Lernen auf dem harten Stein

Kinder der KGS Dönhoffstrasse sammeln für Mädchenschule in Pakistan

Archivmeldung aus dem Jahr 2001
Veröffentlicht: 03.06.2001 // Quelle: KGS Dönhoffstraße

Die Geschichte der Mädchenschule "Monika Girls High School" in Bagrot, im Norden Pakistans, begann mit einem Widerspruch. Einerseits ist das Bagrot-Tal eine Region, die seit langem von gebildeten Menschen wie Schriftstellern, Reisenden und Wissenschaftlern beiderlei Geschlechts aufgrund ihrer Lage inmitten des Karakorum Gebirges und seiner alten Traditionen bewundert wird. Andererseits ist in diesem Gebiet aber auch die Auffassung weit verbreitet, dass Bildung und die damit verbundene berufliche Perspektive, ein Vorrecht des männlichen Geschlechts ist. Dass sich dieses Bild in den letzten Jahren wandelte, ist dem Engagement von Monika Schneid zu verdanken, die Ende 1991 in Bagrot die "Monika Girls High School" in´s Leben rief.
Das Bagrot-Tal in Pakistan liegt nahezu im Mittelpunkt eines Drei-Länder-Ecks, das von Afghanistan im Nordwesten, China im Nordosten und Indien im Süden gebildet wird. Es ist eingerahmt von terrassierten Feldern, die von einem hochentwickelten Kanalsystem künstlich bewässert werden.
Bagrot wird von ca. 6.500 Menschen bevölkert, die dem schiitischen Glauben angehören. Die Bauern bauen Weizen, Mais, Kartoffeln, Tomaten und anderes Gemüse an, ernten Aprikosen und Nüsse und züchten Schafe, Ziegen und Rinder. Viele Familien haben kein regelmässiges Einkommen, aufgrund des Mangels an Erwerbs- und Ausbildungsmöglichkeiten.

Alte Traditionen werden bis heute erhalten, sie bieten den Wissenschaftlern Einsichten in die Vielfalt der regionalen Sprachen, in historische und geographische Besonderheiten. Doch sie sperren sich einem Wandel nicht. In diese Traditionen setzte Monika Schneid 1990 erstmals ihren Fuss. Sie erinnert sich: "Als Ethnologin, im interdisziplinären Forschungsprojekt ´Kulturraum Karakorum´, begann ich eine Feldforschung, zum Thema Kulturwandel. Frauen waren im Zentrum meines Interesses.
Als ich in Bagrot lebte, wurden Mädchen in Sachen Schulbildung vernachlässigt. Nur wenige Mädchen wurden privat unterrichtet und hatten die Lerninhalte der Grundschule bewältigt, ohne Zugang zu weiterführender Bildung zu haben."
Schneid führte viele private Gespräche mit jungen Frauen, die sich sowohl vor ihren Kindern für die fehlende Bildung schämten, als auch Sorgen hatten, in einer Ehe mit einem gebildeten Mann eine benachteiligte Position einzunehmen.
"All dies hat mich veranlasst", so Schneid weiter, "Ende 1991 die ´Monika Girls High School´ als eine kleine Nachbarschaftsinitiative auf den Weg zu bringen. In einer gemeinsamen Maßnahme mit meiner Gastgeberfamilie konnten 1992 zwanzig Mädchen von einem einheimischen jungen Mann unterrichtet werden."

Einen leichten Start hatte die Mädchenschule nicht. Die Ausstattung war karg. Auch heute noch ist das alte Schulgebäude sehr renovierungsbedürftig. Hinzu kam, dass die Reaktion der Eltern angesichts einer solcher Neuerung positiv betrachtet vorsichtig, allzu oft aber auch geprägt war von Misstrauen: Würde nun Faulheit und Ungehorsam Einzug halten? Doch die Schülerinnen bewiesen das Gegenteil: Sie erfüllen weiterhin ihre Pflichten im elterlichen oder schwiegerelterlichen Haushalt und nach Abschluss ihrer Schulausbildung engagieren sie sich für die Gemeinschaft, beispielsweise auf dem Gebiet der Gesundheitsfürsorge und als Lehrerinnen. Einige tragen mit ihrer Erwerbstätigkeit zu einem regelmäßigen Einkommen der Familie bei. Und so verwundert es nicht, dass sich die "Monika Girls High School" mit den Jahren einer zunehmend hohen Akzeptanz in der Bevölkerung erfreuen konnte. Bildung macht halt Unterschied!

Und der Stand heute? Schneid zieht Bilanz: "1999 betrug die Zahl der Schülerinnen 152 und bei meinem Besuch im Juni 2000 174 Mädchen. Unsere Bemühungen zeigten weitreichende Konsequenzen: Die Alten waren inzwischen bereit, sich für diese moderne Sache einzusetzen. Eine staatliche Mittelschule für Mädchen war mittlerweile im größten Dorf des Tals, in Farfui, auf Drängen der Bevölkerung eingerichtet worden und weitere Grundschulen in den kleineren Dörfern."
Ein Wermutstropfen bleibt aber noch: Obwohl die "Monika Girls High School" auf dem Gebiet der Ausbildung für Mädchen die treibende Kraft war und ist, wartet diese private Schule noch heute auf die staatliche Anerkennung. Doch Schneid ist zuversichtlich, dass auch diese Hürde bald genommen werden kann.
Trotz der positiven Veränderungen mangelt es jedoch noch an vielem: Erst im Oktober 1995 wurden die notwendigsten Reparaturarbeiten durchgeführt: Das Einsetzen von Scheiben und Fliegennetzen für die Fenster, die bis dahin notdürftig mit Pappe verkleidet waren, das Verputzen und Weißen der Innenwände, die Anschaffung von Öfen für die drei Klassenräume, der Kauf einer Wandtafel und das Ausbessern der Veranda, auf der bei Sonnenschein häufig der Unterricht abgehalten wird. Nach wie vor fehlt es an Lehrmaterialien und langfristig an einem neuen größeren Schulgebäude. All das und natürlich auch die Personalkosten müssen aus privaten Mitteln finanziert werden.
Und noch eins tut not: Nach wie vor sitzen die Mädchen während des Unterrichts auf dem Fußboden. Stühle, für unsere Verhältnisse selbstverständliche Einrichtungsgegenstände, fehlen. Damit auch dieser Missstand behoben wird, fällt am 16. Juni ab 11 Uhr auf dem Schulhof der Katholischen Grundschule (KGS) an der Dönhoffstrasse der Startschuss für die Veranstaltung "Kinder laufen für Kinder". Damit die sportliche Leistung in bare Münze umgesetzt und so einerseits die benötigten Stühle für Bagrot gekauft, andererseits aber auch notwendige Anschaffungen für die KGS ermöglicht werden, lassen sich die jungen Läufer von Eltern, Verwandten und Freunden "sponsern". Aber auch die Leverkusener Geschäftsleute haben eine Chance für das Projekt "Kinder laufen für Kinder" eine Patenschaft zu übernehmen.


Bei der Aktion kamen 10.848,82 DM zusammen
Sammlungsergebnis am Schuleingang (15 k)

Anschriften aus dem Artikel: Albert-Einstein-Str 58, Alte Landstr 129

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