Stadtplan Leverkusen
24.11.2007 (Quelle: Bayer 04)
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Paul Freier: "Erfolg hat nur das Kollektiv"


Es schien schon fast so, als wollte seine Leidenszeit gar kein Ende mehr nehmen. Eine äußerst langwierige Achillessehnenverletzung legte Paul Freier seit Beginn der Vorbereitung lahm. Jetzt ist der Flügelspieler endlich wieder schmerzfrei und kann seiner Mannschaft helfen. Der Dribbler im rechten Außendienst traut Bayer 04 in dieser Saison noch einiges zu – sowohl in der Meisterschaft als auch im UEFA-Cup.

Paul, schön dass Du wieder ganz fit bist nach so langer Zeit...
FREIER: Danke, ich bin auch glücklich, endlich wieder dabei zu sein.

Wie war das Gefühl, als Du in Wolfsburg erstmals in dieser Saison in der Bundesliga von Beginn an auflaufen durftest?
FREIER: Das war ein ganz neues und natürlich schönes Gefühl. Mein letztes Spiel von Beginn an liegt ja Ewigkeiten zurück, ich glaube das war die Partie gegen Bielefeld am 32. Spieltag der vergangenen Saison. Na ja, jetzt in Wolfsburg hat es ganz gut geklappt, dafür dass es mein erstes Spiel in der Startformation war. Wir haben gewonnen und ich konnte meinen Teil dazu beitragen. Das hat gut getan.

Du warst seit Juli verletzt. Wie hast Du denn diese lange Leidenszeit so erlebt?
FREIER: Für mich war das meine erste ganz schwierige Situation mit dieser langwierigen Achillessehnengeschichte. Es nervt halt, wenn du nicht weißt, wann du wieder trainieren geschweige denn spielen kannst. Mir fehlte ja schon die komplette Vorbereitung, ich musste mir quasi alles wieder ganz hart erarbeiten. Zunächst einmal vor allem im Kraftraum. Und da ich mit den Füßen wenig arbeiten konnte, habe ich viel für die Brust- und Armmuskulatur gemacht, damit auch meine Pumpe was zu tun hatte. Mir haben aber auch alle hier im Team sehr geholfen. Ich war für jeden Rat dankbar. Trotzdem: Da sitzt du bei jedem Heimspiel auf der Tribüne und schaust dir die Spiele live an. Und du kannst nicht helfen. Das ist schon frustrierend, wenn du dich immer nur in Geduld üben musst.

Man hat Dir die lange Verletzungspause bei den Einsätzen gegen Dortmund, wo Du beide Treffer vorbereitet hast, und zuletzt in Wolfsburg gar nicht angemerkt...
FREIER: Für mich war immer klar, dass ich erst wieder spielen würde, wenn ich wirklich fit bin. Einfach nur ein bisschen mitlaufen, das ist nicht mein Ding. Wenn ich reinkomme, dann wiill ich auch eine Verstärkung sein. Hundertprozentige Fitness kannst du natürlich erst mit der Spielpraxis wieder erlangen. Aber ich war mir sicher, dass die Verletzung auskuriert war. Trotzdem gab‘s ja einen kleinen Rückschlag nach meinem Kurzeinsatz auf Schalke, als dann doch wieder Schmerzen aufgetaucht waren. Aber jetzt ist, denke ich, alles überwunden.

Hast Du in dieser Situation nach dem Schalke-Spiel mal an Roque Junior gedacht, bei dem sich die Achillessehnenverletzung ja zu einer Never-ending-story ausgewachsen hat?
FREIER: Nein, ich von mir aus überhaupt nicht. Aber natürlich haben mich viele Journalisten darauf angesprochen. Das liegt ja auch irgendwie nahe. Aber mich hat das nicht nervös gemacht. Du bist irgendwann einfach an einem Punkt, wo du nur noch auf deinen Körper hörst. Und wenn‘s nur ein kleines Zwicken in der Achillessehne war, habe ich im Training sofort einen Gang zurück geschaltet. Und natürlich war die Zusammenarbeit mit unserer medizinischen Abteilung sehr gut und erfolgreich.

Kommt nicht Neid auf, wenn Du an Simon Rolfes denkst, der seit sage und schreibe 78 Bundesliga-Spielen in Folge in der Anfangsformation steht?
FREIER: Das ist wirklich enorm. Normalerweise schafft so was ja nur ein Torhüter. Aber für einen Feldspieler ist das schon überragend. Denn es ist ja nicht nur so, dass du dich verletzen kannst, sondern auch mal die fünfte Gelbe Karte kriegst oder einfach mal eine schwächere Phase hast, in der du mal pausieren musst. Aber bei Simon war weder das eine noch das andere der Fall. Aber ich beneide ihn nicht, sondern ich freue mich für ihn. Ich glaube, der Simon könnte jeden Tag ein Spiel bestreiten, der ist einfach so fit. Er ist auch völlig zu Recht Nationalspieler geworden. Ich drücke ihm jedenfalls die Daumen, dass er auch weiterhin von Verletzungen verschont bleibt. Aber das ist natürlich auch ein bisschen Glückssache.

Simon Rolfes zählt sicher zu den Stammspielern. Wobei der Begriff heute wohl anders definiert werden muss, als früher...
FREIER: Ja, die Zeiten haben sich diesbezüglich längst geändert. Was heißt schon Stamm-elf? Wir sind ein Team, das aus 20 Spielern besteht und das also in der Breite sehr gut aufgestellt ist. Jeder muss immer alles geben, egal ob er in der Anfangsformation steht oder für zehn Minuten reinkommt. In diesen zehn Minuten kann sich ein Spiel ja entscheiden. Ich glaube auch, dass dieses Bewusstsein von der Wichtigkeit jedes einzelnen Spielers bei allen vorhanden ist.

Aber....
FREIER: ...aber trotzdem will doch jeder möglichst oft in der Anfangself stehen, ist doch klar.

Wenn früher, sagen wir vor zehn Jahren, sogenannte Stammspieler mal für kürzere Zeit auf die Bank mussten, gab‘s aber öfter Stunk, als das heute der Fall ist. Die haben dann schlechte Stimmung verbreitet und die Atmosphäre vergiftet...
FREIER: Stimmt schon, ja. Heute weiß jeder, dass man nur im Kollektiv Erfolg haben kann. Es gibt diese Starallüren nicht mehr in dem Maße wie früher. Weil die meisten kapiert haben, dass alle an einem Strang ziehen müssen. Wenn man sich unsere Offenive anschaut, dann ist die eben einfach stark besetzt. Irgendeiner muss da immer in den sauren Apfel beißen. Dass das keiner gerne tut, versteht sich ja von selbst. Aber die Atmosphäre im Team darf darunter nicht leiden. Und das klappt bei uns wirklich hervorragend.

Immer wenn die englischen Wochen mit den internationalen Spielen anstehen, wird über das Thema Rotation diskutiert. Wie stehst Du dazu?
FREIER: Ich halte es schon für richtig, dass man öfter rotiert. Wenn du heute im UEFA-Cup spielst und zwei oder drei Tage später in der Bundesliga, dann ist es ja auch schon oft so, dass drei oder vier Positionen anders besetzt werden. Warum sollte der Trainer einen müden Spieler bringen, wenn ein anderer auf seinen Einsatz brennt. Jeder im Team wird gebraucht.

Derzeit seid Ihr in der Bundesliga voll im Soll – und das obwohl in Dir, Carsten Ramelow und Bernd Schneider drei ganz wichtige Kräfte lange Zeit ausgefallen sind. Was wäre wohl drin gewesen, wenn Ihr immer in Bestbesetzung hättet antreten können?
FREIER: Wenn und aber zählt nicht. Die Mannschaft hat die Ausfälle ganz hervorragend weggesteckt. Sie hat Auswärtsspiele in Hannover und Nürnberg gewonnen. Das waren klasse Leistungen und das bestätigt ja auch das, was wir gerade gesagt haben – dass eben auf alle Verlass ist. Weil wir aber eine sehr junge Mannschaft haben, gab es und wird es wohl auch noch weiter ein paar kleinere Leistungslöcher geben. Die meisten sind ja auch noch mit ihren Nationalmannschaften unterwegs. Also die Belastung ist schon hoch.

Apropos Nationalmannschaft: Hast Du für Dich die EM 2008 noch im Hinterkopf?
FREIER: Natürlich spielt das noch eine Rolle. Das ist doch für jeden Fußaller ein Traum, bei einem solchen Ereignis dabei sein zu können. Ich muss erst mal wieder hier meine Leistungen bringen und dann sehen wir mal, wie Herr Löw am Ende der Saison entscheidet.

Bayer 04 ist ja im deutschen Team mit einer starken Fraktion vertreten. Wenn Bernd Schneider wieder zurück kommt, und Stefan Kießling wieder eingeladen wird, dann wären es mit Dir schon sechs Leverkusener....
FREIER: Wäre doch schön. Aber im Ernst: Im Vordergrund steht für mich unsere Mannschaft hier bei Bayer 04. Und da haben sich unsere Jungs unabhängig von der Nationalität prima entwickelt. Wie gesagt, da wird immer mal der ein oder andere Durchhänger kommen, aber wichtig ist die Gesamtentwicklung unserer jungen Talente und die ist sehr gut. Wenn das so weiter geht, dann haben wir bald auch wieder das Zeug, um den Titel mitzuspielen.

Du selber kommst noch aus der Generation der Straßenfußballer. Die findet man unter den Jungen heute kaum noch...
FREIER: Stimmt, wir haben damals in einer Siedlung in Polen gelebt, in der es keinen Sportplatz gab. Also nahmen wir uns vier Steine, haben daraus die Tore gemacht, und dann ging‘s los. Und da musstest du dich eben auch immer gegen die größeren und noch stärkeren Kinder durchsetzen. Das ist eine gute Schule, das prägt. Den Konkurrenzkampf, den hatte ich schon damals.

Du hast in unserem Saisonheft auf die Frage, wer der Spieler der Saison werden würde, auf Theofanis Gekas gesetzt. Momentan sieht es allerdings nicht danach aus...
FREIER: Ach, man sollte seine Leistung nicht unterbewerten. Er hat immerhin sechs Tore geschossen und ist absolut anerkannt in der Mannschaft. Klar, er sollte sich jetzt bemühen, Deutsch zu lernen, damit die Kommunikation mit ihm auch außerhalb des Platzes einfacher wird. Man sollte ihm noch ein bisschen Zeit geben. Seine Qualitäten sind ja unbestritten.

Derzeit wird viel diskutiert über die internationale Konkurrenzfähigkeit deutscher Teams. Wie schätzt Du die Lage ein?
FREIER: Man muss schon sagen, dass wir in der Champions League bisher nicht so gut abgeschnitten haben. Aber ich sehe das nicht so dramatisch. Das kann in der nächsten Saison schon wieder ganz anders aussehen.

Also ist es nicht, wie manche behaupten, eine Frage des Geldes?
FREIER: Man muss sich doch nur die Bayern anschauen, die so viel investiert haben in dieser Saison. Da hieß es, die anderen bräuchten ein Fernglas, um die Bayern noch an der Tabellenspitze sehen zu können. Jetzt sind Bremen und Hamburg bis auf einen Punkt herangekommen. Die brauchen ja wohl kein Fernglas mehr. ich glaube nicht, das Geld alleine Tore schießt.

Wenn Du Dir Eure UEFA-Cup-Gruppe anschaust, dann ist das momentan ein sehr ausgeglichenes Bild. Aber auch gefährlich...
FREIER: Natürlich müssen wir zu Hause gegen Prag unbedingt gewinnen. Denn in Zürich wird es ganz schwer. Aber es ist auch nicht gesagt, dass sechs Punkte zum Weiterkommen reichen werden. Deshalb sind drei Punkte gegen Prag umso wichtiger. Dann stehen wir beim letzten Spiel in Zürich nicht ganz so unter Druck.

In der Bundesliga geht’s jetzt gegen Duisburg, den Vorletzten. Was hältst Du von der Truppe?
FREIER: Wir werden sie nicht unterschätzen. Sie haben zuletzt gegen Bochum gar nicht so schlecht gespielt, obwohl sie verloren haben. Aber klar, wir sind Fünfter, unser Anspruch ist es, dass wir Duisburg schlagen, ohne wenn und aber. Ich freue mich auch auf das Wiedersehen mit Roque Junior. Wir haben uns immer gut verstanden.


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Letzte Änderung am 29.12.2009 17:37 von leverkusen.
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