Werner Wenning auf der Bilanzpressekonferenz: Bayer erwartet 2005 deutliches Umsatz- und Ergebniswachstum im fortzuführenden Geschäft

Bereinigtes EBIT im fortzuführenden Geschäft soll um etwa 20 Prozent steigen / - Zahlen für Januar und Februar stimmen optimistisch / - Alle Teilkonzerne trugen zur erfolgreichen Entwicklung im Jahr 2004 bei / - Strategische Neuausrichtung des Konzerns

Archivmeldung aus dem Jahr 2005
Veröffentlicht: 15.03.2005 // Quelle: Bayer

Nach dem erfolgreichen Geschäftsjahr 2004 erwartet der Bayer-Konzern für 2005 ein deutliches Umsatz- und Ergebniswachstum im fortzuführenden Geschäft. "Für den Konzernumsatz peilen wir einen Wert von über 25 Milliarden Euro an", sagte Vorstandsvorsitzender Werner Wenning am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz in Leverkusen. Im fortzuführenden Geschäft würde das einem währungs- und portfoliobereinigten Wachstum von mehr als 5 Prozent entsprechen. Für das um Sondereinflüsse bereinigte EBIT im fortzuführenden Geschäft, das 2004 bei 2,032 Milliarden Euro lag, wird eine Verbesserung in der Größenordnung von 20 Prozent angestrebt. "Damit gehen wir einen weiteren Schritt in Richtung unserer mittelfristigen Margenziele", betonte Wenning. Der optimistische Ausblick für Umsatz und Ergebnis werde durch den erfreulichen Geschäftsverlauf in den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres gestützt.

Umbauprozess trägt Früchte
"Mit dem erfolgreichen Börsengang von Lanxess ist die dreijährige, umfassende Neuausrichtung des Konzerns grundsätzlich abgeschlossen", sagte Wenning. "Bayer hat jetzt ein neues Gesicht." Das Unternehmen gehe mit den drei Teilkonzernen Bayer HealthCare, Bayer CropScience und Bayer MaterialScience, unterstützt von den drei Servicegesellschaften, in die Zukunft. "Die Ziele, die wir uns im Rahmen des Konzernumbaus gesteckt hatten, haben wir erreicht - und zwar in allen drei Bereichen: Organisation, Portfolio und Kostenstrukturen."

Zum einen sei die Neuorganisation mit der Einführung einer flexiblen Holding-Organisation vollständig umgesetzt worden. Damit ist nicht nur die Transparenz nach außen, sondern auch das unternehmerische Denken und Handeln in den operativen Bereichen gestärkt worden. Zum anderen, so Wenning, habe man das Portfolio umfassend neu ausgerichtet. So hat sich Bayer von einem Großteil des klassischen Chemie- und etwa einem Drittel des Polymergeschäfts getrennt, um sich auf die drei innovations- und wachstumsstarken Kernbereiche Gesundheit, Ernährung und hochwertige Materialien zu konzentrieren.

Außerdem habe das Unternehmen seine Strukturen optimiert. So hat Bayer die Nettoverschuldung seit der Akquisition von Aventis CropScience um fast 10 Milliarden Euro gesenkt. In der Bilanz wurden Ende 2003 Wertberichtigungen von fast 2 Milliarden Euro vorgenommen und die Wettbewerbsfähigkeit mit erheblichen Restrukturierungen verbessert. Durch eine Vielzahl von Maßnahmen wurden seit 2002 rund 2,2 Milliarden Euro eingespart. Rund 1 Milliarde Euro davon erzielte der Konzern allein im vergangenen Jahr, das waren etwa 100 Millionen mehr als vorgesehen.

"Dieser umfassende Umbauprozess der vergangenen drei Jahre zeigt bereits deutliche Erfolge", sagte Wenning. Seit Anfang 2003 hat sich nicht nur die operative Performance kontinuierlich verbessert, auch die Börse hat die Umstrukturierung des Konzerns honoriert. Während der Dax seit Ankündigung der strategischen Neuausrichtung im November 2003 um 17 Prozent stieg, konnte der Kurs der Bayer-Aktie im gleichen Zeitraum um 34 Prozent zulegen. Das entspricht einer Erhöhung der Marktkapitalisierung um rund 5 Milliarden Euro.

"Bayer ist wieder auf Erfolgskurs - sowohl operativ als auch strategisch", sagte Wenning. Dabei setze das Unternehmen vor allem auf seine Innovationskraft. Allein 2004 hat Bayer 2,1 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung investiert, das waren mehr als 25 Prozent der gesamten F&E-Aufwendungen der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Deutschland. Auch 2005 hat Bayer - ohne Lanxess - rund 2 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung vorgesehen. "Wir sind überzeugt, dass wir mit der Neuausrichtung unseres Konzerns das Potenzial des Unternehmens optimal ausschöpfen können", betonte der Vorstandsvorsitzende und fügte hinzu: "Das wollen wir auch in diesem Jahr wieder unter Beweis stellen."

EBIT vor Sondereinflüssen 2004 um 53 Prozent verbessert
In den Kennzahlen zum vergangenen Jahr sind sowohl die am 28. Januar 2005 abgespaltene Lanxess AG als auch das zum Verkauf stehende Blutplasmageschäft noch enthalten. Der Umsatz wuchs - vor allem dank der hohen Nachfrage im Industriegeschäft - um 4 Prozent auf 29,8 Milliarden Euro. Währungs- und portfoliobereinigt stiegen die Erlöse um 9 Prozent. Das operative Ergebnis (EBIT) vor Sondereinflüssen erhöhte sich um 53 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Neben einer spürbaren Geschäftsbelebung wirkten sich auch die Anstrengungen zur Kostensenkung und Effizienzsteigerung positiv aus. Insgesamt konnte Bayer die Ergebnisbelastungen aus erheblich gestiegenen Rohstoffkosten, negativen Währungseinflüssen und dem US-Patentablauf des Antibiotikums Cipro mehr als ausgleichen. Nach Sondereinflüssen verbesserte sich das EBIT auf plus 1,8 (Vorjahr: minus 1,1) Milliarden Euro, das Konzernergebnis erhöhte sich auf plus 0,6 (Vorjahr: minus 1,4) Milliarden Euro.

"Mit diesen Resultaten sind wir durchaus zufrieden, denn unsere Umsatz- und Ergebnisziele 2004 haben wir deutlich übertroffen", sagte Wenning. Zudem habe Bayer erstmals seit 2000 wieder die Kapitalkosten samt Reproduktion verdient und zusätzlichen Wert für die Shareholder geschaffen. Um die Aktionäre an diesem Erfolg zu beteiligen, soll der Hauptversammlung vorgeschlagen werden, die Dividende für das Jahr 2004 auf 0,55 (Vorjahr: 0,50) Euro je Aktie anzuheben. Vorstand und Aufsichtsrat untermauern damit ihr Vertrauen in die künftige Ertragskraft des neu aufgestellten Bayer-Konzerns.

Deutliches Ergebniswachstum in allen Teilkonzernen
Zu der operativen Ergebnissteigerung im vergangenen Jahr haben alle Teilkonzerne beigetragen. Bei Bayer HealthCare ging der Umsatz wegen des Patentablaufs von Cipro in den USA und negativen Währungseinflüssen zwar um 4 Prozent auf 8,5 Milliarden Euro zurück. Währungs- und portfoliobereinigt lag der Umsatz jedoch um 1 Prozent über Vorjahr, das bereinigte EBIT stieg um 14 Prozent auf gut 1 Milliarde Euro. Positiv wirkten sich hier vor allem die gute Entwicklung der Biologischen Produkte und des Segments Consumer Care/Diagnostika sowie weitere Kostensenkungen in einer Größenordnung von etwa 360 Millionen Euro aus.

Zufrieden äußerte sich Wenning über die beiden am weitesten fortgeschrittenen Projekte in der Pharma-Forschung. Das Krebsmedikament - der RAF-Kinase- und VEGFR-Inhibitor BAY 43-9006 - befindet sich in Phase III der klinischen Prüfung für Nierenkrebs. Für diese Indikation ist die Markteinführung im kommenden Jahr geplant. Zudem wurde soeben mit einer Phase-III-Studie für Patienten mit fortgeschrittenem Leberkrebs begonnen. Auch für die Indikation Hautkrebs hofft Bayer, in Kürze den Eintritt in die klinische Phase III bekannt geben zu können.

Neben diesem innovativen Krebsprodukt baut Bayer auch auf den Faktor-Xa-Hemmer BAY 59-7939 zur Prävention und Therapie von Thrombosen. Diese Substanz könne - sofern weiterhin erfolgreich - einen Milliarden-Umsatz erreichen, bekräftigte Wenning. Die Ergebnisse von zwei internationalen Phase-II-Studien zur zweimal täglichen Verabreichung seien so überzeugend, dass sie den Beginn der Phase III ermöglichten. Zudem gebe es positive Hinweise aus Dosisfindungsstudien, dass das Produkt sogar einmal täglich eingenommen werden könnte. Deshalb würden zusätzliche Phase-II-Studien für eine solche Einmal-Anwendung durchgeführt. Ziel sei es, die Phase III mit der einmal täglichen Anwendung im 4. Quartal zu beginnen. Sowohl von der Handhabung als auch unter Wettbewerbsgesichtspunkten würde diese Anwendung deutliche Vorteile bieten, so Wenning. "Wir gehen deshalb davon aus, auf diese Weise den Wert des Präparats nachhaltig steigern zu können."

Bayer CropScience Nummer 1 in der Branche
Bayer CropScience steigerte die Erlöse im vergangenen Jahr um 3 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro. Währungs- und portfoliobereinigt entsprach das einem Wachstum von 8 Prozent. Damit hat der Teilkonzern erstmals die angestrebte weltweite Spitzenposition in der Branche übernommen. Im klassischen Pflanzenschutz, d. h. im Geschäftsbereich Crop Protection, kletterte der Umsatz währungsbereinigt um 7 Prozent auf 5,0 Milliarden Euro. Hierzu trugen alle Geschäftsfelder bei, besonders die Fungizide, die - vor allem wegen der Bekämpfung der Sojakrankheit "Asiatischer Rost" in Brasilien - währungsbereinigt um 13 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zulegten. Das bereinigte EBIT verbesserte Bayer CropScience um 23 Prozent auf 522 Millionen Euro. Neben dem guten Geschäftsverlauf war dieser Anstieg auch den Performance-Programmen zu verdanken, durch die Einsparungen von rund 320 Millionen Euro erzielt wurden. Ergebnis belastend wirkten sich dagegen die negativen Währungseinflüsse aus.

Besonders deutlich war die Belebung im Industriegeschäft. Bayer MaterialScience steigerte den Umsatz um 15 Prozent auf 8,6 Milliarden Euro, währungs- und portfoliobereinigt entsprach das einem Plus von 21 Prozent. Das um Sondereinflüsse bereinigte EBIT wurde mit 668 Millionen Euro nahezu verdoppelt. Diese erfreuliche Entwicklung resultierte vor allem aus einer deutlich gestiegenen Nachfrage bei Polycarbonaten und Polyurethanen. Hinzu kamen Einsparungen von nahezu 200 Millionen Euro aus den Performance-Programmen. Die um rund 440 Millionen Euro gestiegenen Rohstoffkosten konnten im Laufe des Jahres 2004 zunehmend besser durch Preiserhöhungen kompensiert werden.

Auch Lanxess profitierte im vergangenen Jahr von der guten Konjunktur. Der Umsatz lag mit 6,1 Milliarden Euro um 5 Prozent, währungsbereinigt sogar um 8 Prozent über Vorjahr. Das um Sondereinflüsse bereinigte EBIT verbesserte sich deutlich auf plus 173 (Vorjahr: minus 86) Millionen Euro. Neben der Konjunktur trugen auch Kosteneinsparungen und geringere Abschreibungen zu diesem Turn-around bei.

Das operative Ergebnis des Konzerns sei deutlich weniger von Sondereinflüssen geprägt gewesen als im Vorjahr, erläuterte Finanzvorstand Klaus Kühn. Dennoch ergab sich per Saldo für 2004 eine Belastung von 436 Millionen Euro, während 2003 vor allem Wertberichtigungen zu negativen Einflüssen von fast 2,6 Milliarden Euro geführt hatten. Die Sondereinflüsse im vergangenen Jahr waren zu einem großen Teil auf Portfolio-Änderungen zurückzuführen, für die insgesamt 171 Millionen Euro aufgewandt wurden. Weitere 159 Millionen Euro entfielen auf die Rechtsfälle Lipobay/Baycol, PPA und Kartellverfahren im Industriegeschäft. Die sonstigen Einflüsse betrugen 106 Millionen Euro und betrafen in erster Linie eine Umweltschutz-Rückstellung und die bereits zu Jahresbeginn geplanten Restrukturierungsmaßnahmen.

Der Brutto-Cashflow habe sich um 12 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro verbessert, so Kühn. Die Geschäftsausweitung und gestiegene Rohstoffkosten hätten allerdings auch eine Zunahme des Working Capital um 760 Millionen Euro bewirkt, weshalb der Netto-Cashflow um 26 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro zurückgegangen sei.

Nettoverschuldung auf 5,4 Milliarden Euro gesenkt
"Das strikte Kostenmanagement haben wir fortgesetzt. Obwohl wir bereits im Dezember 2004 rund 400 Millionen Euro für die Akquisition des Consumer-Health-Geschäfts von Roche gezahlt haben, ging die Nettoverschuldung zum 31. Dezember gegenüber dem Vorjahr nochmals um 530 Millionen auf rund 5,4 Milliarden Euro zurück", sagte Kühn weiter. Der restliche Kaufpreis für das Roche-Geschäft sei wie angekündigt Anfang Januar aus den flüssigen Mitteln beglichen worden. Dagegen stehen 2005 noch geplante Eingänge aus dem Verkauf des Plasmageschäfts sowie die Abgabe von Finanzschulden im Rahmen der Abspaltung von Lanxess. Insgesamt plant Bayer zum Jahresende 2005 eine etwas erhöhte Nettoverschuldung. "Auch mittelfristig konzentriert sich unsere Finanzstrategie auf die Reduzierung der Nettoverschuldung", sagte Kühn. Langfristig sei das Unternehmen unverändert auf das Beibehalten eines Ratings mit guter Kreditwürdigkeit im A-Bereich ausgerichtet.


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