Preisträgerkonzert „Jugend musiziert“: BM Marewski nimmt zu Sparnotwendigkeiten Stellung


Archivmeldung aus dem Jahr 2016
Veröffentlicht: 27.02.2016 // Quelle: Internet Initiative

Zum Preisträgerkonzert Jugend musiziert begrüßte Bürgermeister Bernhard Marewski gestern Musiker und Zuhöhrer in der Musikschule mit folgender Rede:

"Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Regionalwettbewerbs von „Jugend musiziert“;
ich begrüße Sie und besonders Euch junge Menschen herzlich zum Konzert der Preisträger dieses renommierten Musikwettbewerbs.
Zum 53. Mal hat dieser angesehene Wettbewerb stattgefunden. Für viele musizierende Kinder und Jugendlichen ist er ein Meilenstein für ihre musikalische wie persönliche Entwicklung und ist oft prägend für das ganze Leben.
Ich freue mich mit Ihnen auf ein Konzert der Leverkusener Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die in ihren jeweiligen Fächern zu den Besten gehören. Eine beachtliche Zahl von ihnen hat sogar einen ersten Preis mit Weiterleitung zum Landeswettbewerb erhalten und fiebert nun der nächsten Stufe entgegen.
Dazu drücken wir ihnen alle Daumen.
Bevor wir uns aber dem heutigen Konzert widmen, lassen Sie mich einige Sätze voranstellen.
Wer in dieser Woche die Medien verfolgt hat, stieß dort auf Schlagzeilen über geforderte Einsparungen der Stadt Leverkusen im Kulturbereich, die auch die Musikschule betreffen.
Diese Berichte werfen verständlicherweise Fragen für die Zukunft auf.
Was am Montag aber den politischen Gremien Finanzausschuss und Betriebsausschuss KulturStadtLev erstmalig vorgestellt wurde, sind bisher nur „Vorschläge“ von externen
Unternehmensberatern im Auftrag der Gemeindeprüfungsanstalt NRW.
Entschieden ist bisher nichts. Die Verwaltung wird vielmehr die vorgeschlagenen Sparmaßnahmen gewissenhaft prüfen - dies im Dialog mit der Politik und der Bürgerschaft - und anschließend den politischen Entscheidungsgremien ihre Empfehlungen vorstellen.
Die Beratungen darüber sind für die kommenden Monate angesetzt - bis zur Entscheidung voraussichtlich (!) Ende Juni.
Als Mitglied im Betriebsausschuss KulturStadtLev versichere ich Ihnen, dass die Politik sich diese Entscheidungen nicht leicht machen wird.
Gerade die Musikschule Leverkusen bereichert das kulturelle Leben der Stadt mit ihren Konzerten ungemein. Und ihre Leistungen im pädagogischen Bereich – angefangen bei der Früherziehung bis zur Ensemble-Arbeit – sind immer wieder viel gelobt … und das zu Recht.
Dafür haben Herr Ohrem als Leiter der Musikschule und seine sehr engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich hohe Anerkennung verdient.
Für mich überhaupt nicht nachvollziehbar ist die Behauptung des beauftragten Wirtschaftsprüfungsunternehmens KPMG, unsere Stadt Leverkusen habe im Kulturangebot seit anderthalb Jahrzehnten über ihre Verhältnisse gelebt.
Das Gegenteil ist der Fall. Wie in keinem anderen Bereich musste in den zurückliegenden Jahren immer wieder zwingend in der Kultur gespart werden – weil von Staats wegen Kosten hier ja „nur“ als sog. „freiwillige Leistungen“ gesehen werden.
Da wurde erheblich Personal abgebaut, an Angeboten gespart, sich eingeschränkt, - es wurden aber auch Gebühren erhöht, um einen besseren Kostendeckungsgrad zu erzielen.
Neben dem Museum Morsbroich hat man die Musikschule Leverkusen als zweite Zitrone ausgemacht, die man auspressen soll.
Da wird behauptet: Die Kostenstruktur könne man ja entscheidend verbessern, wenn man festangestellte Musiklehrer durch Honorarkräfte ersetzen würde. Diese kosteten ja weniger als die Hälfte.
Das Leistungsspektrum würde dadurch nicht eingeschränkt und … und qualitativ mache das keinen Unterschied. Keine Ahnung, bitte kundig machen - kann hier nur gesagt werden.
Ich komme zur heutigen Veranstaltung.
Der Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“ hat eine lange Tradition.
In diesem Jahr fand er zum 53. Mal statt. In der Region wird er abwechselnd von den Städten Remscheid, Wuppertal, Solingen und Leverkusen ausgetragen.
Er ist der größte Musikwettbewerb für Kinder und Jugendliche.
Es ist daher sehr bedauerlich, dass die Teilnehmerzahlen in den letzten zwei Jahren um 40% gesunken sind.
Die Verantwortlichen von „Jugend musiziert“ sehen die Ursachen darin, dass Kinder und Jugendliche schulisch stärker belastet sind. Hier werden leider (!) die Auswirkungen der Ganztagsschule und des G8-Modells an den Gymnasien spürbar.
Musiklehrer, Musikschulen und der Bundesausschuss „Jugend musiziert“ fordern von Verantwortlichen auf allen politischen Ebenen, dass die Zeitpläne von Kindern und Jugendlichen Raum für außerschulische Bildung lassen, für Instrumental- und Gesangs-Unterricht sowie das tägliche Üben. Der Forderung schließe ich mich ausdrücklich an.
Die Musikschule Leverkusen hat sich diesen Herausforderungen gestellt und eine Kooperation mit allgemeinbildenden Schulen geschlossen für das „Drehtürmodell“, das Musikschulunterricht während der Zeit des Unterrichts der allgemeinbildenden Schulen erlaubt. In diesem Modell werden fast 10 % der Instrumental-Schülerinnen und -Schüler unserer Musikschule unterrichtet.
Der heutige Tag gehört nun den Preisträgerinnen und Preisträgern von „Jugend musiziert“.
Von 53 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Leverkusen haben 21 Kinder und Jugendliche einen 1. Preis mit der Weiterleitung an den Landeswettbewerb errungen.
Weitere 25 erhalten einen 1. Preis ohne Weiterleitung, und sieben einen 2. Preis.
Mit diesem Ergebnis kann sich Leverkusen sehen lassen!
Nun warten Sie vermutlich auf die Nennung der Dritten Preise.
Hier gibt es eine Entwicklung, die durchaus nachdenklich stimmt: Nach Leverkusen wurden keine vergeben.
Am Können liegt es allerdings nicht, dass Leverkusen keine Dritten und nur relativ wenige zweite Preise gewann. Vielmehr zeigt ein Blick auf die Meldungen: Nur die überwiegend sehr guten und hervorragenden jungen Musikerinnen und Musiker melden sich zum Wettbewerb an. Andere treten gar nicht mehr an. Das ist sehr schade.
Denn der Wettbewerb dient im jugendpflegerischen Sinne der Breitenförderung. Die erste Präferenz liegt darin, Kinder und Jugendliche zum Musizieren zu motivieren. Wie bei Olympia oder beim Halb-Marathon gilt auch hier: „Dabeisein ist alles!“ Auch dort gibt es ein Spitzenfeld, aber das hält niemanden von der Teilnahme am Wettbewerb ab.
Deshalb möchte ich zunächst allen diesjährigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern danken und gratulieren – ob sie nun Preise gewonnen haben oder nicht. Sich diesem Wettbewerb zu stellen, eigens ein differenziertes Programm einzustudieren und das Lampenfieber vor einer Jury zu überwinden, ist schon eine Leistung an sich.
Danken möchte ich auch den Eltern und den Lehrerinnen und Lehrern, die die Kinder und Jugendlichen auf dem Weg zum Wettbewerb unterstützt und begleitet haben.
Junge Menschen bei ihren Wünschen zu ermutigen und ihnen über Klippen hinwegzuhelfen – das weiß ich als langgedienter Lehrer aus Erfahrung – ist eine lohnende, gleichwohl auch anspruchsvolle Aufgabe. Gerade bei der Vorbereitung auf einen Wettbewerb wie diesen gehört viel Gespür dazu für den Grat zwischen Unter- und Überforderung.
Zu welchen musikalischen Leistungen Jugendliche bei entsprechender Förderung sich von den frühen Anfängen an entwickeln können, dürfen wir gleich bei diesem Konzert erleben.
Einige weiteren Worte des Dankes seien aber vorher noch erlaubt.
Zu danken haben wir
. den jungen Musikerinnen und Musikern, die uns ihr Können vorstellen möchten.
. den Lehrkräften, die sie mit viel Engagement - auch an den Wochenenden und in den Ferien – unterstützt haben,
. den Organisatorinnen und Organisatoren
. dem Förderverein der Musikschule Leverkusen.
Hier die Botschaft an die Gäste dieses Preisträgerkonzerts:
„Vergessen Sie bitte nicht, Ihr Dankeschön in Form einer Spende auszudrücken!“
. Und last but not least gilt ein besonderer Dank der Sparkasse Leverkusen, die traditionell Sachgeschenke für die Preisträgerinnen und Preisträger stiftet und die Musikschule seit Jahren großzügig unterstützt.
Ich freue mich daher, Frau Adams als Repräsentantin der Sparkasse Leverkusen begrüßen zu können.
Ihnen allen wünsche ich nun einen schönen Abend.
Herzlichen Dank!"


Anschriften aus dem Artikel: Albert-Einstein-Str 58, Alte Landstr 129

Kategorie: Politik,Kultur
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