Genehmigungsantrag für neuen Rohrleitungstunnel wird eingereicht

Verbund der Chempark-Standorte Dormagen und Leverkusen
Aktuelle Überprüfungen der Rohrleitungen zur Betriebssicherheit durchgeführt

Archivmeldung aus dem Jahr 2014
Veröffentlicht: 24.06.2014 // Quelle: Currenta

Der Chempark-Betreiber Currenta treibt die Planungen für einen neuen Rohrleitungstunnel unter dem Rhein voran: Das Unternehmen wird in Kürze die entsprechenden Genehmigungsanträge einreichen. "Der Rohrleitungstunnel ist für den Chempark Leverkusen von großer Bedeutung, da der Standort durch ihn mit wichtigen Rohstoffen versorgt wird", erklärt Chemparkleiter Dr. Ernst Grigat. Die neue Rheinunterquerung wird - anders als der vorhandene Düker - begehbar und damit für Wartungs- und Reparaturarbeiten geeignet sein. Grigat: "Zielsetzung des Projektes ist, dass der neue Tunnel in der zweiten Jahreshälfte 2016 in Betrieb geht."

Der neue Versorgungstunnel wird einen Außen-Durchmesser von rund drei Metern haben. Gebaut werden soll der Tunnel in einem Vortriebsverfahren von der Leverkusener Seite aus. Dabei gräbt sich eine Vortriebsmaschine rund neun Meter unter dem Rhein hindurch. Gleich hinter der Maschine werden die Tunnelstücke nachgeschoben. Dieses Verfahren minimiert die Eingriffe in die Natur. Der derzeitige Versorgungstunnel enthält zehn Rohrleitungen für den Transport etwa von Erdgas, Stickstoff, Sauerstoff oder Kohlenmonoxid (CO).

Externe Gutachter bestätigen Sicherheit der CO-Leitung
Wie bereits Anfang des Jahres angekündigt, wurden in diesem Frühjahr mehrere Rohrleitungen innerhalb des derzeitigen Versorgungstunnels und entlang der gesamten Trasse einer genauen Prüfung unterzogen. Die Ergebnisse zur CO-Rohrleitung wurden vom TÜV Rheinland als unabhängigem Sachverständigen bewertet und bestätigen ihre Sicherheit. In Summe verdeutlichen die Untersuchungsprogramme an den im Düker befindlichen Rohrleitungen aber auch die Notwendigkeit eines Neubaus. "Gemäß den bislang auf der Basis der Untersuchungen vorliegenden Erkenntnissen befinden sich in der untersuchten Rohrleitung gegenwärtig (2014) keine Stellen, die die Sicherheit der Leitung im Betrieb in Hinblick auf Festigkeit, Lebensdauer oder Restwanddicke bzw. Leckagegefahr beeinträchtigen", heißt es in dem Gutachten.

Im Rahmen der aktuellen Untersuchungen wurden im Bereich unterhalb des Rheins an der CO-Rohrleitung punktuelle Korrosionsstellen detektiert. Dennoch sei die Betriebssicherheit weiter gewährleistet, so der TÜV. Das gilt ebenso für das bis Ende März 2014 in der Rheinuntertunnelung für CO genutzte Teilstück, das derzeit als Reserve dient. Nach den aktuellen Messergebnissen war und ist auch diese Leitung betriebssicher. Die nächste Prüfung der CO-Rohrleitung wird vom TÜV für 2016 empfohlen.

Zusätzliche Sicherheit bietet das Ergebnis der ebenfalls vorgenommenen Wasserdruckprüfung der CO-Rohrleitung. Dabei wurde die Leitung mit Wasser gefüllt und über 24 Stunden unter hohen Druck gesetzt. "Das ist ein weiterer Beleg dafür, dass das Rohr dicht und sicher ist", sagt Dr. Martin Wolf, Programmleiter Rohstoffverbund bei Bayer MaterialScience, dem Betreiber und Nutzer der CO-Leitung.

Bei den aktuellen Überprüfungen wurde der Zustand der Rohrleitungen mittels einer sogenannten "intelligenten Molchung" genau erfasst. Bei diesem Verfahren durchfährt ein mobiles Minilabor das Rohr und führt kontinuierlich Messungen zur Ermittlung der Rohrwanddicke durch. Üblich ist für die hier verwendeten Rohrleitungen der Einsatz eines sogenannten MFL-Molches (Magnetic Flux Leakage). Bei der Durchfahrt wird die Rohrleitung magnetisiert, die entstehenden Magnetfelder werden erfasst und geben Aufschluss über den Zustand des Rohres "Wir wollten es aber bei der CO-Rohrleitung noch genauer wissen", so Wolf, "und haben daher erstmals auch einen sogenannten "Kombimolch" mit modernster verfügbarer Technik eingesetzt." Der Kombimolch misst während der Rohr-Durchfahrt gleichzeitig mit zwei voneinander unabhängigen Verfahren - mittels MFL und Ultraschall - die Beschaffenheit des Rohres. Der Kombimolch trägt 248 Sensoren und nimmt während seiner etwa zweistündigen Durchfahrt durch die 10,5 km lange Rohrleitung rund 2,6 Milliarden Messpunkte auf. Die Daten werden von Spezialfirmen ausgewertet. In Kombination ermöglichen die beiden Messmethoden ein sehr exaktes Bild der Rohrleitung.

Wasserstoff-Leitung vorsorglich außer Betrieb genommen
Im Zuge der Prüfmaßnahmen untersuchte die Currenta insgesamt fünf der Rohrleitungen auf ganzer Länge mit der jeweils modernsten verfügbaren Technik. "Die aktuellen Messdaten liefern uns ein umfassendes, präzises Bild. Demnach sind unsere derzeit in Betrieb befindlichen Leitungen sicher - wo dies nicht so war, haben wir umgehend gehandelt", erläutert Wolf. So wurde nach Erhalt der Rohdaten eine Wasserstoff-Rohrleitung vorsorglich außer Betrieb genommen. An der Rohrleitung zeigte sich eine fehlerhafte Stelle innerhalb der Rheinunterquerung, wo sie nicht instandgesetzt werden kann.

Aus Kapazitätsgründen konnte eine Ethylen-Leitung nicht planmäßig im Frühjahr durch die Currenta überprüft werden, dies wird im Herbst nachgeholt. Die Leitung führt von Dormagen weiter in den Kölner Norden, von Köln-Merkenich führt ein Abzweig in den Chempark Leverkusen. Dieser Abschnitt unterhalb des Rheins wurde zuletzt nicht mehr genutzt und wird bis zur ausstehenden Prüfung außer Betrieb bleiben.


Anschriften aus dem Artikel: Albert-Einstein-Str 58, Alte Landstr 129

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