Lange Zeit galt die Gründung im Jahr 1946 als reines Produkt der britischen Besatzungsmacht – eine administrative Maßnahme ohne historische Wurzeln, die Rheinländer und Westfalen ohne Mitspracherecht vereinte. Doch neue Forschungsergebnisse rücken dieses Bild nun in ein anderes Licht.
Der Opladener Geschichtsverein von 1979 e.V. Leverkusen (OGV) lädt am kommenden Mittwoch zu einem Vortrag ein, der die Gründungsgeschichte des Landes neu bewertet. Als Referent konnte mit Dr. Guido Hitze ein ausgewiesener Experte gewonnen werden. Er ist Direktor des neu gegründeten Instituts für Landeszeitgeschichte NRW in Düsseldorf.
Bisher wurde die Geburtsstunde Nordrhein-Westfalens meist auf die „Operation Marriage“ im August 1946 reduziert. Das Land galt als ein Konstrukt, das von den Briten vor allem aus außenpolitischen und ökonomischen Erwägungen geschaffen wurde. Dr. Guido Hitze zeigt in seinem Vortrag jedoch auf, dass diese Sichtweise zu kurz greift.
Jüngste Forschungen lassen darauf schließen, dass die Existenz des Landes weniger eine bloße Verordnung von außen war, sondern vielmehr die verspätete Umsetzung älterer deutscher Konzepte. Dabei spielen insbesondere die Ideen zur Reichsreform aus der Zeit der Weimarer Republik sowie Initiativen der Ruhrindustrie eine entscheidende Rolle. Bereits unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg gab es Bestrebungen, eine Wirtschaftsprovinz „Rheinland-Westfalen“ zu schaffen.
Der Vortrag findet im Rahmen der Reihe „Geschichte am Kamin“ statt und wird in Kooperation mit der Volkshochschule Leverkusen durchgeführt. Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen, sich über diese neuen Erkenntnisse zur Landesgeschichte zu informieren.
Die Eckdaten der Veranstaltung:
Neue Einblicke in die Geschichte der Grafen von Berg
OGV-Vortrag: Kölns Stadtentwicklung im 20. JahrhundertGewachsen, geplant, gelungen? Neue Ausstellung zur Stadtentwicklung Leverkusens