Stadtplan Leverkusen
30.05.1999 (Quelle: Landesregierung)
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Grußwort von Ministerpräsident Wolfgang Clement anläßlich der Abschlußveranstaltung des Bundeswettbewerbs "Jugend forscht" am 30. Mai 1999 in Leverkusen


Auf die Trompetenstöße des Elefanten - die Siegesfanfaren für die gefundenen Bundessieger - müssen wir noch eine kleine Weile warten:

Die Würfel sind zwar gefallen und die Preisträger ermittelt; die Spannung bleibt uns allen aber - wie bei der "Oskar"-Verleihung - noch ein paar Minuten erhalten.
Ich begrüße Sie an diesem Sonntag herzlich in Leverkusen, bei uns in Nordrhein-Westfalen.


Henri Nannen hat seine Erfindung, den Wettbewerb "Jugend forscht", einmal folgendermaßen beschrieben - ich zitiere ihn:
"Mir kam die Idee, meinen eigenen Nachholbedarf zu kompensieren und das Ergebnis zu multiplizieren. Ich war humanistisch erzogen worden, Mittelhochdeutsch kam vor Mathematik, Griechisch vor Englisch und der Physiklehrer noch nach dem Turnlehrer ..."
Die Kompensation und vor allem die Multiplikation scheint ihm mehr als gelungen zu sein.
Der Aufruf zur ersten Wettbewerbsrunde von 1965 (Motto: "Wir suchen die Forscher von morgen!") ist seither jedes Jahr auf wachsende Resonanz gestoßen.
Henri Nannen hat damals einen Kapitalstock angelegt, der bis heute kräftige Zinsen bringt.
Die Talentschmiede "Jugend forscht" spricht für sich, und auch ich war wirklich neugierig auf das, was Sie hier präsentieren und gleich prämieren werden.
Preis- und rekordverdächtig ist auch an diesem Tag wieder einiges:
Mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer denn je stellen sich mit über 100 Forschungsprojekten vor.
Die Bayer AG - Herr Dr. Bamelis hat es schon gesagt - hat dieses Jahr zum 34. Mal den Landes- und zum 3. Mal den Bundeswettbewerb ausgerichtet.
Für diese traditionsreiche Partnerschaft sage ich auch für die Landesregierung Dank.
Dank gilt natürlich ebenso der Stiftung "Jugend forscht" und den Patenfirmen, die den Wettbewerb auch dieses Jahr wieder möglich gemacht haben.
Die Bayer AG zählt zu den Top-Adressen der chemischen Industrie - national und international.
Gerade hat Bayer selbst ein sehr beachtenswertes Jubiläum gefeiert, den 100. Geburtstag des Aspirin (genauer: 100. Jahrestag der deutschen Patentierung).
Der junge Chemiker Felix Hoffmann hatte Ende letzten Jahrhunderts mit seinem Erfindergeist dem Unternehmen zu einem einzigartigen Erfolg und zu Weltruhm verholfen.

Vielleicht treten die heute hier versammelten Final-Teilnehmer und Sieger im Bundeswettbewerb ja in solche Fußstapfen:
als Chemiker, Biologen, Geologen, Techniker, Mathematiker, Informatiker, Physiker ...
Einen exzellenten Start haben alle hier versammelten Schülerinnen und Schüler bereits hingelegt.
Die Resultate sind - allein mit Blick auf die Wettbewerbsthemen - beeindruckend.
Zum Beispiel hat sich ein Team aus NRW (siehe Wettbewerbsbroschüre) mit der chemischen Zusammensetzung des Weins beschäftigt und herausgefunden, warum im Wein mehr als Wahrheit steckt:
Jetzt wissen wir - chemisch ganz korrekt -, warum die Chemie im Wein stimmt und warum welcher Wein "am glücklichsten macht": nämlich eine rote Spätlese von nitratreichem Boden!
(siehe Wettbewerbsbroschüre, Projekt Nr. 29:
Im dreiköpfigen Forscherteam, das von der Bayer AG als Partner technisch unterstützt worden ist, befindet sich auch eine Teilnehmerin aus Leverkusen)
Ich habe großen Respekt vor den gezeigten Leistungen.
Das Interesse der Öffentlichkeit ist Ihnen gewiß - einige professionelle Anwender(Betriebe und institutionalisierte Forschung) werden ebenfalls aufhorchen und aufmerksam auf die Ergebnisse werden, die Sie in monatelanger konzeptioneller und experimenteller Arbeit zusammengetragen haben.
In jeder Erfindung, in jedem Forschungsprojekt steckt heute mehr als je zuvor harte, zielstrebige Arbeit - auf dem Papier, im PC, im Kopf.
Die Arbeit ist fortwährend abstrakter, deshalb aber nicht weniger aufregend und wirkungsvoll geworden.
Am auffälligsten zeigt das vielleicht der Siegeszug der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien.
Sie sind mittlerweile ein grundlegendes und völlig unverzichtbares Instrument für die naturwissenschaftlich-technische Forschung geworden.

Ohne schnelle Information, ohne schnellen (und internationalen) Austausch ist man heute im globalen Wettbewerb chancenlos.
Deshalb sind Initiativen wie "Schulen ans Netz", ist die Einrichtung von Bildungs- und Forschungsnetzen (und Bildungsservern) so wichtig - gewiß hat das auch Ihre Arbeit erleichtert.

Ich vermute aber, daß Sie bei Ihrer Forschungsarbeit auch sehr individuelle Wege gegangen sind und dabei sicher nicht ohne Fleiß und Ausdauer, vor allem aber die Fähigkeit, auch Rückschläge und Enttäuschungen einzustecken, ausgekommen sind.
Sie haben ja bereits einen weiten Weg hinter sich gebracht: Erst die Hürden zu den jeweiligen Landeswettbewerben, dann der Bundeswettbewerb.
Dazu gehört eine gehörige Portion Durchhaltevermögen und Motivation.
Neugier, Freude und Spaß am Forschen, Entdecken, Erfinden bleiben aber wohl die entscheidenden Triebfedern.
Ganz bestimmt hat ja nicht allein die Aussicht auf zusätzliche Punkte beim Abitur - die gibt es nämlich bei uns in Nordrhein-Westfalen für die Teilnahme an einem solchen Wettbewerb - Ihre naturwissenschaftliche Neugier und Kreativität geweckt!
Es ist ein ermutigendes Zeichen, dass so viele junge Menschen Naturwissenschaft und Technik heute immer noch als positive Herausforderung für sich begreifen.
Nichts hat eine moderne Volkswirtschaft, hat ein so herausragender Wirtschafts- und Dienstleistungsstandort wie die Bundesrepublik (NRW) für ihre Zukunftsfähigkeit nötiger als diesen Geist der Innovation, des Weiterdenkens und Veränderns, der bei Ihnen deutlich wird.
Jedenfalls kann ich mir vorstellen, dass sich die Hochschulen und Betriebe - auch bei uns in NRW - auf die Motivation, Phantasie und das fachliche Wissen freuen, das Sie jetzt schon mitbringen und ganz sicher noch vertiefen werden.
Nehmen Sie Teilnahme und Sieg in diesem Wettbewerb auch heute als eine besondere Auszeichnung, als einen kleinen Nobel-Preis.
Er soll dazu beitragen, die Freude am Forschen bei Ihnen wachzuhalten und andere junge Menschen anstiften, es Ihnen gleichzutun.
Bei dem Göttinger Mathematiker, Naturwissenschaftler und Philosophen Georg Christoph Lichtenberg, der zur Zeit von Kant und Goethe gelebt hat, habe ich den schönen Satz gefunden:
"Ein physikalischer Versuch, der knallt, ist allemal mehr wert als ein stiller.
Man kann also den Himmel nicht genug bitten, daß wenn er einen etwas will erfinden lassen, es etwas sein möge, das knallt; es schallt in die Ewigkeit."

Wir brauchen die "stillen Stars" auf der naturwissenschaftlich-technischen Bühne - und der eine oder andere "Knalleffekt" braucht dabei ja nicht ausgeschlossen zu sein ...
Ich freue mich auf die Preisträger des diesjährigen Bundeswettbewerbs "Jugend forscht"!



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Letzte Änderung am 19.10.2016 22:29 von leverkusen.
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