"Neue Strukturen und Portfolio-Optimierung für eine bessere Performance"

Werner Wenning auf dem 11. Europa-Forum bei Bayer
Möller: Umbau in Europa erfordert schnellen Informationsaustausch

Archivmeldung aus dem Jahr 2002
Veröffentlicht: 02.09.2002 // Quelle: Bayer

"Wir werden alles daran setzen, unser operatives Geschäft nachhaltig zu verbessern und den Unternehmenswert zu steigern. Dies gelingt uns nur dann, wenn die neue Ausrichtung des Konzerns schnell und erfolgreich umgesetzt wird", betonte Bayer-Vorstandsvorsitzender Werner Wenning auf dem 11. Europa-Forum des Unternehmens im Landwirtschaftszentrum Monheim. Rund 80 Teilnehmer - Betriebsräte, Landessprecher und Geschäftsführer - aus 15 Ländern trafen sich dort vom 28. bis 30. August zum europaweiten Informations- und Meinungsaustausch. Bayer beschäftigt weltweit über 124.000 Mitarbeiter, davon ca. 70.000 in Europa.

Jahr des Übergangs - Steigerung des Unternehmenswertes

In seinen Erläuterungen zur wirtschaftlichen Situation des Konzerns bezeichnete Wenning 2002 als das Jahr des Übergangs. So habe der Umsatzausfall des Cholesterinsenkers Lipobay sowie der Integrationsaufwand aufgrund der Akquisition von AventisCropScience erhebliche Auswirkungen.
Hinzu komme der anhaltende Margendruck bei Polymere und Chemie. Das führte dazu, dass der Konzernumsatz des fortzuführenden Geschäfts im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7 Prozent auf 14,3 Mrd. Euro zurückging. Andererseits zeigten umfangreiche Kostenstrukturprojekte bereits Wirkung, gebe es Ergebnisverbesserungen bei den Biologischen Produkten und Diagnostika, eine positive Netto-Cashflow-Entwicklung sowie Sondererträge aufgrund von Portfoliomaßnahmen. Der Vorstandsvorsitzende zeigte sich optimistisch, dass der Konzerngewinn gegenüber dem Vorjahr verbessert werden könne. Mit dem Erreichen der unternehmerischen Ziele werde sich auch der Kurs der Bayer-Aktie erholen.

Wenning ging vor den Teilnehmern des Europa-Forums besonders intensiv auf die Notwendigkeit des Konzernumbaus - unter dem Dach einer strategischen Management-Holding wird es vier Teilkonzerne und drei Servicegesellschaften geben - ein. Es gelte, die neue Struktur mit einer stärkeren Ausrichtung zum Unternehmertum erfolgreich umzusetzen, strategische Herausforderungen zu bewältigen, Kosten zu senken sowie das Portfolio zu optimieren. Dazu müssten die Teilkonzerne selbständig für das weltweite operative Geschäft verantwortlich sein. Aber auch zukünftig verstehe man Bayer "als gemeinsamen Wert". Wenning: "Wir bauen auf Integrität, Offenheit, Verständnis und Vertrauen. Nur mit engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und mit Unterstützung der Arbeitnehmervertreter können wir Wettbewerbsvorteile erlangen und wieder Spitzenpositionen erreichen.

" Striktes Kostenmanagement und Personalabbau in Europa "

Mit rund 40 Prozent Anteil am Konzern-Umsatz bleibt Europa auch in den nächsten Jahren unser wichtigster Markt", betonte Dr. Richard Pott, seit April 2002 Arbeitsdirektor und im Vorstand der Bayer AG zuständig für Personal und Strategie. Die Umsatzentwicklung im ersten Halbjahr sei auch in Europa unbefriedigend und liege im fortzuführenden Geschäft 6 Prozent unter dem Vorjahreswert. Wesentliche Ursachen dafür seien rückläufige Mengen und starker Preisdruck. "Wir müssen im weltweiten Konkurrenzkampf den Anschluss an die Wettbewerber halten", so Pott. Er schloss einen Arbeitsplatzabbau im Rahmen eines strikten Kostenmanagements für die nächsten Monate und Jahre deshalb nicht aus. Allerdings solle die Reduzierung der Belegschaft mit Augenmaß und möglichst sozialverträglich gestaltet werden. Von Januar bis Ende Juni dieses Jahres wurden in Europa über 1000 Stellen gestrichen, davon 600 in Deutschland, 200 in Frankreich und rund 100 in Großbritannien/Irland.

"Nicht alle Räder zum Stillstand bringen"

Mit Blick auf die neuesten Entwicklungen in der europäischen Chemikalienpolitik warnte Pott vor einer zu starken und kostenintensiven Reglementierung seitens der europäischen Umweltbehörden. Dies führe gegenüber den Wettbewerbern aus Übersee zu einer Gefährdung von Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätzen. Pott: "Akut bedroht sehen wir durch die sogenannten Weißbuch-Vorgaben auch den Forschungsstandort Europa". Kritik übte der Arbeitsdirektor außerdem an der vorgesehenen Novellierung des Gewässerschutzes. "Null-Emissionen sind eben nicht überall möglich, wenn wir nicht alle Räder zum Stillstand bringen wollen." Bayer nehme die Selbstverpflichtung im Umweltschutz sehr ernst. Anlässlich des Weltgipfels zum Klimaschutz in Johannesburg bekräftigte der Konzern, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2010 im Vergleich zu 1990 weltweit um mehr als 50 Prozent zu senken. Pott: "Damit liegen wir über den festgelegten Reduktionen für die Europäische Union und weit über den von der Bundesregierung für Deutschland übernommenen Verpflichtungen." In Deutschland habe Bayer dieses Ziel bereits heute, acht Jahre vor Plan, erreicht.

Grenzüberschreitende Entwicklungen

Der wiedergewählte Vorsitzende des Europa-Forums und Betriebsratsvorsitzende des Werkes Brunsbüttel, Hans-Joachim Möller, sagte, eine engere Einbindung der Arbeitnehmervertreter in die grenzüberschreitenden Entwicklungen werde immer notwendiger. Mit Blick auf die neuen Konzernstrukturen betonte er: "Der Umbau in Europa wird weiter gehen und die Notwendigkeit des schnellen Informationsaustausches nimmt zu." Möller wies auf die deutlichen Unterschiede der Arbeitnehmerbeteiligung an unternehmerischen Vorhaben besonders in den verschiedenen Ländern Europas hin. Es gelte, diese Unterschiede zu respektieren und nicht zu versuchen, ein Modell als allgemeingültig zu betrachten. Mit der Erweiterung der Paritätischen Kommission sei man den Vorschlägen der Delegierten gefolgt, neben den deutschen Arbeitnehmer-Vertretern mehr Kollegen aus dem europäischen Ausland in das Arbeitsgremium des Europa-Forums zu wählen.
Anschriften aus dem Artikel: Alte Landstr 129, Albert-Einstein-Str 58

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