„Ärmel hochkrempeln in Rheindorf-Nord“ – BIWAQ ist weiter aktiv

Fünf Träger stärken Bildung und Qualifikation

Archivmeldung aus dem Jahr 2011
Veröffentlicht: 19.01.2011 // Quelle: Stadtverwaltung

„Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier“ – das ist die „Übersetzung“ von BIWAQ, einem von Bund und EU geförderten Programm, mit dessen finanzieller Hilfe die Stadt und fünf Projektträger – die VHS, Katholische Jugendwerke, Diakonisches Werk Leverkusen, JobService Leverkusen und Gesellschaft für berufliche Bildung – die Ärmel für Rheindorf-Nord hochkrempeln.

Genauso lautete auch der Titel des Antrags, der bei Bund und EU eingereicht wurde. Insgesamt 3 Millionen Euro stehen bereit, um insbesondere Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren sowie Langzeitarbeitslose zu fördern. Bildung, Ausbildung und Beschäftigung - dies sind die zentralen Themen von BIWAQ. Der Startschuss für BIWAQ fiel bereits im Herbst 2009, 12 Projekte wurden auf den Weg gebracht, deren Wirkung bis zum Auslaufen von BIWAQ im Herbst 2012 von der Universität Bonn, Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomik, evaluiert wird.

Heute stellte Sozialdezernent Frank Stein gemeinsam mit Projektleiterin Helga Vogt, der Leiterin des Fachbereichs Soziales, und den Vertretern der Träger BIWAQ im Detail vor.

Ort war das Mediacafé in Rheindorf, Anlass die Ende 2010 erfolgte offizielle Förderbewilligung. Das Mediacafé, so Stein, sei ein idealer Treffpunkt, weil hier eins der 12 Angebote stattfindet, nämlich das Beratungsangebot „Jobeinsteiger stärken“ der Katholischen Jugendwerke. Jugendliche und junge Erwachsene finden Rat und Unterstützung bei der Berufsorientierung allgemein, bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz, einem Praktikum, einem Arbeitsplatz und der nötigen Bewerbung. Außerdem findet im Mediacafé eine regelmäßige Vortragsreihe zu verschiedenen Themen aus dem Bereich „Gesundheit“ statt.

Perspektiven für den Arbeitsmarkt entwickeln
Frank Stein machte noch einmal deutlich, dass der Stadtteil Rheindorf-Nord einen besonderen Entwicklungsbedarf hat und BIWAQ daher eine sehr gute Ergänzung zum seit 2007 laufenden Programm Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ sei. Denn BIWAQ zielt ganz ausdrücklich auf die Verbesserung von Qualifikation und Bildung und damit auf eine Erhöhung der Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt.
Die Verbindung zu BIWAQ hält das Stadtteilbüro.

BIWAQ, so Stein, hat ganz konkrete Ziele: mehr Schülerinnen und Schüler mit und ohne Migrationshintergrund sollen einen Schulabschuss machen, mehr Auszubildende einer Lehre nachgehen, mehr Menschen in einem für sie zufriedenstellenden Arbeitsverhältnis stehen und mehr Gewerbetreibende im Stadtteil mit weniger Existenzsorgen in die Zukunft blicken können. Auch die Gleichstellung von Männern und Frauen und die Integration sind Schwerpunkte von BIWAQ.

BIWAQ funktioniert: Jeder fünfte 2010 in Arbeit oder Ausbildung vermittelt
Der Haushaltsökonom Dr. Konstantin von Normann von der Universität Bonn ist seit Ende 2009 mit der Evaluation betraut: Schon jetzt bewertet er BIWAQ wegen der Vielfalt der Projekte und der deutlich gewordenen Stärke des Träger-Netzwerks als Erfolg: Seit Oktober haben über 850 Menschen an den Projekten teilgenommen. Damit liegt BIWAQ voll im Plan. 2010 wurde jeder fünfte von den 78 Teilnehmern, die an Projekten teilgenommen hatten, die für den Arbeitsmarkt qualifizieren, in Ausbildung bzw. Arbeit vermittelt. von Normann sagte: „BIWAQ will schlicht „Daseinskompetenz“ vermitteln, das heißt, dabei helfen, mit Geld und Finanzen umzugehen, Vorstellungen und Kompetenzen vom eigenen Beruf zu entwickeln und damit einen guten Status in der Gesellschaft zu erreichen.“

Frank Stein: „Mein Wunsch für Rheindorf-Nord – Wir wollen den Erfolg verstetigen und die Vernetzung vorantreiben.“

Praxisorientiert und alltagstauglich- Träger sind nah dran
Praxisorientiert und alltagstauglich: das sind die Stichworte, mit denen die Träger ihre Projekte überschreiben. Die 12 Projekte umfassen das Spektrum Bildung, Ausbildung, Beschäftigung, Beratungsangebote: Sie reichen von „Fit fürs Leben“, in dem die Diakonie Schulabgängern den bewussten Umgang mit Geld vermittelt über Angebote der Gesellschaft für berufliche Bildung, die sich für Berufsorientierung, Teilzeitausbildung für junge Mütter und die Qualifizierung von Migrantinnen stark macht. Der JobService Leverkusen führt junge Menschen und interessierte Anwohner an Beschäftigung heran - beispielsweise im Projekt „Quartiersverschönerung“. Die Volkshochschule Leverkusen hilft Schülerinnen und Schülern im „Zentrum für Grundausbildung“, ihre Fähigkeiten zum Beispiel in Mathematik, Deutsch und Englisch zu verbessern. Damit wird für viele erst ein erfolgreicher Schulabschluss möglich.

Die Universität Bonn sieht den Prozess und das Zusammenwirken der Träger in Rheindorf-Nord bisher positiv: „Es zeigt sich schon jetzt, dass das Netzwerk etwas bringt.“


Projekte im Überblick:
BILDUNG

Zentrum für Grundbildung
Schülerinnen und Schüler haben hier die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten durch Förderkurse in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik zu verbessern. Durch diese Unterstützung wird für viele junge Menschen ein erfolgreicher Schulabschluss erst möglich.
(Durchführung: VHS)

Fit fürs Leben
Der bewusste Umgang mit Geld ist Grundlage, um nach der Schule erste Schritte in ein selbstständiges Leben tun zu können. „Fit fürs Leben“ ist ein Projekt an der Käthe-Kollwitz-Schule und gibt Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 9 viele wertvolle Tipps, wie sie ihren finanziellen Alltag während und nach der Schulzeit meistern können.
(Durchführung: Diakonie)

Berufsorientierungstage
„Welcher Beruf ist der richtige für mich?“ – die Berufsorientierungstage helfen Schülerinnen und Schülern der Käthe-Kollwitz-Schule, eine Antwort auf diese Frage zu finden. Fähigkeiten und Interessen werden mit Anforderungen in den unterschiedlichen Berufsfeldern abgeglichen, zudem erhält jede Schülerin und jeder Schüler eine individuelle Beratung, die bei Bedarf intensiviert wird. So bilden die Berufsorientierungstage eine wichtige Hilfestellung bei der Wahl eines geeigneten Berufes.
(Durchführung: gbb)

Sprach Café
Das Sprach Café ist ein Treff, bei dem Interessierte ihr Deutsch verbessern können. Zwei Mal in der Woche können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in entspannter Atmosphäre an ihren Sprachkenntnissen arbeiten und sich miteinander austauschen. Der einen oder dem anderen hilft das Sprach Café so dabei, die Scheu abzubauen, sich bei einem Sprachkurs anzumelden.
(Durchführung: Stadt Leverkusen)

Bauspielplatz
Der Bauspielplatz soll neu gestaltet werden. Durch diese Arbeit werden junge Menschen gemeinnützig beschäftigt und zugleich für den ersten Arbeitsmarkt qualifiziert.
(Durchführung: JSL)


AUSBILDUNG

Teilzeitausbildung für junge Mütter
Familien- und Berufsplanung miteinander zu vereinbaren wird besonders für Frauen eine immer größere Herausforderung. Eine Teilzeitausbildung ermöglicht jungen Müttern ein Leben mit Familie und Beruf.
Jungen Müttern ohne abgeschlossene Berufsausbildung wird mit der Einrichtung einer Anlaufstelle für Teilzeitausbildung („TAS“) geholfen. „TAS“ fördert eine qualifizierte Berufswahl, vermittelt notwendige fachliche Kenntnisse und unterstützt den Weg in eine betriebliche Ausbildung.
(Durchführung: gbb)

MiQuA
Auch in Familien, die aus dem Ausland stammen, gibt es zunehmend mehr pflegebedürftige Menschen. Eine geeignete Pflege zu finden ist oft sehr schwierig. Sprachliche Probleme und die als verwirrend empfundene Vielfalt an Pflegeangeboten macht die Suche nicht leichter.
MiQuA ist eine Qualifizierung für Migrantinnen, in der die Teilnehmerinnen lernen, Familien bei der Suche nach der geeigneten Pflege zu helfen. Gleichzeitig werden die Frauen auf ihre Arbeit im Gesundheitswesen vorbereitet. Bestandteil der Ausbildung ist die Prüfung zur Schwesternhelferin und zur Betreuungsassistentin für Pflegeeinrichtungen. Das Bestehen berechtigt zur Aufnahme einer Tätigkeit in Altenheimen oder bei ambulanten Pflegediensten.
(Durchführung: gbb)

BESCHÄFTIGUNG

Quartiersverschönerung – Hand in Hand
Eine bauliche Attraktivitätssteigerung des Stadtteils sowie der sozialen und beruflichen Stabilisierung seiner Bewohnerinnen und Bewohner ist das Ziel der „Quartiersverschönerung – Hand in Hand“. Dies soll u. a. durch die Pflege von Grünanlagen im Friedenspark, am Königsberger Platz und an der Netzestraße sowie durch die Festplatz-Gestaltung an der Felderstraße erreicht werden.

Generationenhilfe – Selbstständig leben im Alter
Die Generationenhilfe fördert die Lebensqualität älterer Menschen durch Aufrechterhaltung eigenständiger Wohnformen im Alter, indem sie Unterstützung bei den Dingen des alltäglichen Lebens bietet. Dazu gehören die Reinigung der Wohnung, Einkaufsservice, Gartenpflege, Treppenhausreinigung oder auch Bügelhilfe.
(Durchführung: JSL)


BERATUNGSANGEBOTE

Jobeinsteiger stärken!
„Jobeinsteiger stärken!“ ist ein Angebot für Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 15 bis 27 Jahren, die sich im Übergang von der Schule ins Berufsleben befinden. Im "Media Café" in Rheindorf befindet sich die Kontakt- und Beratungsstelle der Katholischen Jugendwerke. Dort gibt es Unterstützung bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz, einem Praktikum oder einer Arbeitsstelle. Auch bei Fragen zur beruflichen Orientierung und zur Berufswahl wird hier beraten. Des Weiteren gibt es Hilfe bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen sowie bei der Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche und Einstellungstests. Das Beratungsangebot umfasst auch Informationen über Unterstützungs- und Qualifizierungsangebote, Hilfe beim Umgang mit Ämtern und Behörden, Unterstützung bei persönlichen Problemen, Kurse zur Sprachförderung für junge Migrantinnen und Migranten und Kompetenzfeststellungsverfahren.
(Durchführung: KJW)

Teilmobile berufs- und lebenslagenorientierte Sozialarbeit
Bei dem mobilen Beratungs- und Unterstützungsangebot werden gezielt junge Menschen an öffentlichen Plätzen und in den von ihnen aufgesuchten Bildungs-, Kultur- und Freizeiteinrichtungen angesprochen, um sie zu fördern und bei ihrer Berufswegeplanung zu unterstützen.
(Durchführung: KJW)

PROJEKTEVALUATION
Die Evaluation durch die Abteilung Haushalts- und Konsumökonomie am Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomik der Universität Bonn unterstützt als systematische Informationssammlung mit Ergebnisrückkopplung projektbegleitend die Umsetzung aller Teilprojekte und bewertet abschließend deren Erfolg. (Durchführung: Universität Bonn)


Anschriften aus dem Artikel: Albert-Einstein-Str 58, Alte Landstr 129

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