Silke Spiegelburg krönt Goldmedaille mit Deutschem Hallenrekord


Archivmeldung aus dem Jahr 2009
Veröffentlicht: 23.02.2009 // Quelle: TSV Bayer 04




Sekundenlang schaute Silke Spiegelburg bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Leipzig fassungslos in die Höhe, wo sich die Latte bei 4,71 Metern kein Stück bewegte. Im zweiten Versuch sprang die Athletin vom TSV Bayer 04 Leverkusen nicht nur zur Goldmedaille und tat es damit ihrem Disziplinkollegen Danny Ecker nach, sondern holte sich auch den Deutschen Hallenrekord. Mit einer starken Schlussrunde lief Annett Horna über 800 Meter zur dritten Goldmedaille für den TSV. Zum Abschluss der Meisterschaften verteidigte die 4x200-Meter-Staffel der Frauen ihren Titel aus dem Vorjahr.

Zu den vier goldenen kam über 200 Meter eine silberne Plakette für Cathleen Tschirch, hinter der ihre Trainingspartnerin Mareike Peters auf Rang drei lief. Die Bronzemedaillen zwei und drei gewannen Stabhochspringer Malte Mohr und Hochspringerin Julia Hartmann. Im Vorjahresvergleich waren das zwei Vizemeistertitel weniger als 2008 in Sindelfingen.

„Das Abschneiden war besser als gedacht. Nicht nur, dass wir mit zwei Top-Ergebnissen im Stabhochsprung herausragend waren und unsere Trümpfe stachen, sondern auch dass wir viele junge Athleten vorne dabei hatten ist toll“, sagte Geschäftsführer Paul Heinz Wellmann. In Ecker, Mohr, Spiegelburg und Christine Schulz, die drei Wochen zuvor den Sieg bei den Deutschen Hallenmehrkampf-Meisterschaften holte, dürfen vier Bayer-Athleten mit einem Ticket für die Hallen-Europameisterschaft in Turin (Italien; 06.-08.03.) rechnen.

Im Vorfeld dachte Spiegelburg gar nicht über die alte Rekordmarke der Mainzerin Carolin Hingst nach, sondern konzentrierte sich nur auf den eigenen Wettkampf. „Ich wollte einfach mein Ding durchziehen. Den deutschen Rekord zu springen war das i-Tüpfelchen“, erzählte die Weltfinal-Siegerin. Erst schwang sie sich im ersten Versuch über ihre eigene deutsche Jahresbestleistung von 4,65 Metern, dann steigerte sie den zwei Jahre alten deutschen Hallenrekord um einen Zentimeter. „Es war ein unbeschreibliches Gefühl. Ich habe dabei eine ziemliche Gänsehaut bekommen.“ Auch im Freien sprang Spiegelburg noch nie höher, denn dort liegt ihre Bestleistung bei 4,70 Metern.

Für Danny Ecker war es die Erfahrung, die ihm die Goldmedaille einbrachte, denn der Leverkusener Stabhochspringer ließ die richtigen Höhen aus und sparte so die nötige Kraft. Ebenso wie Alexander Straub (LG Filstal) meisterte er die 5,80 Meter im dritten Durchgang, hatte aber insgesamt einen Fehlversuch weniger auf dem Konto als sein Konkurrent. „Ich bin erleichtert, dass ich mich durchsetzen konnte. Zumal ich in der kurzen Hallensaison schon zwei Verletzungen hatte“, bemerkte der Olympia-Sechste.

Zudem schraubten beide die deutsche Jahresbestleistung um vier Zentimeter nach oben, die vorher von Straub und Tobias Scherbarth gehalten wurde. Dieser zählte in seiner Heimatstadt zu den Favoriten, nutzte aber als Neunter mit 5,40 Metern seine Chance nicht. Dafür überraschte Mohr: „Nachdem ich in Karlsruhe mit 5,35 Metern total einbrach, hatte ich hier nichts zu verlieren“, erklärte der Deutsche Juniorenmeister zu seiner Normerfüllung. Dahinter rundete Lars Börgeling als Fünfter mit 5,60 Metern das gute Gesamtergebnis der Stabhochspringer ab.

Hauchdünner hätte die Entscheidung über 800 Meter nicht sein können. Nur zwei Tausendstelsekunden spurtete Annett Horna vor der Wattenscheiderin Janina Goldfuß in persönlicher Bestzeit von 2:04,78 Minuten über die Ziellinie. „Es lief schön locker. Ich habe alles richtig gemacht und das Rennen kontrolliert“, sagte die Studentin. 150 Meter vor dem Ziel setzte sich die 22-Jährige nach einem beherzten Antritt an die Spitze des Feldes und gab die Führung nicht mehr ab. Leipzig scheint für die Deutsche Juniorenmeisterin ein gutes Pflaster zu sein, denn ihre alte Hallen-Bestmarke von 2:05,11 Minuten stellte sie in diesem Winter ebenfalls in der Arena auf.

Wie aus dem nichts tauchte Cathleen Tschirch über 200 Meter auf. Mit nur einem Staffelstart in der Vorbereitung lief die Neu-Leverkusenerin in 23,58 Sekunden zur Silbermedaille. „Die Entscheidung für den Start fiel erst am Vorabend. Ich hatte keine Ahnung, was ich kann und habe alles gegeben“, erzählte die Olympia-Fünfte mit der 4x100-Meter-Staffel. Nachdem die Saison für die Vorjahreszweite Mareike Peters nicht wie erhofft verlief, ist sie ohne konkrete Zielvorgabe ins Finale gestartet. Nach dem Wettkampf zeigte sich die 23-Jährige mit den 23,67 Sekunden „mehr als zufrieden.“

Über 60 Meter verpasste Peters das Podest dagegen nur knapp. „Natürlich ist der vierte Platz ärgerlich und ich wäre gerne noch die 7,39 Sekunden gelaufen, aber letztendlich ist es vollkommen okay“, berichtete die Sportsoldatin. In allen drei Runden lief sie Bestzeiten und verbesserte sich im Finale bis auf 7,40 Sekunden. „Nach der bisherigen Saison hatte ich mit diesen Zeiten gar nicht gerechnet.“

Gold gab es dafür mit dem 4x100-Meter-Quartett. In 1:35,23 Minute hielten Tschirch, Anne-Kathrin Elbe, Julia Förster und Peters die gegnerischen Staffeln auf Distanz. „Die Mannheimer haben uns ordentlich Druck gemacht. Aber mit einer Vizemeisterin und einer Drittplatzierten über 200 Meter musste das einfach klappen“, sagte Tschirch. Lobende Worte fand die Startläuferin für Förster: „Julia ist toll an Anne Möllinger dran geblieben.“ Die Siegerin über 200 Meter überholte Förster auf der Gegengeraden, die junge Leverkusenerin konnte den Abstand aber minimal halten. So war sie von ihrer eigenen Leistung überrascht: „Ich habe gar nichts gespürt, ich bin einfach nur gelaufen.“ Ausgangs der Zielkurve wendete Peters das Blatt wieder und machte die Titelverteidigung perfekt.

Im Hochsprung der Frauen war mit Ariane Friedrich die Goldmedaille schon vor dem Wettbewerb gesetzt. Die Frankfurterin wurde ihrer Favoritenrolle gerecht und gewann mit 2,00 Metern. Hinter Meike Kröger (LG Nord Berlin; 1,92 m) holte Julia Hartmann wie schon im Vorjahr Bronze. „Es war ein guter Wettkampf und mit dem dritten Platz bin ich nicht so enttäuscht.“ Mit 1,87 Meter verpasste die Bayer-04 Athletin jedoch die letzte Chance, sich noch für die Hallen-EM zu qualifizieren.

Wie ihre Sprintkollegin Mareike Peters, ist Anne-Kathrin Elbe über 60 Meter Hürden am Podest vorbei geschrammt. Im Finale steigerte Elbe ihre Saisonbestleistung auf 8,24 Sekunden und zeigte sich trotz der verpasste Medaille nicht niedergeschlagen: „Der vierte Platz ist natürlich schade, aber ich bin trotzdem zufrieden.“

Für einen überraschenden fünften Platz sorgte Langsprinterin Natalie Mehring. In 55,50 Sekunden lief sie nur bei ihrem im Vorlauf aufgestellten Hausrekord (55,16 sec) schneller. Auf dem gleichen Platz landete Angela Dies im Weitsprung der Frauen. Die Vierte aus dem vergangenen Jahr steigerte ihre persönliche Bestleistung um elf Zentimeter auf 6,43 Meter. „Ich hätte nie gedacht, eine Weite über 6,40 Metern zu springen“, sagte die Leverkusenerin.


Die Leverkusener Top-Acht-Platzierungen im Überblick:

Männer:
60 Meter: 8. Aleixo-Platini Menga, 6,94 sec (VL/ZL: 6,85 sec);
1500 Meter: 8. Christian Königstein 3:51,98; Hochsprung: 4. Sebastian Kneifel 2,14 m;
Stabhochsprung: 1. Danny Ecker , 3. Malte Mohr 5.75 m, 5. Lars Börgeling 5,60 m, 8. Hendrik Gruber 5,50 m.;
4x200 Meter: 7. TSV Bayer 04 (Alyn Camara, Daniel Brischke, Peter Schnabel, Florian Sürth) 1:27,89 min

Frauen:
60 Meter: 4. Mareike Peters 7,40 sec;
200 Meter: 2. Cathleen Tschirch 23,58 sec, 3. Mareike Peters 23,67 sec;
400 Meter: 5. Natalie Mehring 55,50 sec (VL: 55,16 sec);
800 Meter: 1. Annett Horna 2:04,78 min, Kerstin Marxen 2:08,56 min;
1500 Meter: 5. Saskia Janssen 4:29,08 min, 7. Christina Kröckert 4:33,77 min;
60 Meter Hürden: 4. Anne-Kathrin Elbe 8,24 sec;
Weitsprung: 5. Angela Dies 6,43 m;
Dreisprung: 8. Katrin Krause 12,80 m;
Hochsprung: 3. Julia Hartmann 1,87 m;
Stabhochsprung: 1. Silke Spiegelburg 4,71 m;
4x200 Meter: 1. TSV Bayer 04 (Cathleen Tschirch, Anne-Kathrin Elbe, Julia Förster, Mareike Peters) 1:35,23 min, 6. TSV Bayer 04 (Jennifer Oeser, Lisette Thöne, Natalie Mehring, Caroline Dieckhöner) 1:38,27 min

Die kompletten Ergebnislisten gibt es unter www.leichtathletik.de.


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