wb. 19,7) Prozent, was im Wesentlichen auf die erfolgreiche Entwicklung des Hybrid-Rapssaatguts InVigor® in Nordamerika zurückzuführen ist. Dagegen waren die Umsätze bei Environmental Science mit minus 0,6 (wb. minus 3,3) Prozent rückläufig.
Hier verringerte sich das Geschäft mit Produkten für private Konsumenten in Europa deutlich, teilweise aufgrund der langen winterlichen Witterung.

Das EBITDA vor Sondereinflüssen von Bayer CropScience erhöhte sich im 1. Quartal um 3,4 Prozent auf 737 (713) Millionen Euro. Hier standen den Ergebnisbeiträgen aus der Geschäftsausweitung höhere Aufwendungen für Marketing- und Produktionsaktivitäten gegenüber.

Starker Rückgang der Nachfrage bei MaterialScience
Im Geschäft mit hochwertigen Materialien schrumpfte der Umsatz im 1. Quartal drastisch um 34,9 (wpb. 38,4) Prozent auf 1,636 (2,512) Milliarden Euro. Die globale Wirtschaftskrise führte in den relevanten Abnehmerindustrien zu einer erheblichen Abschwächung der Nachfrage.
"Insgesamt verzeichnete MaterialScience starke Rückgänge der Absatzmengen bei gleichzeitig erhöhtem Preisdruck. Hiervon waren fast alle Produktgruppen des Teilkonzerns in allen Absatzregionen betroffen", sagte Wenning und ergänzte: "Eine solche Entwicklung haben wir bei Bayer noch nicht erlebt."

Das Geschäft mit Rohstoffen für Schaumstoffe (Polyurethane) war im 1. Quartal wpb. um 39,3 Prozent rückläufig. Starke Einbußen verzeichneten auch die Polycarbonate (wb. minus 41,7 Prozent) sowie der Umsatz mit Rohstoffen für Lacke, Klebstoffe und Spezialitäten, der wpb. um 40,8 Prozent nachgab.

Die rückläufigen Absatzmengen und Verkaufspreise gingen mit einer deutlich geringeren Kapazitätsauslastung der Produktionsanlagen bei MaterialScience einher. Dies führte zu einem Einbruch des EBITDA vor Sondereinflüssen auf minus 116 (plus 407) Millionen Euro. Die Verringerung der Rohstoffkosten spielte im Vergleich zum 1. Quartal des Vorjahres noch keine wesentliche Rolle.

Wenning wies darauf hin, dass bei MaterialScience an allen Standorten weltweit bereits frühzeitig Maßnahmen wie temporäre Stilllegungen, Vorziehen geplanter Wartungsarbeiten, Produktionsdrosselungen und der Abbau von Arbeitszeitguthaben eingeleitet worden seien. Zudem hätten Management und Arbeitnehmervertreter bei MaterialScience gemeinsam für den Standort Deutschland eine befristete Reduzierung der Arbeitszeiten bei gleichzeitiger entsprechender Absenkung der Tarifentgelte beschlossen.
Vergleichbare Maßnahmen gebe es bei den Leitenden Mitarbeitern und Angestellten des Teilkonzerns. Diese Regelungen sind seit Februar 2009 in Kraft. "Wir werden die Entwicklung des Marktumfelds für MaterialScience weiter beobachten und laufend analysieren. Mögliche weitere Maßnahmen und Anpassungen werden wir so ausgestalten, dass die Nachhaltigkeit unseres Geschäfts nicht beeinträchtigt wird", kündigte Wenning an.

Konzernergebnis erheblich gesunken / Deutlicher Anstieg des Netto-Cashflows
Das operative Ergebnis des Bayer-Konzerns war im 1. Quartal durch Sonderaufwendungen von 44 (154) Millionen Euro belastet. Davon entfielen 18 Millionen Euro auf die Integration von Schering sowie 8 bzw. 18 Millionen Euro auf Restrukturierungsprogramme bei CropScience und MaterialScience.
Nach Sondereinflüssen erzielte der Konzern ein EBIT von 973 Millionen Euro gegenüber 1,343 Milliarden Euro im Vorjahresquartal (minus 27,6 Prozent).
Das Konzernergebnis sank um 44,2 Prozent auf 425 (762) Millionen Euro, das bereinigte Konzernergebnis je Aktie um 36,8 Prozent auf 0,91 (1,44) Euro.

Der Brutto-Cashflow lag mit 1,209 Milliarden Euro um 26,8 Prozent unter Vorjahr, während sich der Netto-Cashflow dank einer geringeren Mittelbindung im Working Capital um 31,3 Prozent auf 693 Millionen Euro erhöhte. Damit konnte das Unternehmen auch die Nettofinanzverschuldung zum 31. März 2009 trotz gegenläufiger Währungseffekte auf 14,0 Milliarden Euro reduzieren. Zum Jahresende 2008 hatte dieser Wert bei 14,2 Milliarden Euro gelegen.

Gemischte Aussichten für das Gesamtjahr 2009
Für das Gesamtjahr 2009 erwartet Bayer weiterhin eine sehr unterschiedliche Entwicklung der Teilkonzerne. "Für HealthCare und CropScience rechnen wir im laufenden Jahr unverändert mit Steigerungen bei Umsatz und EBITDA vor Sondereinflüssen", bekräftigte Wenning. HealthCare plane, in allen Divisionen währungsbereinigt stärker zu wachsen als die jeweiligen Märkte.
Die um Sondereinflüsse bereinigte EBITDA-Marge des Teilkonzerns solle in Richtung 28 Prozent weiter verbessert werden. CropScience rechne in einem insgesamt guten Marktumfeld ebenfalls mit einem weiteren Umsatzwachstum.
Die EBITDA-Marge vor Sondereinflüssen wolle der Teilkonzern auf dem hohen Niveau von ca. 25 Prozent halten.

Der Umsatz- und Ergebnisrückgang bei MaterialScience fiel im 1. Quartal 2009 noch stärker aus als erwartet. Allerdings haben sich die Umsätze der ersten drei Monate auf niedrigem Niveau stabilisiert. "Die Talsohle scheint somit erreicht. Erste Anzeichen einer leichten Belebung der Nachfrage werden erkennbar", so der Vorstandsvorsitzende. Im 2. Quartal erwartet Bayer eine Verbesserung von Umsatz und Ergebnis bei Material-Science gegenüber dem 1. Quartal 2009 und strebt für das Gesamtjahr ein positives EBITDA vor Sondereinflüssen an.

"Vor diesem Hintergrund halten wir unser Ziel, den Rückgang des EBITDA vor Sondereinflüssen für den Konzern auf 5 Prozent zu begrenzen, für zunehmend ambitioniert", führte Wenning aus. Im Falle einer spürbaren Belebung des MaterialScience-Geschäfts halte er ein Erreichen des Ziels aber weiter für möglich. Ein Anknüpfen an den Vorjahreswert oder sogar eine leichte Verbesserung bezeichnete er als nicht mehr erreichbar. Der Konzernumsatz soll im Gesamtjahr 2009 bei etwa 32 Milliarden Euro liegen.

Für Sachanlageinvestitionen erwartet das Unternehmen im laufenden Jahr nunmehr Ausgaben von 1,4 Milliarden Euro. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sollen auf ca. 2,9 Milliarden Euro steigen. "Wir gehen weiter davon aus, die Nettofinanzverschuldung im Jahr 2009 in Richtung 10 Milliarden Euro abzubauen", bekräftigte Wenning. Hierzu solle neben der Wandlung der im Juni 2009 fälligen Wandelschuldverschreibung in Eigenkapital ein verbesserter Netto-Cashflow beitragen. Eventuelle Portfolioveränderungen seien dabei nicht berücksichtigt.


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