Bayer-Coordination: BAYER entzieht sich bis heute der Verantwortung

22. April: 100 Jahre Giftgas-Einsatz in Ypern

Archivmeldung aus dem Jahr 2015
Veröffentlicht: 17.04.2015 // Quelle: Bayer-Coordination

Am kommenden Mittwoch jährt sich der erste Einsatz chemischer Kampfgase zum hundertsten Mal. Die Firma BAYER hatte im Frühjahr 1915 rund 700 Tonnen Chlorgas an die Front geliefert. Am 22. April wurden im belgischen Ypern dann erstmals 167 Tonnen Chlor auf einem Schlachtfeld eingesetzt. Es bildete sich eine 6 km breite und 600–900 m tiefe Gaswolke, die auf die französischen Truppen zutrieb. Allein bei diesem Angriff gab es mindestens 1.000 Tote und 4.000 Schwerverletzten. Am 1., 6., 10. und 24. Mai folgten Giftgas-Angriffe gegen britische Soldaten.

Bereits kurz nach Beginn des 1. Weltkriegs war eine Kommission ins Leben gerufen worden, die sich mit der Nutzung giftiger Abfallstoffe der Chemie-Industrie zu Kriegszwecken beschäftigte. Sie unterstand dem Generaldirektor von BAYER, Carl Duisberg, sowie dem Chemiker Walter Nernst. Die Kommission empfahl der Heeresleitung zunächst die Nutzung von Chlorgas. Damit wurde wissentlich gegen die Haager Landkriegsordnung verstoßen, die den militärischen Einsatz von Giftgas seit 1907 verbietet.

Carl Duisberg war bei den ersten Giftgasversuchen auf dem Truppenübungsplatz in Köln-Wahn persönlich anwesend. Den chemischen Tod pries er begeistert: „Die Gegner merken gar nicht, wenn Gelände damit bespritzt ist, in welcher Gefahr sie sich befinden und bleiben ruhig liegen, bis die Folgen eintreten.“ In Leverkusen ließ die Firma eigens eine Schule für den Gaskrieg einrichten.

Unter Carl Duisbergs Leitung wurden bei BAYER immer giftigere Kampfstoffe entwickelt, zunächst Phosgen und später Senfgas. In Briefen an die Oberste Heeresleitung forderte er vehement deren Einsatz: „Die einzig richtige Stelle aber ist die Front, an der man so etwas heute probieren kann und auch für die Zukunft nicht sobald wieder Gelegenheit hat, so etwas auszuprobieren. Ich kann deshalb nur noch einmal dringend empfehlen, die Gelegenheit dieses Krieges nicht vorübergehen zu lassen“. Duisberg beauftragte sogar den Maler Otto Bollhagen, Szenen der Kriegsproduktion für das Frühstückszimmer der BAYER-Direktoren zu malen. Das Gemälde zeigt die Erprobung von Giftgas und Gasmasken in der Wahner Heide bei Köln.

Axel Köhler-Schnura vom Vorstand der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „Bis heute stellt sich BAYER nicht seiner Mitverantwortung für das Völkergemetzel 1914/18. Seit 100 Jahren weigert sich der Konzern, zu den Verbrechen der chemischen Kriegsführung, der Kriegstreiberei, der Zwangsarbeit und der Sprengstoff-Produktion Stellung zu beziehen. BAYER distanziert sich nicht einmal vom damaligen Generaldirektor Carl Duisberg, der damals auf den Auslieferungslisten der Alliierten stand und eine Anklage als Kriegsverbrecher fürchten musste.“ In Dortmund und Lüdenscheid wurden kürzlich Carl-Duisberg-Straßen wegen dessen Verantwortung für Giftgas-Einsatz und Zwangsarbeit umbenannt. Entsprechende Verfahren laufen auch in Bonn, Frankfurt, Dormagen und Marl.

BAYER stellte während des Krieges auch Gasmasken her und stieg zum größten Sprengstoff-Produzenten Deutschlands auf. Dank staatlich garantierter Preise stiegen die Profite in ungeahnte Höhen.

Insgesamt geht die Forschung von 60.000 Kampfgas-Toten im 1. Weltkrieg aus. Auch die nächste Generation von Giftgasen, Organophosphate wie SARIN und TABUN, entstammt den Laboren von BAYER. Entwickelt wurden die Substanzen 1936 bzw. 1938 in Wuppertal von Dr. Gerhard Schrader (das „S“ in Sarin steht für Schrader). Bis zum Ende des 2. Weltkriegs wurden in der Giftgas-Fabrik in Dyhernfurt rund 12.000 Tonnen Tabun produziert. Gerhard Schrader leitete nach dem Krieg die Pestizidabteilung von BAYER.


Anschriften aus dem Artikel: Albert-Einstein-Str 58, Alte Landstr 129

Bisherige Besucher auf dieser Seite: 3.789

Meldungen Blättern i
Meldungen Blättern

Weitere Nachrichten der Quelle "Bayer-Coordination"

Weitere Meldungen


Generalsanierung 2026: Bahnstrecke wird zur Großbaustelle – Was Pendler in Opladen und Manfort wissen müssen

Generalsanierung 2026: Bahnstrecke wird zur Großbaustelle – Was Pendler in Opladen und Manfort wissen müssen

Es wird laut, es wird voll, aber am Ende soll es besser werden: Die Deutsche Bahn (DB InfraGO) macht ernst mit der Sanierung der Strecke zwischen Köln und Wuppertal. Für Leverkusener Pendler bedeutet das ab Februar 2026 fünf Monate Ausnahmezustand. Besonders die Bahnhöfe Opladen und Manfort stehen im Fokus – im Guten wie im Schlechten. Der Countdown für eines der größten Infrastrukturprojekte der Region läuft. Vom **6. Februar bis zum 10. Juli 2026** wird die rund 65 Kilometer lange

01.01.2026

Wohin mit dem Baum? Weihnachtsbaumsammlung 2026 in Leverkusen startet

Wohin mit dem Baum? Weihnachtsbaumsammlung 2026 in Leverkusen startet

Das Fest ist vorbei, die Geschenke sind ausgepackt und langsam fängt der Tannenbaum an zu nadeln. Wie in jedem Jahr stellt sich die Frage: Wann wird der Weihnachtsbaum eigentlich abgeholt? Wir haben alle Termine und wichtigen Infos für die Leverkusener Bezirke zusammengefasst. Es ist jedes Jahr das gleiche Spiel: Irgendwann zwischen Neujahr und Mitte Januar muss der Weihnachtsbaum weichen. Damit die ausgedienten Tannen nicht wild auf den Gehwegen liegenbleiben, startet in Leverkusen ab dem

05.01.2026

Bilanz der Silvesternacht Einsätze von Feuerwehr, Rettungsdienst und Kommunalem Ordnungsdienst

Bilanz der Silvesternacht Einsätze von Feuerwehr, Rettungsdienst und Kommunalem Ordnungsdienst

Leverkusen (ots) - Feuerwehr Insgesamt kam es zwischen dem 31.01.2025 07:30 Uhr und dem 01.01.2026 07:30 Uhr zu 44 Einsätzen für die Feuerwehr. Davon standen, insbesondere in der Zeit von 20:00 Uhr bis 3:00 Uhr, 27 Einsätze in direktem Zusammenhang mit den Ereignissen der Silvesternacht. Es handelte sich größtenteils um Brände von Mülltonnen und den Resten von Feuerwerksbatterien. Bei einem Einsatz brannte Unrat im Hauseingang eines Mehrfamilienhauses, dieser konnte aber schnell durch

01.01.2026

Geschwindigkeitskontrollen in Leverkusen in der kommenden Woche

Geschwindigkeitskontrollen in Leverkusen in der kommenden Woche

In der kommenden Woche vom 12.01.2026 bis 18.01.2026 finden folgende Geschwindigkeitskontrollen statt.Montag 12.01.2026 Auf der Grieße, Bensberger Str., Biesenbach, Bismarckstr., Borkumstr., Elbestr., Hamberger Str., Heymannstr., Lehner Mühle, Oderstr., Olof-PalmeStr., Sandstr., Solinger Str., Stixchesstr., Wiehbachtal, Wupperstr. Dienstag 13.01.2026 Am Scherfenbrand, Bensberger Str.

10.01.2026

Verkehrsinfos zum Heimspiel Bayer 04 Leverkusen gegen VfB Stuttgart

Verkehrsinfos zum Heimspiel Bayer 04 Leverkusen gegen VfB Stuttgart

Am kommenden Samstag, 10. Januar 2026, kommt es aufgrund des Heimspiels von Bayer 04 Leverkusen gegen den VfB Stuttgart in der BayArena zu massiven Verkehrseinschränkungen und Sperrungen im Nahbereich. Die Stadtverwaltung bittet alle Besucher dringend, öffentliche Verkehrsmittel, das Fahrrad oder den Fußweg zu nutzen, um Engpässe zu vermeiden. Wenn am Samstag um 18:30 Uhr das Spiel von Bayer 04 Leverkusen gegen den VfB Stuttgart in der BayArena angepfiffen wird, müssen sich Leverkuseneri

09.01.2026

Einsatz der Polizei in der Silvesternacht - vorläufige Einsatzbilanz für Köln und Leverkusen

Einsatz der Polizei in der Silvesternacht - vorläufige Einsatzbilanz für Köln und Leverkusen

Köln (ots) - Bis in den frühen Donnerstagmorgen (1. Januar) war die Polizei Köln in der Silvesternacht 2025/26 mit mehreren hundert Polizistinnen und Polizisten für die Sicherheit der Feiernden in Köln und Leverkusen im Einsatz. Bereits vor Mitternacht kam es insbesondere im Bereich der Rheinuferpromenade sowie an den bekannten Feier-Hotspots rund um die Kölner Ringe und das Zülpicher Viertel zu einem hohen Besucheraufkommen. Nach dem Jahreswechsel nahm die Zahl der Feiernden dort jedo

01.01.2026

-K Mann mit mehreren Stichverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert- Mordkommission nach Auseinandersetzung in Leverkuse

-K Mann mit mehreren Stichverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert- Mordkommission nach Auseinandersetzung in Leverkuse

Köln (ots) - Staatsanwaltschaft und Polizei Köln geben bekannt: Nach einer mutmaßlichen Auseinandersetzung am Mittwochabend (31.Dezember) in einer Gaststätte auf der Stixchesstraße in Leverkusen-Manfort ist ein Mann (33) mit mehreren Stichverletzungen im Oberkörper in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Einsatzkräfte versorgen den 33-Jährigen und legten ein Tourniquet (Aderpresse) an. Der Mann wird derzeit intensivmedizinisch versorgt. Lebensgefahr besteht aktuell nicht. Ersten Erke

01.01.2026

POL-RBK: Burscheid - Zwei Verletzte bei Frontalzusammenstoß

POL-RBK: Burscheid - Zwei Verletzte bei Frontalzusammenstoß

Burscheid (ots) - Gestern Abend (06.01.), um kurz vor 21:00 Uhr, ist es im Bereich der Straße Blasberg (K 2) zu einem Verkehrsunfall gekommen, bei dem zwei Personen verletzt worden sind. Unfallursächlich könnte unter anderem der Einfluss von alkoholischen Getränken und anderen berauschenden Mitteln gewesen sein. Eine 35-jährige Burscheiderin befuhr nach bisherigem Kenntnisstand mit ihrem Pkw der Marke Opel die Straße aus Richtung Nagelsbaum kommend bergauf in Richtung Paffenlöh. Ein 5

07.01.2026

Leverkusen bringt Schulentwicklung voran: Standorte werden neu geordnet, Qualität gesichert

Leverkusen bringt Schulentwicklung voran: Standorte werden neu geordnet, Qualität gesichert

Die Stadt Leverkusen reagiert auf den steigenden Bedarf an qualitativ hochwertigen Schulplätzen und plant weitreichende organisatorische und bauliche Maßnahmen. Ziel ist es, die notwendige hohe Qualität für gutes Lernen und eine gute Ausbildung zu gewährleisten und die Versorgung mit ausreichend vorhandenen Schulplätzen langfristig sicherzustellen. Dafür bringt die Stadtverwaltung eine entsprechende Vorlage zur Schulentwicklungsplanung und Bestandserhaltung, inklusive eines Sachstandsberi

07.01.2026

Brand mit Menschenrettung in Wiesdorf

Brand mit Menschenrettung in Wiesdorf

Leverkusen (ots) - Am 05.01.2025 um 05:56 Uhr wurde die Feuerwehr Leverkusen durch mehrere An-rufe über den Notruf 112 über einen Brand Erdgeschoss eines Gebäudes informiert. Aufgrund des Meldebildes wurden umgehend Kräfte beider Berufsfeuerwehrwachen, die Einheiten Wiesdorf und Bürrig der freiwilligen Feuerwehr, der Rettungsdienst sowie der Führungsdienst zur Einsatzstelle entsandt. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte wurde ein Feuerschein im Erdgeschoss festgestellt. Im weiteren Verlau

05.01.2026