Volkstrauertrag auf dem Friedhof Manfort


Archivmeldung aus dem Jahr 2010
Veröffentlicht: 14.11.2010 // Quelle: Stadtverwaltung

Anläßlich des Volkstrauertages hielt Bürgermeisterin Eva Lux am Kriegerdenkmal am Friedhof Manfort folgende Rede:

"Meine sehr geehrten Damen und Herren,

in Deutschland hat inzwischen die Mehrheit der Menschen nie einen Krieg erlebt. Dennoch begehen wir in jedem Jahr den Volkstrauertag. Warum machen wir das eigentlich?

Es gibt mehrere Gründe, offensichtliche und weniger offensichtliche. Jedem bewusst ist die Tatsache, dass Krieg auch heute noch allgegenwärtig ist. Das Heidelberger Institut für internationale Konfliktforschung zählt für 2009 weltweit 365 Konflikte, davon 31 hochgewaltsame, d.h. Auseinandersetzungen, die mit massivem Einsatz von organisierter Gewalt geführt werden und nachhaltige Zerstörungen verursachen. Sieben dieser hochgewaltsamen Konflikte wurden im vergangenen Jahr als Kriege eingestuft.

In Afrika zieht sich ein zusammenhängendes Krisengebiet von Nigeria an der Ostküste über den Sudan und die Demokratische Republik Kongo nach Somalia. Vom Nahen Osten erstreckt sich ein Konfliktgürtel bis nach Asien, der von Israel und dem Jemen über Irak und Afghanistan nach Pakistan und Indien bis nach Sri Lanka reicht. In Nord- und Südamerika steigt die Zahl der hochgewaltsamen Konflikte. Hingegen beruhigte sich die Lage in Europa mit dem Abzug der russischen Truppen aus Georgien, dennoch bleiben die russisch-georgischen Beziehungen angespannt. Zudem verschlechtert sich die Situation in den russischen Kaukasus-Republiken Tschetschenien wieder.

Das sind die Nachrichten, die wir täglich hören, die Bilder, die wir sehen. Sie bedrücken uns - gehen uns aber scheinbar nicht so viel an.

Andererseits gibt es inzwischen deutsche Städte, in denen werden schon wieder die Namen von in Afghanistan gefallenen Soldaten in die Kriegerdenkmäler gemeißelt. Gottseidank nicht in Leverkusen.

Der Volkstrauertag ist uns deshalb eine Mahnung: Wir spielen seit der deutschen Einheit wieder mehr und mehr im internationalen Weltgeschehen mit, da berühren uns zwangsläufig auch kriegerische Konflikte. Deshalb ist das Prinzip der absoluten militärischen Nichteinmischung in den neunziger Jahren aufgegeben worden.

Aber Krieg heißt immer, dass Familien ihre Toten beklagen.

Wer nur aufmerksam über diesen Friedhof geht, sich die vielen Kriegsgräber ansieht, die es hier gibt, bekommt eine Ahnung, denn die Inschriften erzählen eine Geschichte. Das beginnt an dieser Stelle.

Anders als bei vielen anderen Kriegerdenkmalen in Deutschland, sind die Namen der Gefallenen auf diesem Friedhof nicht in einen Gedenkstein eingeprägt. Die Denkmalgruppe aus Kreuzen umgibt allerdings ein Gräberfeld. Wenn Sie sich die persönlichen Daten dort genauer ansehen, werden Sie feststellen, dass es sich um Tote des ersten Weltkriegs handelt.

Wenn wir gleich weiter gehen zum Denkmal für die in Leverkusen gestorbenen Zwangsarbeiter, sehen Sie wiederum Platten mit den Inschriften vieler Namen. Namen von Menschen, die im zweiten Weltkrieg nach Deutschland verschleppt wurden, um hier unter manchmal extrem schwierigen Umständen zu arbeiten. Wenn man weiß, dass diese Menschen in der Regel jung waren, als sie entführt wurden, manche sogar noch Kinder - und dann noch realisiert, dass sie nur wenige Jahre in Deutschland verbracht haben können, wird erst deutlich, was für eine Tortur sie hier mitgemacht haben müssen.

Hinter der Kapelle und in der Nähe des alten Haupteingangs, sind überdies noch einige Gräberfelder mit Steinkreuzen zu finden. Dabei handelt sich um die Toten des zweiten Weltkrieges, häufig Frauen, schließlich hat der letzte Krieg die Zivilbevölkerung hart getroffen. An manchen stehen heute noch Kerzen und Grabschmuck. Das heißt, dass noch jemand diese Toten vermisst, obwohl sie seit mehr als sechzig Jahren tot sind.

Mindestens durch unsere Familiengeschichten sind wir verbunden mit den Toten des zweiten Weltkriegs und mit dem Dritten Reich, ob wir wollen oder nicht.

Zu ihrem Gedenken und zum Gedenken aller Kriegstoten legen wir hier auf dem Friedhof Manfort zwei Kränze nieder - einen am Denkmal für die Kriegstoten und einen an den Gedenksteinen für die hier gestorbenen Zwangsarbeiter aus dem Osten. Ich würde mich freuen, wenn Sie uns dabei in großer Zahl begleiten würden."


Anschriften aus dem Artikel: Alte Landstr 129, Albert-Einstein-Str 58

Kategorie: Politik
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