Tiefernst und stumm… in Jülich eröffnet


Archivmeldung aus dem Jahr 2015
Veröffentlicht: 13.09.2015 // Quelle: Internet Initiative

Eine Woche nach der Eröffnung des Opladener Teils der Ausstellung „Tiefernst und stumm… - die preußische Rheinprovinz im Blick der Düsseldorfer Malerschule“wurde am Samstag auch der Jülicher Teil in der Schlosskapelle der Zitadelle Jülich eröffnet. Bürgermeister Bernhard Marewski hielt hierbei folgende Rede:

"Sehr geehrter Herr Bürgermeister Stommel,
sehr geehrter Herr von Büren,
sehr geehrter Herr Gutbier,
liebe Mitglieder der Geschichtsvereine aus Jülich und Leverkusen,
sehr geehrte Damen und Herren,


ich freue mich, aus Anlass dieser Ausstellungseröffnung hier in Jülich zu Ihnen sprechen zu dürfen. Gerne überbringe ich Ihnen die offiziellen Grüße der Stadt Leverkusen.

Wir hatten in den vergangenen Jahren bereits gelungene Gemeinschaftsausstellungen von ehrenamtlichen Historikern, die viel freie Zeit und Herzblut in ihre Arbeit gesteckt haben. Diesen Akteuren ist ein äußerst engagiertes Wirken zu bescheinigen sowie auch ein hohes fachliches Niveau. Dass sie sich auch wissenschaftlicher Begleitung durch ausgewiesene Fachleute versichern, zeigt das sehr ernsthafte Bemühen um eine gewissenhafte Aufarbeitung unserer geschichtlichen Vergangenheit und um eine möglichst authentische Präsentation. Das ist ein wichtiger Teil des Bewahrens unserer Kultur, die uns alle angeht.

Leverkusen hat dem rührigen Opladener Geschichtsverein viele interessante Erkenntnisse und auch durchaus unterhaltsame historische Schmankerl zu verdanken. Es ist dabei immer gelungen, die Bürgerschaft mit einzubeziehen und Exponate aus Privatbesitz der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Dank auch darüber hinaus: Durch die enge und fruchtbare Zusammenarbeit des Opladener Geschichtsvereins und des Jülicher Geschichtsvereins wurden Grenzen überschritten, was zu einer interessanten Verbindung unserer beiden Städte Leverkusen und Jülich führte.


Ich danke Ihnen, Herr Bürgermeister Stommel, dass Sie in der vergangenen Woche zu Gast in Leverkusen waren, wo Sie im Leverkusener Haus der Stadtgeschichte den einen Teil der Doppelausstellung mit eröffneten.

Der Titel der sich ergänzenden Ausstellungen mit insgesamt über 80 Exponaten ist gleich, die Themenschwerpunkte etwas anders: in Leverkusen das Bergische Land und der Niederrhein, hier in Jülich der Mittelrhein und die Eifel.

„Tiefernst und stumm ist hier die Welt …“, so der gemeinsame Titel, Bezug nehmend auf Caspar Scheuren, einem Vertreter der Düsseldorfer Malerschule.
Zum Blatt „Eifel“ (1862) schrieb er „Tiefernst und stumm und kalt ist hier die Welt … in diesen öden unfruchtbaren Weiten.“

Nachdem ich mir die Bilder in Leverkusen anschauen konnte, sehe ich persönlich in diesem Titel eine starke Herausforderung, fast eine Provokation – zumindest was das Bergische anbelangt – aber so ist dies vielleicht auch gedacht gewesen.

Ich komme da gerne zur Hymne des Bergischen Landes - an dessen Fuß Leverkusen liegt -, zum Bergischen Heimatlied, erstmals vorgetragen im Oktober 1892:

„Wo die Wälder noch rauschen, die Nachtigall singt,
die Berge hoch ragen, der Amboss erklingt.
Wo die Quelle noch rinnet aus moosigem Stein,
die Bächlein noch murmeln im blumigen Hain.
Wo im Schatten der Eiche die Wiege mir stand,
|:da ist meine Heimat, mein Bergisches Land.:|

Da ist im Lied vom Singen und Klingen die Rede, vom sonnigen Licht und sonnigen Augen der Mägdlein, - davon, dass im blühenden Tal einen das Dörfchen anlacht, andererseits auch die Zeichen der Industrialisierung: der rauchende Schlot, die flammende Esse, der Räder Gebraus, der Hämmer Gesaus, die die fleißige Hand rühmen.

Und - als hätte der Textdichter, der Solinger Rudolf Hartkopf (1859–1944), die heutige Ausstellung geahnt – heißt es fast neidvoll in der 5. Strophe:


Keine Rebe wohl ranket am felsigen Hang,
kein mächtiger Strom fließt die Täler entlang.

… mit Blick auf das Mittelrheintal sowie die Eifel mit Mosel und Ahr, um dann selbstbewusst fortzufahren:

Doch die Wälder sie rauschen so heimlich und traut,
ob grünenden Bergen der Himmel sich blaut,
drum bin ich auch weit an dem fernesten Strand:
|:Schlägt mein Herz der Heimat, dem Bergischen Land.:|

„In der Ferne die Nähe“ hier im Lied - in rheinischer Frohnatur.
„Die nahe Ferne“ in der Landschaftsmalerei im preußischen Rheinland wird uns Herr Marcell Perse Ende September in Jülich und Anfang Oktober Leverkusen vortragen.

Gerne möchte ich auf zwei weitere Veranstaltungen in Leverkusen hinweisen:
Am 25. Oktober spielt die Musikschule in der Villa Römer unter dem Titel „Warnung vor dem Rhein“ Werke von Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann und Antonín Dvorák.
Zu dieser musikalischen Reise lade ich Sie herzlich ein.
Ebenso sind Sie willkommen zu einem Fachgespräch mit Dr. Markus Heinzelmann, Leiter des Leverkusener Museums für Moderne Kunst, dem Museum Morsbroich, am 27. Oktober.
Dr. Heinzelmann wird erläutern, welche aktuellen künstlerischen Trends auf die Düsseldorfer Malerschule zurückgehen.

Sie sind nun sicher ebenso gespannt wie ich auf die fachlichen Erläuterungen von Herrn Dr. Vomm zur Ausstellung hier in Zitadelle Jülich.
Er brachte uns schon in Leverkusen wesentliche Aspekte dieser Werkschau nahe.

Ich wünsche Ihnen interessante Einsichten in die Malerei des preußischen Jahrhunderts.

Den Ausstellungsmachern spreche ich nochmals meinen herzlichen Dank aus - und Anerkennung für ihre ambitionierte, historische Rückschau.

Ihnen allen einen schönen Nachmittag!"


Ort aus dem Stadtführer: Musikschule, Grenzen
Denkmäler aus dem Artikel: Villa Römer
Anschriften aus dem Artikel: Albert-Einstein-Str 58, Alte Landstr 129

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