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13.02.2018 (Quelle: klinikum)
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Valentinstag und total verliebt – was hat unser Herz damit zu tun?


Vom „Herzklopfen“ bis hin zum „gebrochenen Herzen“: Das Herz gilt als Sitz der Gefühle und ist als Symbol der Liebe gerade am Valentinstag allgegenwärtig. Prof. Dr. Peter Schwimmbeck, Chef-Kardiologe im Klinikum Leverkusen, verrät, warum uns so manches – und nicht nur die Liebe – buchstäblich zu Herzen geht.

Herr Prof. Schwimmbeck, hat unser Herz wirklich etwas mit Gefühlen zu tun oder ist es einfach nur ein menschliches Organ?
Aus medizinischer Sicht ist es beides: Es ist ein menschliches Organ, das in besonderer Weise involviert ist, wenn wir Gefühle haben. Das liegt insbesondere daran, dass das Herz auf bestimmte Hormone – Glückshormone, aber auch Stresshormone – reagiert und dann für uns spürbar wird, was ja normalerweise nicht der Fall ist. So wird zum Beispiel das berühmte Herzklopfen des Verliebtseins von dem Glückshormon Phenethylamin hervorgerufen. Schlägt uns dagegen das Herz vor Angst bis zum Hals, ist meist Adrenalin, ein Stresshormon, im Spiel. Produziert unser Körper langfristig Stresshormone, wirkt sich das auf unseren Blutdruck aus – und hoher Blutdruck ist bekannlich die wichtigste Ursache für Koronare Herzerkrankungen und Schlaganfall. Das Herz fühlt also in gewisser Weise mit uns – es leidet mit, aber es liebt auch mit.

Es soll sogar Paare geben, bei denen sich der Herzschlag angleicht, wenn sie zusammen sind. Das klingt romantisch – gibt es so etwas wirklich?
Ja, das gibt es tatsächlich. Forscher haben herausgefunden, dass die Herzen von Liebespaaren buchstäblich im Gleichtakt schlagen können. Die Ursache hierfür liegt in der Atmung: Wenn wir einatmen, beschleunigt sich unser Herzschlag ein wenig, atmen wir tief aus, wird er wieder langsamer. Durch das Ausatmen wird ein Nerv des vegetativen Nervensystems aktiviert, der Vagusnerv. Dieser wirkt direkt auf das Schrittmacherzentrum des Herzens und lässt das Herz langsamer schlagen. Beim Einatmen löst sich diese „Bremse“ und die Herzfrequenz erhöht sich wieder. Ist man verliebt und verbringt viel Zeit miteinander, passt man den Atem einander an. Die Folge ist dann teilweise auch eine Angleichung der Herzfrequenz. Dasselbe gilt übrigens für manche Chorsänger – man muss also nicht notwendigerweise verliebt sein, um mit anderen Herzen im Einklang zu stehen.

Ist die Liebe gut fürs Herz?
Insgesamt hat man herausgefunden, dass verheiratete Paare tatsächlich eine höhere Lebenserwartung haben als ihre ungebundenen Zeitgenossen. Das könnte daran liegen, dass eine einigermaßen solide Langzeitbeziehung normalerweise weit weniger Stress verursacht als die Partnersuche, die ja insbesondere bei uns Männern – genauso wie im Tierreich – von Konkurrenzkämpfen geprägt ist. Wer in einer erfüllten Partnerschaft lebt, baut eher Stress ab, und das ist wiederum gut für den Blutdruck und kann unser Herz schützen. Trennungen sind hingegen gar nicht gut fürs Herz: Geschiedene haben insgesamt eine geringere Lebenserwartung.

Was hat es mit dem „gebrochenen Herzen“ auf sich – kann so etwas wirklich passieren?
Es gibt das „Broken Heart Syndrom“, das in der Akutphase von plötzlich beginnenden Brustschmerzen und Luftnot gekennzeichnet ist. Die Symptome gleichen denen eines Herzinfarkts, sind aber nicht auf dieselben Ursachen zurückzuführen. Während ein Herzinfarkt durch einen Verschluss eines Herzkranzgefäßes hervorgerufen wird, ist es beim Broken Heart Syndrom eine regelrechte Verkrampfung der Gefäße. Durch die vorübergehende Pumpfunktionsstörung verändert die linke Herzkammer ihre Form, weshalb man das Broken-Heart-Syndrom auch als Tako Tsubo-Syndrom (Tako Tsubo = japanische Tintenfischfalle) bezeichnet. Ausgelöst wird es wahrscheinlich durch eine übermäßige Ausschüttung von Stresshormonen, insbesondere Adrenalin und Noradrenalin. Erstmalig wurde das Broken Heart Syndrom in den 1990er Jahren als eigenständige Krankheit beschrieben. Erwiesen ist, dass sehr häufig ein zeitlicher Zusammenhang zu einer sehr extremen emotionalen oder körperlichen Belastung besteht. Auslöser kann zum Beispiel der Tod eines geliebten Menschen sein. Wir hatten hier im Klinikum Leverkusen aber auch schon einen ganz unromantischen Fall, bei dem die Ursache rein körperlicher Natur war: Die junge Frau hatte an der Ice Bucket Challenge teilgenommen – und die Symptome des ersten Schocks, ausgelöst durch die extreme und plötzliche Kälte, gingen einfach nicht mehr weg.

Ist das Broken Heart Syndrom so gefährlich wie ein Herzinfarkt, und wie häufig kommt es vor?
Normalerweise haben die Patienten sehr positive Prognosen, denn überlicherweise verschwindet das Broken Heart Syndrom nach etwa zehn Tagen wieder – so war es auch bei unserer Patientin der Fall. Von den 400.000 Menschen, die in Deutschland jährlich akute Herzattacken haben, sind ca. 2 % vom Broken Heart Syndrom betroffen.

Haben Gefühle also tatsächlich auch einen Einfluss auf die Gesundheit unseres Herzens – werden Menschen, die sich viel zu Herzen nehmen, eher herzkrank?
Insgesamt ja, und dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Einer davon ist sicherlich die Tatsache, dass jemand, der sich häufig Sorgen macht, normalerweise auch mehr Stresshormone ausschüttet. Das hat wiederum die beschriebenen Folgen: Der Blutdruck steigt und das Herz macht sich irgendwann bemerkbar, fühlt sich schwer und buchstäblich bedrückt an. Wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass depressive Menschen häufiger von einer koronaren Herzerkrankung betroffen sind als andere.

Was kann ich meinem Herzen – als „Sitz der Gefühle“ – Gutes tun?
Alles, was Ihnen wirklich und nachhaltig gut tut, tut auch Ihrem Herzen gut! Lachen, lieben, sich bewegen und sich mit Menschen umgeben, mit denen man gerne zusammen ist – das bringt unsere Glückshormone in Schwung und schützt auch unser Herz.


Bilder, die sich auf Valentinstag und total verliebt – was hat unser Herz damit zu tun? beziehen:
06.06.2012: Peter Schwimmbeck

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Letzte Änderung am 13.02.2018 18:40 von leverkusen.
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