DM: Gold für Katharina Molitor und 4x400-Meter-Staffel / Markus Esser beendet Karriere


Archivmeldung aus dem Jahr 2015
Veröffentlicht: 26.07.2015 // Quelle: TSV Bayer 04

Fast zum Ende der nationalen Titelkämpfe in Nürnberg vergoldeten Speerwerferin Katharina Molitor und die 4x400-Meter-Staffel der Frauen das Meisterschaftswochenende. Insgesamt sammelten die TSV-Athleten zweimal Gold, achtmal Silber und siebenmal Bronze. Hammerwerfer Markus Esser verabschiedete sich mit einer Vizemeisterschaft von der Wettkampfbühne.
Durch eine abenteuerliche und filmreife Anreise wurde die unmittelbare Vorbereitung auf die Deutschen Meisterschaften ordentlich durcheinander gewirbelt. Die Fahrt von Leverkusen begann wie geplant am Freitag (24. Juli) pünktlich um 10.00 Uhr. Doch schon nach zehn Minuten Fahrt geriet der Reisebus in eine Verkehrskontrolle, die rund 45 Minuten in Anspruch nahm. Durch den Ferienbeginn in drei Bundesländern gerieten die TSV-Sportler durch die unerwartete Kontrolle in verschiedene Staus, so dass sie im Endeffekt von Leverkusen nach Nürnberg ganze zehn Stunden benötigten.
Die Weitspringer Alyn Camara und Markus Rehm bekamen von dem Desaster zunächst nichts mit, denn ihr Wettkampf stand bereits für den Freitagabend auf dem Programm. Mit 7,97 Meter und der Silbermedaille sorgte Alyn Camara für einen gelungenen Auftakt (wir berichteten). Am Samstag (25. Juli) ließen Aleixo-Platini Menga, Silke Spiegelburg und Mateusz Przybylko drei weitere Medaillen folgen. Über 100 Meter lief der selbsternannte „MengaMan“ in 10,32 Sekunden zur Vizemeisterschaft. Für Stabhochspringerin Silke Spiegelburg (4,45 Meter) und Hochspringer Mateusz Przybylko (2,19 Meter) gab es jeweils Bronze (wir berichteten).
Am dritten DM-Tag musste der TSV lange warten, bis die erste Goldmedaille auf das Bayer-04-Konto ging. Am späten Nachmittag sorgte Speerwerferin Katharina Molitor für das Leverkusener Highlight. Als Jahresbeste ging die 31-Jährige ins Rennen um den Titel. Mit 65,40 Meter entschied sie den Wettkampf klar für sich und jubelte nach 2010 über ihren zweiten DM-Titel. „Gerade freue ich mich in erster Linie über die gute Weite. Ich war schon sehr nervös und hatte etwas Angst, die Weite aus Luzern nicht bestätigen zu können. Deshalb bin ich damit jetzt umso glücklicher, der Knoten ist geplatzt“, erklärte Katharina Molitor im Anschluss. Als Titelverteidigerin ging Linda Stahl an den Start. Für die Ärztin, die seit einem knappen Jahr im Leverkusener Klinikum arbeitet und den Spagat zwischen Beruf und Hochleistungssport meistert, ging Rang drei mit 62,57 Meter in die Ergebnisliste ein. „Ich warte immer noch auf einen guten Wurf, der war dieses Jahr noch nicht dabei. Ich bin mit 62,57 Meter gut in den Wettkampf gestartet, aber dann kam einfach nichts mehr. Das muss sich bis Peking ändern. Aber bis dahin haben wir ja noch ein paar Wochen“, sagte Linda Stahl.
Keine halbe Stunde nach dem Speerwurfsieg durch Katharina Molitor wurden die 4x400-Meter-Damen ihrer Favoritenrolle gerecht. Julia Schaefers, Frederike Hogrebe, Julia Förster und Carolin Walter gingen mit dem Projekt Titelverteidigung ins Rennen. In 3:35,98 Minuten entschieden sie den zweiten Zeitendlauf klar für sich und freuten sich über die Goldmedaille. Frederike Hogrebe und Carolin Walter waren zudem auch über die Einzelstrecken mehr als erfolgreich. Von der ungeliebten Bahn eins startete Frederike Hogrebe in das 400-Meter-Hürden-Finale. Nach einer guten ersten Rennhälfte drehte die Athletin von Tobias Kofferschläger auf den letzten 50 Metern noch einmal richtig auf und lief nach 58,72 Sekunden ins Ziel – Bronze! Ebenfalls die Bronzemedaille erkämpfte sich 800-Meter-Läuferin Carolin Walter. Für sie blieb die Uhr nach 2:03,47 Minuten stehen. Damit war ihr das Edelmetall in einem schnellen Finale nicht zu nehmen.
Für emotionale Momente sorgte Hammerwerfer Markus Esser. In seinem Wettkampf wurde der 35-jährige TSV-Routinier mit 72,32 Meter Zweiter. Anschließend bekam er die Bronzemedaille für die Europameisterschaften 2006 verliehen, nachdem nachträglich ein Athlet des Dopings überführt wurde. Doch damit nicht genug! Im gleichen Atemzug verkündete er sein Karriereende. „Man hat heute gesehen, dass die Wachablösung da ist. Für die verspätete Medaillenübergabe hätte ich mir keinen schöneren Rahmen, als vor diesem tollen Publikum in Nürnberg, wünschen können. Danke an alle, die die letzten 16 Jahre möglich gemacht haben. Das war’s“, sagte Markus Esser, bevor er sich auf seine Ehrenrunde begab und durch Standing Ovations von den Zuschauern viel Anerkennung für 16 Jahre Hochleistungssport bekam. Auf Platz sechs landete Team-EM-Starter Paul Hützen. Für ihn wurden in Nürnberg 66,64 Meter gemessen. Rang acht sicherte sich mit 65,40 Meter Sven Möhsner.
Gewohnt viele TSV-Athleten waren im Stabhochsprung-Finale der Männer vertreten. Sieben von elf Höhenjäger vertraten die Leverkusener Farben. Erfolgreichster Bayer-04-Athlet war Titelverteidiger Tobias Scherbarth. Erst bei 5,50 Meter stieg der 29-Jährige in den Wettkampf ein und meisterte seine Einstiegshöhe und 5,60 Meter souverän im ersten Versuch. Anschließend flog er im zweiten Durchgang auf 5,70 Meter und bestätigte damit die WM-Norm und seine Saisonbestleistung. Am Ende war seine Leistung Silber wert. Nur der Weltmeister von 2013 Raphael Holzdeppe (LAZ Zweibrücken) war mit 5,94 Meter eine Klasse für sich. „Deutscher Vizemeister mit 5,70 Meter hinter Raphael Holzdeppe mit starken 5,94 Meter. Echt happy damit“, schrieb Tobias Scherbath anschließend auf seiner Facebookseite. Mit Carlo Paech stand ein zweiter TSV-Springer auf dem Siegerpodest. Für seine 5,60 Meter gab es in Nürnberg die Bronzemedaille. Auf Platz vier folgte Hendrik Gruber (5,50 Meter). Marvin Caspari und Michel Frauen sprangen jeweils über 5,30 Meter und komplettierten mit den Plätzen sieben und acht das starke Leverkusener Aufgebot.
Dass Konstanze Klosterhalfen keine Angst vor großen Namen hat, hat sie bereits mehrfach bewiesen. Inzwischen dürfte sich die 18-Jährige genau den auch selbst erarbeitet haben. Schon bei den Deutschen Hallenmeisterschaften imponierte sie die Läuferwelt, als sie als U20-Athletin bei den Aktiven über 1.500 Meter die Silbermedaille gewann und zudem eine neue europäische U20-Hallenbestleistung aufstellte. In Nürnberg marschierte die Athletin von Sebastian Weiß wie gewohnt von Anfang an im vorderen Feld, um rund 300 Meter selber das Zepter in die Hand zu nehmen und sich an die Spitze zu setzen. Am Ende musste sie nur Maren Kock (LG Finanz Regensburg) den Vortritt lassen. In 4.09,58 Minuten pulverisierte sie ihre alte Bestmarke um mehr als vier Sekunden und zeigte sich anschließend sehr überrascht: „Das Rennen war perfekt. Dass vorne das Tempo hochgehalten wurde, war optimal. Aber ich habe trotzdem nicht damit gerechnet, dass es zu diesem Ergebnis kommt. Ich konnte das gar nicht glauben.“ Als Zehnte lief Lena Klaassen nach 4:24,77 Minuten ins Ziel. Im Vorlauf verbesserte sie ihre Saisonbestleistung bereits auf 4:21,81 Minuten.
Sanaa Koubaa und Robin Schembera bescherten dem TSV-Mittelstreckenlager zwei weitere Medaillen. Über 3.000 Meter Hindernis wurde Sanaa Koubaa für ein couragiertes Rennen mit der Bronzemedaille belohnt. Für die EM-Teilnehmerin von 2012 stoppte die Uhr nach 9:57,01 Minuten. „Ich freue mich über die Bronzemedaille, denn der Weg dorthin war (eigentlich wie immer) geprägt durch ständige Besuche bei der Physio. Vor zwei Wochen konnte ich erst wieder laufen und das schönste ist, dass der Fuß immer noch hält“, schreibt Sanaa Koubaa auf Facebook. In einem Wimpernschlagfinale über 800 Meter der Männer hatte Robin Schembera das Nachsehen. In 1:48,96 Minuten musste sich der 26-Jährige Dennis Krüger vom 1. VfL Fortuna Marzahn, der nur drei Hundertstel schneller unterwegs war, geschlagen geben. „Das war einfach Mist heute. Ich bin eigentlich fit, auch die Achillessehne schmerzt nicht mehr. Am Anfang habe ich mich auf zu viele Tempospiele eingelassen. Die haben viel Kraft und am Ende die fehlenden Zentimeter gekostet“, resümierte Robin Schembera. Die Norm für die Weltmeisterschaften in Peking (China/ 22. bis 30. August) hat der Athlet von Paul Heinz Wellmann aber schon seit Saisonbeginn in der Tasche.
Eine weitere Silbermedaille sicherte sich Hochspringerin und Hallen-EM-Teilnehmerin Katarina Mögenburg. Sie floppte gleich im ersten Versuch über 1,84 Meter und ließ den meisten ihrer Konkurrentinnen damit hinter sich. Nur Marie-Laurence Jungfleisch (LAV Stadtwerke Tübingen) flog mit 1,95 Meter höher als die Leverkusenerin. Die 3x1.000-Meter-Staffel der männlichen Jugend U20 lief am frühen Mittag zur Vizemeisterschaft. Otman Bussadi, Yussuf Ibn Maulud liefen nach 7:33,12 Minuten ins Ziel und bereiten sich jetzt auf die Deutschen Jugendmeisterschaften am kommenden Wochenende in Jena vor.
Nico Menzel, Aleixo-Platini Menga, Lukas Blechschmidt und Niklas Rothes liefen mit der 4x100-Meter-Staffel in 40,27 Sekunden auf Platz vier und sorgten damit für eine weitere Top-Acht-Platzierung. Für 400-Meter-Hürdenläufer Niklas Rothes erfüllte sich bereits mit dem Einzug ins Finale ein Traum. Dass er sich dort trotz schwerer Beine noch einmal deutlich steigern konnte, war wahrscheinlich für ihn selbst die größte Überraschung. In 52,42 Sekunden verbesserte er seinen Hausrekord nicht nur um 37 Hundertstel, sondern lief zudem auf einen bemerkenswerten fünften Platz.
In guter Form präsentierten sich auch Viertelmeilerin Julia Schaefers und Diskuswerfer Benedikt Stienen. Im 400-Meter-Finale lief Julia Schaefers in 54,38 Sekunden zur Saisonbestleistung und auf Platz sechs. Eine gute Leistung zeigte Benedikt Stienen. 58,39 Meter bedeuteten für den Schützling von Helge Zöllkau ebenfalls Rang sechs. Als U23-EM-Starter ging Kugelstoßer Jan-Josef Jeuschede an den Start. Auch er wurde mit 18,04 Meter guter Sechster.


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