Stadtplan Leverkusen
11.09.2011 (Quelle: Stadtverwaltung)

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Eröffnung Ausstellung "Frauenzimmer"



Soeben hielt Bürgermeisterin Josefa Lux anläßlich der Eröffnung der Ausstellung "Frauenzimmer" im Museum Morsbroich folgende Rede:

"Sehr geehrter Herr Stevermann,
sehr geehrte Frau Wißborn,
sehr geehrte Frau Spermann,
sehr geehrter Herr Dr. Heitmann,
sehr geehrte Frau Dr. Jansen,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich möchte Sie sehr herzlich zur Eröffnung der Ausstellung "Frauenzimmer" im Museum Morsbroich begrüßen.

Das ist ein Ausstellungstitel, der sofort unsere Aufmerksamkeit fesselt:
"Frauenzimmer"! Er ist spielerisch, durchaus provokativ und vieldeutig zugleich:

- Der Titel bezieht sich zum Beispiel auf den Raum in meinem Rücken, den wir heute den "Kleinen Spiegelsaal" nennen, der aber ursprünglich im 19. Jahrhundert von der Freifrau von Diergardt als so genannter "Großer Damensalon" eingerichtet wurde.
- In diesem Sinne bezieht sich der Titel auch auf die vielen, vor allem französisch geprägten Salons seit dem 18. Jahrhundert, mit denen häufig adelige Frauen das intellektuelle und kulturelle Leben ihrer Städte und Gemeinde prägten.
- Und natürlich denken wir an den antiquierten Gebrauch des Wortes "Frauenzimmer", der früher einmal den Hofstaat einer Dame bezeichnet hat und heute gerne abschätzig für eine Frau verwendet wird, die ihre Fraulichkeit selbstbewusst vor sich herträgt.

All diese unterschiedlichen Sichtweisen und Deutungsmöglichkeiten werden von dem eigenwilligen Titel hervorgerufen. Er löst Bilder und Vorstellungen aus und regt auch dazu an, über klassische Themen der Frauenbewegung nachzudenken: über die Gleichstellung der Frau, Geschlechteridentität, die Frage nach der Quote, Frauenrechte, aber auch über den geschlechtsspezifischen Umgang mit dem Raum, wie ihn schon die Freifrau von Diergardt in Morsbroich gepflegt hat.

Spielerisch und ohne erhobenen Zeigefinger führt uns der Titel "Frauenzimmer" auf kürzestem Weg zu einem gesellschaftlichen und auch politischen Zusammenhang, der in der Lage ist, unsere Emotionen zu mobilisieren.

Und auch ich reflektiere ganz automatisch meine Rolle: Ich stehe hier als Bürgermeisterin der Stadt Leverkusen im Spiegelsaal des Museums und repräsentiere ein großes Gemeinwesen. Dies ist nur möglich, weil sich - verkürzt gesprochen - die im 19. Jahrhundert formierte Frauenbewegung für die Rechte der Frauen und deren Gleichberechtigung innerhalb der Gesellschaft engagiert hat. 1918 resultierte daraus in Deutschland das aktive und passive Wahlrecht für unser Geschlecht.

Heute scheinen für uns die Themen Emanzipation oder Feminismus daher manchmal einer fast schon abgeschlossenen Ära anzugehören, auf die wir mit dem distanzierten Urteil des Historikers zurückblicken. Die kämpferischen Parolen der 1970er und 1980er Jahre sind derzeit nicht ,En Vogue'. Sie scheinen seit dem Ende des vergangenen Jahrhunderts ein wenig langweilig, veraltet und überholt zu sein.

Denn wie hat sich die Realität in den letzten Jahren und Jahrzehnten gewandelt:

In Nordrhein-Westfalen regiert eine Ministerpräsidentin. Eine Bundeskanzlerin regiert im Land. Wir finden Frauen in der Industrie, in der Lehre, in der Wissenschaft, im Handel - in praktisch allen Bereichen des beruflichen und sozialen Lebens. Frauen, so scheint es, haben selbstbewusst ihren Platz, ihren Ort innerhalb unseres sozialen und politischen Lebens eingenommen. und dennoch regt sich seit einigen Jahren erneut ein Unwohlsein, ein Unmut über die gesellschaftliche Situation. Die EU plant die Einführung einer Quotenregelung für die Arbeitswelt, weil Frauen weiterhin in punkto Gehalt und beim Aufstieg in höchste Ämter benachteiligt werden. Gleichzeitig brandmarkt eine Autorin wie Bascha Mika die "Feigheit der Frauen" - so lautet der Titel ihres viel diskutierten Buches - und macht die Frauen selbst für ihre Diskriminierung in Job und Gesellschaft verantwortlich.

Sie sehen, meine Damen und Herren, dass bereits der Titel der Ausstellung so viele unterschiedliche Seiten zum Klingen gebracht hat, dass wir gespannt sein dürfen, wie die sieben Künstlerinnen mit der Herausforderung umgegangen sind, ihre Skulpturen und Installationen in den Räumen von Schloss Morsbroich auszubreiten.

Ich freue mich ganz besonders, dass diese Ausstellung von der Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, Ute Schäfer, so großzügig unterstützt wird. Und ich danke der Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West und der Lanxess AG, dass Sie sich als treue und hoch geschätzte Förderer des Museums für ein derart spannendes wie kontroverses Thema entschieden haben und damit ihre hohe Verantwortung für die Kunst und Gesellschaft gleichermaßen zum Ausdruck bringen.

Und es ist ein schönes Gefühl, das Wort an eine Frau übergeben zu dürfen, und zwar an Christina Spermann, die Leiterin der Sparda-Bank West in Leverkusen-Opladen.
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Letzte Änderung am 27.06.2014 16:32 von leverkusen.