Reiner Calmund gab Pressekonferenz


Archivmeldung aus dem Jahr 2006
Veröffentlicht: 10.03.2006 // Quelle: Calmund

Gegen die in der vergangenen Woche gegen ihn erhobenen und in den Raum gestellten Vorwürfe verschiedener Publikationen, nahm Reiner Calmund am Freitag im Rahmen einer Pressekonferenz an der Seite seines Anwaltes, Dr. Stefan Seitz, Stellung. In aller gebotenen Deutlichkeit entkräfteten beide die Anschuldigungen gegen Calmund und legten neue Sachverhalte dar. Der ehemalige Geschäftsführer von Bayer 04 wehrte sich vor allen Dingen gegen den Vorwurf, er habe bei seiner Verabschiedung am 8. Juni 2004 geschauspielert.

Im Folgenden lesen Sie das ausführliche Protokoll der ca. zweistündigen Pressekonferenz:

Pressekonferenz
Reiner Calmund

Datum: 10.03.2006
Uhrzeit: 11.00 – 12.45 Uhr
Ort: Business Club Rotonda, Köln


Begrüßung und Einleitung durch Rechtsanwalt Dr. Stefan Seitz:

  • Begrüßung und Ablaufplan/Fragen und Ankündigung zusammenfassendes Protokoll

  • Vorab zur Vermeidung von Irritationen folgendes zur Verschwiegenheitsverpflichtung von Herrn Calmund: Grundsätzlich unterliegt Herr Calmund einer vertraglichen Verschwiegenheitsverpflichtung. Von dieser Verschwiegenheitsverpflichtung ist er aber hinsichtlich der Vorgänge mit Herrn Graul von Bayer umfassend entbunden worden. Auslöser hierfür war eine umfassende Frageliste des Spiegels. Diesbezüglich fragten wir per Telefax um Befreiung von der Verschwiegenheitsverpflichtung bei Bayer 04 an. Eine umfassende Befreiungserklärung wurde uns umgehend übersandt.


    Zusammenfassung der Pressekonferenz

    1. Herr Calmund, haben Sie die Öffentlichkeit bei Ihrem Abschied hinsichtlich der Gründe Ihres Ausscheidens belogen?

      RC: Wenn man nach 27 Jahren aus seinem Verein ausscheidet, und an diesem Tag von den Sekretärinnen bis hin zum harten Hund Ulf Kirsten alles weint, dann bekommt man als normaler Mensch feuchte Augen. Nein! Es bleibt bei dem, was ich immer gesagt habe. Wenn Bayer das heute anders sieht bzw. Bayer das damals anders sah, finde ich das bedauerlich. Meine Gründe waren klar: Ich war nach dem Stuttgart-Spiel wirklich platt. Ich habe meiner Frau direkt danach gesagt, daß ich nicht mehr kann. Das hat nichts mit körperlicher Fitness oder Krankheit zu tun. Nachdem, was ich in den vergangenen Jahren mit Bayer miterlebt habe, waren einfach die Akkus leer: 2001: Daum-Affäre, mit Völler und Vogts zwei weitere Trainer und zum Schluß dennoch die Champions League erreicht; 2002: Toller Fußball, trotzdem leider nur dreimal Vizemeister; 2003: Abstiegskampf; 2004: Im letzten Spiel: Sieg gegen Stuttgart und wieder für die Champions League-Qualifikation qualifiziert.

      Der zweite Grund für mich war, daß ich gespürt habe, daß die Bayer AG nicht mehr so bedingungslos hinter mir stand, wie das in der Vergangenheit der Fall war. Aber da habe ich nichts verschwiegen, die Insider, auch die Journalisten, haben es ja alle mitbekommen. Aber auch Bayer hatte sicherlich seine Gründe; sie wollten mit Wolfgang Holzhäuser einen neuen Kurs fahren. Das ist völlig legitim. Damit war die Ära Calmund beendet. Deshalb haben wir die Aufhebungsvereinbarung abgeschlossen. Dabei habe ich allerdings von einer unehrenhaften Entlassung nicht nur wegen der Vertragskonditionen nichts gemerkt.

      Denn: 100-jähriges Jubiläum Bayer 04-Festakt, Einladung mit kompletter Kostenübernahme für USA, An- und Rückreise (Anreise aus USA 2.7., Festakt in Leverkusen 3.7., Rückreise in die USA 4.7.).

      Beim ersten Saisonspiel 2004, Bayer 04 gegen Hannover wurde ich im Stadion von den Fans und den Offiziellen mit allen Ehren verabschiedet. Geschenke wurden auch reichlich verteilt.

  • Am 23.11.2004 wurde ich mit meiner Frau anläßlich meines 56-jährigen Geburtstags zum Champions League-Spiel nach Madrid eingeladen. Ich konnte aber dort wegen RTL nicht hin. Deshalb haben wir an diesem Abend zusammen mit Rudi Völler, Jürgen Von Einem und den Frauen gefeiert und das Spiel in Madrid im Fernsehen verfolgt.


    1. ¤ 580.000,00 an Herrn Graul und Optionen, die angeblich keiner kennt – Herr Calmund, in diesem Zusammenhang sind viele Fragen offen !?

      • Zunächst die Frage, ¤ 580.000,00 für Optionen, von denen jedenfalls keine eingetreten ist – wer hat das zu verantworten? Hier gibt es in den Medien ja eine Art Verantwortungs-PingPong zwischen Herrn Calmund und Herrn Holzhäuser. Was ist davon zu halten?

      RC: Ich fühle mich hierfür hundert Prozent verantwortlich, und zwar aus sportlicher Sicht. Herr Graul hat allein bis Juni 2003 fünf Optionen vermittelt, die sich jedoch alle zerschlagen haben, weil Lucio nicht wie erwartet nach Italien transferiert wurde. Am 28.06.2003 haben wir bekanntgegeben, daß Lucio nicht nach Italien wechselt. Ein 5-wöchiger-Vertragsmarathon war damit beendet.

      • Die von Herrn Graul vermittelten Optionen betrafen welche Spieler?

      RC: Die Namen der Spieler möchte ich nicht nennen. Ich möchte nicht wegen irgendwelcher anonymen Anzeigen oder unhaltbaren aus der Luft gegriffenen Vorwürfen die Vertraulichkeit zu den vermittelten Spielern und deren Beratern brechen. Man sollte es nicht glauben, aber auch in unserer Branche gibt es sowas wie einen Ehrenkodex. Anders als Helmut Kohl würde ich jedoch auf Empfehlung meines Rechtsanwalts dies bei der Staatsanwaltschaft tun, soweit dies für meine Entlastung erforderlich sein sollte. In diesem Fall würden das auch meine Geschäftspartner akzeptieren.

      Ich kann heute nur soviel sagen: Von den zunächst fünf und dann später noch drei weiteren Spielern konnte ich mit fünf Spielern bzw. deren Beratern auf Deutsch direkt verhandeln. Bei diesen Spielern handelte es sich ausschließlich um ausländische Spieler. Höchstwahrscheinlich werden vier von den Spielern bei der WM 2006 in verschiedenen Nationalmannschaften dabei sein.

      • Wie ging es nach der Bekanntgabe des Verbleibs von Lucio am 28.06.2003 weiter?

      RC: Wir haben mit zwei namhaften Spielern bzw. deren Club und Beratern weiter verhandelt. Die Namen sind den Bayer-Verantwortlichen und mir bekannt. Ich spreche hier beispielsweise von Cheftrainer Klaus Augenthaler, Sportdirektor Jürgen Kohler und Sportmanager Ilja Kaenzig.

      Des weiteren hat Herr Graul dann noch einen renommierten Finanzmakler Anfang Juni 2003 vermittelt, der uns ein Lucio-Leasing-Modell für ¤ 20 Mio. vorgestellt hat. Nach diesem Leasing-Modell sollte es uns möglich sein, trotz Verbleib von Lucio neue Spieler einkaufen zu können. Insbesondere Herr Holzhäuser fand dieses Angebot super. Im Aufsichtsrat wurde das Leasing-Modell letztlich aber abgelehnt, weil Spieler-Einkäufe nur stattfinden sollten bei Verkauf von Lucio.

      Unabhängig davon möchte ich zum Schluß noch etwas grundsätzliches zu den Optionen sagen: Wenn man für 20 Top-Optionen Lob erhält, dann muß man auch bei zwei bis fünf schlechten Optionen die Schläge akzeptieren. Nur am Rande sei erwähnt, daß Bayer 04 auch aktuell diese Saison noch von Optionen profitiert, die wir abgeschlossen haben, wie z.B. Pogatetz (Österreich, EUR 2,0 bis 2,5 Mio.), Barnetta (Schweiz) u.a. Hierzu haben zu ca. 40% Herr Kaenzig, 40% Herr Voege und 20% meine Person bzw. die Scouts beigetragen.

      • Ergänzend hierzu für die etwas außerhalb des Fußballgeschäfts Stehenden, wie z.B. mich, auch nochmal grundsätzliches zu den sog. Optionen:

      Dr. Seitz: Wenn in der Fußballbranche über die Vermittlung von Optionen gesprochen wird, darf man sich, so habe ich gelernt, nicht juristisch an dem Begriff der sog. Option festbeißen, sonder darunter fallen insbesondere:

  • Vollmachten mit Vertragskonditionen
  • Vertragsanbahnungs- bzw. Kontaktherstellungsgeschäfte
  • Generalvollmachten
  • Juristisch verbindliche Optionen bzw. (unwiderufliche oder widerrufliche) Vertragsangebote

    Im Fußballgeschäft wird das alles unter dem Oberbegriff Optionen gehandelt.

    Und für die Vermittlung solcher Optionen erhalten die Spielerberater ihr Geld.

    Zivilrechtlich liegt der Fall hier klar: Leistung zwischen Calmund und Graul vereinbart – Graul hat die Leistung durch die Vermittlung der fünf Optionen erbracht – Graul hat eine Rechnung gestellt – Rechnung wurde von Bayer 04 zzgl. Mehrwertsteuer bezahlt.

    Was ist ungewöhnlich: Die Geschäfte wurden weitgehend auf der Grundlage mündlicher Vereinbarungen abgewickelt, und die Bezahlung ist in bar erfolgt. Dies ist für die Fußballbranche jedoch nicht untypisch. Im Fall Jens Nowotny hatten wir zuletzt auch Streß um mündliche Vereinbarungen. Im Ergebnis bleibt festzustellen, daß Herr Calmund dieses Verfahren über viele Jahre sehr erfolgreich praktiziert hat.

    • Herr Calmund, noch ein Wort von Ihnen zu dem ungewöhnlichen „Finanzgebaren“ Optionen und Bargeld?

    RC: Das ist nunmal bei vielen Spielergeschäften Usus. Bargeld lacht.

    Beispiel, was nicht geklappt hat: Cacau erhielt ein unwiderrufliches Angebot gegen Bargeld und letztlich haben wir die Option auch nicht gezogen. Optionsabschluß vor Weihnachten, Entscheidung 31.03.03 durch Chef-Trainer von Bayer 04, der den Spieler letztendlich doch nicht wollte. Danach war der Spieler frei und wechselte zum 30.06.03 zum VFB Stuttgart.


    • Jetzt ein für Sie völlig neues und überraschendes Thema. Hierzu gab es bisher nur eine einzige Frage des Spiegel. Wir möchten vermeiden, daß der Spiegel am Montag hierüber exclusiv berichtet und Sie uns dann fragen, warum habt Ihr uns das nicht am Freitag erzählt! Nun zur gestellten Frage: Warum hat der Schweizer Vermögensverwalter Herr Greinemann an Herrn Graul im Juli 2004 einen Betrag in Höhe von ¤ 350.000,00 gezahlt?


    RC: Ja, eine „schöne“ Geschichte. Nachdem endgültig feststand, daß die von Herrn Graul vermittelten Optionen nicht gezogen werden, entstand Anfang 2004 ein Streit hinsichtlich der Versteuerung der ¤ 580.000,00 an Herrn Graul. Es fanden diesbezüglich mehrere Gespräche zwischen den Steueranwälten von Herrn Graul sowie den Bayer-Steuerexperten und Wolfgang Holzhäuser statt. Darüber existieren Protokolle. Die Steueranwälte von Herrn Graul machten in diesem Zusammenhang geltend, daß es sich bei den ¤ 580.000,00 um eine Netto-Zahlung gehandelt habe, die hochversteuert werden müsse. Herr Graul wollte den Brutto-Gesamtbetrag von Bayer 04 haben, um seinen Steuernachteil auszugleichen.

    Beispiel:
    ¤ 580.000,00 netto zuzüglich Steuern (Einkommensteuer, Gewerbesteuer, Kirchensteuer, Solidaritätszuschlag) entspricht bei einem durchschnittlichen Steuersatz einem Brutto-Gesamtbetrag von ca. ¤ 1.000.000,00.

    Bayer war aber nicht bereit, an Herrn Graul den vollen Steuerausgleich zu zahlen. Es sollten lediglich ¤ 350.000,00 zur Erledigung der Angelegenheit gezahlt werden. Diesbezüglich trat man von höchster Stelle bei Bayer an mich heran und teilte mir mit, daß man an einen Herrn Graul keine Zahlungen mehr leisten wolle. Den Namen Graul wollte man nicht mehr in den Büchern haben.

    Deshalb sollte ich Herrn Graul ein privates Darlehen über ¤ 350.000,00 gewähren, das mir im Nachhinein wie auch immer von Bayer erstattet werden sollte. Dies war im Juli 2004. Ich befand mich zu dieser Zeit in Florida bei Herrn Niehaus, einem Freund und Gönner von Bayer 04. Herr Niehaus und ich wurden in einem Telefonat von Bayer über die vorgenannten Umstände informiert. Daraufhin erklärte sich Herr Niehaus bereit, mir über einen befreundeten Vermögensverwalter in der Schweiz auf der Grundlage des Telefonats mit Bayer ein Darlehen in Höhe von ¤ 350.000,00 zu vermitteln. Die Rückzahlung sollte bis Ende September 2004 erfolgen. Bayer war damit einverstanden.

    Ich informierte daraufhin Herrn Graul, daß er nicht mehr als ¤ 350.000,00 erhalten wird und diese wiederum nur in Form eines privaten Darlehens von mir, das er mir zurückzahlen müßte, sofern Bayer doch noch den vollen Steuerausgleichbetrag an ihn erstattet. Herr Graul war zwar sehr verärgert, akzeptierte es aber schließlich. Daraufhin zahlte der Schweizer Vermögensverwalter, Herr Greinemann, in meinem Auftrag den Darlehensbetrag von ¤ 350.000,00 in bar an Herrn Graul aus.

    Da das Darlehen bis Oktober nicht zurückgezahlt worden war, intervenierte ich bei Bayer. Ein Verantwortlicher von Bayer sagte mir und Herrn Niehaus in drei Telefonaten, daß Bayer für das Darlehen geradesteht und man den Betrag in den nächsten Wochen überweisen würde.

    Im November 2004 wurde Herr Niehaus von einem Rechtsanwalt von Bayer 04 in Florida besucht und informiert, daß Bayer 04 das mir gewährte Darlehen nicht zurückzahlen wird, sondern daß dies Privatsache von Herrn Calmund sei. Dies teilte Herr Niehaus mir in einem Brief vom 10.11.2004 mit. Da ich die Erstattungszusage von Bayer nur telefonisch hatte, zumindest hatten Herr Niehaus und ich das am Telefon unzweifelhaft so verstanden, da ich anderenfalls keine Veranlassung gehabt hätte, privat Herrn Graul ¤ 350.000,00 zu zahlen, teilten die Juristen mit, daß ich wohl juristisch kaum eine Chance hätte, die Erstattung der ¤ 350.000,00 bei Bayer 04 einzuklagen.

    Aufgrund einer entsprechenden Abtretungserklärung wurden dann die ¤ 350.000,00, die ich aufgrund des Darlehensvertrags Herrn Greinemann schuldete, von Bayer 04 von meinen Gehältern und meiner Abfindung aus dem Aufhebungsvertrag vom 08.06.2004 abgezogen und an Herrn Greinemann überwiesen.

    Damit steht fest, daß mich die gesamte Steuer-Angelegenheit Graul im Ergebnis meine gesamte Abfindung und fast ein Jahr Gehalt privat gekostet hat. Wenn ich nicht glücklicherweise zu dieser Zeit den Big Boss-Vertrag von RTL erhalten hätte, wäre bei mir der Strom ausgefallen, kein Wasser gelaufen und die Mäuse hätten Klimmzüge im Kühlschrank gemacht.

    Sie können sich vorstellen, wie man sich dann fühlt, wenn man heute teilweise den Medien entnehmen muß, daß ich eine Untreue begangen haben soll, obwohl der Verein die Beträge direkt von meinem Gehaltskonto in die Schweiz und an den deutschen Fiskus überwiesen hat!

    Ich hätte diesen Vorgang heute nicht berichtet, wenn mich nicht schon der Fragenkatalog des Spiegels auf den Schweizer Vermögensverwalter Herrn Greinemann angesprochen hätte und mich Bayer zu diesem Komplex von der Verschwiegenheitsverpflichtung nicht freigestellt hätte.

    • Zum angeblichen Untreuevorwurf?

    RC: Dieser offenbar im Raum stehende Vorwurf quält mich, seit ich darüber gelesen habe. Ich weiß nicht, wie man darauf kommen kann, insbesondere nach dem, was ich Ihnen gerade dargestellt habe. Ich habe 27 Jahre bei dem Verein gearbeitet. Dabei gingen zwei Ehen drauf, meine Kinder haben mich kaum gesehen, und das kann ich nicht mehr gut machen. Der Verein war mein Leben. Ich habe rund um die Uhr mit viel Herzblut gearbeitet. Jedes Wehwehchen, vom Platzwart bis zum Trainer, vom Masseur bis zum Superspieler, um alles hab ich mich gekümmert.

    Nun ja, ich habe gehört, der Untreuevorwurf liegt nunmehr bei der Staatsanwaltschaft Köln; dort befaßt sich ein offenbar besonders engagierter und scharfer Staatsanwalt mit der Angelegenheit. Wenn der mir am Ende des Tages bestätigt, daß ich nichts Rechtswidriges getan habe, dann zählt das ja auch doppelt.

    • Um das ganze noch zu toppen: Was sagen Sie zu den Manipulationsvorwürfen beim Spiel gegen Bielefeld, die in der Sportbild unter Bezug auf einen Herrn Hellickes veröffentlicht waren?

    Völlig absurd, alles Quatsch. (1) Bielefeld ist abgestiegen, weil sie die letzten sieben Spiele verloren haben. (2) Das Spiel in Leverkusen war ein heißer Tanz, das durch zwei Traumtore von Lucio für uns gewonnen wurde. (3) 25 Minuten vor Schluß vergab Bielefeld beim Stand von 1:1 eine Riesenchance. Mir ist der Atem stehengeblieben. ... (4) Kurz danach wurde Brinkmann wegen Gelb/Rot vom Platz gestellt. Die Entscheidung war kritisch. Ich würde lügen, wenn ich darüber beleidigt gewesen wäre.

    Jetzt noch ein kleiner Scherz, der allerdings bittere Wahrheit ist: Hier, Herr Robin Halle von der SportBILD, rief mich Sonntag nacht an und konfrontierte mich mit diesen Vorwürfen. Meine erste Frage: Hast Du das Spiel auf Video angesehen? Ich kann mich zwar noch an den Platzverweis erinnern. Aber die Leistung von Brinkmann habe ich nicht mehr in Erinnerung gehabt. Halle sagte: Brinkmann hat die erste Halbzeit gut gespielt und das 1:0 per Elfmeter erzielt. Aber unser Informant hat gesagt, Brinkmann hat den Elfer aus Versehen verwandelt. Ich habe darauf gesagt, sprecht das in der Redaktion lieber nochmal durch, macht keinen Blödsinn und gute Nacht.

    Dr. Seitz: Nicht nur die sportlichen Fakten sondern auch der Zeitpunkt der Zahlungen an Herrn Graul sprechen offensichtlich gegen jeden Manipulationsverdacht. Die Zahlungen an Herrn Graul sind im Juni 2003 erfolgt, also rund sechs Wochen nach Saisonabschluss.

    • Warum haben Sie Herrn Hellickes bis heute nicht auf die Abgabe einer Unterlassungserklärung verklagt?

    RC: Ich stand schon vor vier Wochen vor dieser Frage, als Hellickes behauptet hat, ich hätte ihm ¤ 500.000,00 Schmiergeld für die Persönlichkeitsrechte von Ze Roberto geboten. Spielerberater Michael Becker und adidas haben mich darüber informiert und nachhaltig aufgefordert, gerichtliche Schritte einzuleiten, weil im Internet unter Transfermarkt.de berichtet wurde, daß Reiner Calmund Hellickes schwarz ¤ 500.000,00 für Persönlichkeitsrechte von Ze Roberto geboten hat.

    Ich habe es aus zwei Gründen nicht getan: (1) Die Persönlichkeitsrechte hat Ze Roberto selbst oder zum Teil Bayern München. Wenn Hellickes sie auf wundersame Weise doch erlangt hätte, wäre es mir auch egal. Was soll ich mit den Persönlichkeitsrechten von Ze Roberto machen, weder für ¤ 100 noch für 500.000,00, ob schwarz oder weiß, ich würde sie niemals kaufen. (2) Außerdem kosten Unterlassungserklärungen Anwalts- und Gerichtskosten, Vollstreckungskosten zahlt er dann auch nicht und quatscht weiter. Es sei denn, Herr Dr. Seitz sagt mir wegen Bielefeld etwas anderes.

    Dr. Seitz: Aus unserer Sicht bringt das zur Zeit jedenfalls nichts. Dadurch würden weitere Anwaltskosten verursacht werden für ein Gerichtsverfahren, das wochenlang in den Medien wäre. Mit anderen Worten: das Gerichtsverfahren wäre spektakulärer als das, was man an sich damit verfolgen würde. Dementsprechend sollte Herrn Hellickes keine prominente Bühne geboten werden, auf der er sich präsentieren kann. Allerdings wird das Verhalten von Herrn Hellickes genau beobachtet, und rechtliche Schritte werden nicht ausgeschlossen.

    Auf Nachfrage:

    Der Vorstandsvorsitzende der Bayer AG hat Anfang der Woche Ihr Finanzgebaren kritisiert aber ausgeschlossen, daß Sie sich bereichert haben. Konnten Sie das Thema nicht mit Herrn Wenning erörtern und wie bewerten Sie seine Aussage?

    Ich schätze Herrn Wenning, aber ich glaube, er kann die Sachlage nicht objektiv bewerten. Das gilt sowohl für die negative wie auch für die positive Aussage, denn seine Infos stammen wahrscheinlich ausschließlich aus dem Umfeld von Bayer 04. Herr Wenning ist erfolgreicher Chef eines Weltkonzerns und kann sich mit diesen Details wirklich nicht persönlich beschäftigen.

    Ich habe versucht, mit Herrn Wenning die Streitigkeiten zu erörtern. Er hat mir einmal persönlich und ein weiteres Mal schriftlich erklärt: Das ist Sache der Juristen, da möchte ich mich nicht einschalten.


    Es gilt das gesprochene Wort.
    Köln, den 10.03.2006
    Dr. Stefan Seitz
    Rechtsanwalt
    Anschriften aus dem Artikel: Alte Landstr 129, Albert-Einstein-Str 58

Kategorie: Sport
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