Stadtplan Leverkusen
19.08.2006 (Quelle: Bayer 04)
<< Speerwurf-Europameisterin Steffi Nerius zum Empfang bei Bayer-Chef Wenning   Beschwingte Klänge entführen auf eine vielfältige musikalische Reise >>

Bayer 04 geht neue Wege in der Leistungsdiagnostik


Als erster Bundesligist hat sich Bayer 04 am Deutschen Forschungszentrum für Leistungsdiagnostik in der Kölner Sporthochschule aufwändigen Tests unterzogen.

Leise surrt der breite, rote Lichtstrahl und wandert langsam vom Scheitel abwärts bis zur Fußsohle von Bernd Schneider. Parallel erfasst ein Hochleistungs-Rechner die Daten und wirft den Körper des Bayer 04-Nationalspielers als dreidimensionale Abbildung auf den Bildschirm. Auf blauem Hintergrund scheint der helle, rotierende Körper wie schwerelos durch Zeit und Raum zu schweben.

Für dieses durchaus futuristische Szenario findet sich eine einfache, irdische Erklärung. Denn Bernd Schneider steht in einem 3D-Ganzkörperscanner, der unter anderem Auffälligkeiten im Skelettsystem des Körpers dokumentieren kann. Dieser Scanner befindet sich im Institut für Biomechanik und Orthopädie. Zusammen mit drei weiteren wissenschaftlichen Instituten bildet es das Deutsche Forschungszentrum für Leistungssport (Momentum) in der Kölner Sporthochschule.

Als erster Bundesligist hat sich Bayer 04 diese einmalige, geballte sportwissenschaftliche Kompetenz zu Nutze gemacht. Im Rahmen der Saisonvorbereitung hat sich jeder Spieler mehreren - in diesem Umfang noch nie durchgeführten - leistungsdiagnostischen Tests unterzogen.

Gut fünf Stunden braucht jeder einzelne, bis alle Untersuchungen und Tests beendet sind. Verantwortlich für dieses erschöpfende Programm sind Chef-Physiotherapeut Dieter Trzolek und Holger Broich. „Leistungsdiagnostiker, Konditions- und Rehatrainer“ lautet seine Funktion im Trainerstab von Bayer 04.
„Unser Ziel ist die Leistungsoptimierung jedes einzelnen Spielers. Grundlage sind aufwändige diagnostische Verfahren, mit denen wir sportmotorische, medizinische und konditionelle Daten und Werte erfassen. Danach sind wir in der Lage, individuelle Trainingspläne zu erstellen, umzusetzen und zu dokumentieren“, beschreibt Broich.

„PROfit“ nennt Bayer 04 dieses ehrgeizige Projekt, mit dem der Klub einmal mehr moderne und ungewöhnliche Wege einschlägt. Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser steht uneingeschränkt hinter diesem Projekt: „Wir befassen uns sehr intensiv mit der Leistungsdiagnostik und der individuellen Trainingssteuerung. Dabei werden wir von der Sporthochschule in Köln von Wissenschaftlern verschiedenster Disziplinen unterstützt. Das kostet Geld, ist aber auch das Geld wert.“

Die Kölner Sportwissenschaftler werten die Ergebnisse der Untersuchungen zusammen mit Broich aus, die Spieler werden typisiert. Im Trainerteam und mit der medizinischen Abteilung um Chefphysiotherapeut Dieter Trzolek werden die nötigen Maßnahmen besprochen.
Abschließend erläutert Broich jedem einzelnen Spieler in einem Vier-Augen-Gespräch die individuellen Ergebnisse und Maßnahmen. Die konkrete Umsetzung spezifischer Übungen erfolgt sowohl im Rahmen des Mannschaftstrainings als auch individuell auf dem Rasen oder Kraftraum. „Die Schwächen beheben ohne die Stärken zu vernachlässigen“, nennt es Broich.

Alles, was den Spieler betrifft, wird im Computer gespeichert. Wie er trainiert, was er trainiert. Künftig werden die Trainer telemetrisch per Laptop erfassen, wie stark sich die Spieler im Training belasten und können bei möglicher Überbelastung sofort reagieren. Dazu werden Arztbesuche, Behandlungen, Medikamente registriert. „Je mehr wir wissen umso besser für den Spieler“, sagt Broich.

An der Sporthochschule hat Bernd Schneider unterdessen die nächste Station erreicht. Im Institut für Trainingswissenschaft und Sportinformatik stehen zahlreiche Tests für eine sehr differenzierte Kraftdiagnostik auf dem Plan. Alle für Fußballer erhebliche Muskelgruppen werden geprüft. „Es ist wichtig, dass zum Beispiel bei der Beinmuskulatur das Kraftverhältnis von Beugern und Streckern im optimalen Einklang steht. Wenn das nicht stimmt, drohen Muskelverletzungen“, erklärt Peter Hermann. Bayers Co-Trainer, ohnehin als sehr innovativ in der Trainer-Gilde bekannt, gehört auch bei einem weiteren modernen Projekt zu den Fürsprechern und Förderern.

Amisco Pro: Komplette Bewegungsanalyse aller Spieler

Bei Heimspielen wird Bayers Trainerstab durch das Videosystem Amisco Pro analytisch unterstützt. Acht Kameras in der BayArena erstellen mit Hilfe einer Software eine komplette Bewegungsanalyse aller Spieler im 2-D-Animationsformat. Jede Aktion aller Spieler kann jederzeit geprüft werden. Also auch die, die in der gewohnten Kameraperspektive nicht erfasst werden. Als kleine rote und blaue Bällchen bewegen sich dann die 22 Spieler über den Bildschirm. Taktisches (Fehl-) Verhalten, Zweikämpfe, Laufwege, aber auch physische Daten wie Laufdistanz oder Sprints in hoher Intensität werden berechnet.

„Bei Spielbesprechungen nutzen wir das System, weil es den Spielern klar veranschaulicht, was sie richtig oder falsch gemacht haben. Viele Spieler wollen auch generell wissen, wie viel sie persönlich gelaufen sind oder wie ihre Zweikampfbilanz ausgefallen ist“, sagt Hermann. Neben Bayer 04 bauen weitere internationale Top-Clubs wie der FC Chelsea, FC Liverpool oder Real Madrid auf den „technischen Spion“.

In Köln hat Bernd Schneider inzwischen sein Testprogramm beendet. „Das Wichtigste nach der Auswertung der Ergebnisse ist die Umsetzung in die tägliche, praktische Arbeit“, sagt Holger Broich. Deshalb wird es auch nicht bei dem einen Besuch im Kölner Forschungszentrum bleiben. Für Ende der Hinrunde ist ein Re-Test geplant, mit dem sich die erhofften Fortschritte dokumentieren lassen.

Info Momentum:

Das Deutsche Forschungszentrum für Leistungssport (Momentum) an der Deutschen Sporthochschule Köln will sich in einem engen Zusammenschluss von Wissenschaft und Praxis der Aufgabe widmen, das Zukunftsprojekt Leistungssport besser zu nutzen.
Ein Kernpunkt der Arbeit im neuen Leistungssport-Zentrum, das erst am 26. April 2006 von NRW Innen- und Sportminister Dr. Ingo Wolf offiziell eröffnet wurde, ist die enge Verknüpfung von grundlagen- und anwendungsorientierter Forschung. Dies wird auch durch die beteiligten Hochschul-institute dokumentiert: Die Institute für Biochemie, Biomechanik und Orthopädie, Kreislaufforschung und Sportmedizin sowie Trainingswissenschaft und Sportinformatik arbeiten Hand in Hand mit den Olympiastützpunkten, dem Landessportbund NRW, Ärzten, Trainern und Betreuern der einzelnen Athletinnen und Athleten. Leistungssportler erfahren unter Ausnutzung modernster Forschungsergebnisse die bestmögliche Beratung und Betreuung, gleichzeitig trägt diese Vernetzung von Forschung und Trainingspraxis zu einem besseren Verständnis der Anpassungsprozesse durch körperliches Training bei. Mehr Infos unter: www.dshs.de/momentum

Stimmen zur Kooperation mit Momentum

Michael Skibbe:
Wir versprechen uns von den Untersuchungen im Momentum eine möglichst genaue Analyse unserer Spieler im physischen Bereich. In den letzten Jahren gab es ja immer die üblichen Schnelligkeits- und Ausdauertests. Es ging darum, Werte zu verbessern. Jetzt war das viel umfangreicher. Er wurden Fettanalysen gemacht, biometrische Merkmale aufgezeichnet, der Knochenbau genauestens analysiert, Kraftmessungen gemacht von jeder einzelnen Muskelpartie und vieles andere mehr. Darauf wollen wir perspektivisch unser Trainingsprogramm abstellen. Es ist ein Weg, der uns in den nächsten Jahren begleiten wird. Aber am Ende sind wir Fußballer und wollen Fußballtraining machen. Dennoch haben die Daten uns jetzt schon ganz wichtige Erkenntnisse gegeben. Sie werden uns dabei helfen, jeden Spieler individuell noch besser vorbereiten zu können.

Carsten Ramelow:
Ich habe eine so umfangreiche, aufwändige Untersuchung auch zum ersten Mal erlebt. Es war unheimlich interessant, aber auch richtig anstrengend. Das Ganze hat rund fünf Stunden gedauert. Ich bin davon überzeugt, dass jeder einzelne Spieler von diesen Untersuchungen profitiert, weil man mit Hilfe der Daten das Trainingsprogramm ganz individuell zuschneiden kann.

Jörg Butt:
Ich finde es ganz wichtig, die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu nutzen. Dieses Institut ist auf dem Gebiet weltweit führend und liegt dazu noch quasi vor unserer Haustür. Wenn die Untersuchungen ausgewertet sind, werden wir diese Ergebnisse in die tägliche Trainingsarbeit aufnehmen.


Hauptseite     Anmerkungen     Nachrichtenübersicht     Impressum     Datenschutzerklärung    

Letzte Änderung am 01.11.2018 13:37 von leverkusen.
Es gibt bisher keine Kommentare zu dieser Meldung!

Einen neuen Kommentar zu dieser Meldung hinzufügen:
Name:
Email: (wird nicht veröffentlicht)
Titel:
Kommentar:
(Es sind keine Links erlaubt)
reCAPTCHA:
Spammen zwecklos:
  • Um das Formular abschicken zu können, muss das reCAPTCHA angeklickt werden
  • Einträge werden erst nach redaktioneller Begutachtung freigeschaltet


Follow leverkusen on Twitter