Gefälschte Postings: Österreichischer Ethik-Rat rügt BAYER

Zehntausende gefälschter Einträge
Werbung für verschreibungspflichtige Präparate
Strafanzeige der CBG: Staatsanwalt lehnt Ermittlungen ab

Archivmeldung aus dem Jahr 2015
Veröffentlicht: 10.09.2015 // Quelle: Bayer-Coordination

Der Österreichische Ethik-Rat für Public Relations hat heute eine Rüge gegen den Pharmakonzern BAYER und sechs weitere Unternehmen „wegen planmäßiger Täuschung von Userinnen und Usern in großem Stil durch gefälschte Postings“ ausgesprochen. Getadelt wird auch die Agentur mhoch3, die in Sozialen Netzwerken hunderttausende gefälschter Kommentare verbreitet hatte.

BAYER hatte bei mhoch3 unter anderem eine Kampagne für die umstrittene Hormonspirale Mirena in Auftrag gegeben, obwohl Werbung für verschreibungspflichtige Präparate generell verboten ist. Der Ethik-Rat urteilt daher: „Die jahrelange und weitreichende Zusammenarbeit mit mhoch3 in sensiblen Themenbereichen wie der Debatte über die umstrittene Hormonspirale Mirena ist daher scharf zu kritisieren und muss von den damals für Kommunikation Zuständigen verantwortet werden.“ Nach Angaben des Ethik-Rats sind die Postings größtenteils bis heute online.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren hatte nach Bekanntwerden der Fälle Strafanzeige gegen die Verantwortlichen bei BAYER eingereicht, da durch die Kampagne offenkundig Gesetze umgangen werden sollten. Die Staatsanwaltschaft Köln stellte das Verfahren jedoch ohne eigene Ermittlungen ein – mit einer geradezu grotesken Begründung: Zwar verbiete es das Heilmittelwerbegesetz, „eine aus fachkundigen Kreisen vorgegebene objektive Informationsvermittlung vorzutäuschen“. Im vorliegenden Fall handele es sich jedoch nicht um Experten, sondern um Laien (wenn auch fingierte), weswegen das Gesetz nicht greife. Die Staatsanwaltschaft übergab das Verfahren Ende August an das Ordnungsamt Leverkusen zwecks „Prüfung etwaiger Ordnungswidrigkeiten“.

Philipp Mimkes vom Vorstand der Coordination gegen BAYER-Gefahren kommentiert: „Wir dürfen nicht zulassen, dass Pharmahersteller wie BAYER die öffentliche Diskussion über risikoreiche Präparate manipulieren. Gerade angesichts der weitreichenden Verlagerung der Marketingaktivitäten in das Internet benötigen wir schärfere Regulierungen. Gesetzgeber und Gerichte müssen die systematische Unterwanderung Sozialer Netzwerke dringend stoppen. Dieser Aufgabe ist ein Ordnungsamt – bei allem Respekt – nicht gewachsen.“

Die Agentur aus Wien hatte über Jahre hinweg mit Hilfe erfundener Identitäten hunderttausende gefälschter Kommentare gepostet, unter anderem bei Facebook, YouTube und Spiegel.de. Auch Einträge bei wikipedia wurden von mhoch3 frisiert. Im Auftrag von BAYER hatte die Agentur Postings im Tonfall hilfsbereiter Freundinnen veröffentlicht: „also ich hab mir vor einem jahr die hormonspirale mirena einsetzen lassen und ich muss sagen, dass ich sehr zufrieden damit bin. hatte am anfang angst vor dem einsezten, doch das war halb so schlimm“ oder: „Ich habe mir die Mirena einsetzen lassen, ist ebenfalls eine hormonspirale und damit hatte mein Frauenarzt sehr gute Erfahrungen bereits gemacht (…) – das kann ich voll empfehlen“. Die Rechtschreibfehler sollten Authentizität suggerieren.

Auch gehörte es zu den Aufgaben von mhoch3, die zahlreiche Berichte über unerwünschte Reaktionen zu entkräften, etwa: „@ sporzal: mein tip es könnte auch eventuell nicht von der mirena kommen, sondern eventuell eine Allergie sein, ich hab das leider auch erst mal in vor kurzer zeit festgestellt, ich hatte echt total oft Kopfweh und das ist nicht lustig – das kann ich nachvollziehen“. Die erfundene Userin „MauMau“ begab sich hierfür eigens in das hormonspirale-forum.de, in dem sich betroffene Frauen über ihre Erfahrungen mit Mirena austauschen.

In einem internen Fazit der Agentur hieß es: „Grundsätzlich ist zu sagen, dass das Internet eine ideale Plattform zur Verbreitung von Informationen zum Thema Verhütung darstellt“. In zahlreichen Fällen hätten die Reaktionen der Nutzerinnen gezeigt, dass sie den freundlichen Kommentaren Glauben schenkten und sich für die Spirale interessierten. Aufgedeckt wurden die Machenschaften im vergangenen November vom österreichischen Monatsmagazin "Datum".

Insgesamt gehen rund 10 Prozent des Marketing-Budgets großer Unternehmen in Social Media. Täglich werden Millionen Postings gescannt, um das Verhalten der KonsumentInnen in Echtzeit zu erfassen und personalisierte Werbung zu ermöglichen. Wegen ihrer erhöhten Glaubwürdigkeit nehmen dabei private Internet-Kommentare einen immer größeren Raum ein. Angesichts der Vielzahl von „Social Media Agenturen“ muss jedoch davon ausgegangen, dass die Mehrzahl solcher Bewertungen gefälscht ist.

Die Firma BAYER verlagerte in den vergangenen Jahren immer mehr Marketing-Aktivitäten in das Internet. So betreibt das Unternehmen eigene Webseiten wie pille.com oder testosteron.de, die es als „Informationsangebote“ tarnt. Auch hierdurch soll das Werbeverbot für Medikamente umgangen werden. Insgesamt gibt der Konzern jährlich rund elf Milliarden Euro für Werbung und Vertrieb aus. Eine Aufschlüsselung der gewaltigen Marketingausgaben lehnt BAYER – auch auf Nachfrage – ab.

Aktenzeichen bei der Staatsanwaltschaft Köln: 117 UJs 1/15


Trotz der Rüge sieht der österreichische Ethik-Rat für Public Relations das Verhalten von Bayer nicht nur negativ:
"Bayer gesteht jedoch das Fehlverhalten ein und bedauert den Vorfall. Zudem ist dem Unternehmen zugute zu halten, dass es gegenüber dem PR-Ethik-Rat sehr offen kommuniziert hat und augenscheinlich klare Konsequenzen gezogen hat.
Der PR-Ethik-Rat spricht eine Rüge im Hinblick auf das damalige Verhalten – nämlich die Beteiligung an der planmäßigen Täuschung von Online-Userinnen und -Usern – aus, bewertet die Kooperations-bereitschaft heute aber positiv."
Anschriften aus dem Artikel: Albert-Einstein-Str 58, Alte Landstr 129

Bisherige Besucher auf dieser Seite: 3.585

Meldungen Blättern i
Meldungen Blättern

Weitere Nachrichten der Quelle "Bayer-Coordination"

Weitere Meldungen


Geduldsprobe für Pendler: Generalsanierung zwischen Köln und Wuppertal gestartet – Das ändert sich in Leverkusen

Geduldsprobe für Pendler: Generalsanierung zwischen Köln und Wuppertal gestartet – Das ändert sich in Leverkusen

Der Startschuss für eines der größten Bauprojekte der Region ist gefallen: Seit den Abendstunden des 6. Februar 2026 wird die wichtige Bahnstrecke zwischen Köln, Wuppertal und Hagen generalsaniert. Für Leverkusen bedeutet das fünf Monate lang massive Einschränkungen im Regionalverkehr, aber auch die Aussicht auf modernere Infrastruktur. Die Deutsche Bahn (DB InfraGO) hat am Freitagnachmittag in Wuppertal den offiziellen Beginn der Arbeiten verkündet. Bis zum **10. Juli 2026** wird die

08.02.2026

Opladener Wochenmarkt findet auch an Weiberfastnacht 2026 statt

Opladener Wochenmarkt findet auch an Weiberfastnacht 2026 statt

Trotz des ausgelassenen Karnevalstreibens und eines großen Festzeltes auf dem Marktplatz öffnet der Opladener Wochenmarkt am Donnerstag, den 12. Februar 2026, seine Stände wie gewohnt. Leverkusenerinnen und Leverkusener können sich auch an Weiberfastnacht auf das vielfältige Angebot frischer und regionaler Produkte freuen. ### Karneval trifft Markttreiben in Opladen Der 12. Februar 2026 markiert im Rheinland traditionell den Beginn der heißen Phase des Karnevals mit Weiberfastnacht.

06.02.2026

Mutmaßlicher Koks-Dealer festgenommen und vor den Haftrichter - Drogenfunde bei Wohnungsdurchsuchungen

Mutmaßlicher Koks-Dealer festgenommen und vor den Haftrichter - Drogenfunde bei Wohnungsdurchsuchungen

Köln (ots) - Zivilbeamte der Polizei Köln haben am Montag (9. Februar) gegen 16.40 Uhr einen 34 Jahre alten Verdächtigen beim Aussteigen aus einer Stadtbahn an der Gutenbergstraße in Ehrenfeld angehalten und kontrolliert. Den Ermittlungen zufolge soll der Mann kurz zuvor am innerstädtischen Hohenzollernring Drogen an einen 47-jährigen Konsumenten verkauft haben. Bei diesem hatten Polizisten eine Konsumeinheit Kokain sichergestellt und entsprechende Strafermittlungen eingeleitet. Die Durc

10.02.2026

BAYER GIANTS Leverkusen feiern wichtigen Sieg gegen Gießen 46ers

BAYER GIANTS Leverkusen feiern wichtigen Sieg gegen Gießen 46ers

Die BAYER GIANTS Leverkusen haben am 21. Spieltag der BARMER 2. Basketball Bundesliga ProA einen hochverdienten 83:72-Sieg gegen die GIESSEN 46ers in der heimischen Ostermann-Arena gefeiert und damit immens wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt gesammelt. Kollektives Durchatmen war bei den Leverkusenerinnen und Leverkusenern in der Ostermann-Arena angesagt, als der deutsche Rekordmeister im Traditionsduell gegen die GIESSEN 46ers triumphierte. Dieser Erfolg war von großer Bedeutung f

07.02.2026

SSV 1927 Lützenkirchen baut inklusives Sportangebot weiter aus – Start einer inklusiven Volleyballmannschaft

SSV 1927 Lützenkirchen baut inklusives Sportangebot weiter aus – Start einer inklusiven Volleyballmannschaft

Nach dem Start eines inklusiven Fußballteams geht der SSV 1927 Lützenkirchen den nächsten Schritt in Richtung gelebter Inklusion im Sport: In Kooperation mit der **Lebenshilfe Leverkusen e.V.** wird nun eine **inklusive Volleyballmannschaft** für Menschen mit und ohne Behinderung ins Leben gerufen. Teilnehmen können **Jugendliche und Erwachsene ab 14 Jahren**, ganz unabhängig davon, ob bereits Volleyballerfahrung vorhanden ist oder nicht. Im Mittelpunkt stehen die Freude an Bewegung, da

04.02.2026

Leverkusen macht einen entscheidenden Schritt in Richtung einer modernen und klimafreundlichen Wärmeversorgung

Leverkusen macht einen entscheidenden Schritt in Richtung einer modernen und klimafreundlichen Wärmeversorgung

Leverkusen macht einen entscheidenden Schritt in Richtung einer modernen und klimafreundlichen Wärmeversorgung. Der Entwurf der Kommunalen Wärmeplanung, ein zentrales Dokument für die zukünftige Heizstrategie unserer Stadt, wird ab dem 4. Februar 2026 für alle Bürgerinnen und Bürger online zugänglich gemacht. Die Aufstellung einer solchen Wärmeplanung ist seit dem 1. Januar 2024 für alle Kommunen gesetzlich vorgeschrieben. Das übergeordnete Ziel ist es, in Zukunft ausschließlich a

04.02.2026

Geschwindigkeitskontrollen in Leverkusen in der kommenden Woche

Geschwindigkeitskontrollen in Leverkusen in der kommenden Woche

In der kommenden Woche vom 09.02.2026 bis 15.02.2026 finden folgende Geschwindigkeitskontrollen statt.Montag 09.02.2026 Am Scherfenbrand, Am Steinberg, Berliner Str., Charlottenburger Str., Dhünnberg, Gezelinallee, Hauptstr., Kandinskystr., Opladener Str., Ringstr., Wiehbachtal, Willy-Brandt-Ring Dienstag 10.02.2026 An der Dingbank, Auf der Grieße, Bonner Str., Düsseldorfer

07.02.2026

Geschwindigkeitskontrollen in Leverkusen in der kommenden Woche

Geschwindigkeitskontrollen in Leverkusen in der kommenden Woche

In der kommenden Woche vom 23.02.2026 bis 01.03.2026 finden folgende Geschwindigkeitskontrollen statt.Montag 23.02.2026 Am Scherfenbrand, Bensberger Str., Biesenbach, Burscheider Str., Europaring, Hitdorfer Str., Karl-Carstens-Ring, Kolberger Str., Maurinusstr., Quettinger Str., Rolandstr., Willy-Brandt-Ring Dienstag 24.02.2026 Biesenbach, Burscheider Str., Düsseldorfer Str., Europari

21.02.2026

Stiftung der Sparda-Bank West stärkt Leverkusener Kinder für den Schulstart

Stiftung der Sparda-Bank West stärkt Leverkusener Kinder für den Schulstart

Eine wichtige Unterstützung für die jüngsten Leverkusener Bürgerinnen und Bürger kommt auch in diesem Jahr von der Stiftung der Sparda-Bank West. Bereits zum zweiten Mal in Folge ermöglicht die Stiftung Kindern von insgesamt zwölf Leverkusener Grundschulen einen optimalen Start in die Schullaufbahn durch spezielle Vorschulintensivkurse. Damit wird ein bedeutendes Zeichen für Chancengleichheit in der Bildung gesetzt. ### Frühzeitige Förderung für Chancengleichheit Im Mittelpunkt

04.02.2026

Schutz der Brut- und Niststätten: Die gesetzliche Schonzeit

Schutz der Brut- und Niststätten: Die gesetzliche Schonzeit

Vom 1. März bis zum 30. September ist Hauptbrutzeit vieler heimischer Vogelarten und Insekten. Das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) schreibt daher vor, dass in diesem Zeitraum Hecken, Sträucher, Gehölze, Fassadenbegrünungen, Gebüsche und lebende Zäune nicht stark geschnitten oder gar entfernt werden dürfen. Diese Regelung dient dem Schutz der Brut- und Niststätten zahlreicher Tiere. Ein Verstoß gegen diese Vorschrift gilt als Ordnungswidrigkeit und kann mit einem Bußgeld geahndet wer

06.02.2026