62 Wohnungsverweise ausgesprochen

Bilanz nach einem Jahr Gewaltschutzgesetz

Archivmeldung aus dem Jahr 2003
Veröffentlicht: 23.01.2003 // Quelle: Stadtverwaltung

Seit einem Jahr ist Gewalt in der Ehe durch das Gewaltschutzgesetz keine Privatsache mehr: Es zielt auf staatliche Unterstützung für Frauen, die mit gewalttätigen Männern in der eigenen Wohnung leben.

Über Erfahrungen mit und Auswirkungen des neuen Gesetzes in Leverkusen berichteten kürzlich das Frauenbüro der Stadt zusammen mit dem Polizeipräsidenten Dieter Erhorn, Antje Kemper-Rook von der Frauenberatungsstelle und dem Direktor des Amtgerichts Leverkusen, Hermann-Josef Merzbach. Alle Teilnehmer begrüßten die neue Regelung ausdrücklich.

Gewalt im häuslichen Umfeld, so Simone Fey-Hoffmann, Leiterin des städtischen Frauenbüros, sei die am häufigsten auftretende Form der Gewalt überhaupt. Opfer sind in der Regel Frauen und Kinder.

Die neue Regelung ermöglicht es der Polizei, die gewalttätige Person für zehn Tage der Wohnung zu verweisen und ein Rückkehrverbot zu verhängen. In Leverkusen erfolgte dies nach Angaben von Polizeipräsident Dieter Erhorn im vergangenen Jahr 62mal. Insgesamt kam es zu 151 Strafanzeigen, wovon Erhorn 111 als gefährlich einstufte. Nach einigen Tagen wird der Wohnungsverweis durch die Polizei kontrolliert.

Das Opfer kann in der Zeit einen Antrag auf Zuweisung der Wohnung bei Gericht stellen, um die Wohnung für sich und ihre Kinder zu sichern. Amtsgerichtsdirektor Hermann-Josef Merzbach bedauerte, dass viele dieser Frauen leider nicht zum anberaumten Anhörungstermin gekommen seien.

Antje Kemper-Rook von der Frauenberatungsstelle berichtete, dass eine große Anzahl der misshandelten Frauen, schon sehr lange in diesem System von Zwang, Nötigung und Drohung, Demütigung und Isolation lebten. Die Gewalterfahrungen bewirkten bei den betroffenen Frauen eine Schwächung des Selbstwertgefühls. Dadurch verstärke sich wiederum ihre Abhängigkeit vom Mann und die eigene Verstrickung in die Gewaltbeziehung.

Die Beratungsstelle bietet betroffenen Frauen die Möglichkeit, ein unverbindliches Gespräch zu führen, sich auszusprechen , sich zu informieren und Hilfsangebote kennen zu lernen und zwar kostenlos, anonym und vertraulich. Kontakt: Frauenberatungsstelle, Wilhelmstraße 21, Leverkusen-Opladen. Telefon: 0 21 71/2 83 20


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