Das Ledigenheim in der Neuen Bahnstadt Opladen– neuer Bürostandort mit Geschichte


Archivmeldung aus dem Jahr 2020
Veröffentlicht: 16.07.2020 // Quelle: Neue Bahnstadt

Lang ist es her. Als das Ausbesserungswerk 1903 in Betrieb ging, stellte sich gleichzeitig die Frage nach Wohnraum. Es wurde im Osten wie im Westen der Gleisanlagen Wohnraum geschaffen. Auf der Seite des Ausbesserungswerkes entstanden zwei Meisterhäuser und zwei Geschosswohnungsbauten (1901-03) sowie das Ledigenheim für 72 Bewohner (1907). Das Ledigenheim ist ein Gebäude, das sich in das Gedächtnis der Menschen in Opladen eingebrannt hat – allein aufgrund seiner imposanten Erscheinung. Hier fanden aber auch viele werksinterne Veranstaltungen statt.

Denkmal Ledigenheim
Das Ledigenheim zählt neben dem Wasserturm und dem Hauptmagazin zu den Gebäuden, die in den Anfängen der ehemaligen Königlichen Eisenbahn-Hauptwerkstatt Opladen von 1903 entstanden und erhalten geblieben sind. Es überstand beide Weltkriege und zudem zahlreiche bauliche Veränderungen und Teilabrisse, die im Werk aus betrieblichen Notwendigkeiten vollzogen wurden.

Geschichte
Das Ledigenheim wurde am 1. Juli 1907 eröffnet. Entworfen wurde es vom Architekten Professor Peter Klotzbach, der in dieser Zeit die Bauberatungsstelle des Landkreises Solingen geleitet hat. Bis zu 72 unverheiratete Arbeiter konnten in diesem Gebäude untergebracht werden. Sie verbrachten hier ihre freien Stunden, schliefen in den Zimmern mit ein bis vier Betten und nahmen im großen Speisesaal ihr Essen ein. Ein Pförtner überwachte den Zugang zum Gebäude über ein Innenfenster von seinem Zimmer im Erdgeschoss aus. Das Gebäude blieb während der Kriege weitgehend unbeschädigt. Seine Nutzung als Sozialgebäude fand in den 1960er-Jahren ein Ende.

Äußere Gestaltung
Das Ledigenheim ist ein langgestreckter Massivbau aus Ziegelstein. Die Außenabmessungen betragen in der maximalen Ausdehnung des Baudenkmals ca. 67 x 15 Meter. Das Gebäude war von Beginn an hell verputzt. Die Sockelzone ist in rotem Sichtziegelmauerwerk ausgeführt und reicht bis zur Sohlbank der Erdgeschossfenster.

Das Gebäude ist in drei Baukörper gegliedert, die im Inneren unterschiedliche Funktionen übernahmen. Im Norden befand sich der elfachsige Zimmertrakt über zwei Vollgeschosse, im Süden hatte der Versammlungssaal seinen Platz. Dieser Gebäudeteil ist aufgrund seiner Baumassen der größte und auffälligste. Er umfasste den historischen Speisesaal und einen um eine Fensterachse zurückspringenden Küchentrakt. Beide Hauptbaukörper sind durch einen niedrigeren Zwischenbau verbunden. Der ehemalige Bettentrakt ist in seiner äußeren Gestaltung achsensymmetrisch ausgebildet und erinnert von seiner Architektursprache an einen Schlossbau. Die beiden Seitenrisalite an seinen Enden besitzen Giebel, in denen sich horizontal ausgerichtete Ochsenaugenöffnungen befinden. Die Mittelachse wird durch einen bogenförmigen Giebel betont. Der Baukörper, der den zweigeschossigen Speisesaal beinhaltet, weist ebenfalls einen Giebel auf. Jedoch ist dieser in der Ansicht viel wuchtiger ausgebildet und bei annähernd gleicher Neigung im Verhältnis zu den Giebeln des ehemaligen Bettentraktes deutlich höher als diese. Den Verbindungsbau zwischen dem ehemaligen Betten- und Speisesaaltrakt deckt ein Mansarddach, das durch Bieberschwanzziegel geprägt wird.

Sanierung nach den Regeln der Baukunst
Das Ledigenheim des ehemaligen Ausbesserungswerks wurde am 28.12.2011 unter Schutz gestellt. Seit 2018 ist die Kernsanierung des Gebäudes von der Baukonzept-Gruppe aufwändig geplant und für Büronutzungen ausgeführt worden. Im Rahmen der Sanierung wurde die historische Gestaltung des Gebäudes hervorgehoben. So werden zum Beispiel auf der Westseite zwei Eingänge wieder geöffnet und die Gauben im Dach des Hauses Nr. 41 wieder als Fledermausgauben ausgeführt. Zudem sind sämtliche Fenster entsprechend des historischen Vorbilds getauscht, zum Teil mit Fensterläden ergänzt und Fensteröffnungen im Speisesaal neben dem ehemaligen Haupteingang erweitert, beziehungsweise geöffnet worden.

Die ursprüngliche Gestaltung der Ostseite des Gebäudes wurde um moderne Elemente ergänzt, um das Gebäude an die aktuellen Bedürfnisse anzupassen. Im ehemaligen Speisesaal, der über eine Deckenhöhe von 6,40 m verfügt, wurde im mittleren Bereich eine zweite Ebene eingezogen. Das Dachgeschoss des ehemaligen Schlaftrakts wurde mit einer großen Gaube aufgewertet und in dem Dach des Hauses 43 wurden insgesamt 20 Dachflächenfenster ergänzt, um die natürliche Beleuchtung für eine Büronutzung herzustellen.

Einbauten und Aufteilungen, die über die Jahre sukzessive ins Gebäude eingebracht wurden, wie die Abtrennung der Wohnungen im nördlichen Bereich des Hauses Nr. 41 und Kellertreppen, sind zurückgebaut worden. Zudem wurden viele historische Gestaltungelemente wie z.B. die ursprünglichen Boden- und Wandfliesen, Treppengeländer, Handläufe und Türzargen und interne Fenster freigelegt, aufgearbeitet und in das Interieur eingegliedert. Die nbso-Geschäftsführerin Vera Rottes überzeugte sich letztens vom Stand der Dinge und geriet ins Schwärmen: „Hier ist ein richtiges Schmuckkästchen entstanden, das die ehemalige Nutzung ehrt und zugleich moderne Büronutzungen ermöglicht.“

Zukünftige Nutzung des Denkmals
Die hochwertigen Büro- und Dienstleistungsflächen werden aktuell unter dem Begriff „Opus Office am Campus“ vermarktet. Jüngst hat der Ankermieter Nagarro Allgeier ES GmbH die Verträge unterzeichnet. „Zum 1. Januar 2020 hat Nagarro Allgeier ES die Geschäftssparte Public Sector der GES Systemhaus GmbH & Co. KG übernommen“, erklärt Dr. Norbert Rheindorf. „Um unseren Standort in Leverkusen weiter ausbauen und zukünftig auch für Mitarbeiter aus anderen Allgeier Units nutzen zu können, benötigen wir größere Geschäftsräume. Der umgebaute Speissaal des ehemaligen Ausbesserungswerks bietet uns die idealen räumlichen Voraussetzungen dafür.“ Auch die Wirtschaftsförderung Leverkusen (WfL) begrüßt den Umzug von Nagarro Allgeier ES von der Schusterinsel in das OpusOffice in die Neue Bahnhstadt Opladen. Dies ist für Prokurist Rainer Bertelsmeier ein Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Leverkusen. Denn es zeigt, dass den Unternehmen vor Ort durch die deutliche Senkung der Gewerbesteuer in Leverkusen neue Spielräume für Expansionen und Investitionen am Standort gegeben werden, die von diesen gerne genutzt werden.

Die Neue Bahnstadt Opladen als Bürostandort wird momentan sehr nachgefragt, weiß Sven Heyden, Geschäftsführer der Baukonzept Real Estate GmbH zu berichten. „Das gilt insbesondere für unser Angebot, dem wir bewusst den historischen Charme belassen haben, der einem auch andernorts in der Neuen Bahnstadt begegnet.“ Der neue Stadtteil atmet Geschichte und lebt gleichzeitig durch seine Vielfalt. Dabei zeichnet sich die Bahnstadt durch den außergewöhnlich breit aufgestellten Nutzungsmix aus. Hier leben und arbeiten bereits an die 2.000 Menschen und in naher Zukunft werden hier auch bis zu 1.000 Studierende in Hörsälen und Laboren der TH Köln ihrem Tagwerk nachgehen.

Steckbrief. OpusOffice am Campus
Nutzfläche gesamt: ca. 2.643 qm
(davon Büro: ca. 2.258 qm; Archiv: 385 qm)
Baujahr: 1907
Sanierung: 2019/2020


Ort aus dem Stadtführer: Wasserturm, Schusterinsel, Opladen
Denkmäler aus dem Artikel: Hauptmagazin, Ledigenheim des ehemaligen Ausbesserungswerks
Anschriften aus dem Artikel: Albert-Einstein-Str 58, Alte Landstr 129

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