Soeben eröffnete Oberbürgermeister Buchhorn das Bistro im Wildpark Reuschenberg mit folgenden Worten
"Sehr geehrte Frau Hoffmann-Badache,
sehr geehrter Herr Killewald,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
ich freue mich, heute eine Einrichtung offiziell zu eröffnen, die schon seit dem Winter funktioniert und gezeigt hat, dass dieses Bistro das ist, was der Wildpark gebraucht hat, um zu einem Publikumsmagneten zu werden. Nicht nur, dass die Gasträume an manchen Tagen mehr als ausgelastet sind, auch der Wildpark selbst hatte wesentlich mehr Besucher als in der Winterzeit sonst üblich. Synergieeffekte eben!
Die Prognose ist deshalb ausgesprochen gut, denn im Sommer kommen noch Terrasse und Außengastronomie hinzu. Der Wildpark ist damit zu einem Ausflugsziel geworden, das nahezu witterungsunabhängig funktioniert, das Eltern die Möglichkeit gibt, hier einen gemütlichen Nachmittag zu verbringen und dabei ihre Kinder auf dem Spielplatz im Auge zu behalten, das aber auch Großeltern genügend Komfort bietet und nicht zuletzt mit seinem Loungebereich auch für Paare und junge Leute attraktiv genug ist, um hier einzukehren.
Sinnigerweise wurde das Bistro so geplant, dass es auch ohne Wildparkbesuch zugänglich ist. Es soll in Zukunft die Möglichkeit bieten, Familienfeiern durchzuführen, genauso wie Seminare und Kulturveranstaltungen. Da es sich in der Nähe des Friedhofs befindet, bietet es sich natürlich auch für den Kaffee nach einer Trauerfeier an.
Dass der Tierpark darüber hinaus von der hohen Besucherfrequenz profitiert und das Eintrittsgeld auf freiwilliger Basis gerne gezahlt wird, hat sich bisher schon erwiesen.
Auch andere Ziele werden verwirklicht. Denn der Wildpark und jetzt dieses Bistro sind Integrationsbetriebe. Das heißt, hier arbeiten zur Hälfte Menschen mit Behinderungen. Und in den paar Wochen des Bestehens bisher hat sich gezeigt, dass dies die Besucher mit Sympathie betrachten.
So findet mit der Eröffnung des Bistros ein Prozess seine Vollendung, der 2008 begonnen hat, als die Stadt Leverkusen den Betrieb des Wildparks an die Lebenshilfe übertrug, anstatt ihn zu schließen, wie ursprünglich geplant.
Seitdem jedoch müssen die Betriebskosten durch die Betreiber erwirtschafttet werden. Dieses Bistro hilft dabei - allein schon dadurch, dass es den Besuch im Wildpark weitgehend witterungsunabhängig macht und die Verweildauer verlängert. Außerdem erwirtschaftet es natürlich eigene Einnahmen.
Mir bleibt deshalb zu danken: Dem Integrationsamt des Landschaftsverbandes, dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, der Stiftung Wohlfahrtspflege und der Aktion Mensch - sie alle haben Mittel für das Bistro zur Verfügung gestellt. Außerdem konnten wir als Stadt Leverkusen uns dafür einsetzen, dass die große Summe von 200.000 Euro aus dem Konjunkturprogramm für diese Maßnahme bewilligt wurde. Der Integrationsbetrieb selbst hat fast genauso viel Geld aus Eigenmitteln aufgebracht und der Rest wurde finanziert durch ein Kapitalmarktdarlehen der Deutschen Behindertenhilfe.
Insgesamt wurden von allen Unterstützern zusammen 892.000 Euro für die Erschließung, den Bau und die Einrichtung des Bistros aufgebracht und mit der Kämpchen-Stiftung weitere Hilfe im laufenden Betrieb gewonnen.
Ich freue mich, dass auf diese Weise der Wildpark nicht nur gerettet werden konnte, sondern auch dazu beigetragen wird, dass dieses Leverkusener Kleinod über die Stadtgrenzen hinaus bekannt gemacht werden kann."
2. Konzeptionelle Überlegungen
Die grundlegende Überlegung zur Übernahme des Betriebs des Wildparks Reuschenberg basierte auf der Absicht, den Leverkusener BürgerInnen dieses Kleinod zu erhalten und gleichzeitig als Ort der Begegnung von Menschen mit und ohne Behinderung auszubauen. Dafür bedurfte es des Aufbaus einer entsprechenden Infrastruktur und einer Attraktivierung, die den bereits vorhandenen guten Zuspruch seitens der Leverkusener Bürger/innen noch erhöht. Zur wesentlichen Zielgruppe gehören Familien mit Kindern, Erholungssuchende, Spaziergänger sowie Besucher des benachbarten Friedhofs.
Bis zur Betriebsübernahme verfügte das Gelände aber weder über Toiletten noch über irgendein Angebot an Speisen und/oder Getränken. Auch im unmittelbaren Umfeld war ein solches Angebot nicht vorhanden. Die Verweildauer der Besucher war also nicht selten eher begrenzt und vollständig witterungsabhängig. Feste und Veranstaltungen konnten nicht oder nur für kurze Zeiträume durchgeführt werden.
2.1. Aufbau eines Bistrobetriebes
Schon bei der Übernahme war deshalb geplant, auf dem Gelände ein entsprechendes Restaurationsangebot zu schaffen, das zu einer deutlichen Aufwertung des Wildparks beitragen sollte und eine multifunktionale Nutzung zulassen muss. Geplant wurde ein Bistro, das ausreichend groß ist, nicht nur den regen Besucheransturm an Wochenende, Feiertagen und während der Ferien aufzunehmen, sondern auch Möglichkeiten der Durchführung von Familienfeiern, Seminaren, Kindergeburtstagen, Kulturveranstaltungen und Beerdigungskaffees bietet. Die Lokalität soll sich im unmittelbaren Eingangsbereich befinden, um auch für Passanten zugänglich zu sein, die nicht zu den Wildparkbesuchern gehören. Die Lage des Bistros (insbesondere die Terrasse) wurde so gewählt, dass der Kinderspielplatz in vollem Umfang überschaubar ist.
Im Bistro sind insgesamt 4 Arbeitsplätze sowie weitere geringfügig entlohnte Beschäftigungsverhältnisse für Menschen mit Behinderung geschaffen worden. Ferner wurden zwei Stellen für Gesamtleitung und Stellvertretung eingerichtet. Die Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung sind in den Bereichen Service, Küche und Reinigung des Bistros einschließlich der Vorbereitung und Begleitung von Veranstaltungen geschaffen worden.
Das Bistro verfügt über 55 Sitzplätze im Innenbereich und weitere 50 Plätze auf der Terrasse. Im Innenbereich wurde eine Lounge-Ecke eingerichtet. Das Bistro ist durch eine mobile, akustisch voll isolierte Trennwand teilbar. Der abgeteilte Raum kann dann als Seminarraum für bis zu ca. 25 Personen genutzt werden. Für den Seminarbetrieb werden die Bistrostühle durch angenehme Seminar-Stühle ausgetauscht. Veranstaltungsequipment (Beamer, Leinwand, Flipchart, Präsentationswände, Internetzugang) ist vollständig vorhanden und kann unmittelbar eingesetzt werden.
Das Bistro ist gänzlich barrierefrei. Die Tische haben keine Zargen und sind damit vollständig rollstuhlunterfahrbar. Der Sanitärbereich im Untergeschoss des Bistros wird von außen ebenerdig, aus dem Gastbereich heraus über einen Aufzug erschlossen. Auch der Sanitärbereich ist natürlich behindertengerecht ausgestattet (2 behindertengerechte Toiletten). In Anbetracht der Besucherstruktur (junge Familien) wurde auch ein Wickelraum eingerichtet.
Bei der Gestaltung der Speise- und Getränkekarte wurde darauf geachtet, kleine Gerichte zu verträglichen Preisen anzubieten. Kein Gericht kostet 10 € oder mehr. Bei den Getränken herrschen verschiedene Kaffeekreationen, die restaurationsüblichen Kaltgetränke (einschließlich Bier vom Fass) und ausgesuchte Weine vor. Auf Spirituosen wird verzichtet.
2.2. Kinder- und Kulturprogramm – inklusive Begegnung von Menschen mit und ohne Behinderung
Bei der Durchführung von Öffentlichkeitsveranstaltungen in Einrichtungen der Behindertenhilfe machen wir sehr häufig die Erfahrung, dass der Zuspruch seitens „unbeteiligter“ Bürger/innen eher gering ist. Mit der Übernahme des Betriebs des Wildparks Reuschenberg und der Erstellung des Bistros verbindet sich der grundsätzliche Gedanke, diesen attraktiven Ort zur „selbstverständlichen“ Begegnungsstätte von Menschen mit und ohne Behinderung werden zu lassen. Gerade Kinder gehen mit dem Thema Behinderung unbefangen und wertfrei um.
Die Attraktivität für Kinder im Umgang mit Tieren soll jetzt genutzt werden, auch die Begegnung von Kindern mit und ohne Behinderung zu kultivieren. Angedacht ist dies über die regelmäßige Durchführung von Veranstaltungen im Kontext von Kinder- und Kulturarbeit. Angebote zur Organisation von Kindergeburtstagen, der Aufbau einer Zooschule und die Durchführung von Lehrveranstaltungen sollten das Konzept ergänzen.
Neben jungen Familien und Kindern sollen auch andere Zielgruppen angesprochen werden, die ansonsten nicht den Weg in den Wildpark finden. Das Bistro eignet sich hervorragend für kleinere Kulturveranstaltungen (Lesungen, Kleinkunst, Ausstellungen etc.).
3. Die Betreibergesellschaft - IntegraL gemeinnützige GmbH
Die IntegraL gGmbH wurde Ende 2007 gegründet, Alleiniger Gesellschafter ist die Lebenshilfe – Werkstätten Leverkusen / Rhein-Berg gGmbH ist. Die Geschäftsführung wird durch den Geschäftsführer des alleinigen Gesellschafters wahrgenommen. Die Geschäftsführung wird unentgeltlich wahrgenommen. Die Gesellschaft wurde mit Datum 28.12.2007 in das Handelsregister des Amtsgerichts Köln (HRB 62150) eingetragen.
Gegenstand des Unternehmens ist die Hilfe für Menschen mit Behinderung durch soziale Betreuung, arbeitstherapeutische Unterstützung, Qualifizierung und Beschäftigung. Für schwer behinderte Menschen sollen besondere Angebote im Rahmen des SGB IX oder ergänzender Gesetze vorgehalten werden. Umgesetzt werden soll dies insbesondere durch
4. Ausführungs-, Kosten- und Finanzierungsplan
Dem Vorhaben, auf dem Gelände des Wildparks ein Bistro zu erstellen, ging eine umsichtige Planung voraus.
Anfang 2009 wurde durch den Hotel- und Gaststättenverband ein Gutachten erstellt sowie ein Konzept für die Durchführung von Kulturveranstaltungen durch die IntegraL gGmbH in Auftrag gegeben. Die Gutachterkosten wurden im Rahmen eines Antrags bei Aktion Mensch subventioniert.
Schwierig und sehr viel aufwändiger als gedacht gestaltete sich das Genehmigungsverfahren, für die Baumaßnahme, da sich das Gebäude in einem Landschaftsschutzgebiet befindet. Auch erwiesen sich die vorhandenen Wasser- und Stromversorgungsleitungen als unzureichend, Gasanschluss war gar nicht gegeben. Dies machte umfängliche Erschließungsarbeiten erforderlich.
Die Architektenplanung sah Gesamtkosten (alle Beträge „netto“) für den Bau i.H.v. 770.000 € vor. Für Küche, Möblierung und Küchenbedarf wurden 122.000 € kalkuliert. Es galt also, insgesamt 892.000 € zu finanzieren.
Dank der großartigen Initiative der Stadt Leverkusen ist es gelungen, aus dem Konjunkturprogramm der Bundesregierung Mittel zur Förderung der regionalen Infrastruktur für das geplante Projekt einzusetzen. Im Ergebnis setzt sich die Gesamtfinanzierung wie folgt zusammen:
| Finanzierung | Finanzierungsbetrag | Finanzierungsanteil |
| Eigenmittel 20 % | 178.400,00 | 20,00% |
| Aktion Mensch | 250.000,00 | 28,03% |
| LVR Integrationsamt | 40.000,00 | 4,48% |
| MAGS NRW ("Integration unternehmen!" über LVR) | 40.000,00 | 4,48% |
| Stiftung Wohlfahrtspflege NRW | 80.000,00 | 8,97% |
| Konjunkturprogramm (Abwicklung über Stadt Leverkusen) | 200.000,00 | 22,42% |
| Kapitalmarktdarlehen mit Zinszuschuss (Deutsche Behindertenhilfe) | 103.600,00 | 11,61% |
| 892.000,00 | 100,00% |