Stadtplan Leverkusen
26.04.2012 (Quelle: Stadtverwaltung)
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Rede OB Buchhorn beim Arbeitnehmerempfang


Rede von Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn beim heutigen Arbeitnehmerempfang im Freudenthaler Sensenhammer

"Sehr geehrter Herr Kossiski,
sehr geehrter Herr Schmidt,
sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Lux,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Busch,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich freue mich, Sie auch in diesem Jahr wieder so zahlreich zum traditionellen Arbeitnehmerempfang der Stadt Leverkusen hier an diesem traditionsreichen Ort – im Freudenthaler Sensenhammer - begrüßen zu können. Der 1. Mai, der Tag der Arbeit, wirft seine Schatten voraus und ist uns auch in diesem Jahr wieder Anlass, in Kooperation mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund am heutigen Abend eine Plattform für Gedankenaustausch und Dialog zu bieten.

Seit dem Jahre 2000 treffen wir uns Jahr für Jahr, mit wenigen Ausnahmen immer wieder an diesem für die Industriegeschichte unserer Stadt bedeutsamen Ort, allerdings weniger um über die Vergangenheit, als vielmehr über Gegenwart und Zukünftiges zu sprechen. Es hat sich gezeigt, dass dieses Industriemuseum, das sich inzwischen auch zu einem kleinen kulturellen Zentrum Leverkusens entwickelt hat, der am besten geeignete Ort für diesen Zweck ist.

Erlauben Sie mir, gerade auch für die, die bei früheren Arbeitnehmerempfängen noch nicht dabei sein konnten, ganz kurz auf die bewegte Vergangenheit der mit 150 Jahren ältesten ehemaligen Fabrik in unserem Stadtgebiet einzugehen.

Vor dem Ersten Weltkrieg waren 72 Arbeiter und 4 Angestellte in diesen Hallen der Fabrik Kuhlmann Söhne beschäftigt, die pro Jahr 200 000 Sensen, schwere Messer und Sicheln fürs In- und Ausland produzierten. Der Niedergang des Betriebes nach 1945 hatte viele Gründe, sicherlich die zunehmende Technisierung in der Landwirtschaft, und später die nachwachsende Konkurrenz aus den so genannten Billiglohnländern drückte die Preise.

Ob die hier verrichteten Tätigkeiten dabei den Ansprüchen heutiger betrieblicher Gesundheitsfürsorge entsprachen, ist für uns heute schwer nachvollziehbar. Sie stimmen sicher mit mir überein, wenn da, zurückhaltend ausgedrückt, zumindest gewisse Zweifel angebracht sein dürfen.

Allerdings dürfte auch jedem von uns klar sein, dass derartigen Fragen in früheren Zeiten nicht die Bedeutung beigemessen wurde, die der Sache angemessen ist. Dass sich dies aus heutiger Sicht geändert hat, liegt sicher nicht nur daran, dass die Arbeitgeber - ich nenne nur das Stichwort „Demografischer Wandel“- heute mehr denn je um die Notwendigkeit betrieblicher Gesundheitsvorsorge wissen. Es ist zweifelsohne auch ein Verdienst der Gewerkschaften, dass sie im Interesse der Beschäftigten dieses Thema verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit gebracht haben.

Und so war es auch heute der ausdrückliche Wunsch der DGB –Region Köln-Bonn sich beim diesjährigen Arbeitnehmerempfang mit dem Themenkomplex „Betriebliche Gesundheitsförderung und psychische Belastungen am Arbeitsplatz“ zu beschäftigen. Wir dürfen alle sicher sehr gespannt auf den Vortrag von Herrn Andreas Schmidt, Geschäftsführer des Instituts für Betriebliche Gesundheitsförderung BGF GmbH, sein.

Bevor nachher die Frage aufkommt, was tut die Stadt Leverkusen als Arbeitgeber eigentlich in diesem Bereich oder möglicherweise schon jetzt resignativ gedacht wird, die Stadt kann ja als Nothaushaltsgemeinde da eh nichts machen, gestatten Sie mir zunächst einige Erläuterungen , wie die Stadtverwaltung Leverkusen mit diesem Thema umgeht.

Durch erhöhte Anforderungen, Arbeitsverdichtung, Zeitdruck, Personalreduzierungen und auch dem immer späteren Eintritt ins Rentenalter haben sich, auch bei uns, die gesundheitlichen Belastungen und Risiken mehr und mehr erhöht und diese Entwicklung ist nicht beendet. Dass unter den Arbeitsbelastungen in den Unternehmen die negativen Auswirkungen der psychischen Belastungen – insbesondere Stress – mittlerweile führend sind, wird auch hier gelten. Deswegen ist mein Ansatz auch, vor der Stellenreduzierung, sozialverträglich natürlich, zunächst die Aufgabenstellung kritisch zu analysieren, damit es nicht zu weiteren Arbeitsverdichtungen, und damit zur Mehrbelastung der Beschäftigten führt.

Mittlerweile hat ja die Weltgesundheitsorganisation den beruflichen Stress zu einer der größten Gefahren des 21. Jahrhunderts erklärt.

Ein Betriebliches Gesundheitsmanagement bietet Ansätze, die individuellen Ressourcen und Kompetenzen zum Umgang mit den in den letzten Jahren gestiegenen psychischen Belastungen zu stärken.

Der Personaldezernent, der Arbeitsmedizinische Dienst und ich sind uns durchaus einig, dass das, was die Stadt Leverkusen im Rahmen ihres betrieblichen Gesundheitsmanagements an betrieblicher Gesundheitsförderung bietet, sich in diesem Kontext unter den gegebenen Bedingungen durchaus sehen lassen kann.

2006 hat der Verwaltungsvorstand das Konzept zur Gesundheitsförderung bei der Stadt beschlossen. Die wesentlichen Ziele sind dabei:
- durch die Arbeit verursachte Belastungen zu erkennen und zu thematisieren,
- Belastungen, wenn möglich, zu reduzieren oder,
- wenn dies nicht möglich ist, den belastenden Auswirkungen durch ausgleichende Maßnahmen entgegenzuwirken,
- neben den unmittelbaren positiven gesundheitlichen Auswirkungen Krankheitskosten zu reduzieren
- und die Mitarbeitermotivation zu erhöhen.

Dies wird durch verschiedene Maßnahmen der Verhaltensprävention, dies sind individuelle Angebote für die Beschäftigten, also strukturelle Maßnahmen, verfolgt.

Zunächst erfolgt bei der Stadtverwaltung eine Bedarfsanalyse unter anderem mit Unterstützung der Krankenkassen, aktuell durch eine Arbeitsunfähigkeitsdatenanalyse der AOK Rheinland/Köln.

Die Daten zur Entwicklung psychischer Erkrankungen machen auch bei der Stadtverwaltung Handlungsbedarf deutlich. Unabhängig davon, ob es aktuelle Schwankungen nach oben oder unten geben mag, es gibt in jedem Fall Handlungsbedarf, dieser Entwicklung entgegenzusteuern und dies werden wir auch tun.

Lassen Sie mich hierzu einige konkrete Maßnahmen bei der Stadt Leverkusen aufzeigen. Im abgelaufenen Jahr gab es im Bereich der Allgemeinen Betrieblichen Gesundheitsförderung, dazu gehören Bewegung, Ernährung, Entspannung und Mobile Massage, insgesamt 47 Angebote betrieblicher Gesundheitsförderung, die arbeitsplatz- und arbeitszeitnah unter finanzieller Beteiligung der Mitarbeiter angeboten wurden. Zu verzeichnen ist hier die durchaus beachtliche Zahl von 1.600 Teilnehmern mit 900 Stunden Freizeiteinsatz und rund 27.500 € Eigenbeteiligung. Für mich ein eindeutiger Beleg, dass wir mit diesen Angeboten richtig liegen und die Beschäftigten sehr wohl auch bereit sind, hier einen eigenen Beitrag zu leisten.

Im kommenden Halbjahr wird es bei der Stadtverwaltung einen besonderen Schwerpunkt in der Stress-Prävention geben.

Im Rahmen der Verhaltensprävention, also der Stärkung der individuellen Ressourcen, nenne ich dabei als Stichworte zum Beispiel Arbeits- und Zeitmanagement, Kommunikation, Konfliktlösung, Wiederherstellung des Gleichgewichts und einiges mehr. Natürlich zählen in diesem Bereich auch Entspannungsmethoden wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Meditation oder Yoga zur Angebotspalette.

Im Rahmen der Verhaltensprävention bleiben natürlich auch strukturelle Fragen für uns als Arbeitgeber stets im Blickwinkel.

So dienen Mitarbeiterbefragungen zur Ermittlung der konkreten Belastungssituation und es werden moderierte Gesundheitszirkel durchgeführt. Natürlich zählt dazu auch die Mitwirkung in der Betrieblichen Kommission für den Bereich der Sozial- und Erziehungsdienste, um so zu einer Verbesserung des Gesundheitsschutzes für die pädagogischen Mitarbeiter/innen zu kommen. Jeder weiß um die gestiegenen Anforderungen gerade in diesem Berufsfeld, in dem es in den nächsten Jahren noch einen sehr hohen Personalbedarf geben wird. Hier kann angesichts der Konkurrenzsituation bei den Bedarfsträgern die Qualität des Arbeitsplatzes auch in dieser Hinsicht entscheidend sein, um überhaupt Personal zu gewinnen.

Lassen Sie mich den vorgestellten Maßnahmenkatalog mit dem Hinweis beenden, dass es auf Grund des Wirkungszusammenhangs zwischen Führung und Gesundheit auch eine Führungskräfteschulung unter dem Motto „Gesund führen“ geben wird.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, Sie sehen an diesen Beispielen, dass dieses Thema bei der Stadt Leverkusen, und ich denke nicht nur dort, auf der Tagesordnung steht.

Nicht nur angesichts des demografischen Wandels wird uns die betriebliche Gesundheitsförderung ständig begleiten und dies nicht nur im Bereich des öffentlichen Dienstes, sondern in unserer gesamten Arbeitswelt.

Ich bin sicher, Herr Schmidt wird uns dazu gleich noch einige wichtige Impulse geben.

Zunächst möchte ich aber Herrn Kossiski zu einem Grußwort hier auf die Bühne bitten und bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit."


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Letzte Änderung am 29.04.2012 14:35 von leverkusen.
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