Die Leverkusener Stadtverwaltung passt ihre Kita-Bedarfsplanung grundlegend an. Sinkende Geburtenzahlen, veränderte Betreuungswünsche von Familien und freie Plätze in bestehenden Einrichtungen haben einen Realitätscheck ausgelöst – mit konkreten Folgen für geplante Neubauten.
Ab dem Kindergartenjahr 2027/2028 soll die Bedarfsquote für Kinder unter drei Jahren in Leverkusen von bisher 60 auf 50 Prozent gesenkt werden. Für Kinder ab dem dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt bleibt die Quote unverändert bei 100 Prozent. Das geht aus einer Vorlage der Stadtverwaltung an die Kommunalpolitik hervor.
Stadtdirektor Marc Adomat betont, dass die Anpassung keine Kürzung bedeute: „Diese Anpassung führt nicht zu einem Abbau bestehender Betreuungsplätze. Unter dem Strich ist sogar ein Nettozuwachs von 344 Plätzen prognostiziert. Ziel der Neustrukturierung ist es vielmehr, speziell mit Blick auf zukünftige Ausbauplanungen, eine realitätsgerechte und belastbare Grundlage zu schaffen, die der Sicherstellung eines hohen Qualitätsstandards dient."
Auslöser für die Überprüfung der Kindertagesbetreuung in Leverkusen waren deutliche Abweichungen zwischen früheren Prognosen und der tatsächlichen Nachfrage. Drei Faktoren spielten dabei eine zentrale Rolle:
Aylin Doğan, Leiterin des Fachbereichs Kinder und Jugend, erklärt den Anspruch der Stadt: „Unser Anspruch ist es, Eltern ein verlässliches und qualitativ hochwertiges Angebot zu machen, das sich an den tatsächlichen Bedarfen der Familien orientiert. Frühkindliche Bildung ist ein wichtiger Baustein für gute Bildungs- und Entwicklungschancen von Kindern."
Als direkte Konsequenz empfiehlt die Verwaltung, bereits beschlossene Kita-Neubauprojekte wieder aufzuheben. Gemeinsam mit der im Oktober 2025 per Ratsbeschluss beschlossenen Abmietung dreier Kitas zur Haushaltskonsolidierung sollen so Mittel freigesetzt werden, die in die Qualitätssicherung und Weiterentwicklung der Kindertagesbetreuung fließen können.
Sabine Jarosch, Abteilungsleiterin Tageseinrichtungen für Kinder, unterstreicht dabei die Bedeutung des Dialogs mit den Einrichtungen: „Dabei ist es uns wichtig, den Prozess eng mit den Kolleginnen und Kollegen in den Einrichtungen zu führen. Daher haben die Fachbereichsleiterin und ich in den vergangenen Monaten die Einrichtungen besucht und Gespräche geführt."
Städtische Grundstücke und Gebäude, die künftig nicht mehr für die Kindertagesbetreuung benötigt werden, sollen vorrangig für Gemeinwohlzwecke genutzt werden – insbesondere für Angebote der Kinder- und Jugendhilfe sowie Hilfen zur Erziehung nach dem SGB VIII. Auch weitere städtebaulich sinnvolle Nutzungen schlägt die Verwaltung zur Prüfung vor.
Die Vorlage liegt nun der Kommunalpolitik vor. Weitere Prüfungen zur langfristigen Standortentwicklung der Kita-Infrastruktur in Leverkusen sollen folgen.