Die Apothekerkammer Nordrhein hat die aktuellen Strukturdaten für das Jahr 2025 veröffentlicht. In Leverkusen verringerte sich die Zahl der Betriebsstätten leicht um eine Apotheke. Ein Blick auf die Langzeitstatistik zeigt: Die Entwicklung folgt einem stetigen Trend, der seit 2015 anhält.
Zum Stichtag 31. Dezember 2025 gab es in Leverkusen insgesamt 32 öffentliche Apotheken. Im Vergleich zum Jahresbeginn (33 Apotheken) bedeutet dies einen Saldo von minus eins. Während eine Apotheke im Stadtgebiet schloss, gab es im Jahr 2025 keine Neueröffnung.
Damit liegt Leverkusen im Trend des gesamten Kammerbezirks Nordrhein, wo die Gesamtzahl der Apotheken um 2,2 Prozent auf 1.897 sank.
Die Schließung einer einzelnen Apotheke wirkt für sich genommen kaum spürbar. Relevant wird die Zahl jedoch im Kontext der langfristigen Entwicklung der städtischen Infrastruktur. Die Statistik der letzten zehn Jahre verdeutlicht eine kontinuierliche Ausdünnung des Netzes in Leverkusen:
2015: 43 Apotheken
2020: 38 Apotheken
2025: 32 Apotheken
Innerhalb einer Dekade hat sich der Bestand somit um 11 Betriebsstätten reduziert. Das entspricht einem Rückgang von rund 25 Prozent. Dieser Prozess verläuft nicht sprunghaft, sondern schleichend. Für die Leverkusener Bevölkerung bedeutet dies, dass die Versorgungsdichte zwar abnimmt, eine flächendeckende Versorgung im Stadtgebiet jedoch weiterhin gegeben ist.
Die Apothekerkammer Nordrhein und ihr Präsident Dr. Armin Hoffmann bewerten diese Zahlen als Symptom struktureller Probleme im Gesundheitssystem. Der Verband argumentiert, dass die Schließungen primär wirtschaftliche und personelle Ursachen haben.
Die Argumente der Kammer im Überblick:
Wirtschaftlicher Druck: Die Kammer verweist auf gestiegene Betriebskosten (Energie, Personal, Miete) bei gleichzeitiger Stagnation der Honorierung. Das sogenannte Apothekenhonorar sei seit Jahren nicht signifikant angepasst worden.
Politische Rahmenbedingungen: Dr. Hoffmann kritisiert den aktuellen Referentenentwurf zur Apothekenreform der Bundesregierung. Die im Koalitionsvertrag in Aussicht gestellte Honorarerhöhung sei darin nicht enthalten, was die Planungssicherheit für Inhaber erschwere.
Personalmangel: Es wird zunehmend schwieriger, Nachfolger für bestehende Apotheken oder Fachpersonal für den laufenden Betrieb zu finden.
Der Verband warnt davor, dass ohne politisches Gegensteuern die "Apotheke vor Ort" als niederschwellige Anlaufstelle geschwächt werde. Allerdings zeigt der Bericht auch Lichtblicke: Im Kammerbezirk gab es immerhin fünf Neugründungen, was zeigt, dass trotz der schwierigen Lage vereinzelt Investitionsbereitschaft besteht – wenn auch im Jahr 2025 nicht in Leverkusen.
Objektiv betrachtet ist die Arzneimittelversorgung in Leverkusen durch den Wegfall einer weiteren Apotheke nicht akut gefährdet. Die Wege für Patienten verlängern sich im Durchschnitt nur minimal.
Relevanter ist die Auswirkung auf den Notdienst-Turnus. Da sich die Gesamtzahl der Apotheken verringert, müssen die verbleibenden 32 Betriebe die gesetzlich vorgeschriebenen Nacht- und Notdienste untereinander aufteilen. Dies führt rechnerisch dazu, dass die einzelne Apotheke häufiger Notdienst leisten muss und die geographischen Abstände zwischen den diensthabenden Notdienst-Apotheken im Stadtgebiet und Umland tendenziell größer werden.