Bayer: Unvermeidlichen Stellenabbau durch beschäftigungserhaltende Instrumente abfedern

Vereinbarung zwischen Unternehmensleitung und Gesamtbetriebsrat: Wettbewerbsfähigkeit verbessern / Personalkosten senken

Archivmeldung aus dem Jahr 2003
Veröffentlicht: 12.02.2003 // Quelle: Bayer

"Um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens entscheidend zu verbessern und den Umstrukturierungsprozess zu unterstützen, müssen auch die Personalkosten gesenkt werden. Dabei kommen wir um den angekündigten Stellenabbau nicht herum, wir werden jedoch alle beschäftigungserhaltenden Instrumente konsequent nutzen", betont Bayer-Personalvorstand und Arbeitsdirektor Dr. Richard Pott. Dazu haben Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertreter eine Gesamtbetriebsvereinbarung zur Lösung von Beschäftigungsproblemen erarbeitet, die jetzt unterzeichnet wurde.

Das vereinbarte Konzept könne wegen der unterschiedlichen Arbeitsplatz-Abbauzahlen in den einzelnen Gesellschaften der neuen Holding - dies sind vier Teilkonzerne, drei Servicegesellschaften und andere Töchter - nur dann erfolgreich umgesetzt werden, wenn bei Personalüberhängen gesellschafts- und standortübergreifende Möglichkeiten zur Vermittlung genutzt würden, so Pott. Das Unternehmen hatte angekündigt, bis 2005 rund 12.000 von insgesamt rund 123.000 Arbeitsplätzen im Konzern zu streichen. In der Bayer AG sollen im gleichen Zeitraum etwa 5.200 von derzeit 35.000 Stellen entfallen.

"Wir wollen erreichen, dass die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einem Wechsel des Arbeitsplatzes möglichst positiv gegenüber stehen und für ihre neuen Aufgaben motiviert sind", sagt Pott. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Erhard Gipperich unterstrich, dass den von einem Arbeitsplatzwechsel Betroffenen nach Möglichkeit eine längerfristige Perspektive auf der neuen Stelle eröffnet werde. Dies gelte vor allem für ältere Beschäftigte und für diejenigen, die aufgrund des Wegfalls ihres Arbeitsplatzes der Bayer-Abteilung "Bedarfsgerechte Einsätze" zugeordnet wurden oder dem Ausgebildeten-Pool angehörten. Bayer wird geeignete Qualifizierungsmaßnahmen anbieten, die sowohl den neuen Aufgaben als auch dem Potenzial der Mitarbeiter Rechnung tragen. Eine Kommission "Weiterbildung" wird dazu bis Ende Juni dieses Jahres konkrete Ansätze und Maßnahmen erarbeiten.

Für Teilzeitarbeit werben
Mit einer Informationskampagne will das Unternehmen offensiv für Teilzeitarbeit werben und die Beschäftigten über den gesetzlichen Anspruch auf Reduzierung der Arbeitszeit aufklären. Außerdem sollen bis zum Sommer dieses Jahres weitere Instrumente und Konzepte zur Förderung der Teilzeit beraten und entwickelt werden, zu denen auch die Gewährung von längeren Zeiträumen einer Beschäftigungsunterbrechung - sogenannte Sabbaticals - gehören könnten. Die Teilzeitquote beträgt derzeit in der Bayer AG 9,2 Prozent.

Mehrarbeit vermeiden
Einigkeit wurde auch darüber erzielt, dass in der gegenwärtigen Situation Mehrarbeit grundsätzlich vermieden werden soll und stattdessen Mitarbeiter zum Einsatz kommen, deren Arbeitsplatz entfallen ist oder die dem Ausgebildeten-Pool angehören. Auch hat die Beschäftigung der eigenen Belegschaft grundsätzlich Vorrang vor der Beauftragung von Fremdfirmen.
Alle derzeitigen Fremdfirmenleistungen sollen deshalb überprüft werden, um interne Beschäftigung zu erhalten. Ebenfalls soll vor dem Einsatz von Leiharbeitnehmern noch intensiver als bisher untersucht werden, ob diese Tätigkeiten von Werksangehörigen durchgeführt werden können.

Altersteilzeit und Aufhebungsverträge nutzen
Weiterhin genutzt werden die bewährten Instrumente Altersteilzeit und Aufhebungsverträge im Einvernehmen mit älteren Mitarbeitern. Darüber hinaus besteht für Bayer die Notwendigkeit, auch Beschäftigten jüngeren und mittleren Alters eine einvernehmliche Aufhebung ihrer Arbeitsverträge anzubieten. Auf Wunsch hilft das Unternehmen bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz oder vermittelt professionelle Beratung für den Fall, dass eine selbständige Tätigkeit aufgenommen wird oder eine Firmengründung beabsichtigt ist.


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