"Zu Hause muss mehr kommen"

Das Comeback von Bernd Schneider nach dreiwöchiger Verletzungspause kam zur rechten Zeit. Bayers Routinier überzeugte in Nürnberg nicht nur wegen seines Tores.

Archivmeldung aus dem Jahr 2005
Veröffentlicht: 16.12.2005 // Quelle: Bayer 04

Bernd, nach zwei Heimniederlagen in Folge habt Ihr in Nürnberg zumindest mal wieder einen Punkt geholt. Muss man damit zufrieden sein?
SCHNEIDER: Insgesamt war das schon ein gerechtes Unentschieden. Zum Schluss mussten wir noch froh sein, den einen Punkt gehalten zu haben, weil die Nürnberger große Chancen nicht genutzt haben. Wir hatten in der ersten Halbzeit eine ganz gute Phase, wo auch wir Möglichkeiten hatten. Aber in der zweiten Hälfte lief es spielerisch nicht mehr besonders. Wir sind gar nicht mehr richtig in den Nürnberger Strafraum gekommen und hatten praktisch keine Torgelegenheit mehr.

Wie kommt's, dass Ihr in den letzten Spielen gerade in der zweiten Halbzeit keinen Druck mehr machen könnt?
SCHNEIDER: Ach, es gibt auch Beispiele dafür, wo es anders gelaufen ist. In Kaiserslautern, in Mönchengladbach und zu Hause gegen Dortmund zum Beispiel haben wir konstant gut gespielt über 90 Minuten und auch gegen Ende noch genügend Reserven gehabt. Wenn aber einmal der Wurm drin ist, dann verkrampft der eine oder andere schon mal. Natürlich ist es aber unverständlich, dass man gegen Berlin auf einmal so einbricht. Da hat die Mannschaft ja wirklich gut gespielt über 60 Minuten und nach dem Gegentor zum 1:1 ist plötzlich bei allen das Selbstvertrauen weg.

Deine Rückkehr ins Team nach dreiwöchiger Verletzungspause ist sehnsüchtig erwartet worden. Und Du hast die hohe Erwartungshaltung nicht nur wegen Deines Traumtores mehr als erfüllt.
SCHNEIDER: Na ja, ich würde es jetzt nicht unbedingt als Traumtor bezeichnen. Ich habe den Ball einfach gut getroffen. Aber wichtig ist ja auch nicht, wer die Tore schießt. Wichtig ist allein der Erfolg der Mannschaft. Dazu möchte ich beitragen. Das ist mir in Nürnberg ganz gut gelungen, auch wenn ich nach der Verletzungspause noch nicht wieder bei hundert Prozent angelangt bin.

Noch ein Spiel, dann beginnt die Winterpause. Wenn Du jetzt schon mal zurückblickst auf die Hinrunde, wie fällt Deine Bilanz aus?
SCHNEIDER: Natürlich können wir mit dem bisherigen Abschneiden nicht zufrieden sein, das ist ja ganz klar. Jeder hat sich mehr erwartet, der Verein, wir als Mannschaft und natürlich auch die Fans. Wir haben es im UEFA-Cup nicht geschafft, in die Gruppenphase zu kommen. Wir sind im DFB-Pokal ausgeschieden und in der Meisterschaft läuft's auch nicht gerade rund. Wir können das Rad nicht mehr zurückdrehen. Aber wir müssen unsere Situation realistisch betrachten und den Blick auch nach unten richten. Denn wir hatten ja eine ähnliche Situation schon einmal in der Saison 2002/03. Da müssen wir schon aufpassen. Deshalb stehen wir jetzt vor einem ganz wichtigen Spiel gegen Hannover. Da müssen wir drei Punkte holen und endlich unsere Heimbilanz verbessern. Wir haben zu Hause von acht Spielen erst zwei gewonnen. Das ist natürlich eine miserable Bilanz. Wir sind es auch unseren Fans schuldig, jetzt vor Weihnachten im letzten Heimspiel endlich noch mal einen Sieg einzufahren.

Und dann kommt's auf eine gute Vorbereitung für die Rückrunde an. Woran müsst Ihr besonders arbeiten?
SCHNEIDER: Eine gute Vorbereitung ist immer wichtig, nicht nur in unserer derzeitigen Situation. Aber richtig ist, dass wir eine Menge Arbeit vor uns haben. Vor allem in der Defensive müssen wir sehr viel stabiler werden. Wir haben einfach zu viele Gegentore kassiert. Aber da sind nicht nur die Verteidiger gefordert, sondern jeder einzelne. Auch unser Passspiel muss entschieden besser werden. Wir erlauben uns viel zu viele leichte Fehler im Spielaufbau. Diese Ballverluste sind einfach ärgerlich, weil du dann ständig dem Gegner hinterher rennen musst.

Wenn das alles behoben werden kann, was glaubst Du, ist dann noch drin für Euch in dieser Saison?
SCHNEIDER: Wir müssen - auch wenn das abgedroschen klingen mag - tatsächlich von Spiel zu Spiel denken. Es hilft doch jetzt nichts, wenn man sich irgendwelche Platzierungen als Ziel setzt. Wir müssen unsere Fehler abstellen und dann erfolgreicher spielen. Es bringt auch nichts, festzustellen, dass viel Potenzial in unserer Mannschaft steckt. Das ist sicherlich richtig. Aber wir müssen das auf dem Platz beweisen. Dann werden wir schon sehen...

Die Personalplanung des Vereins sieht vor, dass man in Zukunft stärker auf junge Nachwuchskräfte setzen wird, als das bisher der Fall war. Sieht man sich da als einer der älteren, erfahrenen Spieler vor einer neuen Herausforderung?
SCHNEIDER: Als erfahrener Spieler steht man immer in der Verantwortung. Ich glaube, dass in unserem derzeitigen Team viel Entwicklungspotenzial steckt. Wir haben ja schließlich alle mal jung angefangen. Und wenn ich mir Jungs wie Gonzalo Castro, Tranquillo Barnetta und Simon Rolfes anschaue, dann haben die in der Hinrunde schon viele sehr gute Leistungen gezeigt.

Lass uns mal kurz das Thema wechseln und über die Auslosung der WM-Gruppen sprechen. Freust Du Dich schon auf Costa Rica, Ekuador und Polen?
SCHNEIDER: Es hätte uns sicher schlimmer erwischen können. Trotzdem haben wir vor jedem dieser Gegner Respekt. Immerhin hat Ekuador in der Südamerika-Gruppe den dritten Platz belegt und zu Hause gegen Argentinien und Brasilien gewonnen. Auch wenn man das wegen den besonderen klimatischen Bedingungen in dieser Höhe vielleicht etwas relativieren muss. Also das wird schon mal kein einfaches Spiel. Und Costa Rica hat die USA geschlagen. Das ist sicher auch kein schlechtes Team. Zu Polen muss man ja nicht mehr viel sagen. Jacek Krzynowek freut sich auch schon auf unser Spiel. Ich habe ihm gesagt, lass uns auf ein 2:1 für Deutschland einigen. Er war nicht ganz einverstanden damit. Trotzdem bin ich sicher, dass wir in dieser Gruppe weiterkommen.

Zurück zur Bundesliga: Nun kommt also Hannover zum letzten Spiel der Hinrunde in die BayArena. Was hältst Du von der Mannschaft?
SCHNEIDER: Hannover hat momentan einen ganz guten Lauf. Die haben aus den letzten vier Spielen unter dem neuen Trainer Peter Neururer zwei Siege und zwei Unentschieden geholt. Also muss man vor ihnen natürlich Respekt haben. Mehr aber auch nicht. Ganz klar: Wir müssen endlich wieder zu Hause gewinnen. Deshalb kann's nur einen Sieger geben: Bayer 04.


Anschriften aus dem Artikel: Alte Landstr 129, Albert-Einstein-Str 58

Kategorie: Sport
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