Am Bahnhof Leverkusen-Mitte in Wiesdorf steht seit Kurzem ein ungewöhnliches Objekt: ein sogenannter Abstimmaschenbecher, der Raucher spielerisch dazu animieren soll, ihre Zigarettenkippen richtig zu entsorgen – statt sie achtlos auf den Boden zu werfen.
Die Idee ist so simpel wie kreativ: Wer am Übergang vom Rialto Boulevard zum Bahnhof Leverkusen-Mitte noch schnell eine Zigarette raucht, kann seine Kippe als Stimmzettel nutzen. Zwei transparente Glasschächte unter einem Fragen-Display nehmen die Zigarettenreste auf – je nachdem, wie man abstimmt. Den Auftakt macht die Frage: „Wird Deutschland Fußball-Weltmeister?" Links steht „Ja", rechts „Nein". Der Abstimmaschenbecher ist am Mast der elektronischen Fahrgastanzeige der wupsi montiert, an dem täglich tausende Menschen vorbeikommen.
Entwickelt wurde der erste Leverkusener Abstimmaschenbecher von Auszubildenden des Müllheizkraftwerks der AVEA. Sie planten, tüftelten und schweißten wochenlang – im Rahmen ihrer Ausbildung und als Teil der Projektgruppe „Sauberes Leverkusen", die seit 2024 Maßnahmen rund um die Stadtsauberkeit bündelt. AVEA-Geschäftsführerin Anika Hagt, die der Projektgruppe angehört, hatte die Initiative angestoßen: „Mit dem Abstimmaschenbecher möchten wir auf spielerische Weise dazu animieren, Zigarettenkippen richtig zu entsorgen. Was spielerisch beginnt, entwickelt sich dann im besten Fall zu einer bewussten Handlung."
Oberbürgermeister Stefan Hebbel betont den größeren Zusammenhang: „Damit öffentliche Sauberkeit funktioniert, zählt jede noch so kleine Maßnahme. Wir müssen das Bewusstsein für mehr Eigenverantwortlichkeit gerade auch mit solchen kreativen Aktionen stärken. So lassen sich Verhaltensweisen hoffentlich langfristig positiv verändern."
Das Projekt ist eine gemeinsame Aktion mehrerer Leverkusener Akteure: Die Technischen Betriebe Leverkusen (TBL) übernehmen Montage, Leerung und den regelmäßigen Austausch der Abstimmfragen. Die wupsi stellt den Mast ihrer Anzeigetafel zur Verfügung. Über die Abstimmergebnisse wird auf den städtischen Social-Media-Kanälen berichtet. Ähnliche Abstimmaschenbecher sind bereits in Städten wie Düsseldorf im Einsatz.
Hintergrund der Aktion ist ein ernstes Umweltproblem: Laut dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen werden weltweit jährlich rund 4,5 Billionen Zigarettenfilter achtlos weggeworfen. Bis zur vollständigen Zersetzung vergehen bis zu fünf Jahre. Die Filter enthalten giftige Substanzen wie Nikotin, Arsen und Blei, die Böden und Gewässer belasten können. Hinzu kommt: Das Wegschnippen von Kippen ist eine Ordnungswidrigkeit und wird mit einem Bußgeld von mindestens 100 Euro geahndet. Der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) führt regelmäßig Schwerpunktkontrollen durch – zuletzt Anfang des Monats.
Ob der Abstimmaschenbecher in Leverkusen langfristig Wirkung zeigt, wird sich zeigen. Geplant ist, die Abstimmfragen regelmäßig zu wechseln – und damit den Anreiz zur richtigen Entsorgung dauerhaft aufrechtzuerhalten.