Bilanz-Pressekonferenz

Aus den Ausführungen von Dr. Manfred Schneider, Vorsitzender des Vorstands der Bayer AG

Archivmeldung aus dem Jahr 2000
Veröffentlicht: 16.03.2000 // Quelle: Bayer

(Es gilt das gesprochene Wort)





Meine Damen und Herren,





Die Eckdaten des Konzerns zeigen insgesamt ein erfreuliches Bild.


1999 betrug der Umsatz 27,3 Milliarden Euro. Das sind zwar 2,6 Prozent weniger als im Vorjahr.


Aber, positiv entwickelte sich die Ertragslage: Das Operative Ergebnis wuchs um 6,4 Prozent auf
3,4 Milliarden Euro. Geholfen hat uns dabei natürlich der steuerfreie Sondergewinn aus dem
Agfa-Börsengang in Höhe von einer Milliarde Euro. Deshalb konnten wir trotz der
Belastungen aus Strukturmaßnahmen in Höhe von 650 Millionen Euro diese
Ertragssteigerung erzielen.


Mit 2,8 Milliarden Euro haben wir bei dem Gewinn vor Ertragsteuern den Betrag erreicht, den wir
in der Hauptversammlung im April 1999 als Ziel genannt hatten. Sehr erfreulich ist die
Steigerung des Gewinns nach Steuern um 24 Prozent auf 2 Milliarden Euro.


Ich denke, wir können uns mit diesen Zahlen für 1999 gut sehen lassen.


Wir wollen unsere Aktionäre an der erfolgreichen Entwicklung beteiligen. Deshalb werden
wir der Hauptversammlung eine Dividendenerhöhung auf 1,30 Euro je Aktie vorschlagen. Wir
steigern somit die Dividende um 27 Prozent - entsprechend der Entwicklung des Konzerngewinns.





Meine Damen und Herren, damit werden wir zum sechsten Mal in Folge die Dividende anheben - und
ich meine, in diesem Jahr kann man von einer deutlichen Erhöhung sprechen.





So viel zu den Eckdaten des Konzerns, und nun zu unserem "fortzuführenden"
Geschäft, also ohne Agfa, DyStar und bilanzielle Sonderposten.


Der Umsatz ist um 7,9 Prozent auf 25,2 Milliarden Euro gewachsen. Allerdings hat das Operative
Ergebnis - zumindest auf den ersten Blick - mit diesem Wachstum nicht Schritt gehalten. Es ging
um 3,8 Prozent oder 112 Millionen Euro auf 2,8 Milliarden Euro zurück.





Zunächst zur Analyse unserer Umsatzentwicklung:


Nach dem schwachen Jahresbeginn konnten wir uns kontinuierlich steigern. Vor allem im vierten
Quartal haben wir auf unserem wichtigsten Markt - Europa - endlich den Absatz erhöhen und
damit an der konjunkturellen Belebung teilhaben können.


Unser Wachstum im fortzuführenden Geschäft basiert auf einer Mengensteigerung von
5 Prozent sowie Zuwächsen aus Akquisitionen (vor allem Chiron) von 2,8 Prozent. Die
günstigen Währungsrelationen trugen 2,1 Prozent bei. Aber wir mussten einen erneuten
Rückgang der Verkaufspreise um 2 Prozent hinnehmen.


In Summe ergibt sich eine Steigerung unseres Geschäfts um 7,9 Prozent.





Die Ergebnisentwicklung wird Ihnen Herr Wenning zusammen mit allen Sonderposten und
Einmaleffekten detailliert erläutern.


Ich will mich hier auf einen besonders wichtigen Aspekt unserer Ergebnisentwicklung
beschränken, nämlich auf unsere gesteigerten Zukunftsausgaben, die wesentlicher
Bestandteil unserer Konzernstrategie sind. Wir wollen in unseren Kerngeschäften
primär aus eigener Kraft wachsen.
Dazu gehört vor allem die gezielte Erhöhung der Forschungsausgaben um 330 Millionen
Euro oder 18,2 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Mehr als drei Viertel dieser Mittel
fließen jetzt in die Life Sciences und dort vor allem in den Ausbau unserer
Forschungsplattform in der Biotechnologie. Der Anstieg von 18 Prozent in 1999 liegt deutlich
oberhalb der durchschnittlichen Steigerung der letzten Jahre und auch der geplanten Ausgaben in
den Folgejahren.


Außerdem setzen wir unsere expansive Investitionspolitik fort. So haben wir unsere
Investitionen in Sachanlagen im fortzuführenden Geschäft nochmals ausgeweitet, und
zwar um 126 Millionen Euro auf 2,6 Milliarden Euro.


Wir sind von der Rentabilität der Zukunftsausgaben überzeugt und werden diesen Kurs zur
Stärkung des internen Wachstums weiter verfolgen.





Nun zur Geschäftsentwicklung in den Regionen, die ein unterschiedliches Bild zeigen.


In Europa hat unser Geschäft um 2 Prozent zugenommen. Aber erst nach dem guten vierten Quartal lagen wir kumuliert über Vorjahr. Besonders enttäuschend für uns war die schwache Binnennachfrage in Deutschland. Hier mussten wir einen Rückgang verkraften. So sind in der Bayer AG der Umsatz um 2 Prozent und das vergleichbare Operative Ergebnis um 15 Prozent gesunken.


Nordamerika kann weiterhin über eine robuste Konjunktur berichten. Unser Geschäft ist um 15 Prozent auf 7,7 Milliarden Euro gewachsen. Wir erwarten insbesondere bei unseren Health-Care-Aktivitäten deutliche Zuwachsraten in dieser Region.


Lateinamerika ist noch mit 4 Prozent rücklüufig, zeigt aber nach der Krise in Brasilien im Jahresverlauf ebenfalls zunehmende Stabilität und sogar wieder Wachstum im vierten Quartal.


Die Region Asien/Afrika/Australien bestätigt den Aufwärtstrend mit einem Zuwachs von
29 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro Umsatz. Die Asienkrise ist wohl überwunden.





Nun der Blick in die Arbeitsgebiete:


Die beste Nachricht aus unserem operativen Geschäft ist das kräftige Wachstum bei Gesundheit um 19 Prozent auf 8,4 Milliarden Euro.


Pharmawuchs mit 15 Prozent Umsatzsteigerung fast doppelt so stark wie der Weltmarkt. Der Umsatz liegt erstmalig über 5 Milliarden Euro.


Besonders deutlich hat sich das Diagnostik-Geschäft mit 55 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro verbessert. Hierin sind die Umsätze der Ende 1998 übernommenen Chiron Diagnostics enthalten. Der Integrationsprozess verläuft erfolgreich. Das Synergiepotential wird ab 2001 vollständig realisiert, zum großen Teil aber schon im Jahr 2000.


Aber auch bereinigt um Chiron hat unser Diagnostik-Geschäft mit 7 Prozent mehr zugelegt als der Weltmarkt mit 4 Prozent. Wir sind zuversichtlich, im Jahr 2000 weltweit die Position 3 in diesem Markt zu erreichen.


Das Operative Ergebnis des Arbeitsgebiets Gesundheit ist 1999 trotz des Integrationsaufwands von Chiron und der Produktionsschwierigkeiten bei den Biologischen Produkten um 10 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro gestiegen.





In den nächsten Jahren lautet für uns das Ziel in diesem Arbeitsgebiet, durch Innovation zu wachsen und zugleich die Profitabilität zu steigern.


Den Ausblick auf die zukünftigen Herausforderungen und unsere Positionierung in den einzelnen Arbeitsgebieten will ich Ihnen jeweils mit drei Kernaussagen verdeutlichen.





Im Arbeitsgebiet Gesundheit wird unser Optimismus durch die Entwicklung unserer strategischen
Produkte gestärkt.


Mit Avelox, dem neu ausgebotenen Atemwegs-Antiinfektivum, wollen wir bis 2002 die
Umsatz-Milliarde erreichen. Der Cholesterinsenker Lipobay hat durch neu zugelassene Dosierungen
1999 seinen Umsatz mit fast 700 Millionen D-Mark mehr als verdreifacht. In diesem Jahr wird
Lipobay mit mehr als einer Milliarde D-Mark Umsatz ein neuer, weiterer Blockbuster sein. Auch
von Kogenate erwarten wir starkes Wachstum. Die Umsatz-Milliarde werden wir bei Kogenate in
2001 übertreffen. Unsere bisherigen Starprodukte Cipro, Adalat und Aspirin haben wieder
neue Umsatzrekorde erzielt. Glucometer wird im Diagnostikbereich - über die jetzt schon
erfreuliche Zuwachsrate von 18 Prozent hinaus - durch die neue Systemgeneration weiteres
Potenzial erschließen.




Wir haben bei Gesundheit in 1999 eine Trendwende vollzogen und werden im Jahr 2002 eine Rendite
von mehr als 20 Prozent schaffen. Über unser Wachstum hinaus trägt dazu vor allem das
Kostensenkungsprogramm in Pharma mit 360 Millionen Euro, die Synergien in Diagnostik mit
125 Millionen Euro, der Wegfall des Integrationsaufwands Chiron sowie die
Standortkonsolidierung bei Consumer Care bei.




Von langfristig eminenter Bedeutung für unser Unternehmen ist die
Genomics-Technologieplattform, die wir uns vor allem in den letzten vier Jahren gezielt
geschaffen haben. Ich will nicht durch die einzelnen so genannten Enabling Technologies gehen,
die die Pharmaforschung und -entwicklung wesentlich beeinflussen werden. Doch ich möchte
betonen, dass wir mittlerweile bei all diesen Technologien zur ersten Liga gezählt werden.


Dieses Chart des Analystenhauses Lehman Brothers schloss nach der jüngsten Untersuchung im Januar mit der Aussage,


" ... dass die Bayer-Technologieplattform weltweit eine der besten ist".


Vorige Woche haben wir unsere Plattform durch eine weitere Kooperation mit Oxford GlycoScience
(OGS) in England ergänzt. OGS ist ein biotechnologisches Unternehmen mit
Technologieführerschaft auf dem Gebiet Proteomics. Insgesamt haben wir zum Ausbau unserer
Forschungsplattform seit 1997 Kooperationen in einem erfolgsabhängigen Gesamtwert von
einer Milliarde Euro abgeschlossen.


Ich betone nochmals: Die Innovation ist bei Pharma der entscheidende Erfolgsfaktor, und sie
hängt nicht nur von der Umsatzgröße ab. So ist die Mehrheit der zuletzt zehn erfolgreichsten, neuen Blockbuster nicht von einem der Top-Ten-Unternehmen erforscht worden.


Pharma ist und bleibt ein riskantes und volatiles Geschäft mit erheblichen Chancen und Risiken. Wir sehen uns auch für die Zukunft mit unserem gesunden Pharmageschäft und erst recht mit dem gesamten Gesundheitsbereich gut positioniert.





Im Arbeitsgebiet Landwirtschaft haben wir den Umsatz um 6 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro gesteigert. Trotz eines schwierigen Umfeldes konnten beide Geschäftsbereiche zulegen. Das Operative Ergebnis ist um 8 Prozent auf 520 Millionen Euro gesunken.





Auch hier will ich mit einigen Kernaussagen einen kurzen Ausblick geben. Für die nächsten Jahre lautet die zentrale Herausforderung für das Arbeitsgebiet, sich auf diesem hohen Niveau gegen den derzeitigen Markt-Trend zu behaupten.





Wir sind stolz darauf, bei der Marge weltweit ganz vorne zu liegen. Dabei dominiert der Geschäftsbereich Pflanzenschutz schon aufgrund seines Volumens die Gesamtdarstellung dieses Arbeitsgebiets. Allerdings sind wir auch bei Tiergesundheit führend positioniert und erwirtschaften vergleichbar gute Renditen wie im Pflanzenschutz.





Die Entwicklung im Pflanzenschutzmarkt macht das schwierige Umfeld deutlich. Der Weltmarkt ging 1999 insgesamt zurück. Dafür waren regionale Krisen in Lateinamerika, die Schwäche der US-Landwirtschaft, Nachahmerpräparate und der Preiskampf im Herbizid-Markt, vor allem durch die US-Hersteller, verantwortlich. Bayer aber konnte seinen Umsatz ausweiten und den Marktanteil um 10 Prozent auf nunmehr 8,4 Prozent steigern.


Durch unsere technologische Kompetenz und unseren Fokus auf den chemischen Pflanzenschutz haben wir diesen Erfolg erzielen können. Wir sind auch für die absehbare Zukunft durch unsere Stärke im chemischen Pflanzenschutz bei den Fungiziden, Insektiziden, dem Saatgutgeschäft sowie dem sich erfreulich entwickelnden Consumer-Geschäft "Garden/Professional Care" stabil positioniert.





Dennoch sehen auch wir die beiden langfristigen Herausforderungen gegenüber dem heutigen chemischen Pflanzenschutz: erstens die Konsolidierung des Wettbewerbs mit dem daraus resultierenden Kostendruck im Massengeschäft ? vor allem bei Herbiziden. Zweitens die technologischen Möglichkeiten der so genannten "Grünen Biotechnologie".


Im Konsolidierungswettbewerb machen wir Fortschritte und wollen - vorbehaltlich der behördlichen Genehmigungen - 100 Prozent der Anteile an der Firma Misung, einem führenden Pflanzenschutzunternehmen in Korea erwerben. Korea ist der zehntgrößte Pflanzenschutzmarkt der Welt.


Bei der "Grünen Biotechnologie" fahren wir angesichts von technologischen Risiken und Akzeptanzproblemen bisher einen eher zurückhaltenden Kurs.


Dabei beschäftigt sich unsere Forschung sehr wohl intensiv mit der Biotechnologie, allerdings nicht zum Zwecke der Genmodifizierung lebender Organismen, sondern um auf der Basis ihrer Erkenntnisse Produkte für den chemischen Pflanzenschutz herzustellen. Diesem Ziel dient auch die jüngst vereinbarte Forschungskooperation mit dem US-Unternehmen Exelixis, die mit einem Umfang von 100 Millionen Euro die bisher umfangreichste der Branche im Insektizidbereich ist.


Im Übrigen werden wir auch weiterhin ? aus unserer stabilen und starken Position im chemischen Pflanzenschutz heraus ? aktiv und sorgfältig alle Portfolio-Optionen sowohl hinsichtlich der Konsolidierung als auch des optimalen Einstiegs in die "Grüne Biotechnologie" prüfen.





Zu dem Arbeitsgebiet Polymere. Der Umsatz hat um 6 Prozent auf 9,3 Milliarden Euro zugenommen mit einer sehr erfreulichen Tendenz im vierten Quartal. Zu dem Wachstum haben alle Geschäftsbereiche beigetragen. Die Ausnahme bildet Fasern, wo zum Jahresende aber auch Erholungen erkennbar waren.


Das Operative Ergebnis im Arbeitsgebiet Polymere ist um 4 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro zurückgegangen. Darin wird der Margendruck deutlich.





Ich will Ihnen auch hierzu mit drei Kernaussagen unsere Positionierung in diesem Arbeitsgebiet verdeutlichen. Die Polymere sind und bleiben eine große und verlässliche Stärke unseres Portfolios. Aus unserer führenden Stellung heraus sehen wir die primäre Herausforderung in dem weltweiten Ausbau unseres Geschäfts und zwar hauptsächlich aus eigener Kraft.





Wir sind in vielen Bereichen die Nummer 1 oder 2 im Weltmarkt. Allein die wichtigsten unserer führenden Produktgruppen ? von MDI bis zu Polyurethan-Klebstoffsystemen ? haben ein Umsatzvolumen von über 6 Milliarden Euro. Dies entspricht zwei Dritteln unserer gesamten weltweiten Polymer-Aktivitäten.





Sobald wir Schwächen erkennen, betreiben wir aktives und gezieltes Portfoliomanagement. So haben wir in diesem Jahr bei den Polyurethanen eine strategische Lücke durch die Lyondell-Akquisition geschlossen. Bei zwei der drei entscheidenden Rohstoffe für Polyurethanschäume ? nämlich TDI und MDI ? verfügen wir seit Jahrzehnten über ein starkes Geschäft. Nunmehr haben wir durch das ebenfalls führende Polyol-Geschäft von Lyondell den dritten Bestandteil der Polyurethan-Säule komplettiert und unsere Position in diesem Kerngeschäft nachhaltig gefestigt. Die Übertragung wird zum 1.4.2000 stattfinden können.





Wir sind überzeugt, dank dieser starken Position hauptsächlich aus eigener Kraft wachsen zu können. Deshalb liegt unser Schwerpunkt auf dem weltweiten Kapazitätsausbau.


In der Vergangenheit haben wir uns auf Nordamerika konzentriert, zukünftig erfolgt der Ausbau in Asien. Wir sehen weltweit, besonders jedoch in Asien, gute Chancen, bei wachsenden Absatzmärkten unser Polymer-Geschäft nachhaltig und rentabel zu vergrößern.





Im Arbeitsgebiet Chemie stabilisierte sich der Umsatz mit 3,7 Milliarden Euro auf dem Vorjahresniveau. Bereinigt konnten wir durch die Erholung im vierten Quartal den Umsatz gegenüber Vorjahr sogar steigern, und zwar um 3 Prozent.


Das Operative Ergebnis war mit 414 Millionen Euro um 20 Prozent rückläufig. Das ist trotz der Verbesserung im vierten Quartal insgesamt unerfreulich. Wesentliche Ursache waren die ungünstigen wirtschaftlichen Bedingungen im vergangenen Jahr. Darüber hinaus hatten wir vor allem im Geschäftsbereich Chemikalien Minderabnahmen größerer Kunden bei Feinchemikalien und Wirkstoffzwischenprodukten zu verkraften.


Wir können in 1999 mit der Chemie nicht zufrieden sein; auch das Jahr 2000 erfordert alle Anstrengungen, um ein vernünftiges Ergebnis zu erzielen.





Wie beurteilen wir vor diesem Umfeld die weitere Zukunft der Chemie bei Bayer ? Im Kern steht die Herausforderung nach Kostenoptimierung bei unseren Basischemikalien sowie Wachstum bei der Fein- und Spezialchemie.





Dabei haben wir durchaus Erfolge vorzuweisen. Die Steigerung der Umsatzrendite innerhalb der letzten drei Jahre von 1 Prozent auf 11 Prozent ist zweifellos beachtlich. Denn diese Rendite kann sich im europäischen Chemiegeschäft sehen lassen.





Wir sehen weiteres Potenzial durch die konjunkturelle Belebung und erwarten einen mehrjährigen Aufwärtstrend in der Chemie. Dann können wir mittelfristig auch unsere Margen verbessern, was für dieses Jahr sicherlich schwierig werden wird.


Weiteres Potenzial liegt in der Verbesserung der Rahmenbedingungen an deutschen Standorten, die unser Chemiegeschäft dominieren. Kernpunkte sind neben den steuerlichen Bedingungen arbeitsrechtliche Flexibilitäten zur Anpassung an den Geschäftsverlauf. Wir erkennen positive Ansätze in Deutschland, sind jedoch gerade im Arbeitsgebiet Chemie dringend auf weitere Fortschritte angewiesen. Im internationalen Vergleich haben wir es immer noch sehr schwer.





Wir werden unser Portfolio aufgrund des Wettbewerbsdrucks noch straffer ausrichten müssen.


Dazu haben wir eine zweite Restrukturierungsphase gestartet, mit der wir unsere Chemieaktivitäten konsequent auf Kernkompetenzen und Erfolgsfaktoren hin überprüfen. Wir wissen, dass wir in der Chemie über hohe Kompetenzen und gute Positionen verfügen. Aber wir haben auch Probleme, die wir lösen müssen ? wie wir dies im Falle des Textilfarbstoffgeschäfts bei der DyStar gemeinsam mit BASF tun werden.


Deshalb werden wir unsere Basischemikalien auf wettbewerbsfähige Kosten hin untersuchen und ausrichten. Unsere Feinchemikalien sollen durch Technologieführerschaft konsequenter als bisher die Wachstumschancen in den attraktiven nachgeordneten Märkten sowohl der Life Sciences als auch der Elektronik realisieren. Bei unserer Spezialitätenchemie wird die Kompetenz zur Lösung anwendungsorientierter Aufgaben beim Kunden im Vordergrund stehen.


Mit diesen Maßnahmen wird auch die Chemie ein erfolgreiches und wettbewerbsfähiges Geschäft sein. Wir bekennen uns zu diesem Arbeitsgebiet als vierter Säule unseres Portfolios ? wenn auch mit abnehmendem Anteil am Gesamtgeschäft.





Meine Damen und Herren, lassen Sie mich nach diesem Überblick über die Ergebnisse unserer Arbeitsgebiete und den kommenden Herausforderungen das vergangene Jahr mit einem Satz bewerten: 1999 war nicht einfach, aber wir haben uns in einem schwierigen konjunkturellen Umfeld gut behauptet.


Mindestens ebenso wichtig ist aber auch der Blick über 1999 hinaus auf die strukturellen Weichenstellungen für die Zukunft.


Wir haben Fortschritte bei unserer Neuausrichtung des Konzerns gemacht. Unsere signifikanten Portfolio-Optimierungen reichen von Agfa über Lyondell, Chiron, DyStar bis zur Veräußerung des Wohnungsbestands; Projekte, die allesamt im Milliardenbereich liegen. Wir konzentrieren unsere Ressourcen dadurch auf unsere Kernkompetenzen in den vier Arbeitsgebieten.


Unsere Programme zur operativen Konsolidierung werden die Wettbewerbskraft erhöhen und gezielt unsere Rentabilität verbessern. Dazu gehört auch die Marktausrichtung unserer Servicebereiche, die wir dadurch forcieren, dass die Leistungen mit den Abnehmern im Unternehmen ? wie im Markt ? frei verhandelbar sind.


Der Schlüsselfaktor schlechthin zur Steigerung unseres Unternehmenswerts - vor allem bei den Life Sciences ? ist die Innovationskraft. Hier haben wir in diesem Jahr besonders viel getan und Weichen für die Zukunft gestellt.


Schließlich haben wir wichtige Umstellungen in unseren finanziellen Anreizsystemen eingeführt. Wir merken an den ersten Reaktionen auf variable Bezahlungen, dass diese Maßnahmen sehr wohl zunehmend in das Bewusstsein der Belegschaft rücken und den betriebswirtschaftlichen Fokus eines jeden einzelnen Mitarbeiters schärfen.


Als weiteren Schwerpunkt möchte ich die Entscheidung hervorheben, im 2. Quartal 2001 das
Börsenlisting in den USA zu realisieren. Wir werden dadurch unsere Aktie als potenzielle
Akquisitionswährung stärken. Außerdem wollen wir als global tätiges Unternehmen
auch am wichtigsten Finanzplatz der Welt präsent sein. Mit den konkreten Vorbereitungen,
für die wir ein halbes Jahr veranschlagen, werden wir im Herbst beginnen.


Alles in allem, meine Damen und Herren, - und das ist die Aussage, die ich Ihnen mit diesem
Überblick vor Augen führen möchte - sind dies deutliche Veränderungen für
unser Unternehmen. Bei Bayer tut sich also einiges.


Dabei stehen die aktuelle Wettbewerbskraft und Wettbewerbsposition sowie das zukünftige
Potenzial unserer einzelnen Geschäfte immer im Vordergrund. Um es mit einem Satz zu sagen -
meine Damen und Herren: Bayer ist auf Kurs und unsere Geschäfte machen wir fit für
eine erfolgreiche Zukunft.





Im Grunde genommen könnten wir auch am Kapitalmarkt mit der Performance der Bayer-Aktie
durchaus zufrieden sein.


Im Gesamtjahr 1999 haben wir den Euro Stoxx, der auch unserem Aktienoptionsprogramm zugrunde
liegt, nahezu halten können. Bei Bereinigung um die 9 größten
Telekommunikations- und Technologiewerte - die sicherlich ein besonderes Jahr hinter sich
haben - konnten wir den Euro Stoxx sogar schlagen.


Insofern scheint mir die Kritik an dem Börsenkurs von Bayer manchmal etwas überzogen
zu sein. Dennoch: Trotz der erfreulichen Performance in 1999 ist das absolute Kursniveau
letztlich enttäuschend und unbefriedigend. Denn wir dürfen die absolute Höhe der
Marktkapitalisierung vor allem unserer führenden anglo-amerikanischen Wettbewerber nicht
außer Acht lassen.


Unser derzeitiger Kurs von 41 Euro entspricht einer Börsenkapitalisierung von 30 Milliarden
Euro. Wir haben seit Jahren unsere operative Performance gesteigert und sie durch ständig
höhere Konzerngewinne einschließlich Dividenden nachgewiesen. Die Zukunftsaussichten
unserer Geschäfte sehen wir sehr positiv. Der aktuelle Brutto-Cashflow von über drei
Milliarden Euro sollte einen deutlich höheren Börsenkurs rechtfertigen.


Es wird eine wichtige Aufgabe in den kommenden Monaten sein, die Investoren davon zu
überzeugen, dass Bayer mehr Wert ist als der aktuelle Kurs.





Meine Damen und Herren,

lassen Sie mich meine Ausführungen mit einem kurzen Ausblick auf das Jahr 2000 abschließen:

Unser Geschäft ist in den ersten beiden Monaten dieses Jahres sehr erfreulich angelaufen.
Bei einer Umsatzsteigerung von 20 Prozent und einer deutlichen Ergebnisverbesserung in den Monaten Januar/Februar sollte man aber die schwache Vergleichsbasis des Vorjahres berücksichtigen.

Unsere Konzentration gilt unseren Kerngeschäften und Kernkompetenzen in den vier Arbeitsgebieten. Wir werden die Wettbewerbskraft in diesen Geschäften weiter stärken.

In einigen Märkten stehen wir weltweit vor großen Herausforderungen. Aber unser Portfolio ist gesund und bietet weiteres Potenzial zur Steigerung unseres Unternehmenswerts.
Diese Wertsteigerung wollen wir realisieren.

Ich danke Ihnen.


Anschriften aus dem Artikel: Alte Landstr 129, Albert-Einstein-Str 58

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