VRS warnt vor Finanzrisiken durch das Deutschlandticket

Verkehrsunternehmen erwirtschafteten 2023 rund 577 Millionen Euro +++ Ohne Rettungsschirm klafft 2024 ein 275-Millionen-Euro-Loch +++ Zukünftige Finanzierung des Deutschlandtickets ungeklärt

Archivmeldung aus dem Jahr 2024
Veröffentlicht: 17.04.2024 // Quelle: VRS

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Der Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) warnt vor Finanzrisiken durch das Deutschlandticket und fordert Bund und Land auf, das Tarifangebot auskömmlich zu finanzieren. Im Jahr 2023 verkaufte der VRS über eine halbe Million Deutschlandtickets, wobei besonders das Jobticket beliebt war. Trotz des Erfolgs fehlen den Verkehrsunternehmen finanzielle Mittel, um den Nahverkehr auszubauen. Die Einnahmen der Unternehmen stiegen zwar im Vergleich zum Vorjahr, wären aber ohne die Unterstützung des Bundes und des Landes negativ gewesen. Der VRS setzt zudem auf die Digitalisierung mit dem elektronischen Tarif eezy, um kundenfreundlicher zu werden.

Das Deutschlandticket ist im Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) erfolgreich eingeführt worden – aber es ist keineswegs auskömmlich. Daher drohen bereits im Jahr 2025 Abbestellungen von ÖPNV-Verbindungen, sofern Bund und Land ihrer finanziellen Verantwortung für das politisch gewollte Tarifangebot nicht nachkommen: Anlässlich des heutigen Jahres-Pressegesprächs hat die VRS-Geschäftsführung daher vor erheblichen Finanzrisiken durch das Deutschlandticket gewarnt. „Der ÖPNV ist kein Selbstzweck, sondern dient der Daseinsvorsorge und der Teilhabe von Menschen. Zudem kann er einen spürbaren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Daher sollten sich alle politisch Verantwortlichen zu einem starken Nahverkehr bekennen. Und das heißt vor allem, das Deutschlandticket dauerhaft auskömmlich zu finanzieren“, betont VRS-Geschäftsführer Michael Vogel.

Das Deutschlandticket ist eine im Sinne der Fahrgäste wertvolle Weiterentwicklung des Tarifs – das belegen auch die Verkaufszahlen: Im Dezember 2023 hat die Zahl der im VRS verkauften Deutschlandtickets erstmals die Marke von einer halben Million (504.155) überschritten. Besonders die Jobticket-Variante ist ein Renner: Im Dezember 2023 war jedes dritte Deutschlandticket im VRS ein Deutschlandticket als Jobticket – der Anteil war damit doppelt so hoch wie im bundesweiten Durchschnitt (ca. 15%).

Doch der gute Anklang, den die Deutschlandticket-Angebote im VRS-Gebiet finden, schlägt sich nicht ausreichend in den Kassen der Verkehrsunternehmen nieder: Sollten Bund und Land ihrer Finanzierungszusage nicht nachkommen, fehlen im VRS allein im Jahr 2024 nach aktuellen Schätzungen 275 Millionen Euro. Hierbei ist der dringend notwendige Ausbau des Nahverkehrs noch nicht mitbedacht.

Rückblick auf das Jahr 2023



Im vergangenen Jahr haben die im Beirat des VRS vertretenen Verkehrsunternehmen zwar ein Umsatzplus im Vergleich zum Jahr 2022 erwirtschaftet (577 Millionen zu 485 Millionen, +19 Prozent; Werte gerundet). Das liegt allerdings an den drei Monaten, in denen 2022 das 9-Euro-Ticket verkauft wurde und in denen die Einnahmen extrem zurückgegangen waren. Bei einem „normalen“ Einnahmenjahr 2022 ohne die „9-Euro-Ticket-Monate“ wäre die Entwicklung der Einnahmen im Jahr 2023 negativ gewesen.

Hypothetisch hätten die Verkehrsunternehmen im VRS rund 757 Millionen Euro im Jahr 2023 einnehmen müssen. „Doch seit dem erheblichen Einbruch der Fahrgastzahlen in der Corona-Zeit ist nichts mehr, wie es einmal gewesen ist. Es ging aus der Pandemie in eine Energiekrise und dann in die Tarifrevolution“, so Michael Vogel. „Den daraus entstandenen Herausforderungen haben wir uns gerne gestellt und tun dies auch weiterhin. Doch es muss den politischen Entscheidern klar sein, dass Busse und Bahnen seltener fahren werden, wenn Bund und Land ihrer Verantwortung nicht nachkommen. Die Kommunen als Aufgabenträger des ÖPNV können das durch das Deutschlandticket entstehende Delta keinesfalls auffangen.“

Die bei den Verkehrsunternehmen entstandenen Mindereinnahmen im Jahr 2023 wurden aus den Unterstützungen des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen, den sogenannten Rettungsschirmen, größtenteils aufgefangen. Auch für 2024 sind Unterstützungszahlungen in Aussicht gestellt. Doch Michael Vogel betont: „Was in den Jahren ab 2025 passiert, ist derzeit völlig unklar. Nicht nur wir, sondern die gesamte Branche benötigt dringend Planungssicherheit.“

VRS entwickelt sich digital weiter und wird noch kundenfreundlicher



Neben dem Deutschlandticket ist der elektronische Tarif eezy der zweite Pfeiler für die Tarifzukunft im VRS. Daher führt der Verbund seine Digitalisierungsstrategie konsequent fort. Nachdem der in Kooperation mit den Kölner Verkehrs-Betrieben (KVB) und dem Schweizer Anbieter Fairtiq entwickelte eTarif Grundlage für die NRW-weite Ausrollung von eezy gewesen ist, entwickelt der VRS den innovativen Luftlinientarif kontinuierlich weiter.

Um Rückschlüsse für die tarifliche und vertriebliche Weiterentwicklung von eezy im Sinne der Fahrgäste zu ziehen und eezy auch bisherigen Nichtnutzern nahezubringen, erhielten Neukunden im Winter 2023 ein Startguthaben. Die anonymisierten Nutzungsdaten werden aktuell ausgewertet. Dass der besonders einfach zu nutzende Luftlinientarif beliebt ist, zeigt ein kürzlich erreichter Meilenstein: Inzwischen haben die Fahrgäste eine Million Fahrten mit der VRS eezy.nrw-App absolviert. Eine NRW-weit durchgeführte Befragung hat zudem ergeben, dass 91 Prozent der befragten Nutzenden mit dem eTarif (vollkommen) zufrieden sind. eezy ist für Gelegenheitskunden die logische Alternative zum Deutschlandticket: Es ist flexibel nutzbar, trotzdem profitieren die Fahrgäste von finanzieller Planungssicherheit durch den Preisdeckel in Höhe von 49 Euro monatlich (für Reisen innerhalb NRWs in der 2. Klasse).

Kundeninfo erreicht ein neues Level



Nicht nur der Zugang zum ÖPNV soll für die Fahrgäste möglichst einfach sein, sondern auch die Informationsbeschaffung. Der VRS bereitet daher aktuell Modernisierungen seiner App und seiner Homepage vor. Dr. Norbert Reinkober, ebenfalls VRS-Geschäftsführer: „Unser oberstes Ziel dabei: Die Fahrgäste sollen alle benötigen Informationen schnell und einfach finden und auch multimodale Reisen einfach und komfortabel planen können. Bei der konkreten Umsetzung der Überarbeitungen unserer Homepage setzen wir auf das Prinzip »mobile first«, um die Lebenswirklichkeit der meisten unserer Fahrgäste abzubilden, die viele Dinge ganz selbstverständlich über das Smartphone erledigen.“


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