Zum 77. Mal wurde der Tag der Heimat begangen – auch in Leverkusen. Auf dem Friedhof Manfort erinnerte eine Gedenkveranstaltung des Bundes der Vertriebenen an die Opfer von Krieg, Flucht und Vertreibung.
Mit Ansprachen und Kranzniederlegungen gedachten Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf dem Leverkusener Friedhof Manfort der Menschen, die durch Krieg, Flucht und Vertreibung ihre Heimat verloren haben. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Bund der Vertriebenen. Das Grußwort hielt Bürgermeisterin Annegret Bruchhausen-Scholich.
Der Tag der Heimat geht zurück auf das Jahr 1950, als vor dem Stuttgarter Schloss die Charta der deutschen Heimatvertriebenen verkündet wurde – fünf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und ein Jahr nach Inkrafttreten des Grundgesetzes. Die Charta bekannte sich zu einem geeinten Europa und beschrieb das Recht auf Heimat als ein Grundrecht des Menschen. In diesem Jahr wurde der Gedenktag zum 77. Mal begangen.
In ihrem Grußwort betonte Bürgermeisterin Bruchhausen-Scholich, wie tief die Erlebnisse von Flucht und Vertreibung in den betroffenen Menschen und ihren Nachkommen nachwirken: „Heute sind es immer weniger Menschen, die diese Flucht im und nach dem Zweiten Weltkrieg noch erlebt haben. Diejenigen, die sie erlebt haben, hat diese Zeit jedoch nachhaltig geprägt, und vermutlich auch die Generationen nach ihnen noch."
Heimat, so die Bürgermeisterin, sei für viele Vertriebene der Ort, „an dem die heute noch lebenden Vertriebenen das letzte Mal Kind sein durften, sich geborgen und beschützt fühlten".
Mit Blick auf die gegenwärtige Lage in Europa fand Bruchhausen-Scholich deutliche Worte: „Heute leben wir in einem Europa, in dem der Krieg wieder bedrohlich nahe gerückt ist. Umso wichtiger ist es, Europa als Gemeinschaft zu begreifen und gemeinsame Werte zu verteidigen." Zugleich verwies sie auf den Druck, dem das Europa der offenen Grenzen durch weltweite Fluchtbewegungen ausgesetzt sei – und auf die damit verbundene Frage, wie Schutzinteressen, Humanität und gesellschaftlicher Zusammenhalt miteinander vereinbart werden könnten.
Das Grundübel, so die Bürgermeisterin, bleibe der Krieg: „Er fordert immer zu viele Opfer – an Menschenleben, an Vertrauen, an Zukunft." Die Verbrechen des Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg müssten eine ständige Mahnung sein, die Errungenschaften der freiheitlichen demokratischen Ordnung zu schätzen. Heimat könne so auch heute eine positive Bedeutung entfalten – „als Ort der Erinnerung, als Erfahrung von Zugehörigkeit und als geistige Heimat in einer freiheitlichen, demokratischen Ordnung".