DM-Auftakt: Titel für Rath und Winter, Ecker mit Norm Zweiter


Archivmeldung aus dem Jahr 2005
Veröffentlicht: 03.07.2005 // Quelle: TSV Bayer 04

Daniela Rath zum Ersten, Nils Winter zum Zweiten: Die Hochspringerin (1,84 m) und der Weitspringer (8,03 m) holten bei den 105. Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Wattenscheid am Eröffnungstag jeweils Gold für den TSV Bayer 04 Leverkusen, der nach 19 von 40 Disziplinen auf Kurs liegt und die angestrebten sechs bis sieben Titelgewinne am Sonntag ab 13.45 Uhr noch realisieren kann.

Neben den beiden Goldmedaillen strahlte auch die Silbermedaille von Stabhochspringer Danny Ecker besonders hell, denn mit 5,75 Metern überflog der Titelverteidiger erstmals in diesem Jahr die Norm für die Weltmeisterschaften in Helsinki (6. bis 14. August) und kann nun auf einen Start in der finnischen Hauptstadt hoffen. Hammerwerferin Susanne Keil gewann ebenfalls Silber. Bronze sicherten sich Richard Spiegelburg (Stabhoch/5,70), Schahriar Bigdeli (Weit/7,66) und Birgit Kähler (Hoch/1,80).

Nils Winter musste in einer spannenden Konkurrenz allerdings seinen zehnten Acht-Meter-Sprung in dieser Saison auspacken, um sich im letzten Versuch doch noch Weitsprung-Gold zu sichern und den Titel in Leverkusen zu behalten. Schärfster Konkurrent des Olympia-Starters war der Leipziger Oliver Koenig, der schon in der ersten Runde 7,95 Meter vorgelegt hatte: „Gegen ihn bin ich heute zum ersten Mal gesprungen. Ich wusste nicht, was er drauf hatte. Aber ich bin froh, dass ich im letzten Versuch noch kontern konnte. Es ging einfach um alles oder nichts und das hat mich motiviert“, erklärte der 28 Jahre alte Vorjahres-Zweite rückblickend die Situation vor dem letzten Anlauf. Titelverteidiger Schahriar Bigdeli stand zu diesem Zeitpunkt schon als Gewinner der Bronzemedaille fest.

Eine der leistungsmäßig schwächsten Konkurrenzen der Meisterschaften war der Hochsprung, mit Siegerin Daniela Rath, die sich nach drei Erfolgen in der Halle (1999, 2004 und 2005) erstmals auch unter freiem Himmel durchsetzte, jedoch nicht über 1,84 Meter hinauskam. Auch wenn das Ergebnis das nicht widerspiegelt, sprach sie hinterher vom besten Wettkampf der bisherigen Saison (Bestleistung bisher 1,90 m): „Es fühlte sich so an, als ob noch mehr kommen kann. Jetzt werde ich auf jeden Fall noch viele Wettkämpfe in diesem Jahr machen, den nächsten am Mittwoch in Salamanca in Spanien. Ich bin mir sicher, dass ich die 1,95 noch springe.“ Bei dieser Höhe steht die WM-Norm, die die 28-Jährige bislang vergeblich jagte und deshalb wohl trotz ihres DM-Sieges bei den Weltmeisterschaften fehlen wird. Altmeisterin Birgit Kähler, 1991 in Tokio WM-Fünfte, gewann trotz ihrer 35 Jahre erneut eine Medaille (Bronze) bei einer nationalen Meisterschaft.

Die Frage, wer den Titel im Stabhochsprung gewinnt, war die eine, die, wer nach dem dritten noch zu vergebenen WM-Ticket greift, die andere. Das Rennen um das WM-Ticket machte Danny Ecker, der beinahe sogar noch seinen Vorjahressieg wiederholt hätte, letztlich aber durch die größere Anzahl von Fehlversuchen dem mit 5,75 Metern höhengleichen Kölner Tim Lobinger unterlag: „Ich bin froh, dass ich heute die Norm gesprungen bin. Da ist es auch nicht so schlimm, dass ich ‚nur’ Zweiter geworden bin. Der DLV hat uns im Vorfeld signalisiert, dass es reichen würde, wenn man hier die Norm springt und vorne dabei ist, da bisher nur zwei Springer die Norm haben. Das habe ich heute erfüllt, somit sollte ich in Helsinki dabei sein. Allerdings bin ich momentan an so vielen Stellen verletzt, dass das Springen nicht sonderlich viel Spaß macht. Mir tut die Leiste weh, das Knie und die Schulter. Ich bin also alles andere als locker und unbeschwert. Am meisten Sinn würde es wohl machen jetzt eine Pause zu machen, aber das muss ich erst mit meinem Trainer besprechen. Ich werde erst mal abwarten, ob ich wirklich bei der WM springe. Richard soll sich also ruhig noch warm halten.“

Der angesprochene Richard Spiegelburg, 2001 schon mal zu Meisterehren gekommen, überflog in Wattenscheid binnen einer Woche zum zweiten Mal 5,70, verfehlte aber erneut die fünf Zentimeter höher liegende WM-Norm. „Das war ein guter Wettkampf, mein Sprung über 5,70 Meter war sehr schön. Ich bin immer besser in den Wettkampf reingekommen. Von Anfang an hatte ich nur Danny im Visier, weil klar war, dass Tim und Lars schon durch sind durch die zweifache Normerfüllung im Vorfeld – was ja keinem anderen gelungen ist. Deswegen war ich dann aber auch überrascht, dass der Wettkampf insgesamt so gut war. Als die anderen alle über 5,60 Meter gesprungen sind, habe ich gedacht: Heute kann ich hier keinen Blumentopf gewinnen, so gut sahen alle aus.“

Lars Börgeling, der das Ticket für die WM bereits im Vorfeld sicher hatte, musste sich mit 5,50 Meter und Platz sechs begnügen: „Ich habe hier ein paar harte Stäbe ausprobiert, die ich noch nicht oft gesprungen bin. Ich wollte die für Helsinki testen. Trotzdem bin ich natürlich nicht zufrieden und ärgere mich. Aber jetzt fahre ich mit Wut im Bauch zum Golden-League-Meeting nach Rom. Mal sehen, was dort dann herauskommt.“

Als Achter (5,25 m) empfahl sich Tobias Scherbarth für die U23-EM in Erfurt (14. bis 17. Juli). Björn Venghaus verpasste dagegen die Qualifikation durch Platz 13 (5,05 m).

Hammerwerferin Susanne Keil verlor ihren zweiten Titelgewinn nach 2003 im vierten Versuch aus den Augen, als ihre ehemalige Frankfurter Vereinskollegin Betty Heidler die Neu-Leverkusenerin mit 69,90 Metern von Platz eins verdrängte. Zwar kam die WM-Fünfte im letzten Durchgang bis auf vier Zentimeter an die Olympia-Vierte heran, doch es reichte nicht, zumal Heidler anschließend noch 70,34 Meter erzielte. „Der letzte Wurf hätte noch ein bisschen weiter gehen sollen. Alle explosiven Würfe waren leider außerhalb des Sektors, das war sehr schade. Die anderen haben nicht gereicht“, analysierte die 27-Jährige nüchtern, aber keineswegs unzufrieden.

Eine glänzende Vorstellung bot erneut Sprinter Stefan Wieser, der im 100-Meter-Vorlauf in 10,41 Sekunden überzeugte und im Endlauf acht Hundertstel langsamer Sechster wurde. Nun hofft der ehemalige Kölner auf die U23-EM, wo er sich noch für die deutsche WM-Sprintstaffel in Helsinki empfehlen möchte.

Die Leverkusener Top-Acht-Platzierungen des ersten DM-Tages:
Männer: 100 Meter: 6. Stefan Wieser 10,49 Sekunden (VL: 10,41 sec); Weitsprung: 1. Nils Winter 8,03 Meter, 3. Schahriar Bigdeli 7,66 Meter; Stabhochsprung: 2. Danny Ecker 5,75 Meter, 3. Richard Spiegelburg 5,70 Meter, 6. Lars Börgeling 5,50 Meter, 8. Tobias Scherbarth 5,25 Meter.

Frauen: 100 Meter Hürden: 7. Anne-Kathrin Elbe 13,69 Sekunden; 4x100 Meter: 7. Doris QuackAnna Kraft – Anne-Kathrin Elbe – Mareike Peters 46,94 Sekunden; Hochsprung: 1. Daniela Rath 1,84 Meter, 3. Birgit Kähler 1,80 Meter, 5. Kathryn Holinski 1,75 Meter; Hammerwurf: 2. Susanne Keil 69,86 Meter.

Die kompletten Ergebnisse gibt es unter www.leichtathletik.de. Hier finden Sie am Sonntag auch wieder einen Live-Ticker während der gesamten Veranstaltung.


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Kategorie: Sport
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