NaturGut Ophoven wird als UN-Dekade Projekt Biologische Vielfalt ausgezeichnet

Einsatz für den Artenerhalt

Archivmeldung aus dem Jahr 2020
Veröffentlicht: 23.07.2020 // Quelle: Gut Ophoven

Thomas Muchow, Jurymitglied der UN-Dekade für Biologische Vielfalt übergab am Donnerstagmorgen den Baum der Vielfalt an Marianne Ackermann, Vorsitzende des Fördervereins NaturGut Ophoven. Das NaturGut Ophoven bekam die begehrte Auszeichnung als Projekt der Biologischen Vielfalt. „Die Jury war sich einig, dass das NaturGut Ophoven ganzheitlich und vorbildhaft Projekte zur Artenvielfalt durchführt“, erklärt er.

Beauftragt von der Stadt koordiniert das NaturGut Ophoven seit vielen Monaten die Kampagne „Leverkusen blüht auf“, um die Bevölkerung für den Insektenschutz und die Artenvielfalt zu sensibilisieren. Gefördert wird das Projekt durch die Stadt Leverkusen, Bezirksmittel, die Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW (SUE) und weitere Förderer. „So sind bereits viele Blühwiesen im öffentlichen Raum und in privaten Gärten entstanden“, erklärt Oberbürgermeister Uwe Richrath. „Bei Baumpflanzungen im öffentlichen Raum werde darauf geachtet, dass sie bienenfreundlich sind.“ Er kommentiert, dass die Juryentscheidung die richtige war. Er ist sich sicher, dass die Kampagne „Leverkusen blüht auf“ immer weitere Kreise zieht.

Viele gesellschaftliche Akteure beteiligen sich an der Kampagne: Schulen, Kindergärten und Kirchengemeinden sowie die Abfallwirtschaft Leverkusen oder der Sportpark im Freibad Wiembachtal haben Insektennisthilfen aufgestellt und Blühwiesen angelegt. Dabei haben zahlreiche Ehrenamtler geholfen, betont Marianne Ackermann, erste Vorsitzende des Fördervereins NaturGut Ophoven. „ Ihnen gehört unser Dank. Sie haben maßgeblich dazu beigetragen, dass das NaturGut Ophoven erneut den Baum der Vielfalt erhalten hat.“

Mit kreativen Infoständen, einer umfangreichen Homepage, Beratungsangeboten und Vorträgen informiert das NaturGut Ophoven über den Insektenschutz. Zusammen mit der Lebenshilfe Leverkusen sind besondere Insektenhäuser, das „Modell Leverkusen“ entwickelt worden. Ergebnisse für die Artenvielfalt seien sicherlich erst in ein paar Jahren sichtbar, so der Biologe Dr. Hans-Martin Kochanek, aber er ist sich sicher, dass das Thema in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. „Den Menschen wird klar: Je vielfältiger die Natur ist, desto leichter kann sie auf Veränderungen wie den Klimawandel reagieren. Je mehr Landschaften zerstört werden und Tierarten aussterben, desto schneller gerät die Natur – und damit unsere Heimat - aus dem Gleichgewicht.“

Hintergrund UN-Dekade Biologische Vielfalt
Ziel der Dekade ist es, ein Bewusstsein für die Bedeutung der Vielfalt zu schaffen. Denn der Arten-Reichtum nimmt weltweit und auch in Deutschland stark ab. Um diesen überwiegend durch menschliches Handeln bedingten Rückgang aufzuhalten, haben die Vereinten Nationen das Jahrzehnt von 2011 bis 2020 zur UN-Dekade Biologische Vielfalt erklärt. Die deutsche UN-Dekade Biologische Vielfalt startete offiziell am 8. November 2011. Sie wird im Auftrag von und in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesumweltministerium (BMU) und dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) von der Geschäftsstelle der UN-Dekade umgesetzt. Projekte, die möglichst viele Menschen für den Schutz und den Erhalt der Biodiversität begeistern, erhalten eine Auszeichnung. Ausgezeichnete Projekte dürfen für zwei Jahre den Titel „Ausgezeichnetes UN-Dekade-Projekt“ führen.



Manuskript von Thomas Muchow
Sehr geehrter Herr Dr. Kochanek,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Richrath,
sehr geehrte Damen und Herren,

als Mitglied der Fachjury freut es mich heute ganz besonders, die „Insektenschutzkampagne in Leverkusen – ganzheitlich und nachhaltig“, als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt auszuzeichnen. Eigentlich hätte es im März bereits dazu kommen sollen, dass wir uns in dieser Runde versammeln. Umso mehr freue ich mich, dass wir dies nun in dieser Form überhaupt wieder tun können und uns engagiert für Themen wie die biologische Vielfalt einsetzen.
Dass Engagement mehr denn je gefragt ist liegt daran, dass die biologische Vielfalt weltweit und damit auch in Deutschland anhaltend stark ab nimmt. Und verantwortlich hierfür sind ausschließlich wir hoch zivilisierten Menschen.
Um die Dringlichkeit einer Trendwende beim Verlust der biologischen Vielfalt zu unterstreichen und möglichst viele Menschen für die Erhaltung der Biodiversität zu sensibilisieren, wurde von den Vereinten Nationen im Dezember 2010 das folgende Jahrzehnt von 2011 bis 2020 zur UN-Dekade Biologische Vielfalt erklärt. Zentrales Element der deutschen UN-Dekade-Aktivitäten ist der UN-Dekade-Wettbewerb, der im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des Bundesamtes für Naturschutz durchgeführt wird. Im Rahmen des Sonderwettbewerbs „Soziale Natur – Natur für alle“ zeichnet eine unabhängige Fachjury seit 2017 auch vorbildliche Projekte an der Schnittstelle von Natur und sozialen Fragen aus.
Seit dem letzten Jahr wird das von mir eingangs genannte Engagement in besonderer Form hier in Leverkusen gezeigt. Herauszuheben ist hierbei, dass nicht nur eine Vielzahl an direkten Maßnahmen, wie das Anlegen von Blühwiesen und Basteln sowie Aufstellen von Insektennisthilfen erfolgt ist, sondern dass unter dem Motto „nur was ich kenne, kann ich auch schützen“ vielfältige gesellschaftliche Akteure angesprochen wurden.
Begonnen bei der Stadt Leverkusen und ihren städtischen Töchtern über Glaubensgemeinschaften, Wohlfahrtsverbände, Naturschurschutzverbände, hin zu Bildungswerken und Volkshochschulen wurden und werden weiterhin verschiedenste gesellschaftliche Gruppen angesprochen. Aber auch Orte mit pädagogischer Ausrichtung auf die zukünftigen Naturschützerinnen und Naturschützer, nämlich Kindergärten und Schulen, wurden in Ihre Arbeit erfolgreich miteinbezogen. So haben von den 90 Kindertagestätten in Leverkusen bereits mehr als 40 Einrichtungen eine Insektennisthilfe und weiteres pädagogisches Lernmaterial von Ihnen erhalten. Das ist schließlich fast jeder zweite Kindergarten – eine beachtliche Leistung.
Schlussendlich erreichen Sie durch die breit aufgestellten Ansprachewege mit Ihren Infoständen, den digitalen und sozialen Medien eine Integration der Notwendigkeit zur Förderung der biologischen Vielfalt in das Bewusstsein der Leverkusener Bürgerinnen und Bürger wodurch eine vorbildhafte Multiplikatorenwirkung erreicht wird. Möglich gemacht wird das Vorhaben durch eine Förderung der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW, der Stadt Leverkusen und der Postcode Lotterie.
Meine Kolleginnen und Kollegen der UN-Dekade-Jury und ich sind davon überzeugt, dass sich die „Insektenkampagne in Leverkusen – ganzheitlich und nachhaltig“ in vorbildlicher Weise für die Förderung von Insekten engagiert und dabei unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen einbezieht. Dies stellt bundesweit einen wichtigen beispielhaften Beitrag zum Erhalt unserer biologischen Vielfalt dar und soll daher ausgezeichnet werden.
Mit der Auszeichnung als „offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt“ ist kein großer Sach- oder Geldpreis verbunden, sondern vielmehr eine symbolische Anerkennung bestehend aus einer Urkunde der Bundesumweltministerin, einem Banner und dem „Baum der Vielfalt“.
Bitte nutzen Sie diese Symbole und die Auszeichnung für Ihre Öffentlichkeitsarbeit und gewinnen Sie weitere Unterstützer für Ihre zahlreichen Aktivitäten.
Hiermit zeichne ich Ihr Projekt als offizielles UN-Dekade Projekt für die Biologische Vielfalt aus und gratuliere Ihnen herzlich dazu.

Zur Person: Thomas Muchow
geboren 1963 in Köln, Beginn der beruflichen Laufbahn mit der Ausbildung zum Gärtner mit Schwerpunkt Baumschule und Obstbau in Meckenheim. Studium der Landespflege in Osnabrück, Studium der Ökologie in Essen und Studium der Agrarwissenschaften in Bonn. Seit 1995 Landschaftsarchitekt AK NRW.
Von 1990 bis 1993 freiberuflicher Landschaftsplaner, von 1993 bis 1997 Angestellter in einem kommunalen Bau- und Planungsamt, 1997 bis 2005 Projektleiter für kooperative Naturschutzprojekte (Eifel- und Bördeprojekt) beim Deutschen Bauernverband. Seit 2003 zunächst ehrenamtlicher, seit 2006 hauptamtlicher Geschäftsführer der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft.
Mitglied in zahlreichen Fachgremien, wie z.B. der Arbeitsgruppe der Umweltstiftungen im Bundesverband Deutscher Stiftungen und dem Dialog Landwirtschaft und Umwelt im MULNV NRW. Seit 2014 Mitglied der Jury UN-Dekade Biologische Vielfalt.
Ort aus dem Stadtführer: Sportpark, Freibad Wiembachtal
Anschriften aus dem Artikel: Albert-Einstein-Str 58, Alte Landstr 129

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