Stadtplan Leverkusen
10.07.2020 (Quelle: Internet Initiative)
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StadtRäume – Tagung


Kulturgeschichtliche Annäherungen an die ‚Zwischenkriegszeit‘ im Rheinland (und Europa)

An diesem Wochenende trifft sich der Opladener Geschichtsverein (OGV) mit Vertretern des befreundeten Jülicher Geschichtsvereins (JGV) sowie Partnern aus Ratibor und Villeneuve sowie weiteren Interessenten zum Thema "StadtRäume – Kulturgeschichtliche Annäherungen an die ‚Zwischenkriegszeit‘ im Rheinland (und Europa)" in der Thomas-Morus-Akademie in Bensberg.

Die Tagung wird geleitet von Michael Gutbier (OGV), Guido von Büren (JGV), Wolfgang Hasberg (Uni Köln und wissenschaftlicher Beirat des OGV) sowie Andreas Würbel (Thomas-Morus-Akademie).

Ergänzungen des OGV (Jörn Wenge) vom Montag
Geschichtsvereine planen internationales Projekt zur Zwischenkriegszeit
Workshop zeigt historisches Panorama auf


Vor zwei Jahren erregte die Fernsehserie „Babylon Berlin“ große Aufmerksamkeit. Sie ließ das Berlin der 1920er Jahre wiederauferstehen, mit all seinem Reiz, aber auch den politischen Konflikten und dem sozialen Elend. Eine Erkenntnis für viele Zuschauer: Das, was die Menschen damals bewegte, ist uns gar nicht so fremd. Weil das nicht nur für Berlin gilt, sondern auch für das Rheinland, unternimmt der Opladener Geschichtsverein nun gemeinsam mit dem Jülicher Geschichtsverein den Versuch, diese Zeit auch den Menschen in unserer Region aus heimischer Perspektive näherzubringen.

Als Startschuss für die Arbeit an dem Projekt „StadtRäume - Europäische Städte als kulturelle Räume in der ‚Zwischenkriegszeit‘“ haben die beiden Vereine am vergangenen Wochenende einen Workshop in der Thomas-Morus-Akademie (Bensberg) veranstaltet. „Für die Geschichte von Leverkusen ist dieser Zeitraum sehr wichtig“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Hasberg (Köln). Leverkusen entstand als Stadt erst 1930 als Zusammenschluss von Wiesdorf mit den Gemeinden Schlebusch, Steinbüchel und Rheindorf. Ganz so hoch her wie in „Babylon Berlin“ ging es damals zwar nicht, „spannend war die Entwicklung hin zur jungen Stadt und die angrenzender Kommunen wie der damaligen Kreisstadt Opladen aber allemal“, sagt Hasberg.

In mehreren Vorträgen und in lebhafter Diskussion zeichneten die Workshop-Teilnehmer ein vielfältiges Panorama, insbesondere der 1920er Jahre. So skizzierte Prof. Dr. Stefan Goch (Düsseldorf) die Herausforderungen, die sich den zahlreichen, oft binnen weniger Jahrzehnte auf der „grünen Wiese“ emporgeschossenen Industriestädten in der Rheinprovinz stellten. Der damals herrschende Wohnungsmangel und die oftmals noch unzureichende Infrastruktur ließen durchaus Parallelen zu heutigen Verhältnissen erkennen. In Kunst und Kultur brach sich die Moderne damals endgültig Bahn (Prof. Dr. Gertrude Cepl-Kaufmann, Düsseldorf). In Leverkusen war es der Architekt Wilhelm Fähler, der mit seinen Bauten wie dem ehemaligen Carl-Duisberg-Gymnasium das Gesicht der neuen Stadt prägte und mit der Kleinhaussiedlung „Heidehöhe“ Arbeitern ein Zuhause gab (Jan Sting). In dieser Zeit liegen auch die Anfänge der Leverkusener Musikschule (Ingeborg Rüttermann, Leverkusen).

Interessant auch, wie sich allgemein die Städte im Rheinland in der großen Hyperinflationskrise von 1923 als Krisenmanager an der „Basis“ profilierten. Das lässt an an die anspruchsvollen Aufgaben der Kommunen in der Corona-Krise denken (Prof. Dr. Christoph Nonn, Düsseldorf). Bei allem Aufbruch blieb manches jedoch auch beim Alten, zumindest auf den ersten Blick: Im ländlichen Lützenkirchen etwa gaben noch immer die altehrwürdigen Vereine den Ton an. Wer hier Teil der Dorfgemeinschaft werden wollte, musste erst einmal Mitglied werden, zum Beispiel im Schützenverein, der 1423 erstmals erwähnt wurde und noch heute besteht. (Stefanie Weyer, Leverkusen).

Zunächst noch in den bekannten Bahnen des Kaiserreichs bewegte sich auch die Kulturarbeit von Bayer. Erst, als die Nationalsozialisten in Deutschland und auch im Rheinland die Macht übernahmen, boten die Kulturmanager des Konzerns den Arbeitern der damaligen I. G. Farben mehr als Chorgesang und klassische Musik. Die neue, „modernere“ Ansprache diente jedoch unverkennbar auch der Beeinflussung im Sinne der nun herrschenden nationalsozialistischen Ideologie (Sophie Spiegler, Leverkusen). Die zahlreichen Arbeitervereine und -organisationen, die in Jahren zuvor das Leben vieler Werksarbeiter geprägt hatten, waren da schon aufgelöst oder gleichgeschaltet worden (Reinhold Braun, Leverkusen).

Ein vielfach beachtetes Großereignis der 1920er Jahre waren indes die „Rheinischen Jahrtausendfeiern“. Sie sollten 1925 mithilfe eines durchaus waghalsigen Rückgriffs auf das Frühmittelalter die Zugehörigkeit des Rheinlands zu Deutschland betonen, schließlich war dieses zu diesem Zeitpunkt noch von den Siegermächten des Ersten Weltkriegs besetzt. Historische Ausstellungen und Vorträge, aber auch Festumzüge, Sportwettkämpfe oder Theateraufführungen lockten damals in vielen Städten und Gemeinden die Menschen in Massen an. Wie sehr sich auch die Menschen im Raum Leverkusen dafür begeistern ließen, ist noch nicht genau geklärt (Jörn Wenge, Leverkusen).

Beantwortet wird diese Frage nun vielleicht im weiteren Verlauf des Projekts. Dieses ist auf drei Jahre angelegt und soll auch eine starke europäische Perspektive entwickeln. Für diese setzte sich Dr. Markus Prutsch ein, der als Verantwortlicher Wissenschaftler und Forschungsadministrator im Europäischen Parlament tätig ist. Das war ganz im Sinne der beiden Geschichtsvereine. Neben Bürgermeister Bernhard Marewksi und Vertretern von Institutionen wie dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) nahmen schließlich auch Gäste aus den Leverkusener Partnerstädten Ratibor (Oberschlesien/Polen) und Villeneuve d‘Accq (Frankreich) teil. Mit ihnen und Vertretern weiterer Partnerstädte sollen bei einem weiteren Workshop im Herbst gemeinsam Projekte entwickelt werden. Auch ein Filmprojekt ist angedacht. Das wird im Ergebnis sicherlich nicht so opulent werden wie „Babylon Berlin“, soll aber nicht minder aufschlussreich sein.

Freitag

Einleitung



Stefan Goch: Urbanisierung als Epochenmerkmal der „Zwischenkriegszeit“



Markus J. Prutsch: Europäisches historisches Erinnern


Gertrude Cepl-Kaufmann: 30 Jahre "Moderne im Rheinland"


Samstag

Jan Sting: Wilhelm Fähler - Städtebau in Leverkusen


Sophie Spiegler: Bayer und Kultur in der Zwischenkriegszeit
Ingeborg Rüttermann: Die Anfänge der Musikschule


Stefanie Weyer: Kultur in der Landgemeinde Lützenkirchen


Reinhold Braun: Arbeiterkultur in Leverkusen 1918-1933

Sonntag

Jörn Wenge: Jahrtausendfeiern



Christoph Nonn - Stadtentwicklung und Krisenjahr 1923


Zusammenfassung


29 Bilder, die sich auf StadtRäume – Tagung beziehen:
12.07.2020: Richard Belostyk
12.07.2020: Renata Sput
12.07.2020: Michael Gutbier
12.07.2020: Piotr Sput
12.07.2020: Marvin Halfmann
12.07.2020: Lino Schneider-Bertenburg
12.07.2020: Edgar Fritz
12.07.2020: Christoph Nonn
12.07.2020: Seminarablauf Sonntag
12.07.2020: Jörn Wenge
11.07.2020: Gliederung
11.07.2020: Stefanie Weyer
11.07.2020: Digitales Türschild
11.07.2020: Info-Bildschirm
11.07.2020: Werbe-Tisch
11.07.2020: Jan Sting
11.07.2020: Kühe
11.07.2020: Hand-Desinfektion
11.07.2020: Hand-Desinfektion
10.07.2020: Europäisches historisches Erinnern
10.07.2020: Förderer
10.07.2020: Bernhard Marewski
10.07.2020: Michael Gutbier
10.07.2020: Kardinal-Schulte-Haus, Einfahrt
10.07.2020: Kardinal-Schulte-Haus, Banner
10.07.2020: Kardinal-Schulte-Haus
10.07.2020: Bernhard Marewski
28.06.2020: StadtRäume
11.06.2020: Urban Spaces


5 PDFs, die sich auf diese Meldung beziehen:
00.00.2020: Forschungsnetzwerk
00.00.2020: Seminar 30.10 - 1.11.2020
00.00.2020: Workshop StadtRäume
00.00.2020: Tagungsablauf 10.-12.07.20
00.00.2020: Förderer

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Letzte Änderung am 13.07.2020 10:07 von leverkusen.
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