Bayer: Solide Geschäftsentwicklung trotz COVID-19-Einfluss


Archivmeldung aus dem Jahr 2020
Veröffentlicht: 04.08.2020 // Quelle: Bayer AG

Die Geschäfte des Bayer-Konzerns haben sich im 2. Quartal 2020 trotz der COVID-19-Pandemie und den damit einhergehenden Unsicherheiten solide entwickelt. „Dank der Zuwächse im Agrargeschäft haben wir das EBITDA vor Sondereinflüssen gesteigert – und das unter schwierigen Rahmenbedingungen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Werner Baumann am heutigen Dienstag bei der Vorlage des Halbjahresfinanzberichts. In den Divisionen Pharmaceuticals und Consumer Health hingegen verringerte sich der Umsatz. „Unser vorrangiges Ziel in der Corona-Pandemie ist weiterhin die Sicherheit und das Wohlergehen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der Gesellschaft, in der wir leben und arbeiten.“ Ebenso setze Bayer die notwendigen Maßnahmen um, um die kontinuierliche Fortführung der Betriebsabläufe in diesen herausfordernden Zeiten zu sichern und Krankenhäuser, Ärzte, Patienten, Verbraucher und Landwirte sicher mit Produkten und Dienstleistungen zu versorgen. Die Prognose für das laufende Geschäftsjahr hat Bayer wegen der Pandemie angepasst.

Das 2. Quartal 2020 war auch durch die Rechtsfälle in den USA geprägt. Am 24. Juni hatte Bayer bekannt gegeben, ohne Eingeständnis einer Schuld oder eines Fehlverhaltens, Vereinbarungen zum Produkthaftungsverfahren in Sachen Roundupâ„¢ (Wirkstoff: Glyphosat) getroffen zu haben. Für die Beilegung der aktuellen ca. 125.000 eingereichten und nicht eingereichten Glyphosat-Klagen sowie für die Führung und Beilegung möglicher künftiger Rechtsstreitigkeiten werden danach Gesamtkosten von bis zu 10,9 Milliarden US-Dollar erwartet. Am 6. Juli 2020 äußerte Richter Chhabria vom U.S. District Court for the Northern District of California Bedenken hinsichtlich bestimmter Bestandteile der vorgeschlagenen Sammelklägervereinbarung. Diese Vereinbarung, mit der mögliche künftige Rechtsstreitigkeiten zu Roundupâ„¢ geregelt werden sollen, bedarf der Zustimmung Chhabrias. Die Parteien beschlossen daraufhin, ihren Antrag zurückzuziehen, um sich umfassend mit den Fragen des Gerichts befassen zu können. Bayer setzt sich weiterhin nachdrücklich für eine Lösung ein, die gleichzeitig sowohl die gegenwärtigen Rechtsstreitigkeiten zu vernünftigen Bedingungen beilegt als auch Führung und Beilegung möglicher künftiger Rechtsstreitigkeiten in tragfähiger Weise regelt.

Am 20. Juli 2020 bestätigte das kalifornische Berufungsgericht das Urteil zu Dewayne Johnson, einem der drei Fälle, die weiterhin die Rechtsmittelverfahren durchlaufen, dem Grunde nach, reduzierte aber die Schadenersatzsumme von insgesamt 78,5 Millionen US-Dollar auf etwa 20,5 Millionen US-Dollar. Das Unternehmen wird seine rechtlichen Optionen prüfen, einschließlich einer Revision zum Supreme Court of California. Einigungen gab es darüber hinaus in den Verfahren zu Verwehungen von Dicamba sowie in einem wesentlichen Teil der Verfahren zu PCB (Polychlorierte Biphenyle) in Gewässern.

In jüngerer Zeit wurden zudem Gespräche über mögliche Vergleiche in Zusammenhang mit Essureâ„¢ intensiviert, einem Medizinprodukt zur permanenten Verhütung ohne operativen Eingriff. Diese haben in den vergangenen Wochen gute Fortschritte gemacht. Bayer hat daher im 2. Quartal angemessene Rückstellungen gebildet. Bei Pharmaceuticals fielen Sonderaufwendungen für Rechtsfälle von 1,245 Milliarden Euro an, vor allem für Essureâ„¢.

Bereinigtes Ergebnis je Aktie aus fortzuführendem Geschäft gestiegen
Der Konzernumsatz verminderte sich im 2. Quartal währungs- und portfoliobereinigt (wpb.) um 2,5 Prozent auf 10,054 Milliarden Euro. Das EBITDA vor Sondereinflüssen stieg um 5,6 Prozent auf 2,883 Milliarden Euro. Hierin enthalten waren negative Währungseffekte in Höhe von 12 Millionen Euro. Das EBIT des Bayer-Konzerns betrug minus 10,784 Milliarden Euro (Vorjahr: plus 785 Millionen Euro). Hierin sind per saldo Sonderaufwendungen in Höhe von 12,511 Milliarden (834 Millionen) Euro enthalten. Diese standen im Wesentlichen in Verbindung mit den Rückstellungen für die getroffenen Vereinbarungen in Bezug auf Glyphosat und Dicamba sowie PCB. Zudem resultierten Sonderaufwendungen aus Aufwendungen für Rechtsfälle bei Pharmaceuticals im Wesentlichen in Zusammenhang mit Essureâ„¢ und aus dem laufenden Restrukturierungsprogramm. Das Konzernergebnis lag bei minus 9,548 Milliarden (plus 404 Millionen) Euro. Das bereinigte Ergebnis je Aktie aus fortzuführendem Geschäft stieg um 5,3 Prozent auf 1,59 Euro.

Der Free Cashflow belief sich auf 1,402 Milliarden (751 Millionen) Euro. Die Nettofinanzverschuldung erhöhte sich zum 30. Juni im Vergleich zum 31. März 2020 um 1,7 Prozent auf 35,993 Milliarden Euro. Mittelzuflüsse aus der operativen Geschäftstätigkeit und positive Währungseffekte haben die Auszahlungen für die Dividendenausschüttung weitgehend kompensiert.

Crop Science wächst in drei von vier Regionen
Im Agrargeschäft (Crop Science) steigerte Bayer den Umsatz wpb. um 3,2 Prozent auf 4,802 Milliarden Euro. Hierzu trugen die Regionen Lateinamerika, Asien/Pazifik und Nordamerika bei. Die Division setzte im Bereich Maissaatgut und Pflanzeneigenschaften wpb. 2,7 Prozent mehr um, insbesondere durch erhebliche Mengenausweitungen in Brasilien. Der Zuwachs bei Herbiziden belief sich wpb. auf 3,3 Prozent – dank gesteigertem Absatz und vorgezogenen Käufen in Lateinamerika sowie einem merklich ausgeweiteten Geschäft in Nordamerika. Besonders deutlich legten Sojabohnensaatgut und Pflanzeneigenschaften zu (wpb. um 9,3 Prozent). Der Bereich erholte sich in Nordamerika durch einen Anstieg der Anbauflächen und Nachfrageverschiebungen aus dem 1. Quartal aufgrund von Unsicherheiten in Verbindung mit COVID-19. In Lateinamerika machte sich ein gesteigerter Marktanteil positiv bemerkbar. Der Umsatz mit Insektiziden stieg wpb. um 4,5 Prozent, weil das Geschäft in den Regionen Lateinamerika und Asien/Pazifik wuchs. Den prozentual deutlichsten Rückgang (wpb. 5,0 Prozent) hingegen gab es im Bereich Gemüsesaatgut. Betroffen war vor allem Nordamerika, wo sich Nachfrageverschiebungen in die Folgequartale und die COVID-19-Pandemie negativ auswirkten.

Das EBITDA vor Sondereinflüssen von Crop Science erhöhte sich um 28,4 Prozent auf 1,365 Milliarden Euro. Der Anstieg ist im Wesentlichen zurückzuführen auf eine beschleunigte Realisierung von Kostensynergien aus der voranschreitenden Integration der erworbenen Geschäfte sowie einen gesteigerten Absatz.

Pharmaceuticals durch COVID-19 und volumenbasierte Einkaufspolitik in China belastet
Der Umsatz mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln (Pharmaceuticals) fiel wpb. um 8,8 Prozent auf 3,992 Milliarden Euro. Die weltweiten Kontaktbeschränkungs- und Schutzmaßnahmen infolge der COVID-19-Pandemie führten zu einer reduzierten Anzahl bzw. Verschiebung nicht akut notwendiger Behandlungen in Arztpraxen und Kliniken, wodurch insbesondere Produkte in den Bereichen Frauengesundheit, Augenheilkunde und Radiologie betroffen waren. Hier waren jedoch zum Ende des 2. Quartals leichte Erholungstendenzen zu erkennen. In China wurde die Geschäftsentwicklung durch die Umsetzung einer neuen volumenbasierten Einkaufspolitik weiter belastet, die zu deutlichen Preisreduzierungen für Produkte führt, deren Patentschutz ausgelaufen ist.

Mit dem oralen Gerinnungshemmer Xareltoâ„¢ erzielte Bayer einen Umsatzzuwachs von wpb. 6,8 Prozent, insbesondere durch höhere Absätze in China, Russland und Deutschland. Ein besonders deutliches Plus gab es mit dem Krebsmedikament Stivargaâ„¢ (wpb. um 24,8 Prozent) und Adempasâ„¢ zur Behandlung von Lungenhochdruck (wpb. um 23,6 Prozent). Für beide stieg die Nachfrage insbesondere in den USA. Der Umsatz von Stivargaâ„¢ erhöhte sich zudem in China. Vorteilhaft wirkte dabei auch die orale Formulierung des Medikaments, die es ermöglicht, die Behandlung auch außerhalb von Kliniken und Arztpraxen weiterzuführen.

Der Umsatz mit dem Augenmedikament Eyleaâ„¢ fiel wpb. um 6,4 Prozent. Dies ist zurückzuführen auf eine reduzierte Zahl von Behandlungen. Abgemildert wurde diese Entwicklung neben der Einführung der Eyleaâ„¢-Fertigspritze in Europa und Japan auch durch insgesamt höhere Absätze in Japan. Ebenfalls im Zusammenhang mit der Pandemie gab es besonders deutliche Umsatzrückgänge im Geschäft mit den Hormonspiralen Mirenaâ„¢/Kyleenaâ„¢/Jaydessâ„¢ (wpb. um 37,0 Prozent). Vor allem in den USA wurden deutlich weniger Produkte eingesetzt, bedingt durch ausbleibende oder verschobene Arztbesuche. Der Umsatz des Antidiabetikums Glucobayâ„¢ ging wpb. um 73,8 Prozent zurück – hauptsächlich aufgrund der Umsetzung der volumenbasierten Einkaufspolitik in China und der damit verbundenen erheblichen Preisreduzierung, die nicht durch das resultierende Mengenwachstum kompensiert werden kann.

Das EBITDA vor Sondereinflüssen von Pharmaceuticals sank um 7,1 Prozent auf 1,368 Milliarden Euro, vor allem infolge des rückläufigen Umsatzes.

Consumer Health wpb. mit leicht reduziertem Umsatz
Der Umsatz mit rezeptfreien Gesundheitsprodukten (Consumer Health) verringerte sich wpb. um 1,9 Prozent auf 1,201 Milliarden Euro. Nach einem sehr starken Vorquartal brachte das 2. Quartal wie erwartet einen Abbau des Lagerbestandes im Handel und der Vorräte bei den Konsumenten mit sich. Auch die Auswirkungen der Quarantäne- und Schutzmaßnahmen in verschiedenen Regionen, die zu geringerer Kundenfrequenz in Ladengeschäften führte, waren ausschlaggebend für den Rückgang. Am deutlichsten erhöhte sich der Umsatz in der Kategorie Nahrungsergänzung (wpb. 14,4 Prozent), am stärksten ging er in der Kategorie Allergie und Erkältung zurück (wpb. um 17,2 Prozent).

Das EBITDA vor Sondereinflüssen von Consumer Health reduzierte sich um 10,9 Prozent auf 254 Millionen Euro, vor allem durch den COVID-19-bedingten Absatzrückgang und fehlende Ergebnisbeiträge der 2019 verkauften Geschäfte von etwa 35 Millionen Euro per saldo.

Ausblick für 2020 angepasst
Die finanziellen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie sind weiterhin nur schwer einzuschätzen. Bayer passt die im Februar 2020 veröffentlichte Prognose auf Basis der Geschäftsentwicklung im ersten Halbjahr und mit Unsicherheit behafteter Annahmen zum weiteren Jahresverlauf wie folgt an: Das Unternehmen erwartet für Pharmaceuticals und Consumer Health insgesamt eine Normalisierung des Geschäfts, bei Pharmaceuticals geht es jedoch nicht davon aus, dass das ursprünglich angenommene Wachstum erreicht wird. In der Division Crop Science rechnet es mit einem verhaltenen Start in die neue Saison 2021 in Nordamerika, zum einen infolge der pandemiebedingt reduzierten Nachfrage nach Bioenergie, Futtermittel und Fasern, welche zu einem Rückgang der erwarteten Anbauflächen führen dürfte, sowie zum anderen bedingt durch den anhaltenden Wettbewerb im Sojabohnenmarkt.

Für die finanziellen Kennzahlen des Bayer-Konzerns ergeben sich dadurch insgesamt folgende Änderungen. Der Umsatz soll sich nun währungsbereinigt auf 43 bis 44 (bisher: 44 bis 45) Milliarden Euro erhöhen. Dies entspricht jetzt währungs- und portfoliobereinigt einem Anstieg von 0 bis 1 (bisher: etwa 3 bis 4) Prozent. Die um Sondereinflüsse bereinigte EBITDA-Marge soll weiterhin währungsbereinigt auf etwa 28 Prozent steigen. Unter Zugrundelegung der genannten Umsätze entspricht dies nun einem währungsbereinigten EBITDA vor Sondereinflüssen von etwa 12,1 (bisher: 12,3 bis 12,6) Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis je Aktie soll jetzt währungsbereinigt auf 6,70 bis 6,90 (bisher: Anstieg auf 7,00 bis 7,20) Euro steigen.

Bayer erwartet zudem deutlich negative Währungseffekte – insbesondere durch die Abwertung des Brasilianischen Real. Basierend auf den Wechselkursen zum 30. Juni rechnet das Unternehmen für 2020 jetzt mit einem Konzernumsatz zwischen 42 und 43 Milliarden Euro, einer bereinigten EBITDA-Marge von 28 Prozent und einem bereinigten Ergebnis je Aktie zwischen 6,40 und 6,60 Euro.

Für den Free Cashflow erwartet das Unternehmen nun eine Belastung aus Zahlungen für die Beilegung von Rechtsstreitigkeiten in Höhe von 4,5 Milliarden Euro, die in der ursprünglichen Planung noch nicht enthalten war und die als außerplanmäßig und aperiodisch einzuschätzen ist. Er soll jetzt bei minus 0,5 Milliarden liegen oder ausgeglichen sein. Bayer rechnet damit, dass sich die Nettofinanzverschuldung durch die Finanzierung dieser Zahlungen nur auf etwa 33 (bisher: auf etwa 27) Milliarden Euro reduziert. Die Währungsentwicklung dürfte auf Free Cashflow und Nettofinanzverschuldung keinen wesentlichen Einfluss haben.


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