Stadtplan Leverkusen
21.10.2005 (Quelle: Bayer 04)
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Viel Arbeit notwendig


Seine Premiere als Bayer 04-Trainer verlief alles andere als wunschgemäß. Michael Skibbe hat, das zeigte die 1:3-Niederlage in Mainz, in den kommenden Wochen jede Menge Arbeit vor der Brust. Der 40-Jährige verrät im Interview mit dem BayArena Magazin, wo er den Hebel ansetzen will, damit schon im Spiel gegen Stuttgart der Erfolg zurückkehrt nach Leverkusen.

Herr Skibbe, Ihren Einstand bei Bayer 04 hatten Sie sich gewiss anders vorgestellt. Wie groß war Ihre Enttäuschung nach dem 1:3 in Mainz?
SKIBBE: Ich bin sehr enttäuscht, weil ich so viele eklatante Schwächen in meiner Mannschaft gesehen habe, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Ich weiß, dass mir eine Menge Arbeit bevorsteht.

Wo liegen denn die Fehlerquellen?
SKIBBE: Die individuellen Qualitäten, die man unserer Mannschaft nachsagt, die sind ja vielleicht vorhanden, aber die treten natürlich nur dann zu Tage, wenn man als Team auftritt. Die Identifikation fehlt mir momentan in unserer Mannschaft. Wir sind in Mainz nicht als Team aufgetreten. Ich habe mir die Videokassetten aller Bundesligaspiele in dieser Saison und der zwei UEFA-Cup-Spiele gegen Sofia angeschaut: Da war nicht einmal eine wirklich gute Leistung dabei. Ganz im Gegenteil. In den meisten Spielen hatten die Gegner immer die ersten Chancen. Das Defensivverhalten war eine Katastrophe. Da muss ich in den nächsten Wochen ansetzen: Wir müssen endlich mal eine Identifikation mit dem Verein und den Teamgeist entwickeln, den andere Mannschaften haben und den man im Fußball auch braucht, um erfolgreich zu sein.

Wie wollen Sie diesen Wandel zum Besseren konkret hinbekommen? Über Kommunikation, personelle und/oder taktische Umstellungen?
SKIBBE: Alles das, ja. Ich werde viele Gespräche führen, wir werden Spielszenen analysieren, Fehler aufzeigen, denn bisher war das alles richtiger Quark. Dann müssen wir uns deutlich verbessern, insbesondere was die mannschaftstaktische Leistung anbetrifft und das Zusammenspiel innerhalb der Mannschaftsteile. Da ist ganz viel Verbesserung notwendig, und ich hoffe, dass wir das schnell hinkriegen.

Was stimmt Sie bei aller Kritik optimistisch, dass die Mannschaft schon gegen Stuttgart besser auftreten wird?
SKIBBE: Wir haben eine Woche Zeit, um uns auf dieses Spiel vorzubereiten. Das war in der letzten Woche nicht möglich wegen der vielen Länderspielabstellungen. Die Brasilianer sind erst am Freitag vor der Partie zurückgekehrt. Das ist natürlich keine gute Vorbereitung, um taktisch zu überzeugen. Aber eigentlich darf man das auch nicht gelten lassen, weil es in den letzten Wochen auch nicht besser war. Das waren immer durchschnittliche, mäßige Spiele, die abgeliefert wurden. Da ist sicherlich mehr Potenzial in unserer Mannschaft drin. Und das gilt es nun rauszulocken schon beim Spiel gegen Stuttgart. Ich erwarte von meiner Mannschaft gegen den VfB eine Reaktion auf das, was sie in Mainz abgliefert hat. Ich will eine deutliche Leistungssteigerung sehen.

Nach dem Spiel in Mainz haben am Sonntag beim Training Bayer-Fans ihrem Unmut über die Leistung der Mannschaft Ausdruck verliehen. Sie haben selber mit ihnen gesprochen und Verständnis gezeigt für solche Reaktionen...
SKIBBE: Natürlich. Die Fans zeigen damit ja, wie sehr sie sich mit dem Verein identifizieren. Ein Großteil davon war in Mainz dabei und extrem enttäuscht von der Leistung, die die Mannschaft gezeigt hat. Die Fans, die am Sonntag zum Training gekommen sind, haben den Spielern gesagt: Passt mal auf, das ist nix, was ihr gezeigt habt in Mainz, das seid nicht ihr. Das ist nicht das, was wir unterstützen wollen. Und damit haben sie ja Recht, das sehe ich ganz genau so. Was die Mannschaft bisher gezeigt hat, ist nicht das Niveau, das sie haben kann. Jeder muss endlich mal ein bisschen von seiner Individualität abgeben. Da ist mir zuviel Egoismus im Spiel. Es wird Zeit, dass wir hier einen Teamgeist reinbekommen. Denn nur so kann man in der Bundesliga Paroli bieten.

Wie werden Sie die Spieler anpacken in dieser schwierigen Situation?
SKIBBE: Es geht natürlich nicht darum, die Spieler jetzt in den Keller zu schicken. Ich werde ihnen schon sagen, dass ich von ihrer Leistungsfähigkeit überzeugt bin. Aber es ist natürlich eine Sache zu wissen, dass man was kann, und die andere Sache, zu zeigen, dass man was kann. Das ist das, was ich erwarte.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?
SKIBBE: Vor allem als geradlinig. Ich gehe sehr offen um mit allen Personen, auch mit meinen Spielern. Ich werde hier sicher unter Beweis stellen, dass ich meinen eigenen Stil habe. Ich bin seit inzwischen 19 Jahren als Trainer tätig, habe viele Erfahrungen sammeln können, ob bei Borussia Dortmund oder auch in der Nationalmannschaft. Die will ich hier weitergeben und da habe ich auch richtig Spaß dran.

Haben Sie schon über eine Systemumstellung nachgedacht?
SKIBBE: Natürlich, auch das spielt in meinen Überlegungen eine Rolle, weil wir bisher in den einzelnen Mannschaftsteilen nicht funktionieren, immer zu weit voneinander entfernt sind. Die Abwehr macht ihr Ding, das Mittelfeld und der Angriff ziehen ihre Sache durch. Das ist nicht das, was ich mir unter einer Mannschaftstaktik vorstelle. Nun kann ich zum Spiel in Mainz nur sagen: Pardon, aber wir haben als Mannschaft nicht ein einziges Mal zusammen trainieren können. Von daher waren Abstimmungsprobleme von vorneherein vorgegeben. Aber auf der anderen Seite war es ja in den Spielen zuvor nicht besser. Vielleicht muss ein Systemwandel her. Aber zunächst einmal muss ich mir ein Bild davon machen, was der einzelne auf seiner Position für Bayer 04 leisten kann.

Nun steht am Sonntag Ihr erstes Heimspiel als Bayer 04-Trainer gegen den VfB Stuttgart auf dem Programm. Freuen Sie sich trotz Ihrer kritischen Bestandsaufnahme auf diese Partie?
SKIBBE: Na klar. Ich habe ja gewusst, dass es auch eine schwere Aufgabe sein würde, die mich hier erwartet, weil die Erwartungen natürlich groß sind, auch die der Fans. Aber ich stelle mich dem sehr gerne und ich freue mich auch auf unsere Fans. Denn ich habe in den vergangenen Jahre in der Bundesliga und auch in der Champions League viele Spiele in der BayArena gesehen und weiß, zu welchen Leistungen man hier von den Fans angetrieben werden kann. Ich wünsche mir, dass wir das schon am Sonntag wieder erleben und uns die Fans unterstützen werden. Man spielt immer nur gut mit dem zwölften Mann, nie gegen den zwölften Mann. Deshalb hoffe ich, dass die Fans unsere Mannschaft anspornen und anfeuern werden. Aber der Funke darf natürlich nicht nur von den Fans in Richtung Spieler überspringen, sondern vor allem umgekehrt.


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Letzte Änderung am 20.06.2014 09:43 von leverkusen.
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