Zonta-Benefizkonzert im Schloß Morsbroich


Archivmeldung aus dem Jahr 2017
Veröffentlicht: 05.11.2017 // Quelle: Bernhard Marewski

Bürgermeister Bernhard Marewski begrüßte heute die Besucher des Zonta-Benefizkonzerts im Schloß Morsbroich. Wir dokumentieren hier seine Rede anhand seines Manuskriptes:

"Sehr verehrte Frau Block,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Gäste der heutigen Matinée,

ich darf Sie als Bürgermeister heute zum beliebten Jahres-Konzert des Zonta-Clubs Leverkusen herzlich willkommen heißen.

Ich richte Ihnen auch gerne die Grüße des Oberbürgermeisters aus, der die Schirmherrschaft über diese Veranstaltung übernommen hat.

Mit dieser Matinee setzen die Zonta-Mitglieder die Reihe der Benefizveranstaltungen fort, die stets aus guten Gründen ihren festen Platz im gesellschaftlichen und kulturellen Leben unserer Stadt haben.

Unsere Stadt Leverkusen hat hierfür gerne den Spiegelsaal unseres Schlosses Morsbroich zur Verfügung gestellt.

Die Mitglieder des Zonta-Clubs sind ausnahmslos berufstätige Frauen in leitender oder selbständiger Position. Darauf weise ich gerne hin.

Denn die Damen engagieren sich an ihrem Feierabend - nach einem vollen Arbeitspensum … für Menschen, die der Hilfe bedürfen.

Seit bald vier Jahrzehnten haben Frauenvereine und Projekte für Frauen und Mädchen ihrem Engagement im Zonta-Club viel zu verdanken.
Dafür meine - aber auch im Namen der Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt - Anerkennung und ein großer Dank!

Sehr geehrte Damen und Herren,
in diesen Tagen erleben wir, wie mit der weltweiten Hashtag-Aktion #metoo : "zu sexueller Belästigung bis hin zur Vergewaltigung" ein Umdenken an Fahrt gewinnt.

Der zurückgetretene britische Verteidigungsminister Michael Fallon wies selbst darauf hin: "Die Kultur hat sich über die Jahre geändert. Was vor 15 oder zehn Jahren wohl noch akzeptiert wurde, ist ganz klar heute nicht mehr akzeptabel."

  • Ich sage hierzu : Es ist höchste Zeit.

    MeToo bringt sexuelle Belästigung in die öffentliche Auseinandersetzung, um Menschen zu ermutigen, ihre Scham zu überwinden und nicht mehr über ihre Erlebnisse zu schweigen.

    Die Aufmerksamkeit muss - in der unmittelbaren Folge - auf die Ursachen gelenkt werden, darauf, dass sexuelle Übergriffe primitivstes Ausnutzen einer Machtposition sind.

    Je transparenter und respektvoller zum Beispiel der Umgang in Firmen, Institutionen und anderen Gruppen, aber ebenso im öffentlichen Leben : - desto weniger Räume bieten sich hier für Täter.

    Erlauben Sie mir an dieser Stelle einen kurzen Blick auf unsere Heimatstadt.
    Ich bin der Überzeugung, dass wir auch in Leverkusen einen Rückstand zum Selbstverständlichen aufzuarbeiten haben.

    Sicher haben Sie die Diskussion um das Geschehen um unser Forum mitbekommen.

    Hier sage ich mit aller Deutlichkeit:

    "Nicht die Ängste der Menschen sind das Problem,
    sondern diejenigen, die Ängste hervorrufen."

    Und es darf auch nicht sein, dass erst dann gehandelt wird, wenn etwas passiert ist.

    Aus diesem Grunde wurde im Rat der Stadt Leverkusen gerade jetzt auch ein Antrag zur Einrichtung eines "Kriminalpräventiven Rates" eingebracht, so wie es ihn schon in vielen Städten gibt … zum Beispiel in Köln, Düsseldorf oder im benachbarten Langenfeld.

    Dabei geht es um weitaus mehr als um die Geschehnisse am Forum, wo inzwischen ja "Sofortmaßnahmen" angekündigt wurden.

    Da geht es um Themen wie:
    Städtebauliche Kriminalprävention - Menschen mit Lebensmittelpunkt Straße - Gewaltprävention an Schulen - Häusliche Gewalt - Opferschutz - Extremismus … genauso wie um die Stärkung von Zivilcourage.

    Diese präventive Arbeit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, der Politik, der Verwaltung, der Polizei … unter Mitnahme der Bürgerinnen und Bürger - und dabei haben ganz selbstverständlich die Frauenvereine und z.B. Vertreterinnen des Frauenhauses und des Frauenotrufes in einem "Kriminalpräventiven Rat Leverkusen" ihren Platz.
    Sie sind in diese Arbeit unmittelbar einzubinden.

    Der Zonta-Club Leverkusen setzt sich ausdrücklich ein für Gleichberechtigung und Gewaltfreiheit.

    Dem gilt auch der "Internationale Tag der Gewalt gegen Frauen" in drei Wochen. Dann sind die Mitglieder des Zonta-Clubs in der Wiesdorfer City zu finden - mit ihrem Slogan: "Wir sagen Nein zu Gewalt an Frauen!"

    Der Erlös der heutigen Matinée des Zonta-Clubs Leverkusen ist für "Frauen helfen Frauen" bestimmt, dem Trägerverein des Leverkusener Frauenhauses, sowie dem "Frauennotruf", der Frauenberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt in Leverkusen.

    Im Frauenhaus finden Frauen Schutz, die - oft genug mit ihren Kindern - aus einer gewalttätigen Beziehung flüchten müssen.

    Es gilt, ihnen eine sichere Bleibe zu bieten und - mehr als das:
    Tief verletzte Opfer von Gewalt erhalten Unterstützung, um ihr Selbstwertgefühl aufzubauen und Perspektiven zu entwickeln.
    Sie erhalten auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben Beratung in wesentlichen sozialen und rechtlichen Fragen.

    Beim "Frauennotruf" finden sich Ansprechpartnerinnen für Frauen und Mädchen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, deren Angehörige und Fachkräfte.
    Sich dort Unterstützung zu holen, kann ein ganz wichtiger Schritt sein, erlebte Ohnmacht zu überwinden.

    Ich möchte den Mitgliedern des Zonta-Clubs Leverkusen für ihr Engagement und ihre finanzielle Unterstützung meinen Respekt aussprechen.

    Das Frauenhaus und der Frauennotruf, beide sind schon mehrfach mit großzügigen Spenden bedacht worden.

    Der heutige Konzertsonntag soll dazu beitragen, dass die wertvolle und wichtige Arbeit weiter fortgesetzt werden kann.

    Ein besonders herzlicher Dank geht an die beiden Künstlerinnen, die diesem Anliegen ein besonderes Konzertprogramm widmen:

    Frau Mikhal und Frau Sayfullayeva vom Klavier-Duo "Praleski"

    Wir freuen uns auf ein eindrucksvolles Konzert, das sicher nachhaltig in Erinnerung bleiben wird … verbunden mit der so wichtigen gemeinsamen Aufgabe, uns stets gegenseitig Respekt zu zollen.

    Vielen Dank."


    Anschriften aus dem Artikel: Albert-Einstein-Str 58, Alte Landstr 129

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