Nicole genießt die amerikanische Gastfreundschaft

Die Leverkusener PPP-Stipendiatin Nicole Peckhaus berichtet von ihrem ersten halben Jahr in Georgia / USA

Archivmeldung aus dem Jahr 2018
Veröffentlicht: 19.02.2018 // Quelle: Helmut Nowak

Nicole Peckhaus, von ex-MdB Helmut Nowak als Stipendiatin des PPP ausgewählt erstattet zur Halbzeit Bericht. Als Nachbarin von entspannten Alligatoren genießt sie neben ihrer Arbeit bei der Handelskammer die amerikanische Gastfreundschaft – und denkt trotzdem dabei noch an Bayer 04 Leverkusen.

„Persönlich habe ich hier in Valdosta / Georgia bereits jetzt viele positive Erfahrungen mit meinen Gasteltern, an der Uni und bei meiner Arbeit gemacht. In diesem Sinne kann ich Ihnen gar nicht genug danken, dass Sie sich für mich entschieden haben!
Meine Gasteltern haben mich sehr herzlich aufgenommen und ermöglichen mir sehr vieles. Im September waren wir z. B. in Disneyworld in Orlando und über Weihnachten haben sie mich zu ihrer Familie nach South Carolina eingeladen, über Silvester waren wir in Las Vegas. Und bei einem Trip nach New York hatte ich natürlich meinen Fan-Schal von Bayer 04 Leverkusen mit dabei.
Die Kurse an der Universität waren nicht besonders schwer, jedoch musste man viel Zeit mit Hausaufgaben und online-Tests verbringen. Viel schwerer war es aber anfangs, Leute kennenzulernen, aber nach und nach habe ich einige neue Freunde gefunden, mit denen ich auch jetzt noch etwas unternehme.
Die Jobsuche, mit der ich direkt nach meiner Ankunft begonnen habe, war recht nervenaufreibend und frustrierend. Ich habe ca. 100 Bewerbungen herausgeschickt und meistens noch nicht mal eine Antwort bekommen. Doch vor ca. drei Wochen fand ich dann bei der Chamber of Commerce (Handelskammer) eine Stelle als South Georgia Military Affairs Council Assistant. Falls Sie sich nichts darunter vorstellen können – mir ging es anfangs genauso. Im Grunde organisiere ich Events, um das Militär und deren Familien zu unterstützen. Ich koordiniere zwischen Presse- und Militärvertretern und administrativen Stellen, was mir sehr viel Spaß macht. Da wir hier eine Air Force Base haben, besteht immer die Sorge, dass die Regierung diesen Standort schließen könnte, was verheerende Folgen für die Wirtschaft im gesamten Umland hätte. Deshalb hat sich unsere Region zusammen mit drei anderen um einen Preis beworben, für den es in Deutschland keine Entsprechung gibt, den "Great American Defense Communities Award". Jetzt, nach dem Gewinn des Preises, muss der Standort unter Beweis stellen, dass dieser auch verdient ist. Und da komme ich mit meiner organisatorischen Arbeit ins Spiel.

Was für einen Eindruck habe ich nach einem halben Jahr von den USA?
Es gibt extrem viele Baustellen, angefangen beim Gesundheitssystem, das Bankensystem, die viele Armut, der Kapitalismus, die Wirtschaft und die Wegwerfgesellschaft. Dennoch können wir Deutschen uns eine Scheibe von der Gastfreundschaft der Amerikaner abschneiden. Egal wo ich hinkomme, mir wird direkt alles mögliche angeboten. Völlig Fremde haben mich zu sich nach Hause zu einem Abendessen eingeladen. Sie haben mir unter anderem geholfen, mich anfangs durch die Bürokratie des Sozialversicherungsbüros durchzuschlagen und haben mir stets Hilfe bei der Jobsuche angeboten.
Besonders die kulturelle Diversität in den USA finde ich sehr erfrischend. So war ich in der Lage, neben der amerikanischen Kultur auch etwas von der chinesischen, koreanischen, mexikanischen und kubanischen mitzuerleben. Ganz zu schweigen von der landschaftlichen Vielfalt, die mich jedes Mal umhaut: Von Wüste, über Berge, Sümpfe, Strände, Wälder, Inseln und noch so vieles mehr! Und in jedem Teil von Amerika sind die Menschen unterschiedlich. Ich lerne überall dazu und es kommt nie Langeweile auf.
Vor den Amerikanern, die mehrere Jobs gleichzeitig haben, um sich ein ansatzweise normales Leben zu leisten, kann ich nur den Hut ziehen. Diese Menschen haben gelernt sich durchzubeißen und sie müssen einen sehr starken Charakter haben, um in den USA etwas zu erreichen. Aber genau dieser Charakter hat das Streben von "rags to riches" („von Lumpen zu Reichtümern“) und den amerikanischen Traum wohl erst möglich gemacht.“


Anschriften aus dem Artikel: Alte Landstr 129, Albert-Einstein-Str 58

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