Grundsteinlegung der Neuen Konzernzentrale der Bayer AG

Aus den Ausführungen von Dr. Manfred Schneider (Vorsitzender des Vorstands der Bayer AG)

Archivmeldung aus dem Jahr 2000
Veröffentlicht: 25.05.2000 // Quelle: Bayer

( Es gilt das gesprochene Wort )

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Clement,
sehr geehrte Abgeordnete des Bundestages und des Landtages,
meine sehr verehrten Damen, meine Herren!

Im Namen des Vorstandes der Bayer AG begrüße ich Sie sehr herzlich zur offiziellen Grundsteinlegung der neuen Konzernzentrale hier in Leverkusen. Wir freuen uns, dass Sie so zahlreich gekommen sind, um dieses Ereignis mit uns gemeinsam zu feiern. Wir sehen darin ein deutliches Zeichen Ihrer Verbundenheit mit unserem Unternehmen.

Als eine besondere Ehre betrachten wir Ihre Anwesenheit, sehr geehrter Herr Ministerpräsident Clement. Für uns ist das eine erneute Bestätigung der Bedeutung, die Ihre Landesregierung unserem Unternehmen beimisst.

Ein gesonderter Gruß gilt auch Herrn Oberbürgermeister Hebbel aus Leverkusen und Herrn Bürgermeister Schramma aus Köln sowie dem Regierungspräsidenten des Regierungsbezirkes Köln, Herrn Roters.

Meine Damen und Herren, obwohl unser Unternehmen 1863 in Wuppertal gegründet wurde, befindet sich der Bayer-Firmensitz schon seit fast 100 Jahren hier in Leverkusen. Mit dem hiesigen Werk sowie unseren Standorten Dormagen, Wuppertal und Krefeld sind einige unserer wichtigsten Produktionsstätten weltweit im Land zwischen Rhein und Ruhr angesiedelt. Nicht zu vergessen unsere Forschungszentren für Pharma in Wuppertal und Pflanzenschutz in Monheim, die zu den größten und bedeutendsten ihrer Art auf der ganzen Welt gehören.

Dennoch war die Entscheidung, die Konzernzentrale auch zukünftig in Leverkusen zu belassen, durchaus nicht selbstverständlich. Als weltweit operierendes Unternehmen - also als "Global Player", wie man auf gut Neudeutsch sagt - nimmt die Internationalisierung ständig zu. Dies gilt auch für Standort-Entscheidungen. Wir müssen einfach dort vertreten sein, wo unsere Kunden und Märkte sind. Beispielsweise im Herzen des Wachstumsmarktes Nordamerika. Oder im Entwicklungsmarkt Asien.

Eine Logik, die nicht zwangsläufig auf Produktionsstätten beschränkt sein muss, sondern auch für den Sitz von Geschäftsbereichsleitungen oder gar das Headquarter gelten könnte. Deutschland ist für uns zwar nach wie vor unsere Heimat und unser Heimatmarkt - mit einem Anteil von 15 Prozent am Gesamtumsatz jedoch inzwischen mit deutlich abnehmender Bedeutung. Also haben wir uns natürlich die Frage gestellt, ob unser Haupt-Firmensitz hier noch richtig platziert ist. Unsere Antwort war ein klares Ja.

Wenn wir nun in einigen Minuten den Grundstein für unsere Zentrale hier in Leverkusen legen, um aus Nordrhein-Westfalen auch langfristig die weltweiten Geschicke von Bayer zu steuern, so ist dies nicht zuletzt auch ein klares Bekenntnis zum Industriestandort Bundesrepublik - und ganz speziell zum Standort Nordrhein-Westfalen.

Hier haben wir unsere Wurzeln. Von hier aus sind wir aufgebrochen, um uns unsere Positionen auf den Weltmärkten zu erkämpfen. Und ich denke, dass uns dabei die Tatsache, ein deutschstämmiges Unternehmen zu sein, im internationalen Wettbewerb nicht geschadet hat.

Ein wichtiger Aspekt spricht zudem trotz aller Globalisierung für einen Firmensitz in Deutschland. Hier liegen wir mitten in Europa – und Europa ist nach wie vor unser weltweit wichtigster Markt, auch wenn das Wachstum unserer Umsätze hier in jüngster Zeit deutlich geringer ausfällt als in anderen Regionen der Welt. Nach wie vor erwirtschaften wir in Europa knapp die Hälfte unseres weltweiten Umsatzes .

Diese Identität als deutsches Unternehmen im Herzen Europas wollen wir auch durch unsere neue Zentrale hier in Leverkusen dokumentieren. Doch damit nicht genug: Wir bleiben nicht nur unserer Heimat verbunden, sondern versuchen zusätzlich, ausländische Investoren für eine Ansiedlung in NRW zu gewinnen.

Ich erzähle Ihnen sicherlich nichts Neues, wenn ich Ihnen sage, dass viele amerikanische oder asiatische Unternehmen lieber im benachbarten Ausland als in Deutschland investieren.

Und ich denke, es gibt sicher seitens der Politik noch einiges zu tun, um die wirtschaftlichen Rahmen-bedingungen in diesem Land für eine Gleichheit der Wettbewerbschancen im Kampf um internationale Marktpositionen zu verbessern: Von der Entkrustung bürokratischer Verfahren über eine deutliche Verringerung der Lohn-Nebenkosten und Steuerbelastungen bis hin zu einer nach wie vor unzureichenden Harmonisierung in der Umweltgesetzgebung.
Dennoch ist es uns gelungen, die US-amerikanische Firma Kerr-McGee für ein Joint-Venture im Bereich des Titandioxids in Krefeld zu gewinnen und GE Plastics für eine Beteiligung an unseren Siliconen in unserem Leverkusener Werk. Beide Gemeinschaftsunternehmen tragen dazu bei, die im internationalen Wettbewerk stark unter Druck geratenen Geschäftsaktivitäten zu erhalten und die Arbeitsplätze zu sichern.

Wir werden auch in Zukunft versuchen, internationale Partner in unser deutsches Boot zu holen – also in unsere Chemieparks, in denen wir Neuansiedlern eine wertvolle Infrastruktur und beste Sicherheits- und Produktionsbedingungen bieten können. Hinzu kommen hervorragend ausgebildete Mitarbeiter und zuverlässige Tarifpartner.

Wir bei Bayer glauben an den Industrie-Standort Deutschland. Deshalb lassen wir auch nicht nach in unseren Anstrengungen, unsere deutschen Werke mit modernen Anlagen international wettbewerbsfähig zu halten und damit Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft zu sichern.

In der Bundesrepublik Deutschland arbeiten mehr als 55.000 Menschen für Bayer, davon allein 46.200 in Nordrhein-Westfalen. In den vergangenen drei Jahren haben wir über drei Milliarden Euro in Deutschland investiert. Der Löwenanteil ging mit 2,3 Milliarden Euro in dieses Bundesland.

Bis zum Jahr 2003 sind für Investitionen weitere vier Milliarden Euro für Deutschland bzw. 3,1 Milliarden Euro innerhalb von NRW geplant. Dazu addieren sich noch die Aufwendungen für Instandhaltung innerhalb dieses Zeitraums in Höhe von 2,8 Milliarden Euro für die gesamte Bundesrepublik, von denen wir 2,3 Milliarden in unseren Niederrhein-Werken ausgeben werden.

Mit fast 4,5 Milliarden Euro wird auch gut die Hälfte unseres Forschungskuchens in den nächsten vier Jahren in Nordrhein-Westfalen verteilt, wo wir neben den bereits erwähnten Forschungszentren für Pharma und Landwirtschaft auch die Basis für unsere Zentrale Forschung haben. Damit, meine Damen und Herren, werden wir bis zum Jahr 2003 allein in Deutschland mehr als 11 Milliarden Euro für Investitionen, Instandhaltung und Forschung ausgeben, davon rund 85 Prozent in NRW.

Das sind auch für ein Unternehmen unserer Größenordnung bemerkenswerte Beträge.
Nicht zu vergessen die 50 Millionen Euro, die für den Bau der neuen Zentrale vorgesehen werden. Sie werden vermutlich bei der Anfahrt gesehen haben, dass die Bauarbeiten bereits in vollem Gange sind. Wir sind zuversichtlich, Ende nächsten Jahres in das neue, moderne und - wie wir finden – repräsentative Gebäude einziehen zu können.

Meine Damen und Herren, mit dem Neubau für unsere Verwaltung werden wir auch optisch ein neues Kapitel unserer nunmehr 137-jährigen Firmengeschichte aufschlagen. Gegenüber der Großbaustelle befindet sich unser 1912 erbautes, erstes Leverkusener Verwaltungsgebäude, das in seiner ehrwürdigen und monumentalen Bauweise Ausdruck der Zeit und des Selbstverständnisses um die Jahrhundertwende ist. Damals waren die Farbenfabriken Bayer nach den bescheidenen Anfängen in Elberfeld gerade zur Weltgeltung aufgestiegen.

Unser derzeitiger Firmensitz, das 1962 bezogene Hochhaus, verkörperte den in den sechziger Jahren überall aufkommenden Anspruch, eine Top-Position auf dem Weltmarkt auch in der Form und Größe des Verwaltungssitzes Ausdruck zu verleihen - aufstrebend und ein Wahrzeichen in der Landschaft. Mit seinen 122 Metern Höhe war unser Firmensitz damals das höchste Bürogebäude in Deutschland.

Unser neuer Hauptsitz - von dem Sie nachher noch einen filmischen Eindruck bekommen werden - wird kleiner, moderner und architektonisch dem veränderten Zeitgeist angepasst sein. Das weit geöffnete, in großen Teilen verglaste Oval zwischen Kasino und unserem bisherigen Hochhaus wird auch symbolisch für die Transparenz stehen, mit der wir nach unserer Unternehmensphilosophie und unseren Leitlinien operieren wollen.

Für die Realisierung konnten wir den international renommierten und vielfach ausgezeichneten Architekten Helmut Jahn gewinnen, der eine bemerkenswerte Parallele zu unserem Unternehmen hat: Seine Wiege stand in Deutschland, aber sein großes Potenzial sah er in den USA, dem auch für Bayer wichtigsten Markt, und seine Aktivitäten sind weltweit.
Helmut Jahn lebt seit mehreren Jahrzehnten in Chicago. Welche Ideen sich hinter seinen Plänen verbergen, wird er Ihnen später noch selbst erläutern.

Der innovative Charakter des Gebäudes und seine Transparenz sollen neben ästhetischer Schönheit und Funktionalität auch die Vorstellung eines modernen, offenen und auf die Zukunft ausgerichteten Weltkonzerns im 21. Jahrhundert widerspiegeln. Wir wollen auch künftig im internationalen Wettbewerb einen Spitzenplatz in der chemisch-pharmazeutischen Industrie belegen.

Meine Damen und Herren, ich bin sicher, dass die Erfolgsgeschichte von Bayer auch in dem neuen Gebäude fortgeschrieben wird. Denn aus dem gläsernen Oval, das hier entsteht, werden noch viele positive und vielleicht auch überraschende Meldungen kommen.

Das ist gut für Bayer, aber auch für die gesamte Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen. Denn nur gut verdienende Unternehmen können Arbeitsplätze erhalten und neue schaffen, Steuern zahlen und Aufträge für viele Bereiche der Wirtschaft vergeben.

In diesem Sinne danke ich allen, die an der Planung und Realisierung innerhalb und außerhalb unseres Unternehmens beteiligt sind, für Ihr großes Engagement und wünsche Ihnen Glück und Erfolg für die gesamte Bauphase. Auf gutes Gelingen!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.


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