Nachts am Opladener Bahnhof – Neue Bahnhofsbrücke und Opladener Bahnhof ein Angstraum?

Ein Selbstversuch und Forderungen

Archivmeldung aus dem Jahr 2016
Veröffentlicht: 04.09.2016 // Quelle: Friedrich Busch

Das Sicherheitsgefühl ist ein wesentliches Kriterium für die Bürger einer Stadt, sich in ihrem Lebensraum wohl zu fühlen und öffentliche Einrichtungen wie Brücken und Bahnhöfe anzunehmen.
Vor allem von den Planern (Architekten und Entscheidern) hängt es ab, ob sie die Sicherheitsbedürfnisse der Bevölkerung bei der Realisierung der Projekte bedacht und umgesetzt haben.

Wie sieht es unter der o.a. Fragestellung nun mit der neuen Bahnhofsbrücke und dem neu gestalteten Bahnhof in Opladen aus? Die im Dezember 2015 eröffnete Bahnhofsbrücke wird von 10 000 Menschen tagtäglich begangen, davon alleine ca. 6.000 Bahnkunden.
Der Opladener Ratsherr Friedrich Busch hat Brücke und Bahnhof in der Dunkelheit um 22:30 Uhr besucht.

Folgende Forderungen an die Stadtverwaltung sind die Konsequenz des nächtlichen Besuches:
1. Die Stadt Leverkusen wird aufgefordert, dass der städtische Aufzug im Treppenturm täglich gesäubert wird. Dies kann durch das Reinigungspersonal erfolgen, das täglich die nahe gelegene Toilettenanlage auf- und abschließt.
Begründung: Der Aufzug befindet sich regelmäßig in einem äußerst verdreckten Zustand. Es ist eine Zumutung, mit diesem Aufzug fahren zu müssen.

2. Die Stadt Leverkusen wird aufgefordert, dass die Lichtverhältnisse auf der Bahnhofsbrücke verbessert werden. Die Lichtquellen der Brücke befinden sich im Handlauf der Brücke und geben eher ein indirektes Licht mehr nach unten Richtung Boden ab als nach oben. Hier muss dringend nachgebessert werden.
Begründung: Die im Handlauf des Brückengeländers integrierten Lichtquellen leuchten die Brücke in der Dunkelheit nicht angemessen aus. Personen auf der Brücke sind teilweise nur schemenhaft im Dunkeln zu erkennen. Ein Sicherheitsgefühl stellt sich nicht ein. Das Vorgehen, die Lichtquellen in den Brückenhandlauf zu integrieren, mag eine architektonisch-ästhetische Finesse der Brückenbauer sein, entspricht aber nicht dem Anspruch vieler Bürger nach guten Lichtverhältnissen in der Nacht.

3. Die Stadt Leverkusen wird aufgefordert, in Verhandlungen mit der DB Station& Service einzutreten, dass auf den neu gebauten Bahnsteigen 1 und 2/5 eine Videoüberwachung stattfindet.
Begründung: Mit Schreiben vom 18.02.2016 hat DB Station&Service Ratsherrn Friedrich Busch mitgeteilt, dass im Rahmen des Umbaus des Opladener Bahnhofs „aus derzeitigen Sicherheitserkenntnissen keine Videoüberwachungsmaßnahmen vorgesehen“ sind. Mittlerweile hat auch in Bereichen der DB Station&Service ein Umdenken stattgefunden: Dem Sicherheitsanspruch der Bahnkunden wird vielerorts Rechnung getragen, dass auch mittlere Bahnhöfe jetzt mit Videoüberwachung ausgestattet werden. Dies muss auch für den Opladener Bahnhof zutreffen.


Hier der Bericht über die Erfahrungen des nächtlichen Bahnhofbesuches:
„Vom Bahnhofsvorplatz aus fällt zunächst auf, dass die Türe des städtischen Aufzuges aufsteht, innen aber hell erleuchtet ist. Der Aufzug ist in einem verdreckten Zustand und es taucht die Frage auf, wann hier zum letzten Mal gesäubert worden ist. Auf der Brücke angekommen, will ich zunächst zum Behelfsbahnsteig 1. Eigentlich könnte ich mit dem Aufzug, für den die Deutsche Bahn zuständig ist, nach unten fahren, er ist aber außer Betrieb. Die viel versprochene Barrierefreiheit ist nicht gegeben. Unten angekommen tauche ich in ein diffuses Licht ein. Die wenigen Personen, die auf die Regionalbahn 48 warten, sind bei den Lichtverhältnissen nur ungenau zu erkennen. Eindeutig ein Angstraum! Mit der funktionierenden Rolltreppe fahre ich schnell nach oben, um auf Bahnsteig 2 zu gelangen.
Die Bahnsteige sind zusammen mit den Rolltreppen und Aufzügen im Rahmen der Modernisierungsoffensive 2 der DB umgebaut worden. Der Bahnsteig 2/5 ist im Gegensatz zu Bahnsteig 1 fertiggestellt. Rolltreppe und Bahnsteig (im Bereich des Bahnsteigdaches) sind taghell erleuchtet, ein Angstgefühl stellt sich nicht ein. Ein Tipp: Bahnreisende sollten im vorderen Teil des Zuges aussteigen, da die Lichtverhältnisse im Bereich des Bahnsteigdaches im Gegensatz zum hinteren Teil des Bahnsteiges sehr gut sind.
Nun hinauf zur Bahnhofsbrücke. Im Gegensatz zu dem hell erleuchteten Bahnsteig 2/5 herrscht auf der Bahnhofsbrücke eher ein indirektes, mehr schummriges Licht. Ich kann gerade noch erkennen, dass sich eine Person auf der Brücke aufhält. Sie lehnt gegen das Geländer und schaut in meine Richtung. Aufgrund der reduzierten Brückenbeleuchtung kann ich das Gesicht der Person nicht erkennen. In der Regel schaue ich in das Gesicht, um die Absichten meines Gegenübers entschlüsseln zu können. Das ist unter den beschriebenen Bedingungen nicht möglich und macht mich unsicher.
Beim Verlassen der Brücke wird mir bewusst, dass die Lichtquellen im Handlauf des Brückengeländers integriert sind. Ich bin froh, wieder bei meinem Auto angekommen zu sein.

Fazit: Für viel Geld ist eine 106 Meter lange Brücke errichtet worden. Die Bahnsteige sind im Rahmen einer Modernisierungsoffensive der DB mit Rolltreppen und Aufzügen aufwendig neu gebaut worden, aber wesentliche menschliche Bedürfnisse nach Sicherheit und Ordnung sind außen vor geblieben und das ist schade! Für viele Menschen in unserer Stadt sind Bahnhofsbrücke und neue Bahnanlage zu einem weiteren Angstraum geworden!


Anschriften aus dem Artikel: Albert-Einstein-Str 58, Alte Landstr 129

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