Ein Jahr Fachbereich „Mobilität und Klimaschutz“ - Hochwasser, Klimakrise, Mobilitätswende – es gibt viel zu tun


Archivmeldung aus dem Jahr 2022
Veröffentlicht: 10.11.2022 // Quelle: Stadtverwaltung

Vor einem Jahr wurde der Fachbereich „Mobilität und Klimaschutz“ im Dezernat für Bürger, Umwelt und Soziales neu gebildet. „Unser Ziel ist es, nicht nur Leverkusens Treibhausgasemissionen zu reduzieren, sondern auch die Folgen der Klimaerwärmung kontrollierbarer zu machen. Die Stadt muss Einfluss nehmen, wo sie es kann“, betont Umweltdezernent Alexander Lünenbach. „Der neugegründete Fachbereich koordiniert deshalb die Anstrengungen unterschiedlichster Akteure vor Ort.“ Vor dem Hintergrund des Pariser Abkommens will die Stadt Leverkusen in den kommenden Jahren klimaneutral werden und so dazu beitragen, den weltweiten Temperaturanstieg auf 1,5°Celsius zu beschränken.

Grundlage ist das Klimaschutzkonzept, das der Vorlage „Klimaneutrales Leverkusen“ folgend an geltende Klimagesetze angepasst werden soll. Das wurde im Sommer dieses Jahres vom Rat der Stadt Leverkusen verabschiedet. „Der Klimawandel ist längst keine Theorie mehr“, begründet Fachbereichsleiterin Christiane Jäger, „gerade im vergangenen Jahr haben wir mit dem schlimmen Hochwasser erlebt, wie sehr Extremwetterereignisse unsere Lebensbedingungen auch vor Ort beginnen zu beeinträchtigen. Wir müssen daher mögliche Klimaschutzmaßnahmen verstärkt ergreifen und größere Klimaresilienz gewinnen.“

Zwei Formate werden deshalb in den kommenden Monaten weiterentwickelt: Das schon seit mehr als 10 Jahren erfolgreich arbeitende European-Energy-Award (eea)-Team wird zum „Lenkungskreis Energiewende“ umgebaut und die „Zukunftsaufgabe Klimaresilienz“ (ZAK) soll von den unmittelbaren Hochwasserfolgen auf Themen wie Dürre und Hitze ausgeweitet werden. „Denn so gegensätzlich diese Wetterphänomene erscheinen, hängen sie unmittelbar miteinander zusammen“, erklärt Klimaschutzmanagerin Stefanie Bergmann.

Zukunftsaufgabe Klimaresilienz: Nach dem Hochwasser ist vor der Dürre

Das Hochwasser im vergangenen Jahr hat auch in Leverkusen gezeigt, dass der Klimawandel bereits stattfindet. Neben allen Maßnahmen zum Klimaschutz, muss die Stadt mehr und mehr die Folgen des Klimawandels im Stadtgebiet beherrschen lernen. In der Runde des „Arbeitskreises Wiembach“ wurde zu Beginn des Jahres daher die Zukunftsaufgabe klimaresilientes Leverkusen (ZAK) vorgestellt. Bei den Maßnahmen machte das Handlungsfeld Wasserwirtschaft in diesem Jahr den Anfang.

„Nach den Überschwemmungen im Juli 2021 war es unsere vordringlichste Aufgabe, alle an einen Tisch zu bekommen, die sich in Leverkusen mit Gewässern beschäftigen, Betroffene genauso wie die Experten von Wupperverband, Technischen Betrieben und Klimaschutz“, so Christiane Jäger. Neben Vorträgen im Bürger- und Umweltausschuss fanden in diesem Jahr einige öffentliche Veranstaltungen statt: Drei Mal traf sich der Arbeitskreis Wiembach, zwei Mal beteiligten sich Stadt und Fachbereich „Mobilität und Klimaschutz“ an den Opladener Gesprächen, die vom Katholischen Bildungswerk und der ev. Kirchengemeinde Opladen organisiert wurden. Zwei öffentliche städtische Infoveranstaltungen, eine digital und eine live, beantworteten Fragen von Bürgerinnen und Bürgern. Ratsvorlagen und Anträge entstanden aus diesen Formaten, eine Machbarkeitsstudie zum Hochwasserschutz wird bei einem unabhängigen Gutachter in Auftrag gegeben.

Schon 2020 war ein Klimaanpassungskonzept mit 25 Maßnahmen vom Rat der Stadt verabschiedet worden. Der Fachbereich „Mobilität und Klimaschutz“ will die Handlungsfelder in den kommenden Jahren auf die klimaresilienten Entwicklung in den Bereichen Bauen und  Wohnen, Grün- und Freiflächen, Landwirtschaft, Biologische Vielfalt und Naturschutz, Menschliche Gesundheit, Warnsysteme, Soziale und technische Infrastruktur, kommunale

Landes- und Regionalplanung ausdehnen. „Das alles geschieht selbstverständlich in enger Abstimmung mit der ‚Stabstelle nachhaltige Stadtentwicklung‘ beim Baudezernat“, betont Umweltdezernent Alexander Lünenbach. Ohnehin erfordern die aus diesen Themenkomplexen entwickelten Projekte und Maßnahmen ein breit aufgestelltes Fachwissen. Die enge Zusammenarbeit zwischen den Dezernaten ist deshalb unabdingbar und eine breite gesellschaftliche Akzeptanz die Grundlage von Veränderungen.

Der Fachbereich „Mobilität und Klimaschutz“ wird daher im Dezember ein ZAK-Forum veranstalten, mit dem Ziel, Strukturen und Formate für einen Prozess hin zur Klimaresilienz Leverkusens zu schaffen.

Energiewendeteam entsteht aus dem Prozess zum European Energy Award (eea)

Aus der erfolgreichen Zusammenarbeit für den „European Energy Award“ (eea) wird im Fachbereich „Mobilität und Klimaschutz“ das „Energiewendeteam“ gebildet. Schon seit 2010 ist im Rahmen des eea-Prozess einiges erreicht worden. Der Gold-Award des vergangenen Jahres zeugt davon, dass die unabhängigen Gutachter der Stadt Leverkusen bereits ein gutes Zeugnis ausstellen konnten. In dem Gremium arbeiten seit mehr als 10 Jahren städtische Fachbereiche, z.B. Gebäudewirtschaft, Umwelt und Stadtplanung, mit städtischen Töchtern wie beispielsweise wupsi, EVL, TBL, entwickeln Projekte und informieren sich über Fördermaßnahmen. Denn direkten Einfluss hat eine Kommune bei der energetischen Sanierung und dem Neubau eigener Gebäude, in der Reduzierung des CO2-Ausstoßes im Individualverkehr und beim Ausbau der erneuerbaren Energieversorgung.

So trugen die vom Baudezernat durchgeführten Energieeinsparmaßnahmen durch Sanierung, Modernisierung und Neubau städtischer Gebäude im eea-Prozess mit zur Goldzertifizierung bei. Bei allen Neubauten und Sanierungen des letzten Jahrzehnts wurden soweit möglich Niedrigenergiestandards angelegt und alternative Energieproduktion wie Kraft-Wärme-Kopplung (Blockheizkraftwerk), Fernwärme, Geothermienutzung, Biomasse, Photovoltaik und ggf. auch Warmwasserkollektoren installiert. Auch hier sind weitere Investitionen geplant. Da auf die Schulen mehr als die Hälfte der jährlichen Energiekosten für kommunale Gebäude entfallen, werden die baulichen und technischen Maßnahmen durch pädagogische Arbeit im Energielux-Projekt des NaturGuts Ophoven unterstützt. Solche Synergien wurden durch den eea-Prozess vorangebracht.

Derzeit steht der Ausbau von Photovoltaik ganz oben auf der Agenda des Fachbereichs „Mobilität und Klimaschutz“. In Leverkusen werden bereits ca. 1.700 private Solaranlagen betrieben. Deren Spitzenwert liegt bei einer Produktion von gut 20.000 Kilowatt Strom (20 MWp). „Das Potential ist damit in Leverkusen noch nicht ausgeschöpft“, betont Umweltdezernent Alexander Lünenbach, „wir wollen den Ausbau fördern, denn auch angesichts der Gasmangellage ist die Investition in solche Anlagen das Gebot der Stunde.“ Das Solarpotentialkataster der städtischen Homepage zeigt, dass knapp die Hälfte der Leverkusener Gebäude für die Installation einer Solaranlage gut geeignet ist. „Dieses Kataster auf der Leverkusener Homepage aufzurufen, ist der erste Schritt zur eigenen Solaranlage“, beschreibt Klimaschutzmanagerin Stefanie Bergmann. Die interaktive Karte erlaubt es, für jede Dachfläche Leverkusens zu berechnen, ob sich die private Investition in eine Photovoltaik- oder in eine Solarthermieanlage lohnt.

„An diesen Beispielen sieht man deutlich, dass der eigentliche Umbau zu einer Energiewende dort stattfindet, wo in Baumaßnahmen investiert wird“, erläutert Alexander Lünenbach, „die Aufgabe des Fachbereichs „Mobilität und Klimaschutz“ besteht darin, solche Maßnahmen anzustoßen, Fördermöglichkeiten zu generieren und Synergien für gemeinsame Erfolge herzustellen.“

Mobilität vernetzt denken

Das Konzept der autogerechten Stadt gehört in Leverkusen schon lange der Vergangenheit an, dennoch ist es immer noch das Verkehrsmittel der Wahl bei einer Strecke über fünf Kilometern. „Deutschlandweit verursachten PKW mehr Treibhausgase pro Person und Kilometer als jedes andere Verkehrsmittel“, so Mobilitätsmanager Christian Syring, „Wenn wir das verändern wollen, müssen wir die Alternativen attraktiver machen.“ Auf Grundlage des „Mobilitätskonzepts 2030+“ ist deshalb unter anderem die Radinfrastruktur derzeit sehr im Fokus des neugegründeten Fachbereichs. Eine Mobilstation und rund 60 Stationen mit Leihrädern gibt es inzwischen in Leverkusen, allein im vergangenen Jahr sind 30 E-Bikes an vier zusätzlichen Stationen und zehn E-Lastenräder dazu gekommen. Die Cargo-Bike-Show hat die Vorteile von elektrisch unterstützen Lastenrädern demonstriert. Zudem gibt es in der Nähe der drei Leverkusener Bahnhöfe und der S-Bahnhaltestellen inzwischen 60 zusätzliche Fahrradabstellboxen. Das große Fahrradparkhaus in Opladen ist noch in Bau. Der Ausbau des Radwegenetzes soll in Leverkusen weiter vorangetrieben werden. Ein Betriebliches Mobilitätsmanagement mit JobTicket und Dienstradangebot und Neuausrichtung des städtischen Fuhrparks gehört ebenso zur Mobilitätswende wie der Ausbau E-Ladestationen im Stadtgebiet. Auch diese Maßnahmen werden vom Fachbereich „Mobilität und Klimaschutz“ abgestimmt.

Um den Öffentlichen Nahverkehr stringent weiter zu entwickeln, wird derzeit außerdem der Nahverkehrsplan Leverkusen aktualisiert. Darüber hinaus werden viele Linien verdichtet. Rheindorf, Lützenkirchen, Quettingen, Steinbüchel und Schlebusch werden besser untereinander und mit dem Bahnhof Leverkusen-Mitte verknüpf, Odenthal besser erreichbar und das Klinikum und Alkenrath an das Schnellbusnetz angeschlossen. Die ersten Umstellungen sollen im Laufe des Jahres 2023 erfolgen. Dazu kommt im Dezember 2022 als Ergänzung zum Busverkehr ein brandneues On-Demand-Angebot mit „London-Taxis“. Die elektrisch betriebenen Fahrzeuge bieten bis zu sechs Personen Platz. Es gibt keinen festen Fahrplan oder festgelegte Fahrtrouten und die Fahrt ist im Fahrtkartenpreis enthalten. 

„Der öffentliche Nahverkehr muss von Haustür zu Haustür funktionieren, wenn er als Alternative zum PKW wahrgenommen werden soll“, beschreibt Christiane Jäger die Zielrichtung. „Auch für diesen Lückenschluss ist das On-Demand-Angebot der wupsi GmbH perfekt, denn das „London Taxi“ kann bei Bedarf gerufen werden und bringt seine Passagiere zum Ziel. Das kann auch der nächste Bahnhof sein.“ Darüber hinaus beteiligt sich die Stadt an innovativen Konzepten, wie der Machbarkeitsstudie für ein Wasserbussystem in Zusammenarbeit mit dem Region Köln/ Bonn e. V. und der Partnerschaft mit der H2-Werkstatt Rhein-Berg zur Errichtung eines regionalen Wasserstoff-Kompetenzzentrums. Diese Maßnahmenbausteine werden vom Fachbereich „Mobilität und Klimaschutz“ durch einen strukturierten Prozess zu einem effizienten Maßnahmenpaket der Energiewende gebündelt.


Ort aus dem Stadtführer: Steinbüchel, Klinikum, Opladen, Alkenrath, Schlebusch
Anschriften aus dem Artikel: Alte Landstr 129, Albert-Einstein-Str 58
Straßen aus dem Artikel: Steinbüchel
Themen aus dem Artikel: Klimaanpassungskonzept, MAN, Die Unabhängigen, Jobticket, European Energy Award

Kategorie: Verkehr
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