25 Jahre Stadtgeschichtliche Vereinigung


Archivmeldung aus dem Jahr 2011
Veröffentlicht: 23.01.2011 // Quelle: Stadtverwaltung

Anläßlich des 25jährigen Bestehens der Stadtgeschichtlichen Vereinigung und des 85. Geburtstages von Rolf Müller hielt Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn soeben folgende Rede im Schloß Morsbroich:

"Sehr geehrte Frau Pelzer,
sehr geehrter Herr Müller,
sehr geehrter Herr Dr. Kühn,
sehr geehrte Mitglieder der Stadtgeschichtlichen Vereinigung e. V. Leverkusen, sehr geehrte Gäste!

Für die Gründung der Stadtgeschichtlichen Vereinigung vor gut 25 Jahren bin ich fast ein "Zeitzeuge": Aktiv war ich nicht beteiligt, habe aber als Kollege von Klaus Plump, dem damaligen Stadtarchivar, und Walter Podscharly, der damals das Hauptamt leitete, viel von deren Engagement und dem Engagement des ersten Vorsitzenden Rolf Müller und seinen Mitstreitern mitbekommen.

Aktueller Anlass für die Gründung dieses dritten historisch orientierten Vereins in Leverkusen war der Verlust einiger für die Stadt bedeutsamer historischer Objekte und Sammlungen. So wanderte 1985 das Agfa-Photo-Historama, eine international bedeutende Sammlung zur Geschichte der Fotografie, von Leverkusen nach Köln ins Museum Ludwig während die originale Inneneinrichtung der Opladener Adler-Apotheke vom Anfang des 19. Jahrhunderts damals nach Schloss Burg "umzog".

Es soll nicht verschwiegen werden, dass sich die Stadt in den wenig an Geschichte interessierten 60er und 70er Jahren einiger Objekte - vor allem historischer Bauten - auch selbst beraubt hat. Heute ist diese nicht nur für Leverkusen festzustellende Geschichtsferne jener Jahre selbst Geschichte geworden. Und dass es so gekommen ist, ist nicht zuletzt einer starken bürgerlichen Bewegung für Geschichte und Geschichtsbewusstsein zu verdanken.

Die Stadtgeschichtliche Vereinigung Leverkusen ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür. Sie hat sich andere Ziele gesetzt als die beiden seit 1985 in Leverkusen existierenden Geschichtsvereine - die damals schon fast 60 Jahre alte Abteilung des Bergischen Geschichtsvereins mit ihrem historischen Blick auf das Gebiet des ehemaligen Rhein-Wupper-Kreises und der auch als Reaktion auf die Kommunale Neuordnung im Jahr 1979 entstandene Opladener Geschichtsverein.

Die Stadtgeschichtliche Vereinigung ist - etwas verkürzt gesagt - stärker museal ausgerichtet. Sie wollte und will speziell für Leverkusen Sachzeugnisse der Geschichte sammeln, bewahren und präsentieren. Auch so soll die Vergangenheit dieser Stadt lebendig und nachvollziehbar bleiben. Ihr liegt daran, historische Zeugnisse ins richtige Licht zu setzen, damit sie ihre Geschichte "erzählen" können. Auf den ersten Blick handelt es dabei oft um ganz unscheinbare Überreste wie Scherben aus der Abfallgrube des Rittersitzes Ophoven. Richtig präsentiert, können sie sehr wohl etwas über das Alltagsleben auf einem Rittergut im 18. Jahrhundert aussagen. Es kann aber auch um ein ausdrucksstarkes Gemälde gehen, das die Stahlproduktion bei der Firma Wuppermann um 1917 zeigt. Das Manforter Unternehmen ist viele Jahrzehnte lang der zweitgrößte Arbeitgeber in Leverkusen gewesen.

Die Stadtgeschichtliche Vereinigung hat - wo die Anschauungsmöglichkeit fehlte - in einigen Fällen auch Rekonstruktionen in kleinem Maßstab entstehen lassen: Ganz besonders wichtig ist das Modell der Opladener Synagoge, das aufgrund der wenigen erhaltenen Fotos mit großer Akribie angefertigt wurde und ein wirklichkeitsgetreues Bild des im November 1938 zerstörten jüdischen Gotteshauses gibt.

In den 25 Jahren des Bestehens ist so eine umfangreiche Sammlung unterschiedlichster Stücke zusammengekommen. Es freut mich ganz besonders, dass viele Stücke der Sammlung ab Juni dieses Jahres in der von der Vereinigung schon bei seiner Gründung gewünschten ständigen Ausstellung zur Leverkusener Stadtgeschichte präsentiert werden - das unermüdliche Sammeln sozusagen belohnt wird.

Wie hoch die Stadt dieses Engagement und das gemeinsame Handeln der drei Leverkusener Geschichtsvereine sowie des Trägervereins Villa Römer ansieht und wie sehr ihr an dem Zustandekommen der Dauerausstellung "ZeitRäume Leverkusen" gelegen ist, hat sie nicht zuletzt dadurch zum Ausdruck gebracht, dass sie die Villa Römer den Vereinen ganz für diesen Zweck zur Verfügung gestellt hat und durch das Engagement von KulturStadtLev mit dem Stadtarchiv unterstützt.

Die Gründung der Stadtgeschichtlichen Vereinigung ist Herrn Studiendirektor a.D. Rolf Müller zu verdanken, der - es ist kaum zu glauben - am 31. Dezember 2010 sein 85. Lebensjahr vollendet hat. Ich möchte die Gelegenheit nutzen und ihm im Namen der Stadt Leverkusen auch offiziell ganz herzlich zu seinem Geburtstag gratulieren.

Die Liste seiner Verdienste ist lang. Sie beginnt mit seiner Tätigkeit als Lehrer am Landrat-Lucas- und Werner-Heisenberg-Gymnasium. Rolf Müller hat es immer auch als seine Aufgabe empfunden, seine Schüler für die Ortsgeschichte als "Weltgeschichte im Kleinen" zu interessieren und begeistern. Sie endet nicht mit seinem nach wie vor tatkräftigen Engagement für die Stadtgeschichtliche Dauerausstellung, deren Realisierung zu einem großen Teil auch sein Werk ist. Über die vielen Aspekte seines Wirkens für unsere Stadt wird heute noch einiges zu erfahren sein.

In Anerkennung und als Dank für sein vielseitiges und beispielhaftes Tun hat der Rat im Jahr des Stadtjubiläums 2005 einstimmig beschlossen, Rolf Müller mit dem Ehrenring der Stadt Leverkusen auszuzeichnen. Bei der Verleihung sagte mein Vorgänger Ernst Küchler es so: "Ihnen ist es in maßgeblicher Weise zu verdanken, dass wir inzwischen mit Stolz und Selbstbewusstsein auf unsere junge Geschichte zurückblicken".
Besser kann man Ihre Verdienste, lieber Herr Müller, kaum zusammenfassen. Ich wünsche Ihnen von Herzen alles Gute und freue mich - in unser aller Interesse - auf weiteres gutes Zusammenwirken!

Mein Dank gilt aber auch der Stadtgeschichtlichen Vereinigung, Ihnen Frau Pelzer als Vorsitzende und allen Mitgliedern des Vereins: sei es, dass sie als Mitglied des Vorstandes agieren, sei es, dass sie bei der Vorbereitung und Präsentation durch inhaltliche Arbeit, durch Mitwirkung bei Veranstaltungen oder Führungen, durch Aufsichten in der Villa Römer oder ihre Spenden und Mitgliedsbeiträge zum gemeinsamen Projekt beitragen. Ohne Ihr ehrenamtliches Engagement wäre nicht nur "kein Verein zu machen" - viel von dem, was eine Gesellschaft zusammenhält, ginge verloren!
Ich wünsche der Stadtgeschichtlichen Vereinigung auch für die Zukunft im Interesse unserer Stadt viel Erfolg bei all ihren Aktivitäten.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

nun bin ich genau wie Sei sehr gespannt auf den Festvortrag von Herrn Dr. Kühn mit dem Thema Ehrenamt und regionale Identität.
Für mich sind dies ganz wichtige Komponenten für die Gestaltung der Zukunft unserer Stadt.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und bitte schon jetzt um Verständnis, dass ich Ihrer Veranstaltung nicht bis zum Ende beiwohnen kann."


Denkmäler aus dem Artikel: Villa Römer
Anschriften aus dem Artikel: Albert-Einstein-Str 58, Alte Landstr 129

Kategorie: Kultur
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