Stadtplan Leverkusen
01.04.2015 (Quelle: TSV Bayer 04)
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Fünf Stab-Asse für Peking


Die Hallensaison 2015 ist Geschichte, die Freiluftsaison steht vor der Tür. Mit den Weltmeisterschaften in Peking (China) wartet ein absolutes Highlight auf die TSV Athleten. Unter anderem hegen fünf Bayer-04-Stabhochspringer berechtigte Hoffnungen, auf den WM-Zug aufzuspringen.
Zwei Schritte. Das hört sich nach einer Kleinigkeit an. Für eine Weltklasse-Stabhochspringerin kann diese Kleinigkeit aber entscheidend sein. Schließlich machen in der Weltspitze wenige Zentimeter den Unterschied aus. Zwei Schritte. Um diese Distanz hat Stabhochspringerin Katharina Bauer ihren Anlauf im Winter verlängert – von 14 auf 16 Schritte. „Dadurch bin ich beim Absprung schneller und kann diesen auch besser kontrollieren“, nennt die 24-Jährige die Vorteile. Durch das höhere Tempo im Anlauf kann der Stab mehr Energie aufnehmen und diese auch bei der Lattenüberquerung zurückgeben, was wiederum größere Höhen ermöglicht. Ein weiterer Pluspunkt der Leverkusenerin: Die 1,79 Meter große Springerin profitiert im Vergleich zur Konkurrenz von einer enormen Griffhöhe am Stab.
Durch den längeren und damit schnelleren Anlauf veränderten sich natürlich in dieser komplexesten Disziplin der Leichtathletik die technischen Details. Zusammen mit dem Leverkusener Trainer-Guru Leszek Klima schuftete Katharina Bauer viele Stunden im Winter, um die Technik zu verfeinern. Der Erfolg stellte sich schnell ein. 4,60 Meter nahm die EM-Starterin von 2014 schon Mitte Januar in heimischer Halle und steigerte ihre Bestleistung um neun Zentimeter (WS 4,51 – 2014). Damit ist die Leverkusenerin endgültig in der absoluten Weltspitze angekommen.
Wie es dort zugeht, durfte sie schon 2014 erleben. Allein im Juli startete sie bei sechs Wettkämpfen, darunter zweimal in der Diamond League, der Premium-Klasse der Leichtathletik. „An die Reiserei musste ich mich erst einmal gewöhnen“, sagt die ehemalige Turnerin rückblickend. In diesem Jahr will Katharina Bauer vor dem Saisonhöhepunkt mit den Kräften haushalten. Die volle Konzentration gilt den Weltmeisterschaften vom 22. bis 30. August im „Vogelnest“ von Peking - dem Olympiastadion von 2008. „Das ist natürlich das große Ziel“, gibt Katharina Bauer die Richtung vor und ergänzt: „Wenn ich dabei bin, will ich auch ins Finale kommen.“ Bei der EM 2014 in Zürich war sie noch in der Qualifikation ausgeschieden.
Die WM-Norm liegt bei 4,55 Metern. Eine Höhe, die für ein halbes Dutzend deutscher Springerinnen in Reichweite liegt – bei nur drei Startplätzen. Ein harter Konkurrenzkampf zeichnet sich im Sommer ab. In den will auch Silke Spiegelburg wieder eingreifen. Die seit Jahren beste Leverkusener Stabhochspringerin musste im Winter mit der Zuschauerrolle Vorlieb nehmen. Erstmals in ihrer Karriere wurde die 28-Jährige von einer schweren Verletzung aus dem Verkehr gezogen. Ein Haarriss im Mittelfuß (Kahnbein) wurde im Juni 2014 diagnostiziert. Eine Operation folgte wenige Wochen später. „Die Zeit war nicht einfach. Ich musste mich wirklich daran gewöhnen, zu Hause zu sitzen und nichts machen zu können“, schaut Silke Spiegelburg zurück.
Ihre ersten Sprünge aus kurzem Anlauf konnte sie schon wieder im Januar absolvieren, auf Wettkampf-Starts in der Hallensaison verzichtete sie trotzdem. „Geplant ist, dass ich im Mai bei der Diamond League in Shanghai erstmals wieder starte“, sagte die Deutsche Rekordlerin. Vier Monate später würde sie zu gern erneut in China dabei sein. Ist Silke Spiegelburg gesund, dürfte ihr der WM-Startplatz in Peking kaum zu nehmen sein. Zu stark und zu konstant springt die Leverkusenerin seit Jahren. 2006 – mit 20 Jahren – überflog Silke Spiegelburg erstmals die WM-Norm-Höhe von 4,55 Metern. Ihr deutscher Rekord steht mittlerweile bei 4,82 Metern. Außerdem baut die Vize-Europameisterin von 2010 auf eine enorme Erfahrung. Für sie könnte die WM im August die Rückkehr ins Pekinger „Vogelnest“ werden. 2008 wurde sie dort mit 4,65 Metern Olympia-Siebte: „Ich erinnere mich gern an die Spiele. Es war eine tolle Atmosphäre, und auch meine Leistung hat gestimmt.“
Die dritte WM-Kandidatin der TSV-Stabhochspringerinnen wäre Victoria von Eynatten gewesen. Die 23-Jährige steigerte Anfang Februar in Dortmund ihre Bestleistung auf 4,51 Meter. Doch beim dritten Anlauf auf 4,61 Metern folgte der Schock: Victoria von Eynatten riss sich die Achillessehne. In diesem Jahr wird die Stabhochsprung-Aufsteigerin nicht mehr starten.
Von Verletzungen ist auch Tobias Scherbarth in seiner Karriere nicht verschont geblieben. Beide Füße hat sich der amtierende Deutsche Meister schon gebrochen. So verpasste der 29 Jahre alte Leverkusener unter anderem die „Heim-WM“ 2009 in Berlin, für die er schon nominiert war. „Für Peking will ich nicht nur nominiert werden, sondern dort auch starten“, sagt Scherbarth.
Obwohl die Konkurrenz in Deutschland traditionell stark ist, dürfen die Stabhochspringer auf einen kleinen Vorteil setzen. Denn Weltmeister Raphael Holzdeppe darf mit einer Wildcard in Peking starten, weitere drei WM-Plätze (Norm: 5,70 m) sind zu vergeben. Einen davon peilt Tobias Scherbarth an. Dafür will er seine Bestleistung von 5,76 Metern steigern und in die 5,80-Meter-Klasse aufsteigen: „Über diese Höhe hatte ich schon einige gute Versuche. Ich hoffe, dass dieses Jahr die Latte auch einmal liegenbleibt.“
Eine Stippvisite im „Vogelnest“ hat ein anderer Stabartist des TSV Bayer 04 Leverkusen schon vergangenes Jahr eingelegt. Karsten Dilla startete beim World-Challenge-Meeting in Peking – und war angetan. „Es war eine tolle Atmosphäre, obwohl das Stadion mit 30.000 bis 40.000 Zuschauern nur halbvoll war. Für mich war es wichtig, dort Land und Leute kennenzulernen“, sagt der 25-Jährige.
Um erneut im Olympiastadion von 2008 den Stab in die Hand zu nehmen, hat sich der EM-Neunte für eine spezielle Vorbereitung entschieden. Karsten Dilla bereitet sich ab Anfang April für vier Wochen in den USA auf die WM-Saison vor. Er wird in Knoxville (US-Bundesstat Tennessee) zusammen mit Mark Hollis trainieren. Der US-Amerikaner hat in seiner Karriere schon dreimal 5,80 Meter oder mehr übersprungen. Eine Marke, die 2015 auch der Leverkusener anpeilt. Noch steht sein Hausrekord bei 5,73 Metern. Trainiert werden sie in Knoxville von Tim Mack. Der 42-Jährige kennt sich mit Höhenflügen in Olympiastadien aus. 2004 wurde er in Athen mit 5,95 Metern sensationell Olympiasieger. Drei Wochen später löste er in Monaco mit 6,01 Metern das Ticket für den erlauchten Sechs-Meter-Klub der Stabhochspringer.
An solche Höhen denkt Carlo Paech noch lange nicht. Doch der fünfte WM-Anwärter aus der leistungsstarken Leverkusener Stabhochsprung-Gilde war der Aufsteiger der Hallensaison. Nach 13 Monaten Wettkampfpause aufgrund massiver Anlaufprobleme überflog der 22 Jahre alte Youngster bei seinem Comeback am 7. Februar in Potsdam 5,65 Meter und nahm damit als erster deutscher Stabhochspringer die Norm-Höhe für die Hallen-Europameisterschaften in Prag. Seine Bestleistung steigerte Carlo Paech gleich um zwölf Zentimeter.
Solche Leistungssprünge sind im Stabhochsprung beileibe nicht alltäglich. Doch vielleicht ist der Jüngste unter den Top-Stabhochspringern des TSV Bayer 04 Leverkusen ja im Sommer sogar ein WM-Kandidat? Manchmal verhindern bekanntermaßen nur Kleinigkeiten absolute Höhenflüge – beispielsweise zwei Anlaufschritte.


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Letzte Änderung am 08.07.2018 00:29 von leverkusen.
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