Unterschätzte Gefahr: Baden im Rhein


Archivmeldung aus dem Jahr 2014
Veröffentlicht: 23.07.2014 // Quelle: Stadtverwaltung

Die Sonne scheint, die Temperaturen liegen über 30 Grad - da lockt ein Sprung ins kalte Wasser. Wer sich dafür jedoch eine der vermeintlich ruhigen und stillen kleinen Rheinbuchten aussucht, spielt mit seinem Leben. Ein solcher Freizeitspaß kann tödlich enden.

Welche Gefahren das Schwimmen selbst im flachen Uferbereich birgt und wie man sich im Ernstfall verhalten sollte, erläuterten Brandoberinspektor Marc Oberliessen, Strömungsretter Lars Bredthauer und Bootsführer Ralf Neuhaus von der Berufsfeuerwehr Leverkusen sowie Christoph Kutz, Aufstiegsbeamter der Berufsfeuerwehr Bochum, heute bei einer Fahrt mit dem Mehrzweckboot der Feuerwehr auf dem Rhein. Dabei wurde gleichzeitig die Rettung einer im Wasser treibenden Person geübt. Die Feuerwehr Monheim unterstützte die Übung mit einem Begleitboot und insgesamt vier Kräften.

Immer wieder muss die Feuerwehr Leverkusen zu Rettungseinsätzen auf dem Rhein ausrücken. Dabei ist es reines Glück, wenn die Person noch selbst ans Ufer gelangt und medizinisch versorgt werden muss. Es kann auch anders ausgehen: Im Jahr 2013 verunglückten im Rhein rund um Leverkusen vier Personen, darunter ein Kind, tödlich. Erst vor wenigen Tagen ging die Meldung durch die Medien, dass sich ein junger Mann bei Düsseldorf im Rhein abkühlen wollte und dabei vermutlich ertrank.

Gefährliche Strömungen können entstehen
Der Fluss wirkt an vielen Stellen harmlos: Uferstellen mit Steinstegen, die den Rhein für die Schifffahrt verlangsamen sollen, ziehen Badegäste an, die sich bedenkenlos ins vermeintlich ruhige Wasser begeben. Allerdings können sich am Ende dieser künstlichen Landzungen gefährliche Strudel und Strömungen bilden, die selbst geübte Schwimmerinnen und Schwimmer in die Flussmitte oder unter Wasser ziehen. Durch den Wasserstand, durch vorbeifahrende Schiffe und Treibgut entsteht an eben noch harmlos scheinenden Badestellen kurzfristig Lebensgefahr.

Schiffe bahnen sich einen Weg durch das Wasser und schieben Wellen vor dem Bug her. Hinter ihnen folgt ein großer Unterdruckbereich, dem wiederum große Heckwellen folgen. Die Wellen, die das Schiff erzeugt, entwickeln eine gefährliche Sogwirkung. Sie können badende Kinder aus dem schützenden Bereich zwischen den Kribben hinaus in die Strömung reißen. Die nächste Sogwelle entsteht, wenn die Wellen aus dem Kribbenbereich wieder herauslaufen. Wenn Kinder bei der Sogwirkung des Schiffes dem sinkenden Wasserstand hinterherlaufen, werden sie von der nachfolgenden Welle erfasst, überspült oder sogar mitgerissen.

In vielen Fällen sind es auch die Helfer selbst, die bei einem Rettungsversuch ums Leben kommen. Ein fataler Fehler ist dabei, voll bekleidet ins Wasser zu springen. Die Kleidung saugt sich schnell mit Wasser voll und zieht den Körper zusätzlich unter die Wasseroberfläche. Wenn dann zusätzlich die Wassertemperatur sehr niedrig ist, sind Erschöpfung und Krämpfe vorprogrammiert – und der Retter muss selber gerettet werden.

Fließgeschwindigkeit nicht unterschätzen
Auch wird oftmals die Fließgeschwindigkeit des Rheins unterschätzt. So fließt das Wasser in der Fahrrinne für die Schiffe bis zu 8 km/h schnell. Dies hört sich zunächst langsam an; allerdings erreichen ungeübte Freizeitschwimmer diese Geschwindigkeit nicht annähernd. Sie können daher die Fließgeschwindigkeit aus eigener Kraft nicht kompensieren und werden bei schwindenden Kräften z.T. kilometerweit abgetrieben. Besondere Gefahren lauern an Bojen, Brückenpfeiler und Ankerketten von Anlegern. Hier sammelt sich unter Wasser oft Treibgut, woran eine Person schnell hängenbleiben bzw. nach unten gezogen werden kann.

Rettungsmaßnahmen der Hilfskräfte, seien es Polizei, Feuerwehr oder DLRG, gestalten sich oft schwierig. Da die in der Notsituation befindliche Person in der Regel bereits viele hundert Meter oder sogar Kilometer abgetrieben sein kann, ist das Suchgebiet recht groß. Auch der Einsatz von Rettungstauchern kann aufgrund der starken Strömung nur sehr bedingt und mit entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen, wie z.B. Sicherheitsleinen, stattfinden.

Die Feuerwehr Leverkusen rät daher:
Füße baden ja, Schwimmen nein!
Das Baden ist im Umkreis von 100 Meter um Häfen, Brücken, Schleusen, sowie Schiffs- und Fähranlegerstellen ordnungsbehördlich verboten. Dass gilt z.B. am Hitdorfer Hafen, an der Rheinfähre (Hitdorf - Köln Langel) sowie an der „Wacht am Rhein“.
Gerät man in den Sog des Flusses: Ruhig bleiben, nicht gegen die Strömung schwimmen, sondern mit der Strömung Richtung Ufer schwimmen, Kräfte einteilen.
Wird eine Person im Rhein gesichtet: Als erstes den Notruf 112 wählen. Den genauen Standort mitteilen, dazu den Rheinkilometer nennen, der auf großen Schildern am Ufer ablesbar ist. Auf keinen Fall ins Wasser gehen, sondern die Person im Rhein ununterbrochen beobachten und am Ufer mitgehen, dabei den Kontakt zur Leitstelle über den Notruf 112 halten, ggfs. den Rettungskräften den Weg zur Person aufzeigen

Schwimmt eine Person in Ufernähe, sollten sich nur sehr geübte Schwimmer (z.B. ausgebildete und erfahrene Rettungsschwimmer, die die Strömungsverhältnisse kennen und einzuschätzen wissen) ins Wasser begeben, um Hilfe zu leisten.


Anschriften aus dem Artikel: Alte Landstr 129, Albert-Einstein-Str 58

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