„KlassikSonntag!” mit der Westdeutschen Sinfonia Leverkusen


Archivmeldung aus dem Jahr 2014
Veröffentlicht: 25.10.2014 // Quelle: KulturStadtLev

„Der viergeteilte Sonntag kulminierte in einem fabelhaften Konzertabend … Das Publikum war hingerissen“ – so fasste die Fachzeitschrift „Das Orchester“ die höchst erfreulichen Reaktionen auf den „KlassikSonntag!“ zusammen. Im Herbst 2008 erstmals aufgelegt, hat sich der „KlassikSonntag!“ mit seinem innovativen Ganztagskonzept weit über die Grenzen Leverkusens hinaus einen Namen gemacht. Die größte deutsche Klassikzeitschrift „FonoForum“ sprach von einem „Wunder“ und eröffnete mit einem zweiseitigen Feature ausschließlich über den „KlassikSonntag!“ die Reportageserie „Außergewöhnliche Konzertreihen“; WDR und Deutschlandfunk sendeten ausführliche Features.
Aus bestem Grund: Der „KlassikSonntag!“ macht klassische Musik nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern auf anregende und spannende Weise für (fast) alle Sinne erlebbar – und das für Jung wie für Alt. Vier ganze Tage rund um die Musik des jeweiligen Abendkonzerts. Mit Einsichten, Ansichten, Aussichten … und faszinierenden Hörerlebnissen.

  1. KlassikSonntag! der Saison 2014/2015
    „Kennen Sie eine lustige Musik? Ich nicht!“ Dies soll Franz Schubert auf die Äußerung, seine Musik sei mitunter doch recht melancholisch, entgegnet haben, und noch Friedrich Nietzsche äußerte die Vermutung, „jede wahrhaft bedeutende Musik sei Schwanengesang“. Um derlei „Grenzerfahrungen“ geht es beim 2. KlassikSonntag! dieser Spielzeit – und damit auch um Musik von betörender Schönheit und Expressivität. Nicht von ungefähr gab Schubert 1816 seiner 4. Sinfonie c-moll D 417 – seiner ersten Moll-Symphonie – den Beinamen „Tragische“ (ein Titel, den später, freilich nicht von ihrem Komponisten, auch Gustav Mahlers 6. Sinfonie erhalten sollte). Spätestens seit Beethovens 5. Sinfonie verhieß die c-moll-Tonart musikalische Gedanken von besonderem Pathos. Schuberts Vierte indes meidet allzu schicksalsschwere Tragik, sondern öffnet sich auch lichteren Szenerien.
    Grillparzers Grabspruch für Schubert („Die Tonkunst begrub hier einen reichen Besitz, aber noch viel schönere Hoffnungen“) könnte auch auf den mit 24 Jahren verstorbenen Guillaume Lekeu gemünzt sein, dessen OEuvre naturgemäß erheblich schmaler ist. Sein Adagio für Streicher aber vermittelt einen faszinierenden Eindruck davon, welch hochindividuelle Stimme hier allzu früh verlorenging. Gustav Mahlers fünf „Kindertotenlieder“ nach Friedrich Rückert gelten als der Höhepunkt seines Liedschaffens – eine bewegende Auseinandersetzung mit Verlust und Endlichkeit, die gleichwohl im Vertrauen auf die grenzenlose Macht der Liebe in Dur endet.
    Der Bariton Johannes Mannov, in Kopenhagen geboren, hat im Laufe seiner Sängerkarriere mit vielen wichtigen Künstlerpersönlichkeiten an europäischen und außereuropäischen Bühnen gearbeitet – u.a. mit Sir Yehudi Menuhin, Helmuth Rilling, Frans Brüggen, Mstislaw Rostropowitsch, Philippe Herreweghe, Christopher Hogwood und René Jacobs. Sein umfangreiches Opern- und Konzertrepertoire beinhaltet Rollen der klassischen und romantischen Oper ebenso wie die großen Oratorienpartien. Als herausragender Mahler-Interpret wurde er u.a. im Concertgebouw Amsterdam gefeiert.


    11.00-12.40 hMatinee
    Einführung mit Musik & Gespräch:
    Dirk Joeres, Johannes Mannov, Horst A. Scholz u.a.
    Eintritt für Konzertbesucher frei (übrige: 6,50 €/erm. 4,00 €)

    Schloss
    Morsbroich
    16.30-17.30 h
    Öffentliche Orchesterprobe
    Der Blick in die „Werkstatt“ – Eintritt frei!

    Forum (Gr. Saal)
    18.00 h
    Sinfoniekonzert
    Eintritt: 39,50 bis 19,50 € (erm.: 20,75 bis 10,75 €)

    Forum (Gr. Saal)

    Um 13.00 Uhr bietet das Schloss-Restaurant ein Themen-Menü an, das auf das Konzert maßgeschneidert ist. (Tisch-Reservierung erbeten unter Tel. 0214-96 00 45 64)
    Der Besuch der Matineeveranstaltung ist für Konzertbesucher kostenlos; der Besuch der Orchesterprobe (bei der Teile des Konzerts angespielt werden) ist für alle Interessenten kostenlos! Und natürlich „müssen“ die Besucher nicht an allen Etappen teilnehmen – wer nur das Konzert besuchen will, kann dies gerne tun. Aber verpasst etwas.

    Programm des Sinfoniekonzerts (18.00 Uhr):
    Guillaume Lekeu
    Adagio für Streicher
    Gustav Mahler
    „Kindertotenlieder“. Liederzyklus für mittlere Singstimme und Orchester
    *
    Franz Schubert
    Sinfonie Nr. 4 c-moll D 417 („Tragische“)
    Westdeutsche Sinfonia Leverkusen
    Johannes Mannov Bariton
    Dirk Joeres Leitung

    Termin:
    Sonntag, 2. November 2014

    Veranstaltungsorte:
    Schloss Morsbroich
    Gustav-Heinemann-Str. 80
    51377 Leverkusen
    &
    Forum (Großer Saal)
    Am Büchelter Hof 9
    51373 Leverkusen
    39,50 – 19,50 € (erm.: 20,75 – 10,75 €). Kartenbüro Forum (Tel. 0214-406 4113), an allen bekannten Vorverkaufsstellen


    Johannes Mannov, in Kopenhagen geboren, war von 1969 bis 1974 Mitglied in Dänemarks renommiertestem Knabenchor „Kobenhavns Drengekor“. Seine Ausbildung zum Sänger erhielt er an den Hochschulen von Freiburg und Karlsruhe, wo er als junger Stipendiat und Preisträger verschiedener Wettbewerbe u.a. bei Aldo Baldin studierte. Johannes Mannovs Konzertkarriere führte in fast alle Länder Europas sowie nach Australien, Nord- und Südamerika, Israel und in die Türkei. Sein Repertoire erstreckt sich von der Barockmusik bis zur Gegenwart. Insbesondere als Oratoriensänger sammelte Johannes Mannov weitreichende Erfahrungen und arbeitete mit Dirigenten wie Lord Yehudi Menuhin, Philippe Herreweghe, Helmuth Rilling, Frans Brüggen, René Jacobs, Leif Segerstam, Peter Schreier, Christopher Hogwood, Armin Jordan, Adam Fischer, George Malcolm, Gary Bertini, Herbert Blomstedt, Jeffrey Tate, Thomas Hengelbrock, Karl-Friedrich Beringer und Lars Ulrik Mortensen.
    Die Höhepunkte der letzten Jahre waren Brittens „War Requiem“ auf einer Spanien-Tournee mit Mstislav Rostropovitch und dem Royal Philharmonic Orchestra, die Johannes-Passion unter Hartmut Haenchen im Concertgebouw Amsterdam, Beethovens 9. Sinfonie mit Heinrich Schiff und Mozarts Requiem unter der Leitung von Peter Schreier in Kopenhagen. Bei der Bach-Woche Ansbach trat Johannes Mannov mit einem Kantatenprogramm sowie als Christus in der Matthäus-Passion und bei den Festwochen der Alten Musik Innsbruck zusammen mit dem RIAS-Kammerchor und der Akademie für Alte Musik Berlin in Händels "Alexander's Feast" auf. Des weiteren ging er mit Sigiswald Kuijken und La Petite Bande mit Haydns "Il Ritorno di Tobia" auf Europa-Tournee, sang Mahlers "Waldmärchen" unter Eliahu Inbal in Lyon und machte mit dem RSO Kopenhagen und Thomas Hengelbrock eine Fernsehaufzeichnung von Bachs Matthäus-Passion. Mit René Jacobs und der Akademie für Alte Musik Berlin unternahm er ausgedehnte Tourneen mit der Matthäus-Passion und Haydns "Schöpfung". Letztere hat er auch mit dem Balthasar Neumann-Ensemble unter Leitung von Thomas Hengelbrock bei DHM auf CD eingespielt.
    Als Liedinterpret war Johannes Mannov u.a. mit den „Liedern eines fahrenden Gesellen“ unter Janos Fürst in Perth/Australien zu hören. Mahlers Rückert-Lieder sang er im Concertgebouw Amsterdam unter Hartmut Haenchens Leitung, in Kopenhagen „Lieder aus des Knaben Wunderhorn“ Es folgten Auftritte mit dem RSO Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig sowie den Rundfunkorchestern von Oslo und Kopenhagen.
    Auch auf der Opernbühne ist Johannes Mannov mit seinem breit gefächerten Repertoire ein weltweit gefragter Interpret. Nach anfänglichen festen Engagements in Kassel und Innsbruck singt er inzwischen regelmäßig an den Opernhäusern von Kopenhagen, Brüssel (La Monnaie) und Paris (La Bastille). In den vergangenen Spielzeiten war er darüber hinaus an der Hamburgischen Staatsoper, in Darmstadt, Belfast, Wellington/Neuseeland, an der Berliner Staatsoper, in San Diego und Tel Aviv sowie in Cincinnatti/USA, Santiago de Chile, Athen und Peking zu Gast. Sein Repertorie umfasst Rollen wie Don Giovanni, Leporello, Guglielmo, Papageno, Figaro, Graf Almaviva, Evgeni Onegin, Danilo, Marcello, Malatesta, Kurwenal, Nick Shadow und Billy Budd.
    Johannes Mannov ist vielgefragter Gesangslehrer. Seit dem Wintersemester 2012 hat er eine Professur für Gesang an der Hochschule für Musik Nürnberg inne.


    In Bonn geboren, studierte Dirk Joeres Dirigieren und Klavier in Berlin, Köln und London sowie Komposition in Paris bei Nadia Boulanger, der Grande Dame der musikalischen Moderne. 1972 gewann er den Ersten Preis beim Internationalen Klavierwettbewerb in Vercelli und begann eine sehr erfolgreiche pianistische Tätigkeit. Tourneen führten ihn in zahlreiche europäische Länder und in die USA; Festivals wie die Berliner Festwochen, Prager Frühling und das Klavierfestival Ruhr luden ihn wiederholt zu Recitals ein. Daneben etablierte er sich zusehends auch als Dirigent.
    1987 wurde er zum Künstlerischen Leiter der Westdeutschen Sinfonia Leverkusen ernannt. Mit diesem Orchester konzertierte er in den großen Sälen, vom Amsterdamer Concertgebouw bis zum Wiener Musikvereinssaal, von der Berliner Philharmonie bis zum Kennedy Center Washington. Nach dem Salzburg-Debüt schrieben die ‚Salzburger Nachrichten’: „Joeres gehört zu jenen Dirigenten, die wissen, wie Musik unmittelbar zum ‚Sprechen’ kommt“. 2000 wurde Dirk Joeres zum Associate Conductor des Royal Philharmonic Orchestra London ernannt; 2007 wurde er dessen Ständiger Gastdirigent. Mit dem RPO und der WSL hat er Tourneen in Europa und USA unternommen und ist bei internationalen Festivals wie Beethovenfest Bonn, Brucknerfest Linz, Budapest, Cheltenham, City of London und Schleswig-Holstein Musik Festival aufgetreten.
    Darüber hinaus hat Dirk Joeres erfolgreich neue Präsentationsformen für klassische Musik konzipiert. So initiierte er 2008 in Leverkusen das innovative Konzertformat „KlassikSonntag!“ – eine „hinreißende Offensive in Sachen klassische Musik“ (Kölner Stadt-Anzeiger), die überregional Aufmerksamkeit erregt hat und in zahlreichen Berichten, Features und Interviews von Presse und Rundfunk gewürdigt wurde. Die CD-Einspielungen von Dirk Joeres fanden ein hervorragendes Echo in der internationalen Presse; das Londoner ‚Gramophone’-Magazin vergab seinen „Editor’s Choice Award“ für eine Brahms-Einspielung mit der Sinfonia. Seine Schumann-CD mit dem RPO erhielt ebenfalls Top-Bewertungen: „Exemplarische ‚Rheinische’ – eine Referenz-Aufnahme“ (Pizzicato, Supersonic Award).
    Als die Westdeutsche Sinfonia Leverkusen unter Leitung von Dirk Joeres 1991 ihr Debüt im Musikvereinssaal Wien gab, hob die Presse den „glasklaren klassischen Glanz“ des Klangbildes hervor. Inzwischen hat sich das Orchester Konzertsäle wie das Amsterdamer Concertgebouw, die Berliner Philharmonie, das Londoner Barbican und das Kennedy Center Washington erobert. Gleichzeitig ist die Westdeutsche Sinfonia Leverkusen auch zu einer festen Größe im rheinischen Musikleben geworden: Neben ihrer eigenen Konzertreihe in Leverkusen gastiert sie u.a. in der Kölner Philharmonie und der Düsseldorfer Tonhalle.
    Seine Gründung im Jahr 1987 verdankt das Orchester einem originellen Konzept: Führende Musiker aus zehn nordrhein-westfälischen Orchestern prägen die Sinfonia. Ihre erste CD-Einspielung erschien 1989, 1990 reiste die Sinfonia erstmals in die USA. 1991 verlieh die englische Fachzeitschrift ‚Gramophone’ einer CD-Einspielung den begehrten „Editor’s Choice Award“ und lobte „superbes Orchesterspiel und ausdrucksstarke, durchdachte Interpretationen“. Das Repertoire der Sinfonia umfasst klassische Schwerpunkte wie sämtliche Beethoven- und Schubert-Sinfonien, die z. Zt. auch für einen CD-Zyklus eingespielt werden, aber auch Wiederentdeckungen und Uraufführungen, etwa beim Beethovenfest Bonn und beim Schleswig-Holstein Musik Festival. Auch bei den Festivals von Preßburg, Budapest, Cheltenham, Laibach und London sind Dirk Joeres und die Westdeutsche Sinfonia Leverkusen wiederholt zu Gast. Anlässlich des WSL-Debüts im Großen Festspielhaus Salzburg (2004) schrieben die ‚Salzburger Nachrichten’: „Das Orchester ist vorzüglich konsolidiert in Spieldisziplin und Klangbalance.“
    Anlässlich eines Konzerts in der Münchner Philharmonie schrieb die ‚Süddeutsche Zeitung‘: „Dirk Joeres gelingt es, die genuin dialogischen Strukturen des klassischen Musizierstils eindringlich hervorzuheben. Die schlank gehaltenen Tempi, wohltuend entschlackt vor allem die langsamen Sätze, und der durchsichtige, fein modellierte Orchesterklang unterstützen diese Intention. […] Konturenschärfen waren auszumachen, die man bei größeren Formationen oft vermisst.“
    Die Jubiläumstournee aus Anlass ihres 20-jährigen Bestehens in der Spielzeit 2007/2008 führte die Sinfonia u.a. zu erneuten Auftritten nach Salzburg (Festspielhaus), München (Philharmonie am Gasteig) und Köln (Philharmonie). 2012 feierten Dirk Joeres und die WSL ihr 25-jähriges Jubiläum, u.a. mit einem Debüt-Konzert im Palais des Beaux-Arts in Brüssel, einer Spanien-Tournee sowie Auftritten beim Flandern-Festival.
    KulturStadtLev
    Anschriften aus dem Artikel: Alte Landstr 129, Albert-Einstein-Str 58

Kategorie: Kultur
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